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"Alan Turing's Law"

England: Fast 50.000 Schwule posthum begnadigt

Auch auf der Insel schämt und entschuldigt sich die Politik für die frühere Schwulenverfolgung – mit Einschränkungen.


Das weltweit bekannte Genie Alan Turing wurde nach dem Krieg wegen seiner Homosexualität verfolgt. Die britische Königin begnadigte ihn vor vier Jahren – nun zog die Regierung nach und rehabilitierte zehntausende Männer.

Mit dem sogenannten "Royal Consent", also der Zustimmung der Königin, ist am Dienstag das sogenannte "Alan Turing's Law" in Kraft getreten, dass Verurteilungen wegen einvernehmlichem gleichgeschlechtlichen Sex in England und Wales durch eine Begnadigung ("Pardon") aufhebt.

Die Regelung betrifft bei Verstorbenen alle entsprechenden Verurteilungen, wenn diese heute keine Straftat mehr darstellen. Bereits seit 2012 können in Großbritannien noch lebende Männer, die nach dem "Criminal Law Amendment Act 1885" wegen Homosexualität verurteilt wurden, die Aufhebung ihres Urteils beantragen – in der Praxis werden diese aus den Akten und Führungszeugnissen gestrichen. Ist das bereits erfolgt, gelten diese Männer ab heute ebenfalls als begnadigt, ansonsten müssen sie diesen Schritt noch beantragen.

Rund 15.000 Männer, die verurteilt wurden, seien noch am leben, schätzte der britische Justiz-Staatssekretär Sam Gyimah. Die Begnadigung betreffe zudem rund 49.000 verstorbene Männer. "Wir können das verursachte Leid nicht ungeschehen machen, aber wir haben uns entschuldigt und gehandelt, um auf das Unrecht Recht folgen zu lassen", sagte Gyimah am Dienstag. Eine Entschädigung der Männer ist allerdings nicht vorgesehen.

Verurteilungen noch bis 2001

Die allgemeine Strafbarkeit homosexueller Handlungen wurde 1967 abgeschafft, ein unterschiedliches Schutzalter blieb allerdings noch bis 2001 in Kraft. In Schottland und Nordirland, wo der schwule Sex unter Erwachsenen noch bis Anfang der Achtziger strafbar war, müssen die Regionalparlamente entsprechende Begnadigungen selbst auf den Weg bringen. Keine Auswirkungen hat die Rehabilitierung auf ehemalige Kronkolonien und Mitglieder des Commonwealths, obwohl das britische Strafrecht Vorbild für die Verfolgung von Homosexuellen in vielen der Länder wurde und diese teilweise bis heute anhält.

In der Presse wurde das Gesetz als "Alan Turing Law" bezeichnet. Turing war ein schwuler Mathematiker und Vordenker des Computer-Zeitalters, der während des Zweiten Weltkriegs eine Maschine zur Entschlüsselung deutscher Funksprüche entwickelt hatte, die nach Ansicht von Experten den Krieg verkürzte. Trotz dieser Heldentat wurde er 1952 wegen "grober Unzucht und sexueller Perversion" verurteilt, musste sich einer "chemischen Kastration" unterziehen und beging kurze Zeit später Selbstmord.

2009 hatte sich der damalige Premierminister Gordon Brown für die Behandlung entschuldigt, 2013 wurde Turing auf Antrag der damaligen konservativ-liberalen Regierung von Königin Elisabeth II. begnadigt (queer.de berichtete). Von seinem Leben handelt der Film "The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben" mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle.

Kein "Pardon" für Klappensex

Von der Rehabilitierung nicht umfasst werden Verurteilungen aufgrund von Taten, die Personen unter 16 Jahren umfassen oder keinen einvernehmlichen Sex betreffen. Bizarrerweise sind auch Männer von einer Rehabilitierung ausgenommen, die auf einer öffentlichen Toilette verhaftet wurden – eine solche Handlung ist, unter einem anderen Gesetz, noch heute strafbar. LGBTI-Aktivisten kritisierten, dass die Beibehaltung dieser Verurteilungen nicht die Lebensumstände der damals noch stigmatisierten Männer berücksichtige.

Die Regierung hatte das Gesetz im letzten Oktober als eine Ergänzung zur "Policing and Crime Bill 2016" erst ins Parlament eingebracht, als Abgeordnete bereits einen ähnlichen Entwurf berieten, der von dem schottischen Abgeordneten John Nicholson (SNP) formuliert worden war. Er sah weniger Ausnahmen vor und sollte auch noch lebende Männer automatisch umfassen.

In Deutschland hatte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Ende Oktober 2016 einen Gesetzentwurf für die strafrechtliche Rehabilitierung von Männern vorgelegt, die in der Bundesrepublik und der DDR wegen einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Handlungen verurteilt worden waren. Der Entwurf sieht auch eine individuelle Entschädigung von 3.000 Euro pro Urteil und je 1.500 Euro pro Jahr Freiheitsentzug vor (queer.de berichtete). Männer, die aufgrund des Paragrafen 175 in der Nazi-Zeit verurteilt worden waren, wurden bereits 2002 vom Bundestag rehabilitiert. (nb)



#1 ollinaieProfil
  • 01.02.2017, 02:27hSeligenstadt
  • Wie ich bereits zuvor geschrieben habe, halte ich ein "Pardon" für unwürdig.

    Eine "revocation" des Gesetztes wäre angebracht gewesen!
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#2 Patroklos
#3 TheDad
  • 01.02.2017, 11:20h
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • ""Es passiert etwas und DAS ist die Hauptsache!""..

    Schreib das Deinen Angehörigen..
    Die können sich dann nach Deinem Ableben darauf einigen auf Deinem Grabstein die Worte einmeißeln zu lassen :
    Hier liegt ein nach seinem Tod Rehabilitierter..
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#4 Patroklos
#5 TheDad
  • 01.02.2017, 21:08h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • Dummes Kind..
    Ich war schon geoutet als der Paragraph noch galt, und Du mit dem Brummkreisel um den Tannenbaum herumgelaufen bist..
    Im Gegensatz zu Dir war ich dort schon von der RKK gelöst, und die Episode in der EKD dauerte, bis Dir erste Schamhärchen spriesten..

    Da hätte bei Dir das nachdenken einsetzen können, was Du bis Heute offensiv vermeidest..
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#6 Patroklos
#7 TheDad
  • 02.02.2017, 10:18h
  • Antwort auf #6 von Patroklos
  • ""Da bin ich ja froh, daß ich mich erst geoutet habe, als der Paragraph 175 StGB im Jahr 1994 endgültig abgeschafft wurde!""..

    Das werde ich Dir hier auch nicht zum Vorwurf machen, denn ich kann verstehen, warum man so gehandelt hat..

    Für mich war es in der damaligen Situation in der Familie aber eben keine Option auf irgendetwas zu warten, oder auf irgendjemanden Rücksichten zu nehmen..
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#8 stromboliProfil
  • 09.02.2017, 09:16hberlin
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • "Es passiert etwas und DAS ist die Hauptsache!"
    Es passiert "etwas" aber nicht das richtige!
    Man "begnadigt" .. !
    Auch zu recht verurteilte werden "begnadigt".
    Es wird den opfern nicht gerecht und enlastet die täter, den staat!
    Sprache ist auch der hinweis auf fehlendes, unterdrücktes oder zu verschleierndes.
    Drum muss gelten:
    Kein hirnloises verzeihen , kein weiter sich knechten lassen!

    Was du wohl nie lernen wirst ist integrität, die über dein persönliches wohlergehen hinausgeht.
    Ich gehe sogar so weit dir zu unterstellen, dass bei nichtabschaffung des §175 , du heute noch im schrank sitzen würdest.
    Dank gewisser gern verleugneter leute, bist du ja aber in der lage, "angstfrei dich zu deiner veranlagung zu bekennen...
    So besehen kann heute JEDER sein comming out vollziehen ohne mut und zivielcourage zu zeigen!
    Letzteres fehlt dir mangels integrität..
    so schliest sich der kreis!
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