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Wahrscheinliches Hassverbrechen

Zagreb: Verletzte nach Angriff auf LGBTI-Party

Eine unbekannte Person warf eine Tränengas-Kartusche in den Club "Super Super". Bei der Flucht wurden mehrere Personen verletzt.


Der Club am Tag danach zeigt die von Besuchern eingeschlagenen Fensterscheiben

In der Nacht zum Samstag ist es in der kroatischen Hauptstadt Zagreb zu einem offensichtlich homofeindlich motivierten Anschlag gekommen. Gegen 3.30 Uhr warf ein bislang unbekannter Täter einen Behälter mit Tränengas in den Disco-Bereich des populären Clubs "Super Super", in dem gerade eine Party für LGBTI und ihre Freunde stattfand.

In der folgenden Panik schlugen Besucher Fensterscheiben ein, um für eine bessere Belüftung zu sorgen; manche flohen aus einem großen Fenster im ersten Stock. Während der Flucht wurden vor allem im Treppenbereich des Clubs mehrere Personen leicht verletzt, zwei von ihnen mussten ärztlich versorgt werden.


Die Polizei ermittelt

"Erst habe ich etwas komisches gerochen, als ich getanzt habe, und dann haben plötzlich alle begonnen, zu husten und zu würgen", sagte ein 22-jähriger Partybesucher dem Szene-Portal CroL.hr. "Du kannst nicht atmen, es fühlt sich an, als würde Dein Gesicht auseinanderfallen". Es sei ein Wunder, dass nicht mehr Leute verletzt wurden: "Das ist ein kleiner Ort mit sehr wenig Luft und da waren viele Leute."

Plötzliche Gedanken an Orlando

Ein 29-Jähriger meinte gegenüber CroL.hr, der Angriff sei versuchter Massenmord gewesen, da zur Flucht nur eine Treppe zur Verfügung stand. Er habe gesehen, wie Menschen fielen und teilweise von Security-Personal wieder aufgehoben werden konnten. Leute hätten ersticken und zu Tode getreten werden können, befürchtete er. Manche hatten in der Panik gedacht, Schüsse gehört zu haben, sagte ein weiterer Augenzeuge: "Ich dachte, das ist wie in Orlando."

Vor dem Gebäude umarmten sich Medienberichten zufolge die Menschen, die gerade aus dem Gebäude fliehen konnten – sie hatten sich auch gesorgt, dass draußen Angreifer stehen könnten. Tränen der Erleichterung ergänzten die durch Gas verursachten Tränen. Viele Augenzeugen zeigten sich später verärgert, dass der Unbekannte in den Club eindringen und später fliehen konnte. Während die Polizei am Sonntag am Tatort ausführlich ermittelte, hat der Club angekündigt, seine Security zu verstärken.

Direktlink | Ein Augenzeuge berichtete gegenüber Medien, bei der wilden Flucht auf der Treppe sei er gefallen und Leute über ihn gestiegen. Alles ging so schnell, dass er sich an vieles nicht mehr erinnern könne.

CSD beklagt "Eskalation des Hasses"

Der Zagreb Pride hat die Polizei aufgefordert, zügig und umfassend die Hintergründe des "gewalttätigen Akt des Hasses" zu ermitteln und Maßnahmen zu ergreifen, die Sicherheit und die Menschenrechte von LGBTIQ in Zagreb und Kroatien zu gewährleisten.

"In den letzten Monaten haben wir eine Eskalation des Hasses in der Öffentlichkeit erlebt, angefacht durch einen zunehmend aggressiven und lauten Diskurs der radikal-klerikalen Rechten gegen die in der Verfassung garantierten Werte Kroatiens, unterstützt durch die taktische Zustimmung der Regierung." Man habe immer wieder auf ein Schweigen der Regierung gegenüber Anstiftung zum Hass hingwiesen. Der Angriff zeige, wohin das führe.

Der Premier- und Innenminister müssten wie die Regierung "laut und deutlich" die Gewalt verurteilen, forderte der CSD. "Wir werden uns nicht ergeben oder im Kampf für unsere Menschenrechte zurückdrängen lassen. Wir lassen uns nicht durch Tränengas zum Schweigen bringen, wie wir es auch nicht nach dem ersten CSD 2002 getan haben. Das Recht und die Liebe ist auf unser Seite und wir werden stolz marschieren, nicht nur zum CSD, sondern auch an jedem Tag außerhalb unserer sicheren Wände. Hass wird nie in der Lage sein, Liebe zu bezwingen."


Eine junge Frau, die an dem Abend verletzt wurde, klagte auf Facebook Politiker an, die LGBTI verschweigen und ihre Rechte bekämpfen: "Schlaft ihr noch friedlich?"

Die regierende christdemokratische Partei schrieb am Sonntag in einem Statement, sie vertraue darauf, dass das Innenministerium den oder die Verantwortlichen für die Tat schnell finde. Man verurteile "alle Formen von Gewalt und alle Formen von Hate Speech und Diskriminierung" aufgrund der Herkunft oder sexuellen Orientierung einer Person.

Der sozialdemokratische Oppositionsführer Davor Bernardic kommentierte am Sonntag auf Twitter: "Gestern wurde die LGBT-Minderheit attackiert. Heute könnten es nationale oder religiöse Minderheiten sein. Und morgen könntest Du dran sein." Der ebenfalls sozialdemokratische Bürgermeister Zagrebs, Milan Bandic, betonte, der Angriff habe sich gegen den "Geist der Toleranz" gerichtet, auf den seine Stadt und Bürger stolz seien.



Der CSD Zagrebs hat inzwischen für Montag um 18 Uhr zu einer Kundgebung unter dem Titel "Liebe ist und bleibt stärker als Hass" aufgerufen. Man lade alle Bürger der Republik dazu ein, zu demonstrieren, dass man bei Gewalt nicht wegschaue.

 Update  13.2., 12.50h: Reaktion von Volker Beck

Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck kommentierte zu dem "erschütternden" Anschlag: "Wer Tränengasgranaten in einen vollen Club wirft, nimmt Tote in Kauf. Die kroatische LGBTTI-Community soll wissen, dass wir das genau verfolgen werden und solidarisch an ihrer Seite stehen. Solche Hassverbrechen sind ein Angriff auf alle, die für ein offene und tolerante und Gesellschaft einstehen."



#1 markusbln11Anonym
  • 12.02.2017, 23:16h
  • Ich bin erschüttert. Welch ein gesellschaftliches klima stiftet menschen zu solch kriminellem handeln gegenüber lgbt an.

    Nun, unter anderem die katholische kirche schürt anscheinend wieder einmal hass auf minderheiten, so unter anderem lgbt, wobei das bis dato nicht auf dem europäischen medienschirm war, so verstehe ich den artikel. Hassbotschaften aus kirchlichen umfeld können natürlich zur absenkung der hemmschwelle für gewalt und verbrechen in einer gesellschaft führen.

    Eine art moderner inquisition, in der menschen eingeschüchtert werden sollen, gedrängt werden sollen, sich aus angst aus der öffentlichkeit ins private versteck zurückziehen und auf ihre rechte verzichten. Das kann nicht sein.

    Hoffen wir auf eine starke öffentliche präsenz der kroatischen lgbt, auf dass neben den politikern aller parteien auch die kirchenvertreter zu klaren rechtsstaatlichen statements finden werden. Keine akzeptanz für hass, verachtung, einschüchterung!
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#2 RobinAnonym
  • 13.02.2017, 10:25h
  • Die zunehmende Gewaltbereitschaft ist leider ganz deutlich zu beobachten.

    Da Kroation EU-Land ist, wäre es eigentlich Aufgabe der EU, solchen Entwicklungen gegenzusteuern. Aber die EU ist so sehr damit beschäftigt, sich bei Wirtschafts- und Währungskrise, Flüchtlinkskrise, etc. von Krise zu Krise zu hangeln, dass wohl für LGBTI-Rechte keine Zeit mehr bleibt.

    Manche homo- und transphoben Staaten hätten erst gar nicht in die EU rein gedurft. Diese Großmanns-Sucht die EU zu einer Weltmacht machen zu wollen, wird letztlich irgendwann ihr Scheitern bedeuten.
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#3 trans_allianceProfil
  • 13.02.2017, 10:29h
  • ... auch das Kroatische Parlament und die Regierung, haben Art 21 der Grundrechte Charta, hinsichtlich der sexuellen Orientierung und des Geschlecht zu wahren.

    'Wir' erwarten dass Sie ihren Verpflichtungen nachkommen.
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#4 LinusAnonym
  • 13.02.2017, 15:34h
  • Antwort auf #2 von Robin
  • Die vorschnelle EU-Osterweiterung ist letztlich auch der Grund, weshalb Großbritannien (als ein sehr wichtiges EU-Mitglied) jetzt die Reißleine zieht und aussteigt.

    Denn die Grüne, weshalb die meisten Menschen für den Brexit gestimmt haben sind letztlich alles Konsequenzen der vorschnellen Ost-Erweiterung.

    Mir wäre es lieber gewesen, wenn Polen, Ungarn, Kroatione, etc. nicht in die EU gekommen wäre und dafür Großbritannien drin geblieben wäre (und vielleicht auch noch Norwegen und Island reingekommen wären).

    Das sind Staaten, die nicht nur wirtschaftlich viel mehr Nutzen für die EU gehabt hätten (und nicht wie z.B. Polen, die nur kassieren, aber dann an allem rummotzen und sich an nichts halten wollen), sondern die uns auch kulturell und von der Mentalität her viel näher gewesen wären (und die noch dazu im Gegensatz zu den Ost-Ländern sehr homofreundlich sind).
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#5 Julian SAnonym
  • 13.02.2017, 15:46h
  • Antwort auf #4 von Linus
  • Ja, die Ost-Erweiterung ohne definitive Zusagen dieser Staaten war bereits ein historischer Fehler der EU. Da haben blauäugige Eurokraten gedacht, dass sich diese Staaten von alleine ändern, wenn sie erst mal Mitglied sind. Das Gegenteil war der Fall: nachdem sie Mitglied waren, gab es keine Druckmittel mehr und sie können machen, was sie wollen...

    Und als dann auch noch mit der Diktatur in der Türkei weiterhin über einen Beitritt verhandelt wurde, war das für viele Briten zu viel. Fehler der Vergangenheit hätten sie noch verziehen, aber dass die EU aus diesen Fehlern GAR NICHTS lernt und sogar mit einer De-facto-Diktatur weiter verhandelt, hat nichts mehr mit der Wertegemeinschaft zu tun, die die EU mal sein wollte und sollte.

    Als dann auch noch Angela Merkel monatelang unkontrollierte Zuwanderung in die EU ermöglicht hat und dann auch noch rumtönte, die anderen EU-Mitglieder müssten jetzt für ihren Fehler geradestehen und auch noch mehr Leute als eh schon aufnehmen (die nicht mal asylberechtigt sind), war das für die Mehrheit der Briten der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

    Die Briten waren mal glühende Verfechter der europäischen Idee (auch wenn sie immer ihre Eigenständigkeit bewahren wollten), aber die aktuelle EU und die Politik der deutschen, schwarz-roten Bundesregierung haben die Briten geradezu aus der EU vertrieben...
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#6 TheDad
#7 stromboliProfil
  • 13.02.2017, 16:21hberlin
  • Antwort auf #4 von Linus
  • man wollte aus dem niedergang der udssr kapital schlagen und die frontline näher an das restrussland bringen.
    Die damit verbundenen kosten hoffte man auf dem ausbau der binnenwirtschaftlichen destabilisierung der arbeitsmärkte zu erreichen.
    Billiglohnländer ala polen, baltische staaten und slowenien oder ungarn, waren am billiglohn in der brd maßgeblich beteiligt.
    Erst mit der erweiterung war harz4 nötig.

    Auch hat ja die später zusammengestoppelte eu-verfassung gerade jene bereiche der sozialen sicherungen einzelner vormals sozialdemokratischer regionen so verwässert ( übrigens dank auch GB spät-tachersismus unter mayor&blair, denen die wirtschaftlichen aspekte wichtiger waren als soziale.. )
    , sodas die sozialen-arbeitsrechts und menschenrechtsfragen nur als noch zu verhandelnder anhang in den vertrag aufgenommen wurde. ( siehe lissabon-vertrag.)

    So politisch geordnet, gehn wir ins zweite jahrzehnt mit der aussicht auf kalten krieg.. das hält die massen nieder.
    Fragt keiner mehr nach der zukunft seiner rente, ist doch die zukunft ohnenhin wieder offen.

    Heut baut man an den grenzen zu russland kassernen und raketensilos.. marktwirtschaftlich ein geschäft für die darbende osteuropäische bauwirtschaft, die am bau zum berliner flughafen an die grenze ihrer leistungsfähigkeit gekommen ist.
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#8 SebiAnonym
  • 13.02.2017, 17:10h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Du willst jetzt nicht allen Ernstes eine Sitcom als Quelle für wahre Gründe heranziehen...

    Also ich bin jeden Monat 2 Wochenenden in GB, weil mein Freund Brite ist. Und ich kann Dir versichern: die meisten Briten, die den Brexit wollten, fanden die EU im Prinzip mal gut. Aber das, was aus der EU in den letzten Jahren geworden ist und was GB seine Souveränität nahm, fanden sie nicht mehr gut.

    Insbesondere haben die Briten ein sehr feines Gespür für Demokratie und Debattenkultur. Und sie sind nach wie vor entsetzt, dass das EU-Parlament so eine Operettenveranstaltung ist, während die wirklich wichtigen Dinge von der Kommission und in irgendwelchen Hinterzimmern ausgekungelt werden.

    Und es stört die Briten (wie fast alle EU-Bürger), dass Angela Merkel sich als Königin von Europa aufspielt und auch entsprechend agiert.

    Klar wollte GB von Anfang an weniger Zentralismus und mehr Eigenständigkeit als die anderen, aber ganz ehrlich: wenn ich dieses Bürokratie-Monster EU sehe, wo selbst simpelste demokratische Mechanismen nicht gelten, kann ich das sehr gut verstehen.
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#9 TheDad
  • 13.02.2017, 20:02h
  • Antwort auf #8 von Sebi
  • ""Du willst jetzt nicht allen Ernstes eine Sitcom als Quelle für wahre Gründe heranziehen...""..

    Warum nicht ?
    Erklär doch mal was an der Erklärung Sir Humphrey Appleby's, grandios verkörpert vom Schwulem Nigel Hawthorne, leider 2001 schon verstorben, nicht stimmig ist ?

    Die Briten arbeiten seit 500 Jahren an der Dekonstruktion eines geeinten Europa, indem sie je nach belieben Allianzen gründen und sie wieder verlassen, und mit diesen Alliierten zu brechen, und sie mit den eben noch Feinden zu bekämpfen indem sie eine neue Allianz eingehen..
    Und warum sollte man etwas was seit 500 Jahren so wunderbar funktioniert nicht fortsetzen ?

    Auch wenn es sich nur um eine mit schwarzem Humor durchzogene britische Sitcom handelt..
    Die Beschreibung der damals aktuellen Politik der Thatcher-Regierung, die sich bis Heute nicht wirklich verändert hat, ist sehr gelungen..
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#10 TheDad
  • 13.02.2017, 20:05h
  • Antwort auf #8 von Sebi
  • Ach so..
    Das noch..

    ""Und sie sind nach wie vor entsetzt, dass das EU-Parlament so eine Operettenveranstaltung ist, während die wirklich wichtigen Dinge von der Kommission und in irgendwelchen Hinterzimmern ausgekungelt werden.""..

    Wer sich mal eine Sitzung des Britischen Unterhauses angeschaut hat, weiß was eine "Operettenveranstaltung" ist, und warum reale Politik in "Hinterzimmern ausgekungelt" wird..
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