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Workshop zum Umgang mit sexueller Identität

Ursula von der Leyen möchte sexuelle Vielfalt in Bundeswehr zur Normalität machen

Trotz Widerstands aus SPD, CSU und AfD setzt sich die Verteidigungsministerin beim ersten LGBTI-Seminar in der Bundeswehr für die Gleichbehandlung ein. Diskriminierung könne sich die Truppe nicht leisten.


Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen appelliert an die Zuhörer, dass eine vielfältige Bundeswehr effektiver sei als eine Truppe, in der sich LGBTI verstecken müssen (Bild: Bundesministerium der Verteidigung)

Bundesverteidigungsministerin Ursula van der Leyen (CDU) hat am Dienstag in Berlin den Workshop zum Umgang mit sexueller Identität und Orientierung in der Bundeswehr eröffnet und für Vielfalt in der Truppe geworben. Aktuelle Ereignisse wie Misshandlungen in der Elite-Ausbildungskaserne in Pfullendorf hätten gezeigt, dass es kein Randthema sei, "wie wir miteinander in der Bundeswehr umgehen". Zum Workshop waren mehr als 200 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Militär eingeladen worden.

Vielfalt mache die Bundeswehr stark, so die Ministerin in ihrer Rede. "Deswegen werben wir ja mehr denn je um Talente. Und ob sie nun schwul, lesbisch, transsexuell oder heterosexuell sind, sie sind uns mit ihrem Können willkommen", so die 58-Jährige.

Die Ministerin beklagte, dass LGBTI sich heute noch verleugnen müssten: "Ja, es kommt im Jahr 2017 noch immer vor, dass ein Fallschirmjäger seine Homosexualität verheimlicht, weil er befürchtet, als 'Weichei' verspottet zu werden." Sie nannte weitere Beispiele, etwa wenn Vorgesetzte persönliche Gespräche mit einem schwulen Soldaten nur bei offener Tür führen.

Um diese alltägliche Diskriminierung zum Vorschein zu bringen, müsste die Bundeswehr endlich "offen und ehrlich" über die Thematik sprechen, so die Ministerin. Denn Diskriminierung schade der Truppe: "Wer sich nicht outen kann, unterdrückt seine Gefühle, hat Angst und Angst lähmt. Man kann unter Angst nicht sein Bestes geben. Das können wir uns nicht leisten, und das wollen wir uns nicht leisten. Letzten Endes geht es immer um unsere Einsatzbereitschaft im 21. Jahrhundert."

"Pauschalisierter Ausgleich" für erlittene Diskriminierung geplant

Von der Leyen beklagte, dass in der Vergangenheit viel schief gelaufen sei. "Wir können das nicht ungeschehen machen", sagte die CDU-Politikerin, versprach aber, die Vorfälle wissenschaftlich aufzuarbeiten und eine Entschädigung zu leisten: "Wir prüfen zur Zeit, ob und unter welchen Bedingungen eine Art von pauschaliertem Ausgleich für erlittene Nachteile geleistet werden kann."

Des weiteren gebe es inzwischen mit dem Stab "Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion" eine zentrale Anlaufstelle für LGBTI-Soldaten. Die Thematik müsse aber noch mehr im Führungskräftetrainining und den Lehrplänen berücksichtigt werden. Bis Ende des Jahres versprach sie ein Konzept zum Thema "Vielfalt und Inklusion". Ziel sei es, Workshops wie diesen überflüssig zu machen. Die sexuelle Orientierung eines Kameraden oder einer Kameradin solle genau so wenig eine Rolle spielen "wie die Augenfarbe oder die Schuhgröße".

Abschließend appellierte die Ministerin: "Wir wollen diese Menschen nicht in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit zwingen. Wir wollen sie in unserer Mitte haben mit all ihren Facetten. Wir wollen sie so behandeln, wie wir auch behandelt werden möchten. Und wir wollen sie so beurteilen, wie es für alle Soldatinnen und Soldaten, für alle Beamtinnen und Beamte gilt, nach Eignung, Leistung und Befähigung. Ohne Vorbehalte."

Scharfe Kritik für von der Leyens "Sex-Seminar"

Wie wichtig der Einsatz ist, zeigten die abfälligen Reaktionen im Vorfeld des Seminars. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, erklärte etwa unlängst gegenüber der "Passauer Neuen Presse": "Es ist mir nicht klar, was der Sinn dieser Veranstaltung ist. Mir ist nicht bekannt, dass Homosexuelle in den Streitkräften diskriminiert werden."

Selbst aus der SPD kam Widerspruch: So hat Rainer Arnold, der verteidigungspolitische Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion, der Verteidigungsministerin vorgeworfen, mit derartigen Workshops "verfehlte Prioritäten" zu setzen (queer.de berichtete). Kritik am "Sex-Seminar" ("Bild") kam auch aus der CSU.

Die AfD nutzte das Seminar mehrfach zu homophobem Spott in sozialen Netzwerken – später wurde zugleich bekannt, dass der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Uwe Junge als Vorgesetzer bei der Bundeswehr eine lesbische Soldatin diskriminiert haben soll (queer.de berichtete).

Die Reaktionen auf die Workshop-Ankündigung zeigten, "dass es noch ein weiter Weg ist, bis Respekt selbstverständlich ist", meinte die Ministerin am Dienstag. Für ihr Engagement für die Gleichbehandlung von LGBTI gegen alle Widerstände hat queer.de Ursula von der Leyen bereits vor zwei Wochen den "Homo-Orden" verliehen. (dk)



#1 SebiAnonym
  • 31.01.2017, 16:23h
  • "Diskriminierung könne sich die Truppe nicht leisten."

    NIEMAND kann sich Diskriminierung leisten. Egal ob Unternehmen, Orgamisationen oder ganze Staaten.

    Diskriminierung schadet immer. Gesellschaftlich, kulturell, politisch und auch wirtschaftlich.
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#2 FinnAnonym
  • 31.01.2017, 16:35h
  • >>> Trotz Widerstands aus SPD, CSU und AfD <<<

    Da sehen wir wieder mal, wie die SPD tickt und mit wem die SPD stramm auf einer Linie liegt...
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#3 LaurentProfil
  • 31.01.2017, 16:35hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Es kommt immer maßgebend auf das Umfeld an, ob sich jemand outet. Mitarbeitern z.B. der Verwaltung oder anderen weniger von Männern dominierten Bereichen dürfte das erheblich weniger schwer fallen.

    In der Truppe dagegen dürfte das nicht weniger problematisch sein als im Profifußball.

    Bereits die Reaktionen zeigen, dass es noch ein sehr weiter Weg ist, bis diesen Soldatinnen und Soldaten tatsächlich "ohne Vorbehalte" begegnet werden wird.
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#4 Chris62Profil
  • 31.01.2017, 16:46hRegensburg
  • War Zeitsoldat als General Kiesling wegen angeblicher Homosexualität gehen musste, da das damals sogar noch verboten war!
    Diese Art der Diskriminierung ist zwar nicht mehr der Fall, für ein Seminar das in anderen Betrieben aber seit langem Usus ist, wurde es in der BW auch Zeit. Späte Genungtuung für erlittene Ungemach. Alles andere wäre auch ein Schlag ins Gesicht tausender Reservisten!

    Also: Danke Frau Minister und Schande über die, die behaupten das wären falsche Prioritäten.
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#5 Julian SAnonym
  • 31.01.2017, 17:02h
  • "Trotz Widerstands aus SPD, CSU und AfD"

    Genau das beweist, wie wichtig solche Seminare sind...
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#6 sonichtAnonym
  • 31.01.2017, 18:14h
  • Frau Dr. med. Ursula von der Leyen (auch ehemalige Familienministerien - weiß nicht, dass auch intersexuelle Menschen in der Bundeswehr Dienst cCtun.
    Sie müsste es besser wissen.

    so nicht
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#7 ursus
  • 31.01.2017, 18:24h
  • "Man kann unter Angst nicht sein Bestes geben. Das können wir uns nicht leisten, und das wollen wir uns nicht leisten."

    und wenn man unter angst trotzdem leistungsfähig wäre, wär's kein thema? dann könnte man es sich leisten, weil es ja nichts kostet?

    ich verstehe zwar die logik des diversity-konzepts, aber mich zwickt es doch jedesmal, wenn ich sehe, wie ein thema, bei dem es eigentlich um blanke mitmenschlichkeit gehen sollte, unter das dach des leistungs- (um nicht zu sagen: ausbeutungs-) prinzips geschoben wird, als gehöre es ausgerechnet dort hin. brr.
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#8 tchantchesProfil
  • 31.01.2017, 21:12hNaseweishausen
  • >>> Selbst aus der SPD kam Widerspruch... <<<

    "100% Gleichstellung nur mit uns!" Was für ein unwählbarer Saftladen. Daran ändert auch Schulz nichts.
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#9 SissyAnonym
  • 31.01.2017, 21:18h
  • Frau von der Leyen for Bundeskanzlerin, ist doch mal wieder klar, dass man nicht auf die SPD setzen kann und mit ihrem Bauchgefühl scheint alles in Ordnung zu sein
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#10 antos
  • 31.01.2017, 21:39h
  • Antwort auf #7 von ursus
  • "[...]unter das dach des leistungs- (um nicht zu sagen: ausbeutungs-) prinzips geschoben wird, als gehöre es ausgerechnet dort hin. brr."

    Brr? Das, was Du als Leistungs- bzw. - Gottseibeiuns! Wir halten jetzt bitte alle schützend unser Kruzifix in die Höhe - Ausbeutungsprinzip klassifizierst, nennen andere: Kooperation.
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