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Frankfurter Homosexuellenprozesse 1950-51

In zehn Monaten wurden über 200 Schwule verhaftet

Der Dokumentarfilmer van-Tien Hoang erinnert an die Opfer einer beispiellosen Hexenjagd auf homo- und bisexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik.


Schwule Liebe endete für viele im Gefängnis: Szene aus "Das Ende des Schweigens" (Bild: van-Tien Hoang)

Die Festnahme eines Strichers am 16. Juli 1950 in Frankfurt am Main führte in der jungen Bundesrepublik zu einer regelrechten Hexenjagd auf homosexuelle Männer. Um dem Gefängnis zu entgehen, nannte der damals 19-jährige Otto Blankenstein den Ermittlern die Namen und Adressen seiner "Bekanntschaften" – und löste damit eine beispiellose Verhaftungswelle aus. Über 200 Männer mussten sich innerhalb von nur zehn Monaten wegen Verstoßes gegen den Paragraf 175 vor Gericht verantworten.

An diese kaum bekannten Frankfurter Homosexuellenprozesse möchte der Düsseldorfer Dokumentarfilmer van-Tien Hoang mit der abendfüllenden Dokumentation "Das Ende des Schweigens" erinnern, die er bereits begonnen hat und die er über Crowdfunding vollenden möchte. "Die Frankfurter Homosexuellenprozesse 1950-51 haben dazu beigetragen, dass der Paragraf 175 nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches erneut als Instrument benutzt wurde, um die gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern zu bestrafen", heißt es auf seiner Startnext-Kampagne.

Mindestens sechs Angeklagte nahmen sich das Leben

Verantwortlich für die Verhaftungwelle waren damals Staatsanwalt Fritz Thiede und Amtsgerichtsrat Kurt Ronimi, ein ehemaliger Nationalsozialist. Ihr Verfolgungseifer hatte für die betroffenen Männer schwerwiegende Folgen. Viele verloren ihren Arbeitsplatz, einige setzten sich ins Ausland ab. Nach Recherchen von van-Tien Hoang nahmen sich mindestens sechs Angeklagte das Leben – darunter ein 19-Jähriger, der vom Frankfurter Goetheturm in den Tod sprang.


Wolfgang Lauinger ist der vermutlich letzte Überlebende der Frankfurter Homosexuellenprozesse (Bild: van-Tien Hoang)

Als letztes überlebendes Opfer der Frankfurter Homosexuellenprozesse gilt der 1918 geborene Wolfgang Lauinger, der damals acht Monate in Untersuchungshaft saß. Durch das 2015 erschienene Buch "Lauingers. Eine Familiengeschichte aus Deutschland" wurde er bundesweit bekannt. Der 98-Jährige stellte sich der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld auch als Zeitzeuge zur Verfügung.

Mit Hilfe von Lauingers persönlichen Erinnerungen, Interviews mit weiteren Zeitzeugen und Historikern sowie ausführlichen Recherchen in Archiven will der 1980 geborene Dokumentarfilmer ein dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte erleuchten: "Bisher hat noch kein TV-Sender oder Filmemacher sich um eine filmische Aufarbeitung dieser Geschehnisse bemüht", erklärt van-Tien Hoang. "Dieser Dokumentarfilm soll als Denkmal für die Opfer und als Mahnmal dienen, damit sich eine solche Hexenjagd nicht wiederholt." (cw)

Direktlink | Video zur Crowdfunding-Kampagne



#1 annonymAnonym
#2 myysteryAnonym
  • 10.02.2017, 09:58h
  • Wann genau wird diese abendfüllende Dokumentation in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten für die Allgemeinheit sichtbar gemacht?
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#3 FDP1951-WatchAnonym
  • 10.02.2017, 11:15h
  • Das waren also die Prioritäten in der jungen Bundesrepublik... Eine Schande!
    Während die FDP forderte "Schluss mit der Entnazifizierung", war sie in Gestalt von Thomas Dehler dabei, in alter Nazi-Mentalität die Tradition der Verfolgung weiter zu betreiben. Klar doch... war die Justiz und diese Partei selber noch von Nazis durchseucht, die sich selber reinwuschen, aber weiter Unschuldige zu Verbrechern erklärten.
    Da hat man noch viel in der Geschichte der jungen BRD aber auch der jungen FDP aufzuarbeiten.
    Man kann den 68ern nicht genug danken, gegen diese Mentalität angekämpft zu haben!

    blog.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de/wp-content/uploads/2013
    /10/Entnazif-FDP-schluss-mit-entnazifizierung.jpg
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#4 GurkenhobelAnonym
  • 10.02.2017, 14:52h
  • Antwort auf #3 von FDP1951-Watch
  • Und was genau soll das FDP-Bashing? Als ob die CDU zB da besser gewesen wäre. Und was genau hat Entnazifizierung mit der Verfolgung Homosexueller zu tun? Die Siegermächte und auch der Bundestag haben die Verschärfung der Strafbarkeit nicht als typisch nationalsozialistisches Unrecht eingestuft und das Recht weiter angewendet. Darüber hinaus wurden - was kaum bekannt ist - bei der Befreiung der KZ nicht alle Inhaftierten freigelassen. Die mit dem "rosa Winkel" nämlich gerade nicht, weil deren Inhaftierung als gerechtfertigt angesehen wurde.

    Mal abgesehen davon, dass auch in der SPD sich erst in den späten 60ern die Auffassung durchgesetzt hat, dass man §§ 175ff. StGB entschärfen müsste. Aber auch in der SPD war damals kaum jemand dafür, die Paragraphen ganz abzuschaffen.

    Hier einfach eine Partei anzugreifen, weil bald Bundestagswahl ist und du die Partei vielleicht nicht magst, ist einfach verfehlt. Kritisier die FDP für das, was sie heute ist und macht oder auch gerade nicht macht (da gibt es schließlich genug Angriffsmöglichkeiten), aber nicht für etwas, was damals ein Problem so gut wie aller Parteien war. Insbesondere lässt du dabei außer Acht, dass die FDP auch ihre "guten Jahre" hatte (in den 70er Jahren in der sozialliberalen Koalition). Mit der FDP wurde im Übrigen auch 1973 der § 175 StGB weiter entschärft.
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#5 RobinAnonym
  • 10.02.2017, 15:15h
  • Wann kommt endlich die von Heiko Maas noch für diese Legislaturperiode versprochene Rehabilitierung solcher Opfer?
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#6 FDP1951-WatchAnonym
  • 10.02.2017, 15:55h
  • Antwort auf #4 von Gurkenhobel
  • Ich vergesse nicht, was die FDP in diesen "guten Jahren" getan hat. Diese FDP aber ist 1982 gestorben.
    Bei diesem Thema ist es genau richtig und wichtig über die damaligen Verantwortlichen zu reden. Das hat mit der BTW oder einer Sympathie oder Antipathie für die Partei nichts zu tun.
    Auf der einen Seite wurde so oft gegen die Wiedergutmachung argumentiert, dass dies rechtlich nicht möglich sei.
    Auf der anderen Seite wurde bis heute kaum aufgearbeitet oder ignoriert, wie Alt-Nazis an der (UN-)Rechtssprechung noch beteiligt waren.
    Neulich war ich im Haus der Geschichte und mir fiel dieses Plakat sofort auf.
    Was meinst du, was einem da sofort in den Sinn kommt?
    Dieselben Leute, die damals einen Schlussstrich unter der NS-Zeit ziehen wollten und eine Amnestie für ALLE Verbrechen der NS-Zeit forderten und von Liberalität sprachen, waren die ersten, die diese Liberalität hinsichtlich der Sexualität verweigerten und Homosexuelle zu Verbrechern erklärten und weiter verfolgten. Nichts mit Liberalität und Amnestie für vermeintliche Verbrecher.

    www1.wdr.de/archiv/wiederaufbau/entnazifizierung108.html

    Da ist noch viel Dreck aufzuarbeiten.
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#7 LinusAnonym
  • 10.02.2017, 17:13h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • Ich fürchte gar nicht.

    Denn das ist doch nur schon Wahlkampf-Vorbereitung der SPD. Das Thema "100% Gleichstellung" können die nicht nochmal verwenden, darauf würde niemand mehr reinfallen.

    Also bereiten sie jetzt dieses Thema vor, damit sie dann im Herbst sagen können "Leider hat es nicht mehr ganz geklappt, wenn wir das noch umsetzen sollen, müsst ihr uns wählen." Und dann wird es aber auch nicht kommen - zur Erinnerung, die Rehabilitierung war auch schon vor der letzten Wahl versprochen.

    Das ist alte SPD-Taktik:
    vor den Wahlen immer viel versprechen. Der ein oder andere wird schon drauf reinfallen.
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#8 Patroklos
#9 Miguel53deProfil
  • 11.02.2017, 00:16hOttawa
  • Antwort auf #4 von Gurkenhobel
  • Da von 1950/51 die Rede ist, ist der Hinweis auf die FDP in dieser Zeit korrekt und mehr als begründet.

    Diese war von ehemaligen Nazis unterwandert. Die FDP in NRW ohnehin stark rechtslastig und national orientiert.

    Der Wahlslogan zum Ende der Entnazifizierung der FDP kam nicht von ungefähr.

    de.m.wikipedia.org/wiki/Naumann-Kreis

    Wirklich liberal war die Partei nur in der Zeit des Vorsitzenden Scheel. Ab 1982 war das voellig vorbei. Diese Zeit hat nicht wirklich lange gedauert. Der Herr Graf hatte die Geschichte zurückgedreht und Genscher hat bis zum Schluss mitgemacht. Lediglich Frau Hamm-Bruecher hat Haltung bewahrt und der Partei am Ende den Ruecken gekehrt.

    Es stimmt, dass die SPD sich nicht mit Ruhm bekleckert hat und aktuell bekleckert. Richtig ist aber auch, dass Heinemann schon als Justizminister ca. 1965 den Paragraphen 175 ganz streichen wollte. Das scheiterte an der CDU und fuehren dann mit der FDP zumindest zur ersten Aenderung.

    Zudem gibt es keine Partei, die so oft so tiefgreifende Veraenderungen zu "Homo-Rechten" gefoerdert hat, um dann bei Abstimmungen dagegen zu stimmen, als die FDP. Von 1969 abgesehen.

    Der schwule Westerwelle selbst hat vehement gegen das Partnerschafts-Gesetz gestimmt. Nur um sich als einer der ersten mit seinem Herrn Mronz zu verpartnern und das auch noch als Heirat zu verkaufen.

    Der ganz große Skandal damals war, dass alle Eben und alle staatstragende Institutionen an dieser Jagd beteiligt waren. Politiker. Richter. Polizei. Bundesrichter. Kirchen. Presse. Und das das bis heute immer noch nicht endgültig aufgearbeitet ist.

    Und so erlebt möglicherweise auch der letzte Ueberlebende dieser speziellen, hier beschriebenen, Geschichte nicht mehr seine Rehabilitierung. Von Geld will ich nicht einmal reden, sondern nur von der moralischen Seite.

    Aber was rede ich. Die CDU hat da sicher noch Diskussionsbeitrag.
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#10 Homonklin44Profil
  • 11.02.2017, 04:29hTauroa Point
  • Das ist wieder sowas, wo sich die Tatsache, dass in Deutschland unterschiedliche Menschenwertklassen gefahren werden, denen unterschiedliche Rechte zugestanden werden, in den eigenen Schwanz beißt.

    Solange diese Vollversion der Menschenrechte/Lebensbelange/Akzeptanz und gleiche Würde uns nicht zugestanden wird, gibt es willkürliche Verzögerungen in Aufarbeitung und Rehabilitierung, und wahrscheinlich wird da noch so einiges verheimlicht.

    Ich bin zwar jünger als diese Zeit und weiiit ab davon, ein Geschichts-Ass oder befriedigend bewandert zu sein, aber dass sich Altnazis in sämtlichen der heute so gereinigt tuenden Parteien untergemogelt oder hofrecht drin eingelebt hatten, das weiß man heute. Da gibt es sogar Dokumente drüber, und schon die alten Leute erzählten immer davon, ihren Peinigern aus dem Lager, Ghetto oder wo sie wohnen mussten, in neuen Positionen in der jungen BRD wieder mit neuen Ängsten gegenüber gestanden zu haben.
    Das mit der Entnazifizierung war wohl ein hehrer Plan, aber wie viele mögen ihr Gedankentum hinter neuer Farbe vertarnt haben?
    ... Wie viele haben die Glutnester dieses Gedankentums bewahrt, weiter gereicht, und leben heute möglicherweise ein psychisch doppeltes Lottchen?

    Gruselig, wenn man das liest und mitbekommt, was in diesen Zeiten möglich wurde, wenn man sich verliebte, oder zwecks ONS ect. begegnete.
    Bedenklich, wie lange das möglich blieb und auch heute wieder von einigen ZeitgenossInnen gepflegt werden soll.
    Unmöglich ist die Taktik der Zeitverzögerung, die gefahren wird, sowohl um die Aufarbeitung als auch um eine wenigstens dem Anstand gebührende Zeichensetzung.

    Rückgrat und Charakter mag in der Zeit unserer PolitikerInnen nicht mehr "in" sein. So lese ich dieses geierhafte Abwarten unserer mit Ehren Verberuften mit, bis die letzten Zeitzeugen versterben.

    hoffentlich flammen diese vermaledeiten Glutnester jener gruseligen Ideologie in den Köpfen nie mehr auf. Allein, mir fehlt daran der Glaube.
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