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  • 13. Mai 2005, noch kein Kommentar

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan: In "The Hanging Garden" verdreht ein süßer Typ seinem Ex-Lover den Kopf.

Von Micha Müller

Gleich mit seinem ersten Film "The Hanging Garden" gelang Regisseur Thom Fitzgerald 1997 ein großer Wurf. Der Film wurde mit mehreren begehrten Filmpreisen ausgezeichnet, unter anderem gewann er den Publikumspreis auf dem Filmfest von Toronto. Dabei ist sein Filmdebüt nicht gerade das, was man als "leichte Kost" bezeichnen würde. Die Handlung spielt sich auf verschiedenen Zeitebenen ab, wird teilweise von symbolhaftem Surrealismus durchzogen und zeichnet auf diese Weise das komplexe Bild eines schwulen Mannes, der sich mit seiner verschrobenen Familie auseinandersetzen muss.

Als kleiner Junge, dick und von zahlreichen Ängsten und Neurosen geplagt, wurde William von seinem Vater mit einem Wechselbad aus Liebe und brutaler Ablehnung drangsaliert. Seine Großmutter erwischte ihn bei sexuellen Spielchen mit seinem besten Freund Fletcher, woraufhin seine Mutter William zu sexuellen Erfahrungen mit einer Frau aus dem Ort nötigte. Nur Rosemary, seiner Schwester, konnte sich William anvertrauen.

Nun, nach zehnjähriger Abwesenheit von Zuhause, kehrt William heim. Aus dem pummeligen Jungen ist ein 25-jähriger, attraktiver Mann geworden. Anlass seiner Rückkehr ist die Hochzeit von Williams Schwester: Rosemary heiratet ausgerechnet seinen Jugend-Freund Fletcher. Diesem ist es in all den Jahren nicht gelungen, sich sexuell eindeutig zu positionieren, und so beginnt es bald wieder zwischen den beiden zu knistern. William wird immer wieder mit Bildern aus seiner Vergangenheit konfrontiert: Unter anderem sieht er, wie er sich als kleiner Junge an einem Baum im heimischen Garten erhängt hat. Seltsamerweise können auch seine Familienmitglieder die Leiche sehen, die scheinbar nach all den Jahren noch immer an dem Baum hängt. Williams Heimkehr führt schließlich dazu, dass einige düstere Familiengeheimnisse ans Tageslicht kommen...

"The Hanging Garden" ist eine erfrischende Alternative zu den vielen anderen, immer gleich erzählten Geschichten, die in den letzten Jahren die schwule Leinwand erobert haben. Herrlich schräg, in schöne Bilder gefasst und von tollen Schauspielern getragen. Dabei steht nicht die Handlung im Vordergrund, sondern es sind die sympathisch und lebensnah gezeichneten Figuren, die den Reiz des Films ausmachen. Es macht Spaß zuzusehen, wie sich die Protagonisten im Laufe der Jahre verändert haben, und wie Fletcher, der frisch gebackene Ehemann, beim Anblick des attraktiven William ganz schön ins Schwitzen gerät. Die DVD von Pro-Fun enthält die deutsche und englische Sprachfassung, bis auf einen Trailer aber leider keine Extras.

13. Mai 2005