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SAG Awards verliehen

Filmpreise für "Moonlight" und Lily Tomlin

Die Verleihung der SAG Awards wurde zu einer hochpolitischen Gala, bei der scharfe Kritik an Präsident Trump geübt wurde.


Mahershala Ali und Lily Tomlin erhielten Auszeichnungen – und wurden in ihren Rede politisch

  • Von Dennis Klein
    30. Januar 2017, 12:41h, noch kein Kommentar

Bei der Verleihung der SAG Awards, die alljährlich von der amerikanischen Schauspielergewerkschaft vergeben werden, ist Mahershala Ali am Sonntag in Los Angeles für seine Rolle im queeren Film "Moonlight" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Der Sieg dürfte seine Chancen auf einen Oscar gesteigert haben. Außerdem nahm die lesbische Schauspielerin Lily Tomlin bei der Gala den Preis für ihre Lebensleistung entgegen.

Die live im US-Fernsehen ausgestrahlte Gala geriet zur Abrechnung mit dem neu gewählten amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der nach seinem am Freitag erlassenen Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern in der Kritik steht. Redner wie Ashton Kutcher und Julia Louis-Dreyfus kritisierten den Präsidenten direkt – Louis-Dreyfus, die für ihre Hauptrolle in der Politsatire-Serie "Veep" ausgezeichnet wurde, nannte Trump gar "unamerikanisch".

Mahershala Ali kritisierte in seiner Dankesrede den 70-jährigen Republikaner scharf: "Ich habe beim 'Moonlight'-Dreh gelernt, was passiert, wenn man Menschen verfolgt", erklärte Ali, der zuvor durch Rollen in "Die Tribute von Panem" oder TV-Serien wie "House of Cards" bekannt wurde. Ali spielt bei "Moonlight" den Drogendealer Juan, der eine Vaterfigur der schwulen Hauptcharakters Chiron ist.

In seiner Rede ging Ali auch auf seine persönliche Geschichte ein: "Meine Mutter ist eine Pfarrerin. Ich bin Muslim. Sie hat nicht gerade Freudensprünge gemacht, als ich ihr vor 17 Jahren erzählt habe, dass ich konvertiert bin." Aber sie hätten ihre Differenzen beigelegt und liebten einander.

Direktlink | Rede von Mahershala Ali

"Moonlight" erzählt die Geschichte des jungen Schwarzen Chiron, der in Miami fernab jeglichen Glamours bei seiner cracksüchtigen Mutter aufwächst. Der Film begleitet entscheidende Momente in Chirons Leben von der Kindheit über seine Jugend bis ins Erwachsenenalter, in denen er sein Schwulsein und sich selbst entdeckt, für seinen Platz in der Welt kämpft, seine große Liebe findet und wieder verliert. Der Film wurde von Kritikern hoch gelobt und erhielt unter anderem acht Oscar-Nominierungen (queer.de berichtete). In Deutschland läuft er am 9. März an.

Lily Tomlin über Trump: "Wir müssen aufpassen"

Bei der Gala übergab Country-Sängerin Dolly Parton den "Screen Actors Guild Life Achievement Award" an die lesbische Komikerin Lily Tomlin. Parton und Tomlin spielten 1980 an der Seite von Jane Fonda in der Kult-Komödie "Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?" (Originaltitel: "9 to 5") die Hauptrollen. Tomlin war als Preisträgerin bereits vor einem halben Jahr bekannt gegeben worden (queer.de berichtete). Sie ist das erste Mitglied der LGBTI-Community, die für ihre Lebensleistung von der Schauspielergewerkschaft ausgezeichnet wird.

In ihrer mit Witzen gespickten Rede ging auch Tomlin, die mit ihrer Ehefrau Jane Wagner die Gala besuchte, indirekt auf Trump ein: "Die Weltuntergangsuhr wurde jetzt auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht vorgestellt. Der Preis kommt also im letzten möglichen Moment."

Direktlink | Rede von Lily Tomlin

Am Rande der Preisverleihung wurde Tomlin in einem Interview deutlicher: "Trump verändert gerade die Gesetze", so die 77-Jährige. "Ich will jetzt keinen direkten Vergleich ziehen, aber auch die Nazis haben die Gesetze verändert." Über mehrere Jahre hätten die Nationalsozialisten dann die Gesellschaft umgemodelt. "Wir müssen aufpassen und bestimmte Dinge stoppen, so dass jemand, der eine Sache nicht zu Ende gedacht hat, nicht zu weit gehen kann."

Tomlins Filmkarriere begann 1975 mit Robert Altmans Film "Nashville", für den sie eine Oscarnominierung als beste Nebendarstellerin erhielt. Die Schauspielerin wurde bisher insgesamt mit sieben Emmys, zwei Tonys und einem Grammy ausgezeichnet.

Derzeit ist Tomlin in der hoch gelobten Netflix-Serie "Grace and Frankie" zu sehen, von der bislang 26 Folgen gezeigt wurden. Hier spielt sie an der Seite von Jane Fonda, Sam Waterston und Martin Sheen eine Ehefrau, deren Mann sich nach 40 Jahren Ehe outet und mit einem anderen Mann zusammenzieht.

Auch Sarah Paulson ausgezeichnet

Einen SAG Award erhielt auch die lesbische Schauspielerin Sarah Paulson für ihre Darstellung der Staatsanwältin Marcia Clark in der zehnteiligen Miniserie "American Crime Story – The People v. O.J. Simpson". Sie rief in ihrer Dankesrede dazu auf, die Bürgerrechtsorganisation ACLU zu unterstützen, die gegen die Einreiseverbote von Präsident Trump geklagt hatte.

Direktlink | Rede von Sarah Paulson