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Gastkommentar

Stoppt die Trolle in unserer Community – auch von links!

Ob bei der "Dyke out"-Diskussion in Berlin oder bei Veranstaltungen über Israel – vermehrt werden vermeintliche Gegner niedergebrüllt. Till Amelung fordert, dies nicht länger hinzunehmen.


Protestaktion von "Berlin Against Pinkwashing" beim schwul-lesbischen Stadtfest 2016 (Bild: activestills.org)

Veranstaltungen oder auch politische Aktionen sind in LGBT-Communities derzeit kein leichtes Geschäft. Gerade in Berlin, wo politische Szene-Zusammenhänge breit gefächert sind, werden Konflikte darüber ausgetragen, wer als berechtigt anzusehen ist, zu welchem Thema wann zu sprechen oder überhaupt etwas zu machen.

Im letzten Herbst gab es einen erbitterten Konflikt um die "Dyke out" – eine Podiumsdiskussion zum Thema lesbische Sichtbarkeit mit anschließender Party – der auch über Berlin hinaus wahrgenommen wurde. Der Auslöser für diesen Konflikt kam von queerfeministischen Berliner Aktivist_innen, die sich darüber echauffierten, dass unter anderem die Rapperin Sookee als Podiumsgast für die Diskussion eingeladen wurde.

Sookee sei, so die Empörten, transfrauenfeindlich, weil sie in ihrem Lied "If I had a dick" einen Penis mit aggressiver Männlichkeit gleichsetzen würde und auch noch Gedanken vorträgt, wie sie selbst sich verhalten würde, wenn sie einen Penis hätte. Damit würde Sookee sich respektlos gegenüber trans* Frauen zeigen, die einen Penis haben, weil sie über eine Situation phantasiere, die sie nicht betrifft.

Hört man sich jedoch das Lied an oder liest zumindest die Lyrics, so ist an keiner Stelle explizit die Rede von trans* Frauen. Vielmehr kritisiert dieses Lied Dominanzgesten von Männern im Patriarchat, die sich auch im Umgang mit dem Penis beim Sex widerspiegeln.

Wüste Schmähungen statt Argumente

Alle, die die Sichtweise der Empörten nicht teilten, wurden mit wüsten Schmähungen überzogen. Lesbische Frauen und trans* Menschen, die sich um eine sachliche Auseinandersetzung bemüht haben, wurden unter anderem als "hässliche Kartoffeln" beschimpft. Die Gegenseite hielt es nicht für nötig, sich mit Argumenten und anderen Sichtweisen auseinanderzusetzen. Stattdessen wurden sachliche Diskussionsteilnehmer_innen pauschal verunglimpft, einigen wurde im Verlauf sogar geschrieben, sie sollten doch sterben gehen.

Interessanterweise äußerten auch andere trans* Menschen, dass sie die Vorwürfe der Angreifer_innen nicht teilen können und den Umgang im Konflikt unangemessen finden. Anstatt innezuhalten wurden diese trans* Menschen jedoch als Verräter_innen beschimpft. Sookee zog ihrerseits die Konsequenz und sagte die Teilnahme ab. Die "Dyke out" fand dann ohne Sookee statt, dafür besuchten einige der Empörten die Veranstaltung und störten die Diskussion wiederholt mit verächtlichem Lachen, Beleidigungen und Zwischenrufen.

Im Nachgang boten SchwuZ und Schwules Museum* in Kooperation mit Interessenvertretungen von trans* Personen Veranstaltungen an, in denen die Empörten ihre Sicht ausführlich besprechen und ihre Vorwürfe der Transfrauenfeindlichkeit wiederholen durften. Die von ihnen ungehemmt ausgelebte Aggression wurde von niemandem mehr als thematisierungswürdig angesehen.

Vortrag zum Thema "Pinkwashing" gestört

Nun gab es am 20. Januar wieder eine Kontroverse in Berlin – dieses Mal um einen Vortrag zum Thema "Pinkwashing Israel". "Pinkwashing" ist eine Chiffre, mit der vor allem Israel vorgeworfen wird, sich mit seinen Fortschritten bei der gesellschaftlichen Anerkennung von Homosexuellen nur deshalb zu schmücken, um von Menschenrechtsverletzungen in den palästinensischen Gebieten abzulenken. Zudem werde die Situation von LGBT in den muslimischen Nachbarstaaten Israels unangemessen schlecht dargestellt.

Anliegen des Vortrags war es, das antisemitische Fundament des Argumentationskomplexes "Pinkwashing" aufzudecken und dafür zu sensibilisieren. Auch die Amadeu-Antonio-Stiftung ordnet "Pinkwashing" als antisemitisch ein. Dies ist auch deshalb nicht von der Hand zu weisen, da die "Pinkwashing"-Fraktion merkwürdigerweise still war, als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den neuen US-Präsidenten Donald Trump nach der Wahl ermahnte, die Rechte von LGBT zu achten. Dabei verhindert gerade Merkels "Bauchgefühl" derzeit die "Ehe für alle". Nicht zuletzt gebietet es auch die deutsche Vergangenheit, sich kritisch mit theoretischen Konstrukten auseinanderzusetzen, die das giftige Gerede von der "jüdischen Weltverschwörung" wieder salonfähig machen können.

"Pinkwashing"-Aktivist_innen jedoch forderten, dass der Vortrag entweder abgesagt wird oder sie auch mit auf das Podium dürfen, weil der Vortrag sonst ohne die Sicht "Betroffener" stattfände. Außerdem müsse ganz dringend für englische Übersetzung gesorgt werden. Einige von ihnen kamen zum Vortrag und störten immer wieder mit lautem Gelächter und Zwischenrufen. Als sich ein muslimischer Veranstaltungsteilnehmer äußerte und die oftmals schwierige Lage für LGBT in Israels Nachbarländern bestätigte, wurde er von den "Pinkwashern" niedergebrüllt.

Auch diesem Mob wurde vom Veranstalter ein Angebot gemacht, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt das Thema aus ihrer Sicht aufarbeiten dürfen, was sie jedoch nicht konstruktiver gestimmt hat. Im Gegenteil: sie griffen später noch eine Teilnehmerin an, obwohl diese sich gar nicht an der Diskussion beteiligt hatte, wovon sie in ihrem Blog berichtete.

"Betroffenheit" ist kein Freibrief

In beiden geschilderten Fällen – "Dyke out" und "Pinkwashing"-Vortrag – fühlte sich jeweils eine Gruppe von Aggressor_innen berufen, aufgrund vermeintlich angenommener Diskriminierungen gewaltvoll zu stören. Sie beriefen sich allein auf ihre "Betroffenheit" als Legitimation und ignorierten geflissentlich, dass sie selbst in ihren eigenen Peergroups mit ihren Ansichten nicht unumstritten sind, sondern attackierten auch noch Peers, die sich konträr zu Wort meldeten. "Betroffenheit" wird hier als Freibrief verstanden, das patriarchale Gewaltmonopol lediglich umzuverteilen, anstatt zu überwinden.

Wären die Aggressor_innen weiße, deutsche, heterosexuelle Cis-Männer gewesen, so wüssten alle, was zu tun ist: ihre Forderungen in den Spam-Ordner stecken, ihnen Hausverbot erteilen, sie in sozialen Netzwerken blockieren. Stattdessen lässt man es aber bei diesen "Betroffenen" zu, dass sie Plattformen der LGBT-Community dafür benutzen, um zu zerstören.

Dabei brauchen wir in Zeiten des rechtskonservativen Backlash unbedingt Podien, wo wir uns in unserer Heterogenität austauschen, sammeln und kluge theoretische Fundierungen entwickeln können, die uns wehrhaft machen. Diese dekonstruktiven Attacken Selbstermächtigter zerstören jedoch nur jegliches Fundament unserer Community.

Wenn wir das nicht mehr zulassen wollen, müssen wir sie wie jede andere Gruppe auch behandeln, die es im Kern nur auf Zerstörung abgesehen hat – wir müssen ihnen Grenzen setzen. Ansonsten opfern wir noch vorhandene politische Organisationsfähigkeit einer Horde Trolle, die nichts außer einer Trümmerlandschaft hinterlässt.

Vimeo / Alessandra | Video vom "Pinkwashing"-Vortrag von Frederik Schindler im SchwuZ, "Diskussion" ab 01:04:00)



#1 la_passanteAnonym
  • 28.01.2017, 08:46h
  • _Nicht_betroffenheit ist erst recht kein Freibrief, lieber Autor. Ich finde vor allem anderen unerträglich, wie ständig, gerade unter LGBTI-Personen, von Nichtbetroffenen ungefragt herumge-splaint wird. Das Sprechen in der ersten Person ist zu akzeptieren und zu respektieren! Auch und gerade, wenn es um Diskriminierungen geht.
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#2 GabiGutAnonym
  • 28.01.2017, 08:50h
  • Solange es nicht einmal erlaubt ist, dass Schwule ihre z.T. berechtigte Angst vor homophoben, meist jungen Migranten äußern (da hat ja zum Beispiel die Direktorin des Schwulen Museums deutlich gemacht sie dürfe das pauschal verneinen), weil da angeblich Minderheiten gegen Minderheiten aufgehetzt würden, solange es derartige Maulkörbe gibt, so lange muss ich niemand wundern wenn die zum Stillsein aufgeforderten Menschen (hier Trolle genannt) ihren Protest darüber in der genannten Form äußern. Diese als Trolle zu bezeichnen zeigt dabei nur, dass man Andersdenkenden das Recht darauf sich zu äußern abschlägt und sich wünscht, mit der eigenen Meinung den Alleinvertretungsanspruch zu haben. DAS aber ist weder fair noch demokratisch! Im Übrigen sollten speziell die Szene-Homosexuellen die bislang immer schön brav das nachkauen, was ihnen ideologisch von ihren Vereinen, Gruppen etc. in ihrer Community vorgekaut wird, da mal genauer unter die Lupe genommen werden. Diese schreien vielleicht Leute nicht auf Diskussionen an, aber sie behandeln alle die nicht Im Mainstream in ihrer Szene mitschwimmenden nicht anders als hässliche Kartoffeln: Asiaten, Menschen jenseits des Normalmaßes, Alte, Positive uvm...Es ist mehr als bigott andere als Trolle zu bezeichnen, solange man in einem Meer von Trollen unterwegs ist, in dem die Schwanzgröße und das Sixpack in der Regel wichtiger sind als politisch faires Handeln. Zuletzt: die einen reden über Pinkwashing, die Mehrheit der Nachkauer besucht gern Israel um dort zu feiern und das Schwulenleben dort zu genießen. Einfach mal drüber nachdenken, inwiefern es nicht mal kritischer Nachfragen bedarf, wieso viele Schwule dorthin fahren und sich dabei so gar nicht darum scheren, was in dem Land politisch passiert. Dieses Wegsehen ist viel schlimmer als die Kritik die hier runtergeredet werden soll. Denn es ist wichtig auch Israel zu beobachten in Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten. Denn diese sind universell, genauso wie die Freiheit zu Kritik!!!
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#3 BM50374Anonym
  • 28.01.2017, 08:51h
  • Der Autor will, so glaube ich, das richtige sagen, ist aber selbst schon so in seiner Scheinwelt gefangen, dass er seine klaren Gedanken vor lauter rhetorisch-politischer Korrektheit nicht rüber bringen kann.

    Bleibt einfach mal alle auf dem Boden. Entspannt Euch. Redet so, dass Euch Eure Oma versteht. Dann klappt es auch.

    Und nur, weil jemand schön durchgegendert Reden kann, heißt das nicht, dass es ein guter Mensch ist. Extremist*Innen bleiben Arschlöcher. Auch mit _*.
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#4 AnonAnonym
  • 28.01.2017, 09:45h
  • Warum verschweigt der Autor, dass es sich bei den Kritikern und Kritikerinnen der Veranstaltung im Schwuz zu großen Teilen um jüdische israelische Queers handelte, die empört waren, dass ihre Erfahrungen in einem Community-Ort für nicht diskussionswürdig verurteilt wurden? Sie wurden teilweise am Eingang schon verwarnt, bloß keinen Ärger zu machen und durften sich auf der Veranstaltung von Täterenkeln anschnauzen lassen, dass es ihr Problem sei, wenn sie kein Deutsch könnten und sie dann eben eigene Veranstaltungen organisieren müssten.

    Respektvoller Umgang sieht anders aus, ordentliche journalistische Arbeit auch.
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#5 FloFloFloAnonym
  • 28.01.2017, 09:46h
  • Danke für den Kommentar. Danke an die Kommentatoren die dieses unsägliche Verhalten rechtfertigen und toll auch in einem Kommentar Menschen die anderer Meinung sind als Arschloch zu bezeichnen, schöne neue Welt. Da der weisse CIS Mann sowieso das böse ist, freie Meinungsäußerung in der LGBTetc. durch ein paar Radikale niedergemacht und sowieso alle die fertig gemacht werden die die neue schöne LGBTetc. nicht hochjubeln kann ich persönlich für mich nur eine Konsequenz ziehen. Ich will nichts mehr mit dieser Welt zu tun haben, werde mich weder einbringen politisch noch CSD besuchen. Diese Radikalen machen alles Kaputt was sich verdiente Organisation erreicht werden. Von meinen muslimischen Nachbarn werde ich akzeptiert genauso von christlich geptägten Familien, CIS Proletten aber in der Szene ist das anders. Good Bye und ergötzt euch an eurer selbstauferlegten Moral und vielleicht reflektiert ihr mal euer Verhalten ob es sich nicht rechten annähert.
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#6 markusbln11Anonym
  • 28.01.2017, 10:25h
  • Es ist fantastisch zu sehen, wie die deutsche lgbt-community ein abbild der heutigen westlichen gesellschaften und ihrer kommunikativen UN-tugenden ist. Gefragt sind superlative, ausgrenzung und wegsehen, oder falls erforderlich - aufpeitschen. Und alles extrem, schocking, provozierend. NICHT inklusiv, nein - exklusiv.

    Die fehlende interne bereitschaft, andere meinungen zu akzeptieren und sich ständig provozierend in den vordergrund spielen, erinnert mich an das fiasko der bethovenhalle. Von diesem eklat zu beginn der 1980er bis zum höhepunkt der aids-krise war die homo-bewegung nicht mehr wirklich kampagnenfähig. Ein stillstand bei der durchsetzung unserer bürgerrechte trat ein.

    Wer dies wieder erreichen will, der soll einfach so weitermachen, andere niederbrüllen, veranstaltungen sprengen, ausgrenzen. Keine bereitschaft zur diskussion und für kompromisse zeigend. Der erfolg wird euer sein, hoecke und co jubelieren schon jetzt.

    A propos - und noch heute schaffen wir es nicht, einen zentralen csd zu organisieren. Fragt sich nur, warum?Einfach zuviel egoismen, zu wenig aufeinander zugehen!!
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#7 Dennis
  • 28.01.2017, 10:46h
  • Diese dekonstruktiven Attacken Selbstermächtigter zerstören jedoch nur jegliches Fundament unserer Community.

    Diese Uneinigkeit, diese fehlende Basis eines kleinsten, gemeinsamen des uns alle verbindenden Nenners, ist das grundsätzliche Problem der "Community".

    Statt die Vielfalt in der Einheit zum Ausdruck zu bringen, gibt es innerhalb der Community unzählige Gruppen die auf ihrer Besonderheit beharren. Anders ausgedrückt: Solange das was uns trennt ( das beharren auf individuellen Eigenschaften von Einzelnen wie auch Grüppchen) stärker ist als das was uns verbindet (Tja was könnte das auf den Gesellschaftlichen Kontext bezogen, wohl sein) werden wir nicht als Einheit die besonders im Kontext zur Aussenwirkung als Stärke wahrgenommen werden.

    Und ja es gibt Regeln. Keine Gewalt. Dazu gehört nun mal aggressives verbales Verhalten <-> weil es Menschen verletzt.
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#8 schwarzerkater
  • 28.01.2017, 10:57h
  • "Sookee sei, so die Empörten, transfrauenfeindlich, (...) weil sie über eine Situation phantasiere, die sie nicht betrifft."
    tja, wer so argumentiert, der kann sich aktuell gleich den islamisten anschließen und malerei, musik und darstellende kunst verbieten. die freiheit der kunst muss/darf verletzen und anecken. wer das nicht aushält, hat das grundgesetz nicht kapiert.
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#9 MarekAnonym
  • 28.01.2017, 11:03h
  • >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    Anliegen des Vortrags war es, das antisemitische Fundament des Argumentationskomplexes "Pinkwashing" aufzudecken und dafür zu sensibilisieren. Auch die Amadeu-Antonio-Stiftung ordnet "Pinkwashing" als antisemitisch ein.
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    Da kann ich mich nur anschließen!

    Es gibt eine Gruppe von Leuten, die (aus welchen Gründen auch immer) bei Israel immer nur das schlechte sehen und die umliegenden Staaten hochjubeln.

    Ja, Israel tut sicher manches, was kritikwürdig ist und das soll man dann auch sachlich kritisieren. Aber deshalb braucht man nicht die Dinge, die in Israel gut laufen, schlecht zu reden. Und man darf auch nicht ignorieren, dass die umliegenden Staaten auch eine Menge Scheiße bauen.

    Wenn man in einem Staat lebt, wo ständig Attentate passieren, wird man vielleicht auch härter in den Forderungen.

    Und man darf auch nie vergessen, dass Israel halt als freiheitlich-demokratischer Staat (der einzige in der Region) eine großen Pluralismus kennt. Da gibt es mindestens so viele Bürger, die die Politik der Regierung kritisieren wie es Bürger gibt, die sie gutheißen.

    Man darf nicht vergessen, dass Israel der einzige Staat weit und breit dort in der Region ist, wo LGBTI offen leben können. Das muss man auch einfach mal anerkennen, auch wenn es in anderen Bereichen kritikwürdige Dinge gibt.

    "Pinkwashing" ist ein Kampfbegriff, der eigentlich die Auszeichnung als Unwort des Jahres verdient hätte. Denn es versteckt puren Antisemitismus hinter einer Fassade angeblicher Betroffenheit über Israels Siedlungspolitik.

    Es gibt kein Pinkwashing! Es gibt LGBTI-Rechte, die unterschiedlich stark eingehalten werden oder eben nicht. Und es gibt andere Politikfelder, wo es Kritik geben kann oder nicht. Aber das eine hat mit dem anderen erst mal nichts zu tun und man kann das eine loben und gleichzeitig das andere kritisieren. Wenn es Leute gibt, die nur in Schwarz-Weiß denken können (oder vielleicht sogar schon ziemlich radikalisiert sind) und die zu solch differenzierter Sichtweise nicht fähig sind, ist das deren Problem, aber kein angebliches "Pinkwashing" Israels.

    Ansonsten empfehle ich jedem den Spielfilm Familie verpflichtet, wo sich ein Jude und ein arabischstämmiger Mann ineinander verlieben. Kann es nicht einfach egal sein, wo jemand her kommt, welcher Ethnie er angehört, etc.?
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#10 Shinkaishi
  • 28.01.2017, 11:09h
  • Es ist ziemlich egal wo, gegen wen und in welcher Weise, sobald es dorthin kommt, dass man Versucht, Leute am Reden zu hindern statt gegen sie zu argumentieren, haben wir ein großes Problem.

    Zugegeben, ich würde eine Rapperin, die auf das Vorhandensein eines Penis allerlei Übrl projeziert wahrscheinlich genauso ablehnen und kritisieren, senn auch aus anderen Gründen, aber das ändert nichts daran, dass sie nuneinmal das Recht hat, zu sarn was sie sagen will.

    Kritisiert die Leute, steht zu Q&As auf und versucht, eure Gegenposition hereinzubringen, spottet meinetwegen, zieht sie ins Lächerliche, demonstriert dagegen, aber der Versuch, mit Gewalt andere zum Schweigen zu bringen ist nicht aktzeptabel!

    Ich habe wirklich keine Lust, dass wir dann auch in Deutschland Vorträge von unliebsamen Sprechern haben, die gewaltsam attackiert, verbarrikadiert oder sonstwie gestört werden.

    Können wir nicht aus unserer eigenen Geschichte lernen, dass diese Art von Ausgrenzung derer, die nicht ins eigene Weltbild passen und die Dämonisierung von jenen, die "das Falsche denken" uns ganz schnell dorthin zurückführt, von wo wit mit viel Mühe weg gekommen sind?

    Und wo wir beim konservativen Rollback sind, ist allen denn bewusst, dass in vielen Teilen der "linke Flügel" gerade dabei ist, mit der Ablehnung von Redefreiheit und dem Dämonisieren von großen Bevölkerungsgruppen als ganzes, eben jenen Konservativen das Feld und damit eben auch leute zu überlassen?

    Die Situation von LGBT ist heutzutage besser, als sie es wahrscheinlich jemals zuvor war, hövhst wahrscheinlich auch besser als in den Kulturen, die Homosexualität oder Transsexualität in bestimmten Formen gesellschaftlich aktzeptierten (denn hier wurden eben auch oft nur bestimmte Rollen und Muster wirklich akzeptiert).
    Eigentlich sollte unser Diskurs daher bestimmt aber zivil sein und nicht darin bestehen, andere unter Generalanklage zu stellen.
    Gegner von LGBT-Rechten haben heute praktisch nichts mehr in der Hand, sie werden gesellschaftlich auch immer weniger akzeptiert.
    Man sollte ihnen nicht durch solches Verhalten neue Dinge an die Hand geben, die sie dann benutzen können.
    Die Gegner sollen sich durch ihre politischen Äußerungen deklassieren, nicht wir!
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