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In NRW begann die CSD-Saison 2005 mit einer gelungenen Mischung aus Spaß und Politik.

Von Norbert Blech

So falsch hat Joachim Erwin, Düsseldorfs homophober CDU-Oberbürgermeister, noch nie gelächelt, wie bei der Parade zum zweiten Düsseldorfer CSD. Dass er überhaupt mitlief, hatte man dem Theatermann Bernd Plöger zu verdanken, der mit einer Maske in die dankbare Rolle des Bösewichts schlüpfte. Der wahre Erwin, dessen Verwaltung mit allen Tricks den CSD zu verhindern suchte, hielt es an diesem Sonntag für wichtiger, eine Brücke zu eröffnen.

Und trotzdem hat Erwin viel mit diesem Wochenende zu tun. So bestimmte er Teile des Bühnenprogramms, bei dem es zahlreiche Sprüche gegen ihn gab. Dass es überhaupt einen CSD in der früher teilweise zerstrittenen Szene gibt, auch das hat man sicher dem OB und seinen Schwule-nach-Berlin-Sprüchen zu verdanken. Und letztlich war Erwin auch der inoffizielle "Schirmherr" des Festes im wahren wie fatalen Sinn: Der CSD, der eigentlich im Sommer stattfinden sollte, musste wegen ihn auf Pfingsten verlegt werden - trotz der Gefahr des schlechten Wetters.

Obwohl es zu Straßenfesten und Parade nicht regnete, hat das Wetter sicherlich zu weniger Besuchern und weniger Umsatz geführt. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Unter dem Motto "Gemeinsam stark für Toleranz" - wobei sich viele eher "Respekt" gewünscht hätten - gingen rund 200 Menschen bei der noch immer kurzen Parade mit, mehrere tausend Leute feierten friedlich das Straßenfest.

Es gehörte zweifellos zum Verdienst der nun zwei CSDs in Düsseldorf und der Organisatorin Julia Magerkurth, die Politik zurück auf die Hauptbühne geholt zu haben. Während politische Talks in Köln mittlerweile auf kleine Bühnen verlegt wurden, die nicht mal Einheimische finden, setzt man in Düsseldorf auf Politik zur Prime Time. Im letzten Jahr gab es heftige Podiumsdiskussionen zur Kommunalwahl (die Erwin trotzdem gewann), in diesem Jahr stand freilich - eine Woche vor der Landtagswahl - die Landespolitik auf dem Prüfstand.

Während die grüne Umweltministerin Bärbel Höhn mit Rhetorik, lautem Wahlkampfgeschreie und auch Inhalten beim Publikum gut ankam, wurden die Vertreter von CDU und FDP gar lautstark ausgepfiffen (Details zum Homoprogramm der Parteien in NRW bietet der LSVD auf seiner Webseite). Für Stimmung anderer Art sorgten die Jecken der KG Regenbogen, die selbst einen Volker Beck zu einem Tänzchen mit einer Frau im Publikum bewegten.

Für eine sehr ernste Schweigeminute sorgte später amnesty international, deren Vertreter an alle noch immer verfolgten Schwulen, Lesben und Transgenders erinnerte. Auch das gehört zum CSD, wie auch das private Glück: Den rührendsten Moment des Bühnenprogramms brachte eine junge Lesbe, die schlicht von ihrem ersten CSD erzählte, vor einem Jahr in Düsseldorf, und von ihrer ersten Liebe, die sie seitdem gefunden hat und nun herzlich im Publikum grüßte.

Unten vor der Bühne, auf dem ganzen Platz ging es freilich auch um das private Glück. Zwei gestandene Szenejournalisten waren zu schüchtern, einen Schnuckel anzusprechen - den gleichen, wie sie dann feststellten. Andere fanden sich, beim Straßenfest, beim Gay Happening oder in den schwulen und lesbischen Kneipen Düsseldorfs, die nach einigen verschlafenen Jahren wieder zahlreicher und vielfältiger werden. Der ein oder andere Jugendliche fand erstmals zur schwulen Jugendgruppe Kuckucksei, die in der Kneipe Aroma eine erfolgreiche Party feiern konnte.

So hat der CSD bei vielen etwas ausgelöst, das Fest sich bereits in der Landeshauptstadt etabliert. Privates Glück und politisches Programm - ein Rezept auch für das nächste Jahr, wenn Bundestagswahlen anstehen. Es bleibt freilich abzuwarten, was Joachim Erwin in der Zwischenzeit plant.

Dienstag, 17. Mai 2005, 14 Uhr

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Andreas Renner

Der Stuttgarter CDU-Sozialminister wehrt sich als Schirmherr des CSDs gegen Gestrige aus den eigenen Reihen.
#1 KurtAnonym