Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?28232

Projekt Pride-Rettung

Nach der Insolvenz: So geht es weiter mit dem Kölner CSD

Ein Bündnis aus der Szene übernimmt die Verantwortung für das Straßenfest im Juli. Gesucht wird Unterstützung von allen Seiten – und selbst ein neuer Name.


Der CSD lockt jedes Jahr ein ganzes Wochenende lang Menschenmassen auf den Heumarkt, wie hier 2015 beim Auftritt von Conchita Wurst, und auf weitere angrenzende Plätze der Domstadt. Das macht die Planungen für einen "Not"-CSD 2017 nicht einfacher. (Bild: ColognePride)

Es war halb erwartet worden und sendete dennoch Schockwellen durch die Szene: Am Dienstag stellte der Kölner Lesben- und Schwulentag, der Verein, der seit 1991 den CSD in der Domstadt organisierte, einen Insolvenzantrag (queer.de berichtete). Während sich manche über den KLuST-Vorstand und seine Informationspolitik ärgerten, machten sich andere weitaus größere Sorgen: Wie lässt sich innerhalb von rund vier Monaten ein mehrtägiges Großevent retten? Vorgesehen ist der Pride für das Wochenende vom 7. bis 9. Juli.

Die Sorgen waren bereits Mitte Dezember aufgetreten, als der KLuST auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über Finanzschwierigkeiten berichtete, über deren Ausmaße man selbst noch keine rechte Übersicht habe – der zuständige Vorstand war nicht mehr erreichbar. Ein ehrenamtliches Lenkungsteam bekam den Auftrag, die finanzielle Lage und die Struktur des Vereins genau zu untersuchen. Am Montag stellte das Team dem Vorstand seinen Bericht über die Überschuldung des Vereins vor, es folgte der Bußgang zum Amtsgericht. Der Vorstand will dazu noch mit Details in die Öffentlichkeit gehen.

Während der Mitgliederversammlung im Dezember hatten sich zugleich viele Verantwortliche aus der Szene besorgt über das sich abzeichnende Chaos gezeigt und in vielen Gesprächen einen Plan B aufgestellt. Unter Federführung von Aids-Hilfe Köln und rubicon e.V. entstand ein noch namenloses Bündnis aus 20 Organisationen, Gruppen und Vereinen, das nun den CSD stemmen will – zunächst nur für dieses Jahr.

Fast alles zurück auf Null

In Abstimmung mit der Kölner Szene und dem Bündnis sollen vor allem zwei bekannte und erfahrene Szenegesichter den CSD retten: Der Rechtsanwalt Markus Danuser und Sabine Arnolds (u.a. Chefredaktion "Phenomenelle"). Beide waren bis vor einigen Jahren bereits im KLuST mit der Ausrichtung des Prides vertraut.

Um der Szene, aber auch Partnern und Sponsoren das Vertrauen zu geben, dass es in diesem Jahr definitiv einen CSD geben wird, hatte das Bündnis bereits am Dienstagabend zu einer Pressekonferenz geladen – für manche Medien war das wiederum zu spontan. Am nächsten Tag klingt Sabine Arnolds am Telefon noch immer ein wenig wie die Jungfrau, die unverhofft zu einem Kind gekommen ist. Aber die dennoch Zuversicht und Optimismus streut.


Wollen den CSD retten: Patrik Maas (Aids-Hilfe NRW), Michael Schuhmacher (Aids-Hilfe Köln), Beate Blatz (rubicon), Markus Danuser, Sabine Arnolds und Matthias Eiting (Gastronom). Bild: Kölner CSD-Bündnis 2017

"Ein genaues Bild des CSD 2017 können wir erst in wenigen Wochen vermitteln", so Arnolds. "Aber wir haben die Wirte im Boot, sowohl aus der Altstadt als auch von der Schaafenstraße." Zum Bündnis gehören neben Aids-Hilfen und rubicon u.a. der SC Janus, der Völklinger Kreis, die Wirtschaftsweiber oder das queere Jugendzentrum anyway – eine solide Basis.

Zunächst sind Anlaufschwierigkeiten zu überwältigen: Mit der Insolvenz verliert der CSD seine Geschäftsstelle, ihr Mitarbeiter hat bereits einen neuen Job. Die Homepage und die Facebook-Seite – derzeit offline – kann der CSD-Nachfolger nicht nutzen, selbst der Name "Cologne Pride" fällt wohl der Insolvenz zum Opfer. Auch das von der KLuST-MV beschlossene Motto für dieses Jahr, "Nie wieder", könnte mindestens in seiner Umsetzung hinfällig sein. Vieles mehr ist neben dem eigentlichen Straßenfest zu klären, etwa das Rahmen- und Bühnenprogramm oder das Programmheft. Die Sponsoren!


Der KLuST hatte im letzten November über das Motto 2017 abstimmen lassen, eine Mehrheit entschied sich für "Nie wieder" (queer.de berichtete).

Ohnehin werde der CSD 2017 "so sparsam wie möglich" werden, sagt Arnolds. Zugleich könne man das Straßenfest schwer verkleinern, wenn die Anzahl der Besucher und Teilnehmer sicher auf gleich hohem Niveau bleiben werde. Das Bündnis plant, die Kooperation mit der CityProjekt Veranstaltungs GmbH beizubehalten, die das Straßenfest gegen eine Lizenzgebühr veranstaltet. Was anderes sei auch kaum noch möglich: "Die haben das Know-How und die Bereitschaft, es wieder zu machen", so Arnolds.

Parade von Insolvenz unberührt

Alles beim alten bleibt bei der großen CSD-Demonstration: Die wird seit Jahren von einem ehemaligen KLuST-Vorstand unabhängig vom Verein organisiert, Versammlungsleiter Jörg Kalitowitsch kann dabei auf viel ehrenamtliche Unterstützung zählen. Diese wird wie in den Vorjahren auch der CSD brauchen.


Die Kölner CSD-Demo lockt mir ihrer Mischung aus Politik und Fun und ihrem Ausdruck des vielfältigen Community-Lebens jedes Jahr Hunderttausende an. Bild: Norbert Blech

Wenn in den nächsten Wochen ein paar weitere Dinge grundsätzlich geklärt sind, wollen sich die neuen Veranstalter an die Öffentlichkeit wenden; wer sie kennt, kann sie freilich schonmal ansprechen. Wenn der "Not"-CSD erfolgreich über die Bühne gegangen ist, wovon das Bündnis ausgeht, stehen dann grundsätzlichere Überlegungen an über eine Struktur, die die nächsten Jahre sicher und effizient wie transparent trägt.

Zunächst ist aber auch ein Gespräch mit der Stadt fällig: "Ganz ohne finanzielle Unterstützung wird das in diesem Jahr nicht gehen", sagt Arnolds. Und betont: "Auch die Stadt profitiert ja von einem CSD."



#1 SebiAnonym
  • 15.02.2017, 17:45h
  • Mal eine dumme Frage:
    Wieso kann man den Namen "Cologne Pride" nicht mehr verwenden?

    Das ist nicht nur ein sehr passender Name, sondern es hat lange genug gedauert, den international zu etablieren und jetzt, wo der sogar im Ausland vielen ein Begriff ist, soll man den ersetzen?

    Da es ja ein generischer Begriff ist und kein Markenname oder so (die Stadt heißt nun mal Köln, also international Cologne, und die Veranstaltung ist nun mal der Pride) dürfte das auch rechtlich problemlos möglich sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PeerAnonym
  • 15.02.2017, 17:54h
  • Ich finde es sehr gut, dass sich jetzt Leute zusammenfinden, die den Cologne Pride retten.

    Danke dafür!

    Ich hoffe, dass in Zukunft die Organisation auf breitere Beine gestellt wird und dafür Sorge getragen wird, dass sich sowas nicht nochmal wiederholt.

    Aber warum man jetzt auf einen etablierten Namen verzichten will, verstehe ich auch nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Julian SAnonym
  • 15.02.2017, 18:09h
  • >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    Ohnehin werde der CSD 2017 "so sparsam wie möglich" werden, sagt Arnolds. Zugleich könne man das Straßenfest schwer verkleinern, wenn die Anzahl der Besucher und Teilnehmer sicher auf gleich hohem Niveau bleiben werde.
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Das wäre auch das komplett falsche Signal.

    Es hat Jahre oder gar Jahrzehnte gedauert, den Cologne Pride zu dem zu machen, was er heute ist.

    Da kommen Besucher aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland. Wenn jetzt da nur eine Sparversion über die Bühne läuft, wird man viele von denen verlieren. Denn Besucher verlieren geht ganz schnell - dafür genügt schon ein einzelner Mini-CSD. Aber die wieder zurückzugewinnen würde dann wieder Jahre dauern.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 MarekAnonym
  • 15.02.2017, 18:27h
  • Antwort auf #3 von Julian S
  • Der Cologne Pride ist nicht nur für LGBTI-Einrichtungen, sondern auch für die Stadt Köln, die Einzelhändler, die gesamte Gastronomie, die Hotels, den Verkehrsverbund, etc. ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die verdienen alle viel Geld mit dem Cologne Pride.

    Da habe ich auch nichts dagegen.

    Aber wäre es dann nicht redlich, in so einer Notlage auch mal einzuspringen und dafür zu sorgen, dass der Cologne Pride in bekanntem Ausmaß über die Bühne gehen kann und man nicht Besucher verprellt?! Denn davon profitieren ja alle oben Genannten dauerhaft und wenn der Cologne Pride Besucher verlieren würde, würden auch diese Akteure das spüren.

    Ich fände es deswegen nur recht und billig, dass die Stadt Köln, Einzelhändler, Gastronomie, Hotels, Verkehrsverbund, etc. auch jeweils einen kleinen Obulus zur Rettung des Colgne Pride in vollem Umfang mit geben würden.

    Wenn jeder ein bisschen geben würde, wäre das in der Summe schon ein deutliches Zeichen. Und gerade die Stadt Köln als Hauptprofiteur (durch Steuern, etc.) kann auch gerne ein bisschen mehr für dieses touristische Aushängeschild geben.

    Denn wie gesagt:
    die profitieren alle davon, dann können die auch mal einspringen, wenn Not am Mann ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 CatoAnonym
#6 Patroklos
  • 15.02.2017, 20:48h
  • Manchmal habe ich das Gefühl, daß das alles nur ein schlechter Traum ist, aus dem ich aufwachen möchte! Rettet den Kölner CSD!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LeogcAnonym
  • 16.02.2017, 08:42h
  • Die Frage nach dem Namen ist sicherlich nicht so einfach zu klären. Denn in beispielsweise gab es auch hier auf Gran Canaria im vergangenem Jahr das Problem mit einem wechsel in der "Leitung" der Maspalomas Pride und der Name war auch nicht so einfach zu übernehmen weil der tatsächlich als Markenname registriert war und die Webseite, FB-Seite sowie das Logo darunter gefallen sind. Letzendlich wurde hier eine Lücke gefunden und der Name blieb fast genau so erhalten. Aber wie dies rechtlich mit dem Namen Cologne Pride ist muss genau geprüft werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 lucdfProfil
  • 16.02.2017, 10:26hköln
  • Mir hat diese Veranstaltung nie gefallen und ich kann mich mit diesem Karneval nicht identifizieren. Eine gute Demo wäre mir lieber gewesen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 stromboliProfil
  • 16.02.2017, 10:31hberlin
  • was ich nicht so recht verstehe ist der umstand, dass ein sozial-gesellschaftliches markenzeichen plötzlich ein "privatrechtlich geschütztes markenzeichen wird... ala "firmenlogo.
    Wer hat denn da das markenzeichen schützen lassen, in wessen namen.

    Und welcher verein-vereinsvorstand hat das autorisiert!
    Bringt die leute auf die mediale und wenn möglich auf die justiziale anklagebank!
    Und vor allem: klagt gegen deren gewerbliche nutzung.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 stromboliProfil
  • 16.02.2017, 13:13hberlin
  • Antwort auf #8 von lucdf
  • ach jottchen. ...
    was ist eine gute demo; eine, die ein gutes ziel vor augen hat, und dies mit entsprechender wirksamkeit rüber bringt.
    Plakativ gesehen muss auf der anderen seite der am rande stehenden ein anderes ziel vorhanden sein , gegen dass es zu demonstrieren sich lohnt.
    Das kann mit gebürendem ernst den themen gegenüber geschehen, das kann witz und überbordende satire beinhalten.
    So war vormals der fummel eine karrikatur auf die heten, ihre erwartungshaltung uns schwulen gegenüber und eine satrie auf die heteronormative moral die da abgebildet wurde.
    Das saß! Das hat getroffen unter der gürtellinie der wohlstandsbäuche jener zeit.

    Wenn aber keine wirklich guten ziele vorhanden, man nur dem ohnehin vorhandenen mainstream hinterherhechelnd ein bild bieten will, dass die demonstrierenden in nichts von den am rand stehenden unterscheidet, ja was dann... karneval!
    Dann ist die queen ob drag , ob trans, interkuturell bereits teil einer mainstreamerwartung und somit keine bedrohung der alltagsmoral mehr.
    Wogegen also demonstrieren wenn doch vermeintlich alle so sind wie wir sein wollen...
    Loveparade.

    Ein bischen strassenhedonismus zum begaffen.
    Das teuer erkaufte straight acting will sichtbar werden.
    Da werden dann jugendlichkeit und muskelbauch zur gegenpose für das minderheitensynonym des neuen gewöhnlichen homosexuellen.
    Und im sprachgebrauch wird das neue zum gegenmodel des alten stilisiert.
    Berufschauspiel-anfänger.

    Plötzlich entdecken unpolitische einen hang zu politischem statesment..
    "Alte dürfen sich auf die grube vorbereiten und den jungen endlich platz machen."
    Geben sich in foren "witzige namen
    in deren endungen man jenes DEZIFIT an selbstbewusstsein herauslesen kann dass ihre kommentare so peinlich durchzieht:
    "nur nicht mit den << ANDEREN >> identifiziert werden.
    Schrankbubis!

    Ich meine, man kann auf solche verzichten, kann feiern wie einem gerade die lust ist, ohne sich gedanken darüber zu machen was womöglich aus deren ecke an ideen und nachdenklichen kommen könnte; da wird nicht kommen, weil nichts vorhanden.

    Und hier schließt sich der kreis der bewegung generell: sie ist entweder verkleinbürgerlicht oder verspießbürgerlicht.
    DAS WÄRE DER KRITIKPUNKT AM CSD INSGESAMT.
    Beides aber sind verhaltensmuster die obengenannten nichts nützen sondern nur ihren eigentlichen gegnern.
    Nützlich für die schwulen, die "lgbttq*'s und sonstwie sich nennnden andersartigen sind sie die sich so abgrenzenden nicht; nie gewesen!

    Ergo: raus mit dem balast.
    Schiebt sie ab in die entsprechenden reaktionären foren, bei berger oder sonstwem auch immer.
    Dort sind sie willkommene stichwortgeber für die afdhomos.

    Mein vorschlag in "güte: sollen doch die ihren eigenen demonstrationszug machen!
    Ich würde am strassenrand stehn um mich an diesen demonstranten fremdzuschämen.
    Und sprüche zur aufmunterung hab ich auch auf lager..
  • Antworten » | Direktlink »