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Queerfilmnacht im Februar

Magnetische Jungs: Erst prügeln, dann küssen sie sich

André Téchiné spürt in seinem neuen Kinofilm "Mit siebzehn" dem Begehren zweier Jugendlicher nach, das sich zwischen Anziehung und Abstoßung gewaltsam seinen Weg bahnt.


Erste schwule Liebe in den Bergen: Tom und Damien entdecken, dass sie mehr als die Rauflust verbindet (Bild: Kool Filmdistribution)
  • Von Carsten Moll
    6. Februar 2017, 09:18h, Noch kein Kommentar

Tom und Damien trennt bloß noch ein Trimester vor dem Schulabschluss. Doch anstatt sich aufs Lernen zu konzentrieren, geraten die beiden Außenseiter bei jeder Gelegenheit aneinander und prügeln sich gegenseitig grün und blau. Die Lehrer sind so rat- wie hilflos, sie können sich nicht erklären, warum die Jungs immer und immer wieder in blinder Wut übereinander herfallen.

Etwas Ruhe kehrt erst ein, als Damiens Mutter, die Dorfärztin Marianne, Tom zu sich nach Hause holt. Denn Tom wohnt gemeinsam mit seinen Adoptiveltern hoch oben in den Bergen, unter dem langen Schulweg sowie der Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof leiden jedoch seine schulischen Leistungen.

Unter Mariannes Obhut soll er sich nun auf die anstehenden Prüfungen vorbereiten – und endlich seinen Frieden mit Damien schließen. Die Annäherung der beiden 17-Jährigen verläuft zwar alles andere als reibungslos, aber schon bald entdecken sie, dass sie mehr als die Rauflust verbindet.

Ruppige Dynamik mit der Handkamera


Poster zum Film: "Mit siebzehn" startet offiziell am 16. März 2017 im Kino, läuft jedoch bereits im Februar in der Queerfilmnacht

Während die Liebenden in der Screwballkomödie typischerweise über verbale Schlagabtausche zueinanderfinden, kommen sich die Protagonisten in so manchem schwulen Beziehungsdrama über Handgreiflichkeiten näher. So auch in André Téchinés "Mit siebzehn", wo der Faustschlag zwar auch sozial geächtet ist, aber zum ersten gleichgeschlechtlichen Körperkontakt doch mehr taugt als offene Zärtlichkeiten.

Die jugendliche Energie seiner Helden und die Spannung, die zwischen ihnen herrscht, fängt Téchinés Bildgestalter Julien Hirsch ("Lady Chatterley") dabei auf berückende Weise ein: Mit der Handkamera folgt Hirsch den Protagonisten, kommt ihnen mal hautnah und bleibt mal auf sicherer Distanz. Anhand der oft zitternden Aufnahmen wird so die ruppige Dynamik zwischen Tom und Damien spürbar, die sich gegenseitig aus der Ferne auflauern, nur um dann aus heiterem Himmel aufeinander loszustürmen.

Ein filmischer Mikrokosmos

Doch das von Téchiné gemeinsam mit Céline Sciamma ("Tomboy") geschriebene Drehbuch verlässt sich nicht einfach auf dieses im Kino oft erprobte Hin und Her sowie das mühevolle Zueinanderfinden. Wirklich bemerkenswert wird "Mit siebzehn" erst durch die detailreiche Schöpfung eines ganzen filmischen Mikrokosmos. Anhand von Andeutungen und Abschweifungen bereichert Téchiné den zentralen Konflikt und gesteht auch dem Schauplatz sowie den Nebenfiguren ein Eigenleben zu.

Hiervon profitiert besonders Sandrine Kiberlain, die in der Rolle der Marianne als eigentlicher Star von "Mit siebzehn" gelten darf. Während die gelungenen Darstellungen ihrer jungen Kollegen Kacey Mottet Klein und Corentin Fila von Gegenwärtigkeit und physischer Präsenz geprägt sind, lotet Kiberlain mit ihrem Spiel die ganze emotionale Tiefe dieses empfehlenswerten Dramas aus.

Direktlink | Trailer zum Film

Info zum Film

Mit siebzehn. Originaltitel: Quand on a 17 ans. Drama. Frankreich 2016. Regie: André Téchiné. Darsteller: Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Alexis Loret. Laufzeit: 116 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: Kool Filmdistribution. Kinostart: 16. März 2017. Im Februar bereits in der Queerfilmnacht zu sehen.
Galerie:
Mit Siebzehn
10 Bilder