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Prozessauftakt

Leverkusen: Schwuler schießt auf Bruder

Ein 23-Jähriger muss sich wegen Schüssen auf seinen älteren Bruder vor dem Kölner Landgericht verantworten. Dieser habe ihn wegen seiner Homosexualität bedroht, so der Angeklagte.


Der Beschuldigte soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in einer Psychiatrie untergebracht werden (Bild: Hans Splinter / flickr)

Vor der 21. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts hat laut einem Bericht des "Leverkusener Anzeigers" am Donnerstag der Prozess gegen einen schwulen 23-Jährigen begonnen, der seinen angeblich homophoben 32-jährigen Bruder vergangenes Jahr in Leverkusen-Quettingen mit einer Schusswaffe lebensgefährlich verletzt hatte.

Das Opfer war zwei Mal im Unterleib und ein Mal im Arm getroffen worden. Der Beschuldigte aus einer Familie mit marokkanischem Migrationshintergrund, der bereits vor der Tat psychisch auffällig gewesen sein soll, ist wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Laut seiner Verteidigung habe der Angeklagte vor der Tat die Schusswaffe besorgt, weil er von seinem Bruder wegen seiner Homosexualität als "Schande für die Familie" jahrelang drangsaliert worden sei. So habe der Bruder ihn vor einer Kölner Schwulenbar zusammengeschlagen. Mit der Waffe habe sich der 23-Jährige Respekt verschaffen wollen. Als sich die beiden am 19. Juni 2016 vor der elterlichen Wohnung trafen, habe der Angeklagte aus Angst die Waffe gezogen und mehrere Schüsse auf seinen älteren Bruder abgegeben.

Opfer dementiert, homophob zu sein

Im Zeugenstand dementierte der angeschossene Bruder, der wegen seiner Verletzungen immer noch arbeitsunfähig ist, die Version des Angeklagten. Er habe von der Homosexualität des jüngeren Bruders erst wenige Monate vor den Schüssen erfahren, weil dieser ihn wegen dem angeblichen Vorfall vor der Schwulenbar angezeigt und die Polizei ihn deshalb aufgesucht hatte. Dieser Vorwurf sei aber frei erfunden gewesen.

Auch die Homosexualität seines Bruders sei ihm egal gewesen: "Ich bin im Rheinland geboren und aufgewachsen und weiß sehr genau, dass jeder Jeck anders ist", zitierte ihn der "Leverkusener Anzeiger". Zudem sei der Angeklagte immer wieder psychisch auffällig gewesen – so habe dieser seit mehreren Jahren behauptet, ein Zauberer zu sein. Seine Schwester habe er als Hexe bezeichnet, die er töten müsse.

Ein Arzt hatte dem Beschuldigten nach der Festnahme Haftunfähigkeit bescheinigt. Der junge Mann wurde deshalb in einer Psychiatrie untergebracht. Die Staatsanwaltschaft strebt keine Haftstrafe an, es soll vielmehr im Prozess darum gehen, ob er in einer geschlossenen Klinik sicherheitsverwahrt wird. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt, insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt. (cw)