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Mordversuch

Lüttich: Langjährige Haftstrafen nach homophober Attacke

Zwei Männer vergewaltigten einen Schwulen, verprügelten ihn und warfen den Schwerverletzten dann mitten im Winter in einen Fluss. Wegen Mordversuchs müssen beide nun für lange Zeit hinter Gittern verbringen.


Die Berufungsrichter revidierten das Urteil der Vorinstanz nach oben (Bild: Hans Splinter / flickr)

Ein Berufungsgericht in der wallonischen Großstadt Lüttich hat den 38-jährigen Michel L. und den 27-jährigen Robert M. wegen eines brutalen homophoben Übergriffs am Donnerstag zu einer Haftstrafe von elf bzw. sieben Jahren verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die beiden in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2015 aus Homophobie einen 53-jährigen geistig behinderten Schwulen im Stadtteil Angleur an eine abgelegene Stelle gelockt hatten und unter Gewaltandrohung vergewaltigten. Dabei wurde das Opfer homophob beschimpft.

Danach prügelten sie auf den Mann und warfen ihn in die eiskalte Urt, einen Nebenfluss der Maas – für die Richter ein Mordversuch. Der 53-Jährige konnte sich im eiskalten Wasser an einem Baumstamm festhalten und kam nur mit Glück mit dem Leben davon. Die Täter wurden erst Monate später von der Polizei gefasst, einer von ihnen im südfranzösischen Carcassonne.

Milde Urteile im ersten Prozess

Beim ersten Prozess fiel das Urteil noch weit milder aus: L. erhielt im Oktober 2016 sechs Jahre Haft, M. sogar nur eine Bewährungsstrafe von vier Jahren, weil er nicht wie der Haupttäter aus Homophobie gehandelt habe. Die Richter sahen es damals nicht als erwiesen an, dass das Opfer gegen seinen Willen festgehalten und vergewaltigt wurde. Der Anwalt des Opfers kündigte nach dem Urteil sofort Einspruch an.

Die belgische Gleichbehandlungsbehörde UNIA begrüßte das revidierte Urteil. "Dieses Urteil zeigt wieder einmal, dass Gewalt gegen Homosexuelle eine Realität ist", so UNIA-Chef Patrick Charlier. Es sei konsequent, dass die homophoben Motive zu einem höheren Strafmaß geführt hätten. Homophobie richte sich gegen den Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft, so Charlier.

Erst vor wenigen Jahren hatte der Mord an einem schwulen Mann in Lüttich für Entsetzen gesorgt: Am 22. April 2012 war der 32-jährige Ihsane Jarfi nach dem Verlassen eines Clubs in Lüttich verschwunden. Seine mit Verletzungen übersäte nackte Leiche wurde erst zehn Tage später in einem Feld gefunden. Drei Täter wurden zweieinhalb Jahre später zu lebenslänglicher Haft verurteilt, ein vierter Mann erhielt 40 Jahre Haft (queer.de berichtete). (dk)



#1 Patroklos
  • 17.02.2017, 19:15h
  • Gut, daß diesen beiden Subjekte nun drastischere Strafen als im ersten Prozeß aufgebrummt bekommen haben!
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#2 SchoonmakerProfil
  • 17.02.2017, 20:10hDoetinchem
  • Wow, in Liege wird also auch hart durchgegriffen. Da kann sich die deutsche Justiz mal ein Beispiel dran nehmen!
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#3 SebiAnonym
  • 17.02.2017, 20:12h
  • Richtig so!

    Wer jemanden zuerst verprügelt und danach den Schwerverletzten in einen Fluss wirft (noch dazu im Winter) will bewusst morden.

    Dass das Opfer geistig behindert war, kommt auch noch dazu.

    Am besten wäre es, wenn man diese Gefährder nie mehr auf die Menschheit loslassen würde.
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#4 MarekAnonym
  • 17.02.2017, 21:05h
  • Antwort auf #2 von Schoonmaker
  • Ja, in Deutschland hätte man was von "schwerer Kindheit" erzählt, die Täter hätten sich entschuldigt und Reue geheuchelt und dann wären sie mit ein paar Sozialstunden davon gekommen...

    Gut, dass anderswo homo- und transphobe Gewalt auch entsprechend geahndet wird.
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#5 Miguel53deProfil
  • 17.02.2017, 22:30hOttawa
  • Antwort auf #4 von Marek
  • Ich schaetzelein Deine Beitraege upimmer sehr. Hier bin ich allerdings nicht so recht glücklich.

    Das sind typische Saetze von Leuten, die nach "drastischen Strafen" rufen und von den "Weicheiern" in der Justiz.

    Das passt nicht zu Dir. hol noch mal tief Luft und ueberlegt noch mal.

    :-)
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#6 Homonklin44Profil
  • 18.02.2017, 03:52hTauroa Point
  • Antwort auf #4 von Marek
  • Stimmt, in Deutschland gilt ein Mordversuch nicht viel. Das konnte ich nun selbst erfahren, wobei man noch froh sein muss, wenn eine Geldstrafe erfolgt. Die dem Täter eventuell etwas zu überdenken gibt.
    Wie das gewichtet wird, weiß ich zwar nicht genau, aber wenn es in der Familie passiert, scheint da mehr durchgehen zu dürfen, als wenn Täter nicht verwandt sind.

    Bei den Verletzungen in dem Fall vom Artikel und der Eklatanz des Vorgehens wird es allerdings verständlich, dass die Strafen nun auch verschärft kommen.
    Das Opfer dürfte sich nach diesem Erlebnis nie wieder richtig erholen, und der traumatische Schaden ist erheblich, einschneidend lebensbegleitend.
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#7 T800Anonym
  • 19.02.2017, 01:45h
  • Antwort auf #6 von Homonklin44
  • Bullshit. Auf Mord gibt es lebenslänglich. Versuch kann milder bestraft werden, bei Mordversuch Minimum drei Jahre. Siehe Paragraphen 211, 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB. Ist immer noch zu wenig, aber nur Geldstrafe ist Quatsch. Mild, aber gerecht... Seid vorsichtig mit alternativen Fakten.
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#8 Carsten ACAnonym
  • 19.02.2017, 13:07h
  • Antwort auf #7 von T800
  • Aber ob sowas dann als Mordbversuch oder nicht gewertet würde, ist die andere Frage.

    Das wird dann einfach als Körperverletzung oder so abgetan und schon ist das Strafmaß deutlich geringer oder kann sogar zur Bewährung ausgesetzt werden. Mit dem Verweis, man wolle den Tätern nicht wegen einer Tat ihr Leben versauen. Dass die Opfer wegen einer Tat ihre Leben versaut haben, wird nur allzu leicht vergessen...
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#9 T800Anonym
  • 19.02.2017, 18:26h
  • Antwort auf #8 von Carsten AC
  • Ja, gut. Aber so einfach ist das eben nicht. Laien haben da wenig Ahnung und können oft nicht zwischen bspw. Mord und Totschlag unterscheiden. Alles ist gleich Mord. Ich finde auch, dass die Strafen oft viel zu milde bei Körperverletzungsdelikten ausfallen. Das ist aber primär dem Gesetzgeber zuzuschreiben, der ja den Strafrahmen festlegt, und nicht der Justiz. Sicher haben Richter einen gewissen Spielraum, aber es ist halt auch wichtig zu differenzieren und den Einzelfall zu sehen. Der ist Außenstehenden ja nicht zugänglich.
    Ich bin jedenfalls dankbar, dass hier nicht Zustände wie bspw. in China, den USA, den arabischen Ländern etc. herrschen, wo drakonische Strafen für jeden Kleinkram verhängt werden und die Todesstrafe praktiziert wird. Bestimmt gibt es asiatische Länder, in denen Volker Beck eine Hinrichtung drohen würde oder jedenfalls eine lange Haftstrafe. Wegen der Drogensache. Weil er schwul ist sowieso.
    Insofern bin jedenfalls ich höchstzufrieden, wie alles hier läuft. Optimiert werden kann natürlich immer. Aber im Großen und ganzen sehr gutes Rechtssystem. Nichts für ungut, aber nach härteren Strafen schreien auch immer die Rechten. Deshalb geht mir das so auf den Keks.
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#10 tchantchesProfil
  • 19.02.2017, 20:31hNaseweishausen
  • Bei 11 bzw. 7 Jahren sind die beiden, wenn sie sich nicht völlig daneben benehmen, in Belgien nach 4 bzw. 2 1/2 Jahren wieder draußen.

    Man kann ja schon froh sein, dass das belgische Strafrecht bei einer Reihe von Delikten eine Verdoppelung der Strafe vorsieht, wenn ein Hassverbrechen vorliegt. Andernfalls wäre der zweite Täter kaum im Gefängnis gelandet, denn Haftstrafen unter 3 Jahren werden wegen Überfüllung der Gefängnisse kaum noch vollstreckt.

    Und glatt noch was gelernt: dass die Ourthe bei den Germanophonen Urt heißt, wusste ich auch noch nicht. :-)
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