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Griechenland

Gericht: Queeres Museum "verbreitet Homosexualität"

Das "Athens Museum of Queer Arts" (AMOQA) wurde nach einem homophoben Richterspruch nicht als Verein anerkannt – dabei ist das Projekt auch Gastgeber der deutschen Documenta-Ausstellung.


Um Geld in die Kassen zu bekommen, verkauft das Museum jetzt Stoffbeutel mit einem Zitat aus dem Urteil des Athener Regionalgerichts: "AMOQA verbreitet Homosexualität" (Bild: AMOQA)

"Das Urteil ist einfach bizarr", sagt Fevos Dousos. Der 27-jährige Grieche ist Teil des Gründer-Teams von AMOQA, dem Athener Museum für Queere Kunst. Um offiziell Fördergelder beantragen zu können, wollte Dousos einen Verein für das Projekt gründen. Jetzt wurde der Antrag vom Regionalgericht in Athen abgelehnt. Die Begründung: Das Museum "verbreitet Homosexualität" und verfolge "geheime kommerzielle Interessen". Außerdem verstoße es gegen "die guten Sitten und die öffentliche Ordnung".

Im Gespräch mit queer.de stellt Dousos nun fest: "Mit so einem Richterspruch hatten wir nicht gerechnet." Schließlich gebe es in Griechenland tausende Initiativen, die anerkannt seien, obwohl sie nicht mal gemeinnützige Ziele verfolgen würden. "Dem Gericht sollte keinen Verdacht über unsere Entschlossenheit hegen, dass wir Homosexualität fördern wollen. Es sollte sich dieser absolut sicher sein", heißt es in einer Stellungnahme auf der Facebook-Seite des Museums.


Vernissage im Museum (Bild: AMOQA)

Der stellvertretende Bürgermeister von Athen, Leftheris Papagiannakis, war ebenfalls nicht mit dem Urteil einverstanden. "Leider ist es nicht das erste Mal, dass das Gericht eine solch konservative Entscheidung trifft", sagte er auf telefonische Nachfrage. "Ehrlich gesagt ist Griechenland nicht das progressivste Land."

Deutsche Stiftung hatte die Gründung gefördert

Dabei ist das Projekt noch gar nicht so alt: Erst im Mai 2016 schloss sich Dousos mit vier anderen Aktivisten zusammen, er hatte die Idee für den Namen AMOQA. Sie mieteten eine Wohnung im Athener Viertel Petralona, die sie zu einem Veranstaltungsraum umbauten. An der Tür gibt es kein Schild, drinnen ist die Einrichtung eher schlicht gehalten. Denn hier soll die kleine LGBTI-Community in Athen einen Raum finden, den sie für jeden Anlass nutzen kann.

Mehrere Aktivisten-Gruppen halten hier regelmäßig ihre Versammlungen ab, Kunstprojekte stellen aus, manchmal findet eine Party statt. Vorträge zur Geschichte des Feminismus und zur Queer Theory wurden auch schon in diesen Räumen gehalten. "Wir konzentrieren uns aber auf Ausstellungen und queere Kunstprojekte", sagt Dousos. Als nächstes sei geplant, ein Archiv zu schaffen, das queere Filme aus Griechenland sammelt.


Für das AMOQA wurde eine Wohnung im Stadtteil Petralona angemietet (Bild: AMOQA)

Die Gründung des Projekts wurde im vergangenen Jahr von der deutschen Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Die Aktivistin Maria Mitsopoulou erhielt im Rahmen des "Start"-Programms 10.000 Euro. Das Stipendium soll "aufstrebende Kulturmanager in Griechenland" unterstützen. Das Goethe-Institut in Thessaloniki kooperiert ebenfalls mit den Stipendiaten.

Im vergangenen Jahr war AMOQA dann auch Gastgeber für einige Veranstaltungen des Vorab-Festivals "34 Freiheitsübungen" zur deutschen "Documenta 14". Die Haupt-Ausstellung des Festivals für zeitgenössische Kunst wird im April 2017 eröffnet, zum ersten Mal in Athen.

Geld soll jetzt über Crowdfunding kommen

Doch nach dem ablehnenden Urteilsspruch steht die Finanzierung im neuen Jahr auf wackligen Beinen. Denn eigentlich wollten die Aktivisten nun als offizieller Verband eine Förderung bei Stiftungen beantragen, um die laufenden Kosten bezahlen zu können. "Die Miete für den Raum zusammen zu bekommen, ist jeden Monat eine Kraftanstrengung", sagt Dousos. Ein Crowdfunding soll vorübergehend neues Geld einbringen.


Das Museum konzentriert sich auf Ausstellungen und queere Kunstprojekte (Bild: AMOQA)

Solidarische Unterstützung gab es zumindest Anfang Januar aus der Athener Szene. Auf einem Empfang kamen viele Aktivisten im Museum zusammen. So kommentierte dort George Kounanis von der Menschenrechtsorganisation Griechischer Helsinki-Monitor: "So eine Gerichtsentscheidung erinnert uns an mittelalterliche Zeiten." Nikos Mylonas, Gründer einer Initiative von Regenbogenfamilien, die sich regelmäßig in den Räumen von AMOQA trifft, zeigte sich empört: "Jeder griechische Bürger sollte vom Staat unterstützt werden, egal ob man schwul, lesbisch, transsexuell oder etwas anderes ist."

Am Ende des Abends war allen klar: Der homophobe Urteilsspruch solle zumindest zu etwas gut sein. Also verkauft die AMOQA-Gruppe jetzt auf Spendenbasis bedruckte Stoffbeutel: "AMOQA verbreitet Homosexualität", steht dort auf Englisch. "Sagt das Regionalgericht von Athen."



#1 markusbln11Anonym
  • 28.01.2017, 11:04h
  • Nur mal kurz gefragt.

    Was sind eigentlich unsere so häufig bewegten gemeinsamen europäischen werte, etwa gesellschaftlichen minderheiten das recht verwehren, auf dass sie ihre identität auch leben können?

    Und darunter fallen unter anderem neben ethnischen minderheiten, glaubensminderheiten eben
    auch sexuelle minderheitrn, .

    Und was meint die griechische jurisprudenz: Sexuelle minderheiten haben kein recht auf identität. Sexuelle minderheiten dürfen öffentlich nicht wahrnehmbar sein. Dies sei dann nämlich unzulässige werbung.

    Das erinnert mich doch sehr an andere wertegeneinschaften, denn jene des demokratischen europa. Die orthodoxen patriarchate von moskau und konstantinopel grüssen schön.
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#2 MarekAnonym
  • 28.01.2017, 11:05h
  • Wie kann eine Ausstellung "Homosexualität verbreiten"? Die sexuelle Orientierung und Identität wird ganz sicher nicht durch eine Ausstellung beeinflusst. Und es muss ja da auch niemand reingehen, der das nicht will.

    Das erinnert ja schon sehr an das russische Verbot von Regenbogenflaggen, die angeblich für Homosexualität werben...
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#3 Julian SAnonym
  • 28.01.2017, 11:17h
  • Aus der griechischen Haltung spricht die typisch griechische christlich-orthodoxe Gesinnung. Die griechische Orthodoxie ist keinen Deut besser als der Katholizismus.

    Wie immer sind es religiöse Fanatiker, die demokratische Grundrechte missachten, andere Meinungen nicht ertragen können und anderen ihren Willen aufzwingen wollen.
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#4 Patroklos
#5 HubbiAnonym
  • 28.01.2017, 13:07h
  • Hilfreich wäre in dem Artikel ein Hinweis gewesen, ob das Urteil rechtskräftig ist oder ob es noch angefochten werden kann.

    Und wäre hier auch eine Anrufung des Menschengerichtshofs in Straßburg möglich gewesen?

    In solchen Fällen sollte man alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 28.01.2017, 15:25h
  • Antwort auf #1 von markusbln11
  • "Und was meint die griechische jurisprudenz: Sexuelle minderheiten haben kein recht auf identität."

    Da meint sie wohl.

    Das heißt in dem Fall auch:

    Diese furchtbaren Juristen kennen ihre eigene Kultur nicht.

    Pseudo-Hellenen - balkanisch verbauert.
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#7 RobinAnonym
  • 28.01.2017, 16:16h
  • Dass die EU bei offener Homophobie in ihren Mitgliedsstaaten tatenlos wegsieht, sagt sehr viel über den Zustand der EU, die mal als Wertegemeinschaft für ALLE Bürger gedacht war und sich jetzt nur noch irgendwie von Krise zu Krise rettet.
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#8 markusbln11Anonym
  • 28.01.2017, 18:19h
  • Antwort auf #7 von Robin
  • Nun, genau hier sehe ich reformbedarf.

    Europa gepusht auch durch das deutsch-französische tandem und in der person des/r nächsten deutschen kanzlers / in muss moderner, also mithin demokratischer und effizienter werden.

    Weiterentwicklung der EU zu einer wirklich tragfähigen gemeinschaft auch für soziale sicherheit und menschenrechte, so sollte der slogan heissen.

    Ich hoffe, im wahlkampf werden wir dazu bereits etwas hören, von herrn schulz und frau merkel, auch herrn özdemir vielleicht.
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#9 kuesschenAnonym
  • 29.01.2017, 14:34h
  • Tja, auch da sind wieder die griechisch-orthodoxen Religionsfanatiker im Spiel, die mit ihrer Homophobie die Gerichtsbarkeit beeinflussen wollen. Die griechische Geschichte stellt sich doch gerne als "Wiege der Demokratie" hin.
    Aber davon ist in dem gesprochenen Urteil leider nichts herauszuhören.

    Außerdem sehe ich darin einen Verstoß gegen die Kunstfreiheit.

    Dort, wo homosexuelle Liebe und Partnerschaft in der Kultur abgelehnt oder gar wie in der Geschichte kriminalisiert wurde, da tritt immer eine faschistische Gesinnung hervor.
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