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Soziales Experiment auf Video

So reagieren Passanten auf ein Coming-out in der Fußgängerzone

Ein Jugendlicher stellte sich mit einem "Ich bin schwul"-Schild in die Essener Innenstadt und testete die Neugier und Akzeptanz seiner Mitmenschen.


Mal was anderes als "Jesus rettet": Video-Experiment von queerblick in der Essener Innenstadt (Bild: Screenshot)

Wer kennt sie nicht, die Menschen, die mit "Jesus rettet"-Schildern durch die Innenstädte ziehen? Davon hat sich Kevin vom Videoprojekt queerblick inspirieren lassen. Allerdings hat er eine ganz andere Botschaft. Auf seinem Schild steht geschrieben: "Ich bin schwul. Habt ihr Fragen?"

Mit dieser Aufschrift stellte er sich einen Nachmittag lang in die Essener Innenstadt und wartete darauf, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Viele verwunderte Blicke gab es. Einige Menschen gingen kopfschüttelnd vorbei. Und einige Passanten trauten sich, Kevin direkt anzusprechen. Eine ältere Dame fragte etwa: "Was wollen Sie denn damit bezwecken?".

Viele positive, aber auch einige negative Reaktionen

"Lassen Sie ihn doch seiner Schwulheit nachgehen", meinte ein anderer Passant gegenüber queerblick-Reporterin Lisa und drückte damit sein Missfallen für die Aktion aus, ein öffentliches Coming-out herbeizuführen. Ein weiterer Herr hatte nur verachtendes Mitleid für Kevin und andere Homosexuellen übrig: "Man wird so geboren. Und das ist traurig und schade. Aber ich kann's nicht ändern."

Überwiegend waren die Reaktionen aber positiv. Ein Vater erzählte von seinem schwulen Sohn und viele Passanten stimmten zu, dass es noch viel zu tun gibt in Sachen Akzeptanz. "Solche Aktionen müsste es viel häufiger geben. Sonst kennt man solche Schilder nur vom CSD. Aber wir müssen das ganz Jahr über für Vielfalt aufklären", sagt Lisa.

Das Videoprojekt queerblick will am Thema dranbleiben. Eine lesbische Version des Experiments sei bereits gedreht. (cw/pm)



#1 Patroklos
  • 05.02.2017, 12:28h
  • Die Aktion ist echt cool! Trotzdem muß man bei so manchem Passanten mit dem Kopf schütteln und da braucht es noch viel Aufklärung!
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#2 FlatinkaProfil
  • 05.02.2017, 12:35hHannover
  • Eine sehr schöne Aktion mit guter Botschaft. Ich verstehe nur nicht, weshalb sich so viele ignorant dagegenstellen
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#3 schabrakke_Anonym
  • 05.02.2017, 13:52h
  • Ich wäre auch kopfschüttelnd an dem Schild vorbeigegangen, und zwar weil es grundlos das Klischee perpetuiert (à la Daffydd Thomas) von dem Schwulen, der ständig einen Anlaß sucht, seine Sexualität zu thematisieren, und zwar nicht auf dieselbe Weise, wie es alle anderen auch tun ("Ich habe das Wochenende mit meinem Freund/meiner Freundin verbracht"), sondern in direkter Abgrenzung vom Mainstream. Ich finde das einfach nur albern.
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#4 SebiAnonym
  • 05.02.2017, 14:04h
  • Coole Aktion.

    Aber: die meisten der gezeigten Kommentare fand ich eher negativ. Negativ sind ja nicht nur Beleidigungen, Pöbeleien und Drohungen, sondern auch solche Aussagen wie dass man es schade findet, dass es Schwule gibt aber man das ja leider nicht ändern könne. Das ist eine subtilere, aber nicht minder beleidigende und herabwürdigende Diskriminierung.

    Oder ähnlich diese Kommentare, die in die Richtung gehen: soll ruhig jeder machen was er will, aber muss man das so öffentlich machen? Auch das ist letztlich genauso homophob und genau so herabwürdigend, weil es unterstellt, LGBTI müssten sich verstecken, weil sie irgendwie minderwertig seien oder irgendwas verbotenes täten.

    Ich kann mich nur immer wieder wundern, wie dumm, borniert und eingebildet manche Menschen sind.
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#5 TheDadProfil
  • 05.02.2017, 14:22hHannover
  • Antwort auf #3 von schabrakke_
  • "" und zwar weil es grundlos das Klischee perpetuiert (à la Daffydd Thomas) von dem Schwulen, der ständig einen Anlaß sucht, seine Sexualität zu thematisieren""..

    Du hast weder den dahinterstehenden Gag, noch die Botschaft verstanden, die mit diesen Comedy-Clips von Matt Lucas und David Walliams in Little Britain verbunden sind, denn sie sind ein Running-Gag als Protest an die mangelnde Sichtbarkeit der LGBTTIQ* in Großbritannien, ausgelöst durch die Clause28 der Thatcher-Regierung, die das "positiv Reden über Homosexualität" in GB verboten hat !

    Das was Du hier als
    ""ständig einen Anlaß sucht, seine Sexualität zu thematisieren""
    beschreibst, gilt es zu bekämpfen, denn es ist der Ausdruck der Heteronormativität des "darüber spricht man nicht", was dann zur Unsichtbarkeit von LGBTTIQ*-Menschen in der Gesellschaft führen soll !

    Verklemmt sein ist keine Alternative zur Aufklärung !
    Im Gegenteil..
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#6 FinnAnonym
  • 05.02.2017, 14:34h
  • Wäre es nicht in den Konsequenzen so dramatisch, könnte man sich über die unlogischen und dummen "Argumente" mancher Leute echt nur noch amüsieren.

    Z.B. dieser Typ, der nicht will, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen, weil es "keine Menschheit mehr gäbe, wenn alle schwul oder lesbisch wären":

    was hat das eine bitteschön mit dem anderen zu tun? Nur weil Schwule und Lesben heiraten dürfen, werden Heteros doch nicht gezwungen, auch schwul bzw. lesbisch zu werden.

    Manche Leute scheinen einfach loszublubbern und kein bisschen nachzudenken, was sie überhaupt von sich geben.

    Oder um es mit Dieter Nuhr zu sagen:
    "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."

    Oder mit J.K. Rowling:
    "Wieso können Menschen, die einfach nur Löcher in die Welt leben, nicht wenigstens den Mund halten."
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#7 AlexAnonym
  • 05.02.2017, 15:34h
  • Antwort auf #6 von Finn
  • Ich finde das Video eher schwach und erkläre das beispielhaft an zwei Zitaten aus dem Kommentar von Finn.

    @@@@@@@@@@@@@@@@@@@@
    nicht will, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen, weil es "keine Menschheit mehr gäbe, wenn alle schwul oder lesbisch wären".
    @@@@@@@@@@@@@@@@@@@@

    GEGENARGUMENT:
    @@@@@@@@@@@@@@@@@@@@
    Nur weil Schwule und Lesben heiraten dürfen, werden Heteros doch nicht gezwungen, keine Kinder mehr zu bekommen oder schwul bzw. lesbisch zu werden.
    @@@@@@@@@@@@@@@@@@@@

    Ja, dieses Scheinargument gegen Gleichstellung ist in einem Satz widerlegt. Leider ist das in diesem Video nicht geschehen.

    Stattdessen wurde nur ein Argument gebracht (Kinder adoptieren), was in der falschen Logik des Gegners widerlegbar ist (wo sollen diese Kinder herkommen?) und ihm nicht die Absurdität seiner Aussage vor Augen führt.

    Und wenn solche unwidersprochenen Behauptungen dann auch noch veröffentlicht werden, erreicht man das Gegenteil - dass manche Zuseher auf solche Behauptungen reinfallen.

    Aus diesem Grund möchte ich auch an die Macher solcher Videos appellieren, sich besser vorzubereiten!!!

    Wenn man auf solche Meinungen trifft, muss man auch gleich die passenden Gegenfragen bzw. Gegenargumente parat haben und darf sowas nicht einfach im Raum stehen lassen.

    Es gibt ca. ein Dutzend Schein-Argumente gegen Gleichstellung, die immer wieder erzählt werden, die sich aber alle in 1-2 Sätzen widerlegen lassen. Und das sollte dann auch passieren.

    Ansonsten sind solche gutgemeinten Videos eher kontraproduktiv, weil sie falschen Aussagen ein Forum bieten ohne sie zu widerlegen.
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#8 LaurentProfil
  • 05.02.2017, 15:55hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Ich finde eine solche Aktion aus einem anderen Grund bedenklich:

    Sie suggeriert, ein Coming-out sei die einfachste Sache der Welt und verharmlost die damit verbundenen teils massiven Schwierigkeiten.
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#9 LinusAnonym
  • 05.02.2017, 16:19h
  • Antwort auf #7 von Alex
  • Volle Zustimmung.

    Wenn man schon solche Aussagen veröffentlicht, muss man sie auch mit der Wahrheit konfrontieren.

    Ein gutes Beispiel ist der Clip aus der heute-show, wo Lutz van der Horst Demonstranten der "Besorgten Eltern" interviewt. Einer behauptet, im Bildungsplan stünde was von Sexspielen im Unterricht. Daraufhin zieht Lutz van der Horst den Bildungsplan aus der Tasche und sagt "Ich habe den komplett gelesen und nichts dergleichen gefunden. Können Sie mir die betreffende Stelle zeigen?"

    Nur wenn man so gut vorbereitet ist, sind solche Videos sinnvoll. Wenn nicht, erreicht man das Gegenteil.
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#10 BiologeAnonym
  • 05.02.2017, 16:31h
  • Antwort auf #7 von Alex
  • Oder so?

    Nur weil Menschen schwul oder lesbisch sind, sind sie nicht "unfruchtbar" bzw. unfähig, Kinder zu bekommen und/oder für Kinder Sorge zu tragen. Ganz grundsätzlich können selbstbestimmte, sozial gleichberechtigt teilhabende Menschen dies in sehr vielfältiger Weise tun.

    Verhindert oder deutlich erschwert wird das lediglich durch gesellschaftliche und politische Unterdrückung und Diskriminierung. Und die schadet vor allem den betroffenen Kindern.
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