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Das Opfer war gegen die Ehe für alle

Lebenslange Haft für Mord an religiöser Mitbewohnerin

Das Landgericht Freiburg verurteilte einen 25-jährigen Studenten wegen Mordes an seiner WG-Genossin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.


Das Urteil ist noch nicht rechskräftig (Bild: Blogtrepreneur / flickr)

Nach einer fünftägigen Verhandlung endete am Montag ein aufsehenerregender Prozess vor dem Landgericht Freiburg mit der Höchststrafe für den Angeklagten: Wegen Mordes an seiner religiösen Mitbewohnerin wurde ein 25-jähriger Student zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Tat ereignete sich am 10. August 2016 (queer.de berichtete). Das Opfer, eine gläubige Christin aus Paderborn, war erst neun Tage zuvor in die Zweier-Wohngemeinschaft eingezogen, um in Freiburg in einem Gebetshaus zu arbeiten. Laut den Aussagen des Studenten, der sich als "Antitheist" bezeichnete, sei es wegen ihrer religiösen Überzeugungen mehrfach zum Streit gekommen. Am Tattag stürmte er nach eigenen Angaben in das Zimmer der Frau, befragte sie nach ihrer Haltung zur gleichgeschlechtlichen Ehe und stach ihr in den Hals, nachdem sie diese abgelehnt habe.

Die Tatwaffe – ein Messer – habe er in seiner Hosentasche versteckt gehabt, erklärte der 25-Jährige in den Vernehmungen. Nachdem das verletzte Opfer einen Fluchtversuch startete, verfolgte er es bis in das Treppenhaus und tötete es durch mehrere weitere Stiche in den Rücken. In der WG ließ er sich später widerstandslos festnehmen. Gegenüber einem Sachverständigen nannte er die Romanfigur des Serienmörders Hannibal Lecter aus dem Kinofilm "Das Schweigen der Lämmer" als sein Vorbild.

Der Student kündigte den Mord in einem Manifest an

Das Gericht befand den Angeklagten, der isoliert lebte, noch nie einen Partner oder eine Partnerin hatte und bereits als Schüler wegen Depressionen behandelt wurde, für voll schuldfähig. Er sei "zweifellos psychisch nicht gesund", urteilte Richterin Eva Kleine-Cosack laut einem Bericht der "Badischen Zeitung", doch habe er aus Heimtücke und mit niederen Beweggründen gehandelt. Der Mord sei detailliert geplant und sogar in einem Manifest angekündigt gewesen. In dem Schriftstück erklärte der Student, er töte seine Mitbewohnerin stellvertretend für alle Gläubigen. Außerdem bereute er darin seine "Faulheit, nicht mehr dieser Art getötet" zu haben.

"Wir werden uns damit abfinden müssen, menschliches Verhalten manchmal nicht oder nicht zufriedenstellend erklären zu können", sagte Richterin Kleine-Cosack. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Student hat die Möglichkeit, innerhalb einer Woche Revision einzulegen. (cw)



#1 RaffaelAnonym
  • 31.01.2017, 09:45h
  • Ich frage mich, ob es auch lebenslänglich gegeben hätte, wenn die religiöse Fanatikerin den Schwulen ermordet hätte?

    Nicht, dass ich die Tat relativieren oder gar befürworten will. Aber ich finde es schon auffällig, dass z.B. Bischöfe, die zum Mord an Schwulen aufrufen, vollkommen freigesprochen werden oder bei anderen Tätern auch gerne mit "schwere Kindheit", etc. (was hier ja wohl auch vorlag) für viel zu lasche Strafen argumentiert wird.
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#2 herve64Profil
  • 31.01.2017, 18:19hMünchen
  • Antwort auf #1 von Raffael
  • Jetzt aber mal langsam: Mord ist durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen. Und ein gegenseitiges Aufwiegen bringt gar nichts und ist für mich genau so verwerflich, als ob ein Rechtsradikaler wieder öffentlich herum lamentiert und auf die ach-so-bösen Linksterroristen verweist, wenn mal wieder einer oder mehrere seiner Spießgesellen wegen einer Straftat verurteilt worden ist bzw. sind.

    Ich verachte diesen simplifizierenden Duktus zutiefst, mit dem man ständig Ungeheuerlichkeiten zu relativieren versucht, und er wird auch nicht besser, wenn er mal ausnahmsweise nicht von einem Fascho-Vollpfosten kommt.

    Es geht hier um einen Mord, und um nichts anderes. Und als solcher hat der Vorfall auch angesehen und gewürdigt zu werden, gleichgültig, welchen Standpunkt das Opfer vertrat.
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#3 saltgay_nlProfil
  • 31.01.2017, 18:31hZutphen
  • Der Artikel wirft einige Fragen auf. Wenn ein Richter zu der Auffassung kommt, dass es sich bei dieser Tötung um einen Mord handelt, dann lässt sich das aus der Ferne ganz sicher nicht beurteilen. Es wäre in der Tat zu klären, ob der Täter schuldfähig war oder nicht. Das kann nur ein Fachmann, der die Vorgeschichte kennt und den Täter eingehend untersucht hat.

    So bleibt einem als Außenstehenden nichts anderes übrig als diese Tat kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen.
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#4 Homonklin44Profil
  • 02.02.2017, 00:28hTauroa Point
  • Hier geht es um vorsätzlichen Mord, da geplant durchgeführt. Die psychische Störung scheint da auch nicht so verheerend, dass man sagen könnte, der Typ hätte nicht überschauen können, was er da tut, oder dass daraus irgendwelche strafmildernden Aspekte herbei formuliert werden könnten.

    Es hätte auch nichts daran geändert, wäre sie "Antitheistin" und er ein gläubiger Christ gewesen, und hätte er sie aus dem Grund nicht toleriert.
    Vertauschte Glaubensgefüge hätten also keinen Einfluss auf das Urteil gehabt.
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