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Bermuda-Dreieck

Köln: Mann sticht auf Türsteher von LGBTI-Szenebar ein

Der 21-jährige Täter, dem Einlass in das "Iron" verwehrt worden war, stellte sich am Sonntagmorgen der Polizei. Rechte missbrauchen die Tat für Hetze gegen Flüchtlinge.


Die Kölner Polizei gab erst am Sonntagmittag weitere Details zu dem Vorfall im "Iron" bekannt (Bild: Maik Meid / flickr)

Dem Artikel folgen mehrere Updates

In der Nacht zum Samstag ist es in einer bei Lesben wie Schwulen beliebten Bar in der Kölner Schaafenstraße zu einer Gewalttat gekommen. Wie der Kölner "Express" berichtet, habe gegen ca. 4.30 Uhr ein Mann mehrfach auf einen Türsteher eingestochen.

Ein Mann sei mit einem Gegenstand, wahrscheinlich einem Messer, verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden, bestätigte ein Polizeisprecher am Samstag gegenüber queer.de. Die Verletzungen seien aber nicht lebensgefährlich.

Der Täter konnte fliehen, vor Ort wurden Zeugen vernommen. Am Sonntag wollen die Beamten eine Pressemitteilung zum Ermittlungsstand herausgeben. Eine nähere Täterbeschreibung machte die Polizei zunächst nicht.

Bei der Bar soll es sich um das "Iron" handeln. Diese war am Samstagnachmittag zunächst nicht zu erreichen, auf der Facebook-Seite der von einem Frauenpaar betriebenen Kneipe finden sich noch keine Hinweise auf den Vorfall. (nb)

 Update  20.35h: "Iron" bestätigt Angriff auf Mitarbeiter

Das "Iron" hat inzwischen eine Botschaft auf Facebook veröffentlicht: "Liebe Freunde, leider ist Milad (ihr kennt Ihn alle, unser Mann an der Tür) gestern angegriffen worden. Weil er eine Person nicht rein lassen wollte, hat dieser Mensch 2x mit einem Messer zugestochen. Wir sind erschüttert und uns fehlen hier die richtigen Worte."

Der Mitarbeiter sei nicht lebensbedrohlich verletzt worden, aber "dennoch so schlimm, dass er erstmal im Krankenhaus bleiben muss. Wir möchten Euch alle bitten, aufeinander aufzupassen und dennoch von großen Ausschmückungen abzusehen!"

Milad wünsche man eine schnelle Heilung. "Leider ist der Beruf an der Türe nicht ohne Risiko und weil es immer mehr Leute gibt, die meinen sie sind stark und können machen was sie wollen, haben wir einen Schutz an der Türe, um nicht jeden herein zu lassen und um unsere Gäste zu beschützen." So traurig es sei, dass dies auf der Schaafenstraße notwendig geworden sei, bitte man dennoch, "von Hetze und Rassismus abzusehen", so die Bar. "Davon haben wir zur Zeit zu genüge in den Nachrichten, davon braucht es nicht mehr und es hilft niemanden."

Mehr über die Betreiberinnen des "Iron" bietet dieser Bericht der Kollegen von inqueery aus dem Jahr 2012.


Das "Iron" ist bekannt für seine große Auswahl an Cocktails (Bild: Iron Bar)

 Update  29.01., 07.30h: Rechte missbrauchen Tat für Hetze gegen Flüchtlinge

Ein Mitarbeiter der Bar schrieb am Abend in einem weiteren Facebook-Thread, dass die Tat in dieser Form in "jeder anderen Bar (egal ob Homo oder nicht)" hätte passieren können. "Der Türsteher wollte den Täter nicht hineinlassen, um die Gäste und den Laden zu schützen." Man könne die Tat nicht kategorisieren, etwa nach der Herkunft des Täters: "Es gibt einfach Hirnverbrannte da draußen und leider nicht abnehmend."

Damit reagierte der Mitarbeiter auf einen Beitrag des rechten schwulen Publizisten David Berger, der die Handlung des bislang unbekannten Täters schon Stunden zuvor mit den Themen Flüchtlinge und Islam in Verbindung gebracht hatte. Als Beleg diente ihm dazu ein Facebook-Eintrag des u.a. für AfD-Politiker tätigen Rechtsanwalts Ralf Höcker, der von einem "Mordversuch in der Kölner Innenstadt" schrieb und behauptete, der Täter habe "nach Zeugenangaben nordafrikanisches Aussehen" besessen.

Sich offenbar ebenfalls darauf stürzend, hat auch der "Express" seine Meldung inzwischen mit Auslassungen über "Nafris" ergänzt. Hoecker selbst veröffentlichte unterdessen als Kommentar zu seinem eigenen Post eine unauffällige Korrektur: "Update: Täter war nach Auskunft der Türsteher ein Kurde, der auf seinen Rausschmiss reagierte."

Eine der beiden Inhaberinnen des "Iron" schrieb auf Facebook, dass sie selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. "Das Opfer ist auch als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Ich finde es immer schade, wenn die Leute ohne nachzudenken versuchen, emotional irgendwelche Kommentare zu posten, um sich wichtig zu machen! So etwas passiert leider immer und überall und das hat nichts mit Herkunft der Menschen zu tun, sondern mit der Persönlichkeit eines jeden Menschen. (…) Man kann sich vornehmen, die Probleme aufzudecken, und versuchen, diese zu lösen. Aber eine pauschale Verurteilung aller Flüchtlinge oder aller Südländer ist nicht hilfreich und hat noch nie geholfen."

 Update  11.45h/12.30h: Mutmaßlicher Täter stellt sich Behörden

Am Sonntagvormittag berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die Polizei, dass sich der mutmaßliche Täter zwischenzeitlich den Behörden gestellt habe. Die Polizei bestätigte diese Information am Mittag. Demnach habe eine Polizeibeamtin den aus dem Irak stammenden Angreifer noch am Sonntagmorgen vernommen. Der 21-Jährige muss sich in einem Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung für seine Tat verantworten. Ihm und zwei 17 und 21 Jahre alten Begleitern war zuvor der Besuch des "Iron" verweigert worden.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe der Abgewiesene den Bar-Angestellten von vorne angegriffen. In dem entstandenen Gerangel habe er ein Messer gezogen und seinem Gegenüber zweimal in den Rücken gestoßen. Anschließend flüchtete er in Richtung Habsburgerring. Auf dem Fluchtweg habe die Polizei die mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt.



#1 Patroklos
  • 29.01.2017, 01:25h
  • Eine abscheuliche Tat und hoffentlich wird der Täter so schnell wie möglich gefaßt. Dem Opfer wünsche ich baldige Genesung!
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#2 SebiAnonym
  • 29.01.2017, 09:50h
  • Solange die Identität des Täters nicht zweifelsfrei geklärt ist, ist es grob fahrlässig über seine Herkunft oder seine Motive zu spekulieren.

    ABER:
    wenn die Identität des Täters geklärt ist, ist es durchaus auch relevant zu wissen, wo er her kommt, was seine Religion ist, etc. (Gilt natürlich genauso, falls das ein christlicher Fanatiker war.)

    Denn neben dem individuellen Charakter kann es eben auch strukturelle Probleme geben, die man aber nur identifizieren und bekämpfen kann, wenn man die Ursachen kennt.

    Nicht das Berichten von Fakten macht die Rechten stark, sondern das Vertuschen von Fakten.
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#3 Torsten IlgAnonym
  • 29.01.2017, 10:30h
  • Von Herzen gute Genesung. Die Polizei muss verstärkt im Viertel aktiv werden. Die Häufung weiterer Delikte ist zu offensichtlich. Es geht nicht darum voreilige Schlüsse über Asylbewerber zu ziehen, sondern darum endlich zu handeln und Auffälligkeiten nicht weiter zu verharmlosen.
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#4 Vater
#5 TheDad
  • 29.01.2017, 11:44h
  • Antwort auf #3 von Torsten Ilg
  • Auch für Dich an dieser Stelle gerne noch einmal aus dem Update von Heute, 07.30 Uhr :

    ""Eine der beiden Inhaberinnen des "Iron" schrieb auf Facebook, dass sie selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. "Das Opfer ist auch als Flüchtling nach Deutschland gekommen.""..

    Deine Idee trotzdem den Fokus auf die Herkunft des Täters zu lenken, dem Du dann unterschwellig unterstellst, er könnte ja dann doch ein Flüchtling sein, und zudem auch noch "Muslim", ist nichts weiter als dummes Bashing..

    Denn manchmal kommen dann einfach bestimmte Menschen wegen ihres Verhaltens nicht in bestimmte Läden hinein..

    Daraus, und hier vor allem aus der Befürchtung des Täters, er könnte nicht eingelassen werden, ergibt sich keinerlei Recht mit einem Messer in der Tasche herumzulaufen, und es dann noch zu nutzen, um andere Menschen zu verletzen..
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#6 StrukturellAnonym
  • 29.01.2017, 13:49h
  • Antwort auf #2 von Sebi
  • Soziale Ursachen? Die womöglich in dieser Gesellschaft, wo wir alle leben, zu suchen sind? Die nur durch einen gemeinsamen Kampf aller hier lebenden Menschen, die nicht zu den Top 1% gehören, um gleiche demokratische und soziale Rechte für Alle, gegen Ausbeutung und Krieg weltweit, ernsthaft angegangen und gelöst werden können? Soziale Ursachen und Fragen, von denen der rechte Abschaum mit aller Gewalt ablenken will/soll, weil das seine politische/(a)soziale Funktion und die Grundlage seiner Existenz ist?!
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#7 widerlichAnonym
  • 29.01.2017, 14:03h
  • die faschisten, die eine solche tat umgehend und ohne jede kenntnis von fakten für ihre menschenverachtende hetze und ihre gewaltverbreitung nutzen, und die sie tatkräftig unterstützenden medien haben gewiss nicht weniger blut an ihren händen und sind nicht weniger kriminell. sie leben von der brutalisierung gesellschaftlicher verhältnisse durch immer extremere soziale ungleichheit, hier und global, und von dem gegeneinanderaufhetzen von menschen entlang der altbekannten linien. es ist ihr geschäftsmodell.
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#8 Psychologe 89Anonym
  • 29.01.2017, 14:21h
  • Ich stimme der Eigentümerin zu, dass man niemals verallgemeinern darf.

    Aber sie schreibt auch einiges, was nicht in Ordnung ist:

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    Ich finde es immer schade, wenn die Leute ohne nachzudenken versuchen, emotional irgendwelche Kommentare zu posten, um sich wichtig zu machen!
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Damit widerspricht sie sich ja selbst:
    Emotionalität ist ein unterbewusster Vorgang und eben nicht Rationalität. Das geschieht also auch nicht, um sich wichtig zu machen, sondern schlichtweg weil sowas wie Gewalt eben stark emotionalisiert. Erst recht, wenn sie sich gegen unsere Community richtet, die schon so viel an psychischer und physischer Gewalt erlebt hat.

    Generall habe ich immer ein Problem damit, wenn man anderen Menschen ihre Emotionen vorwirft. Was sonst soll einen denn noch emotionalisieren, wenn nicht Gewalttaten? Wir sind doch keine Roboter, die solche Taten völlig neutral analysieren.

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    So etwas passiert leider immer und überall und das hat nichts mit Herkunft der Menschen zu tun, sondern mit der Persönlichkeit eines jeden Menschen.
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Und genau das ist falsch! (Aber nicht in der Art, wie manche Rechten sich das wünschen.)

    Sebi sprach bereits von "strukturellen Problemen". Soziologisch würde man eher sagen, dass die Gesellschaft das Handeln der Individuen formt, die damit aber auch wieder die Gesellschaft bilden. Das ist ein Zirkelschluss.

    Das hat gar nicht mal so viel mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun. Psychologisch ist zig mal nachgewiesen worden, dass unter entsprechenden Bedingungen jeder zum Gewalttäter werden kann (z.B. im Stanford Prison Experiment) von Philip Zimbardo oder im berühmten Milgram-Experiment von Stanley Milgram; etc. etc. etc.).

    Es ist also tatsächlich weniger ene Frage der individuellen Persönlichkeit, sondern eher der Umstände, die einen zum Gewalttäter machen bzw. welche Umstände vielleicht überwiegen.

    Und da muss man eben auch sagen, dass gerade Religionen (wie alle unbeweisbaren Ideologien) enormes Potential zur Radikalisierung bieten. Da braucht man auch gar nicht einzelne Religionen rauszupicken - aber umgekehrt sollten auch nicht für manche Religionen Sonderregeln gelten bzw. die Taten von deren Anhängern runtergespielt werden.

    Insofern stimme ich zu, dass die Herkunft des Täters durchaus eine Rolle spielt und auch in der Diskussion Beachtung finden muss (nicht nur, um nicht den Anschein des "Vertuschens" zu erwecken, was nur Extremisten stärker macht, sondern auch um diese "strukturellen Probleme" zu beseitigen).

    Da die Mehrheit der Migranten friedlich ist und nicht in Sippenhaft genommen werden sollte, kann die Lösung nicht ein Verbot von Zuwanderung oder eine Trump'sche Mauer sein. Aber umgekehrt muss man eben auch überlegen, ob gewaltbereite Migranten hier bleiben können oder nicht. Gerade auch zum Schutz der Mehrheit der friedlichen Migranten.
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#9 RobinAnonym
  • 29.01.2017, 14:37h
  • Schlimm, dass wir überhaupt schon so weit sind, dass wir Türsteher an unseren Lokalen brauchen, um dort vor gewaltbereiten Typen sicher zu sein...

    Wo soll das nur enden?

    Es muss dringend und mit aller Kraft sichergestellt werden, dass friedliche Menschen auch friedlich und angstfrei leben können.

    Mir ist jeder, der hier leben will herzlich willkommen. Aber dann muss ich auch erwarten können, dass die sich an einige Regeln halten. Tun sie das nicht, können sie eben nicht hier bleiben. Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Gruppe die friedliche Mehrheit tyrannisiert und uns unsere Freiheit nimmt.

    Wenn wir nicht mehr frei und ohne Angst leben können, ist das ein zu hoher Preis.
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#10 schwarzerkater
  • 29.01.2017, 14:47h
  • Antwort auf #9 von Robin
  • "Schlimm, dass wir überhaupt schon so weit sind, dass wir Türsteher an unseren Lokalen brauchen,(...) Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Gruppe die friedliche Mehrheit tyrannisiert ... ."
    sehe ich ähnlich. inzwischen haben friedliche lokale schon mit türstehern "aufgerüstet" und auch das scheint noch nicht genug zu sein.
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