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Reform

Schweiz erlaubt keuschen Schwulen die Blutspende

Schwule und bisexuelle Männer dürfen ab Sommer Blut spenden – allerdings nur, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben.


Eidgenössische Schwule sind – anders als in Deutschland – künftig nicht mehr wegen ihrer sexuellen Orientierung vollständig vom Blutspenden ausgeschlossen. (Bild: warrenski / flickr / by-sa 2.0)

In der Schweiz dürfen ab Juli auch Männer, die Sex mit Männern haben, Blut spenden, sofern sie ein Jahr lang mit keinem anderen Mann geschlafen haben. Das gab der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes am Dienstag bekannt. Demnach hat die zuständige Aufsichtsbehörde Swissmedic ein entsprechendes Gesuch bewilligt.

Gleichzeitig schränkte das Rote Kreuz ein, dass diese Veränderung wohl keine großen Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft haben werde: "Wirklich optimal scheint diese Lösung indessen nicht, da vermutlich nicht viele schwule Männer davon profitieren können." Die augenblickliche Lösung sei ein Zwischenschritt "weg von einer Regelung, die viele zu Recht als diskriminierend" betrachtet hätten.

Immer mehr Länder lockern das Verbot

Bereits mehrere andere Länder hatten in den letzten Monaten und Jahren ihr Spendeverbot für schwule Männer gelockert. Zuletzt kündigte die Republik Irland an, Schwule ebenfalls nach einem Jahr Sex-Karenzzeit als Spender zu akzeptieren (queer.de berichtete).

In Deutschland gilt weiter ein komplettes Verbot der Blutspende für Männer, die Sex mit Männern haben. LGBTI-Aktivisten und Aids-Hilfen fordern bereits seit Jahren eine Reform. Nicht die sexuelle Identität solle den Ausschlag geben, ob jemand als Spender geeignet ist oder nicht, sondern nur das individuelle Risikoverhalten der spendewilligen Personen. Eine derartige Regelung gilt derzeit nur in sechs von 28 EU-Staaten (Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien).

Zwar haben vergangenes Jahr sowohl Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe als auch die Gesundheitsminister aller 16 Bundesländer das Ende des Totalverbots angeregt, die verantwortliche Bundesärztekammer hat aber bislang noch nicht reagiert. Sie prüft bereits seit 2013, ob Schwulen Zugang zum Blutspenden gewährt werden soll (queer.de berichtete). (dk)



#1 AlexAnonym
  • 31.01.2017, 11:09h
  • Eine solche Regelung ist kein Fortschritt, sondern diskriminiert Homosexuelle nur in anderer Form.

    Von einer Abschoffung von Diskriminierung kann man erst sprechen, wenn gleiche Regeln für homo- wie für heterosexuelle gelten.
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#2 DizzydevilAnonym
#3 Patroklos
  • 31.01.2017, 11:38h
  • Weltweites Abschaffen des Blutspendeverbotes für schwule, bi- und pansexuelle Männer! Alles Andere ist Schnullybully!
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#4 BlutAnonym
#5 stephan
  • 31.01.2017, 13:00h
  • Das ist einfach nur lächerlich und eine noch perfidere Form von schamhaft versteckter Diskriminierung! Ich schließe mich den anderen Kommentatoren an: Die brauchen Blut und ich werde gewiss nicht lügen, damit sie mein Blut akzeptabel finden! ... Wirklich eine lächerliche Neuregelung!
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#6 myysteryAnonym
  • 31.01.2017, 14:39h
  • Antwort auf #4 von Blut
  • Einerseits ja, andererseits kannst natürlich auch du oder andere Schwule einmal in der Situation sein, Blut zu benötigen. Wenn das dann fehlt, weil du und deine 20 gesunden schwulen Freunde keines spenden durften, ist das schon hart.
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#7 Pu244Anonym
  • 31.01.2017, 15:03h
  • Als Hetero, der keine Blutprodukte braucht, kann mich die Sache eigentlich völlig kalt lassen.

    Ich persönlich verstehe beide Seiten, einerseits ist es blöd, wenn man generell unter Verdacht steht, andererseits stammen schon heute 50% der 100 positiven HIV Tests pro Jahr, in Deutschland, beim Blutspenden aus der Gruppe "Männer die Sex mit Männer hatten", obwohl die eigentlich nicht spenden dürften.

    Um die andere Sicht darzulegen:
    Sehr viele Leute, die dauerhaft Blutprodukte brauchen, sind heute noch extrem angepisst dass man sie in den 80ern halb ausgerottet hat, nur weil einige Firmen und vorallem das Gesundheitssystem Geld sparen wollte (was dann am Ende gelang, jeder Bluter, der unter die Erde wanderte, kostet kein Geld mehr). Da auch noch heute an ihnen herumgegeizt wird, herrscht dort teilweise eine recht säuerliche Grundstimmung, wenn es dann darum geht das HIV Risiko zu vergrößern, weil der Kreis der Spender erweitert werden soll, dann hat man dort oft kein Verständnis dafür.

    Natürlich kann man sagen "die sollen sich gefälligst mit dem zufrieden geben, was man ihnen gibt, das Zeug ist immerhin teuer genug", das ganze stößt dort allerdings auf ein ähnliches Echo, wie bei den meisten Schwulen der strukturkonservative Standpunkt "die Schwulen sollen sich freuen, dass man sie heute nicht mehr einsperrt und verbrennt, das ganze Gleichbehandlungszeug ist doch völlig überzogen"(ich habe es jetzt etwas überspitzt ausgedrückt). Beides löst, zu recht, bei einigen gewissen Haß aus.

    Da das Zeug, das gespendet wird, irgendjemanden in die Blutbahn gejagt wird, finde ist das deren Standpunkt das höhere Gewicht hat.

    Übrigens werden nicht nur Schwule dort, aufgrund von geringen Risiken, ausgeschlossen. Leute die zwischen 1983 und 1996 in GB waren oder dort operiert wurden, in einem Malariagebiet geboren wurden oder auch nur kurz ins gefängnis gewandert sind (dann allerdings nur für 4 Monate), können ein Lied davon singen. Man hat sich nach dem Bluterskandal eben dafür entschieden, das maximale Sicherheit absoluten Vorrang hat.
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#8 myysteryAnonym
  • 31.01.2017, 15:56h
  • Antwort auf #7 von Pu244
  • "Ich persönlich verstehe beide Seiten, einerseits ist es blöd, wenn man generell unter Verdacht steht, andererseits stammen schon heute 50% der 100 positiven HIV Tests pro Jahr, in Deutschland, beim Blutspenden aus der Gruppe "Männer die Sex mit Männer hatten", obwohl die eigentlich nicht spenden dürften."

    1.) Woher genau stammt dieser Wert? Wie wurde der ermittelt? Oder sind das wieder irgendwelche "Schätzungen" ohne fundierte Grundlage?

    2.) Wieso sind diese 50% "schlimmer" als die anderen 50%, welche legal hätten spenden dürfen?

    3.) Offensichtlich bringt das Verbot ohnehin nicht viel. Außer dass verantwortungsbewusste und dann meist gesunde Schwule ausgeschlossen werden.
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#9 Pu244Anonym
  • 31.01.2017, 16:38h
  • Antwort auf #8 von myystery
  • 1:
    Absatz 4 im folgendem Text (habe lange gebraucht bis ich es wieder gefunden habe, dabei war es doch so leicht)

    www.pei.de/DE/infos/patienten/sicherheit-blutprodukte/spende
    rausschluss/spenderausschluss-node.html


    2: Weil diese 50% aus nur etwa 3-5% der Bevölkerung kommen. Sie dürfen jetzt nicht spenden, d.h. ein relativer großer Teil wird abgeschreckt. Die traurige Wahrheit ist nunmal leider das die MSM Gruppe über 3/4 der Neuinfektionen stellt und ein 100-200 fach höheres Risiko als Heteros uns Leben hat. Wenn man den Leuten nach dem Fall des Blutspendeverbots ein ähnlich ehrliches Verhalten wie den Heteros unterstellt (genaues müßte man herausfinden), dann wird sich die Zahl der positiven Tests wohl verdoppeln.

    3: Schwer zu sagen, es schreckt auch schon ab. Einerseits sind die meisten ehrlich und dann gibt es ja noch das Problem mit der Haftung. Wenn etwas passiert und sie finden heraus dass man doch zur MSM Gruppe gehört, dann ist man dran, wenn es erlaubt wird, dann kann es ein blöder Zufall sein, in dubio pro Reo.

    Soweit ich es noch richtig in Erinnerung habe sind 6 verseuchte Blutkonserven bestätigt durchgekommen. Eine stammte von einem Hetero, bei einer weiß man es nicht und 4 sind wohl auf MSM zurückzuführen, wobei da bei zweien wohl Sextourismus im Spiel war.
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#10 ursus
  • 31.01.2017, 17:29h
  • Antwort auf #9 von Pu244
  • Pu244:
    "Eine stammte von einem Hetero, bei einer weiß man es nicht und 4 sind wohl auf MSM zurückzuführen, wobei da bei zweien wohl Sextourismus im Spiel war."

    bundesärztekammer:
    "Im Zeitraum von 2000 bis 2008 [!] wurden in Deutschland 5 HIV-Übertragungen durch Transfusionen gemeldet. Alle Spenderinfektionen wurden durch Sexualkontakte erworben: 2 davon gehen auf MSM-Kontakte zurück, 1 auf heterosexuelles Risikoverhalten, 2 auf sexuelle Kontakte zu Personen aus Hochprävalenzländern."

    www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Ha
    emotherapie_MSM_Erlaeuterung_final.pdf


    die erfassungskategorien sind zugegebenermaßen komisch, weil sie allerlei schnittmengen erlauben. für eine auch nur annähernd statistisch relevante aussage sind diese kleinen zahlen aber natürlich ohnehin bedeutungslos.
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