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Vorbild neurechter Trolls

Berkeley: Protest gegen "Milo"-Auftritt in Gewalt eskaliert

Der schwule Rechtspopulist Milo Yiannopoulos konnte nicht wie geplant einen Vortrag an der Uni halten. Präsident Trump springt ihm bei.


(Bild: Berfrois / twitter)

Einer der eher unwahrscheinlichen Shootingsstars der Neuen Rechten weltweit, der britische Blogger Milo Yiannopoulos, ist am Mittwoch durch teils gewaltsame Proteste an einem Auftritt an der University of California in Berkeley gehindert worden.

Der 32-jährige "Breitbart"-Autor wollte dort einen Vortrag im Rahmen seiner "Dangerous Faggot Tour" halten. Wie in anderen Städten zuvor hatten Bürgerrechtler und auch LGBTI-Organisationen eine Absage gefordert, da es sich nicht um freie Meinungsäußerung, sondern um Hass und Volksverhetzung handle.

Nachdem bis zu 2.000 Menschen friedlich gegen "Milo" protestiert hatten, kam es laut Polizei zu Ausschreitungen aus einer kleineren Menge von Vermummten heraus. Sie legten Feuer, schlugen Scheiben ein und durchbrachen Absperrungen, bis die Polizei das ganze Gelände absperrte und dadurch auch den Vortrag unmöglich machte. Die Krawalle verlegten sich teilweise noch in die Stadt.

Direktlink | Ein Bericht zu den Ausschreitungen von ABC News

Die Ausschreitungen wurden am Donnerstag selbst vom US-Präsidenten auf Twitter kommentiert: "Wenn UC Berkeley freie Meinungsäußerung nicht erlaubt und Gewalt gegen unschuldige Menschen mit anderen Ansichten verübt – KEINE BUNDESMITTEL?"

Twitter / realDonaldTrump

Die Universität betonte in einer Stellungnahme, dass sie den Auftritt nicht verboten hatte und die meisten Menschen friedlich demonstriert hätten: "Die Gewalt ging von einer Gruppe von 150 maskierten Anstiftern aus, die auf den Campus kamen und einen ansonsten nicht gewalttätigen Protest unterbrachen."

Neben Trump nutzten auch rechte Medien die Krawalle für ihre Zwecke: Der Sender Fox News behauptete etwa, die Linke habe sich damit selbst besiegt. Ein Kommentator meinte, an der Uni müsse es viele "homophobe, rassistische Ausländerfeinde" geben. Der einflussreiche Publizist Ben Shapiro sprach gar von "Faschisten auf dem Campus".

Vom braven Musterschüler zur ultrarechten Krawall-Tunte

Der in Athen geborene Yiannopoulos hatte in Großbritannien eine Karriere in katholischen Medien gemacht und war etwa vor wenigen Jahren, damals noch recht brav und bieder, in Talkshows aufgetreten, um sich gegen eine Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare auszusprechen.

Direktlink | "Milo" 2012

Inzwischen ist er, nach einer Verwandlung zu einer andauernd mit krassen, hetzerischen Aussagen die öffentliche Aufmerksamkeit suchende, sich extrem schrill inszenierende "Schwuchtel" (so die Eigenbezeichnung "Faggot") zu einem Shooting-Star der Neurechten weltweit und besonders in den USA geworden, wo er für "Breitbart News" schreibt und vor allem antifeministische und islamophobe Stimmungsmache betreibt. Auch über Lesben und Transgender machte er sich in einem vermeintlichen Kampf gegen "politische Korrektheit" lustig.

Direktlink | Die Verwandlung: "Milo" 2016

Im letzten Juli trat er auf einer Wahlkampfveranstaltung für Trump auf; bei den "Gays for Trump" kritisierte er vor ultrarechten Besuchern die Linke als "Verräter an den Schwulen", da sie "den Islam" unterstützten (queer.de berichtete). Er trug dazu ein T-Shirt mit einer Pistole in Regenbogenfarben und dem Spruch "Wir schießen zurück".

Einschränkung von Meinungsfreiheit beklagender Anführer von Hetzmobs

Kurz vor der Veranstaltung war er von Twitter lebenslang gesperrt worden, weil er einen rassistischen und sexistischen Online-Hetzmob gegen die Schauspielerin Leslie Jones mit angefeuert hatte. Das Netzwerk hatte "einen seiner schlimmsten Trolle" (The Verge) schon mehrfach temporär gesperrt, auch weil er sich als Twitter-Mitarbeiter darstellte. Yiannopoulos nutzte damals seine Akkreditierung im Weißen Haus, um nach der Durchsetzung von Meinungsfreiheit zu fragen.

Der "Guardian" kommentierte dazu, in Wirklichkeit kämpfe er für das Recht, marginalisierte Gruppen derart online zu schikanieren und zu beschimpfen, dass sie sich zurückziehen und auf ihr Recht zur Meinungsäußerung verzichten. Die Verbannung aus Twitter trage nun zu Milos "vergiftendem Vermächtnis" bei, kommentierte dort auch die Technologie-Journalistin Leigh Alexander, die von Yiannopoulos im sogenannten "GamerGate" angegriffen wurde. Er betreibe Hasssprache und Schmierkampagnen gegen andere ("zumeist Frauen und People of Colour"), bis diese soziale Medien nicht mehr konstruktiv nutzen könnten. Nun werde er als Märtyrer freier Rede gefeiert, beklagte sie.


Yiannopoulos im Januar bei einer Veranstaltung an der Universität von Colorado

Auf Facebook, wo "Milo" nicht gesperrt ist und inzwischen auf fast 1,5 Millionen Anhänger kommt, beklagte er folglich am Donnerstag die Gewalt und deren angebliche Unterstützung durch Prominente und "lügende" Medien. Zuletzt hatte er Boykottaufrufe gegen den Verlag Simon & Schuster für sich genutzt: Im März soll dort, nach einer berichteten Vorauszahlung von rund 250.000 US-Dollar, seine Autobiographie erscheinen. Seit der Ankündigen ist das Buch in den Top Ten der Vorbestellungen bei der amerikanischen Version von amazon vertreten.



#1 Patroklos
  • 02.02.2017, 21:22h
  • Da wäre ich wirklich gerne dabei gewesen und voll mitgemacht, um dem Kasper seinen Auftritt an der Uni in Berkeley zu vermiesen!
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#2 ursus
  • 02.02.2017, 21:31h
  • "no federal funds?"

    wäre trump mir nicht schon unheimlich genug, schlügen spätestens jetzt alle meine alarmglocken. ich kann mir gut vorstellen, dass er am liebsten alle kritischen wissenschaften unter irgendeinem albernen lügenvorwand einfach ausrotten würde. das würden ja andere politiker_innen auch. ob es nun gut oder schlecht ist, dass trump seine drohungen wenigstens völlig unverhohlen ausspricht, statt seine feuchten träume einer wissenschaft im dienst der herrschenden ideologie so hinterrücks einzuführen, wie das anderswo geschieht, weiß ich nicht.

    aber es wird immer deutlicher: der mann legt ohne jeden skrupel und völlig offen die axt an sämtliche wurzeln der freien gesellschaft.
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#3 der WurzelAnonym