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Paragraf 175

Bundesdeutscher Staatsanwalt überführte Schwulen mit Gestapo-Akte

Der Zeitzeuge Wolfgang Lauinger berichtet in einem Video von einem skandalösen Verhör Anfang der Fünzigerjahre – und seiner mutigen Reaktion.


Wolfgang Lauinger ist der vermutlich letzte Überlebende der Frankfurter Homosexuellenprozesse (Bild: van-Tien Hoang)

Wie wichtig es ist, Zeitzeugen der deutschen Schwulenverfolgung zu befragen und ihre Aussagen zu dokumentieren, zeigt ein kurzer Ausschnitt aus einem Video-Interview mit Wolfgang Lauinger. Der 1918 geborene Schwule gehörte zu Beginn der Fünfzigerjahre zu den über 200 Männern, die im Rahmen der Frankfurter Homosexuellenprozesse in der jungen Bundesrepublik wegen Verstoßes gegen den Paragraf 175 vor Gericht standen.

In dem Video erzählt Lauinger, wie er nach seiner Festnahme dem Staatsanwalt Fritz Thiede gegenüberstand. Der Jurist, der als ehemaliger Nationalsozialist bereits im Dritten Reich brutal gegen homosexuelle Männer vorgegangen war, gehörte zu den Hauptverantwortlichen der beispiellosen Verhaftungswelle.

Als Wolfgang Lauinger in dem Verhör schwule Kontakte abstritt, habe ihn Thiede überraschend mit seiner Gestapo-Akte konfrontiert – bereits im Nationalsozialismus war er als Homosexueller, sogenanntes Swingkid und "Halbjude" verfolgt worden. Als Reaktion bekam der homohassende Staatsanwalt von dem in Untersuchungshaft sitzenden Schwulen eine Backpfeife.

Das Interview mit Wolfgang Lauinger wurde bereits im August 2015 gedreht, damals gefördert von der Homosexuellen Selbsthilfe, dem Hamburg Pride und der Stiftung die schwelle. Es bildet die Grundlage für die abendfüllende Dokumentation "Das Ende des Schweigens", die der Dokumentarfilmer van-Tien Hoang über die Frankfurter Homosexuellenprozesse plant und über eine aktuelle Crowdfunding-Kampagne finanzieren will. (mize)

Das früher verlinkte Youtube-Video ist mittlerweile offline, da van-Tien Hoang die Nutzung untersagt wurde. Wolfgang Lauingers Agentin Bettina Leder legt Wert auf die Feststellung, dass es nicht zu einer Ohrfeige gekommen sei. Lauingers Äußerung sei "nicht ganz eindeutig" gewesen.



#1 SebiAnonym
  • 19.02.2017, 09:44h
  • Auch nach dem Krieg bestanden die alten Seilschaften weiter und wurden fleißig genutzt, um die noch junge Bundesrepublik in eine von rechts gewünschte Richtung zu lenken.

    Die Folgen sind bis heute spürbar.

    Ein Beispiel ist auch der frühere NS-Richter Hans Filbinger, der Menschen in den Tod geschickt hatte, aber dennoch für die CDU von 1966 - 1978 Ministerpräsident von Baden-Württemberg war und von 1973 - 1979 stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU.

    Dieser Korpsgeist und die stramm rechte Gesinnung herrschen in weiten Teilen der Union bis heute.
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#2 Julian SAnonym
  • 19.02.2017, 09:59h
  • Bei der Gelegenheit:
    wann kommt endlich die von der SPD noch für diese Legislaturperiode versprochene Rehabilitierung und Entschädigung aller Opfer des §175 bis einschl. 1994?

    Oder ist das wieder mal nur ein Wahltrick der SPD angesichts der nahenden Bundestagswahl und wichtiger Landtagswahlen? Nach dem Motto: wieder mal das Blaue vom Himmel versprechen um Wählerstimmen zu bekommen und nach der Wahl ist dann alles wieder vergessen...
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#3 Carsten ACAnonym
  • 19.02.2017, 13:00h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Ich fürchte, dass es genau so ist:
    die SPD hat bei der letzten Wahl gesehen, wie leicht man mit ein paar Versprechen auch die Stimmen von GLBTI bekommt.

    Aber die Nummer mit den "100% Gleichstellung" können sie jetzt nicht nochmal bringen - das nimmt ihnen keiner mehr ab. Also haben sie sich diesmal das Thema "Rehabilitierung der §175-Opfer" ausgedacht, um bei der Wahl unsere Stimmen zu bekommen.

    Aber auch dies wird genauso wenig umgesetzt werden wie die versprochenen "100% Gleichstellung". Weil es für die SPD eben nur Wahlkampf-Getöse ist und weil sie gelernt haben, wie leicht man unsere Stimmen bekommt, wenn man etwas verspricht.

    Ich höre jetzt schon Herrn Maas im September reden:
    "Leider hat die Umsetzung unseres Gesetzes zeitlich nicht mehr ganz geklappt, aber wer möchte, dass das zu Ende gebracht wird, muss uns jetzt wählen."

    Aber Fakt ist, dass die Umsetzung weder vor noch nach der Wahl geplant ist, sondern dass das wieder nur Wahlkampftaktik ist. Würden sie es wirklich ernst meinen, wären 4 Jahre auch genug Zeit für ein Gesetz...
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#4 Patroklos
  • 19.02.2017, 13:01h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Wieder diese unterirdische SPD-Hetze, die bei Dir offen zutage tritt!

    Zum Thema: den Begriff "Swingkid" höre ich zum ersten Mal und ich finde es mutig, daß Wolfgang Lauinger dem Staatsanwalt Fritz Thiede, der schon unter den Nazis Karriere machte, eine geschallert hat! Sowas würde sich heute kein Angeklagter mehr trauen.
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#5 Julian SAnonym
  • 19.02.2017, 13:25h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • Was soll denn daran "unterirdische Hetze" sein?

    Dass die volle Rehabilitierung aller §175-Opfer noch diese Legislaturperiode kommt, war Versprechen der SPD. Aber nach anfänglichem Getöse um dieses Thema ist es jetzt seit Wochen verdächtig still darum geworden.

    Darum habe ich halt die berechtigte Frage gestellt, wann das denn kommt.

    Wenn das wirklich schon in der Umsetzung ist, kann man ja einen ungefähren Zeitplan nennen. Wie man es bei jedem anderen Gesetz ja auch kann.

    Und angesichts der Tatsache, dass man selbst auf Nachfragen keine Antwort dazu bekommt, war meine zweite Frage dann, ob eine Umsetzung wirklich geplant ist oder ob das nur Wahlkampfgetöse war, das eh nicht umgesetzt wird (wie die versprochenen "100% Gleichstellung", die ja auch nicht gekommen sind).

    Das war alles:
    wenn für Dich schon die Frage, wann ein Versprechen umgesetzt wird, Hetze ist, ist das ein Problem Deiner SPD-hörigen Traum-Welt.
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#6 SebiAnonym
  • 19.02.2017, 13:42h
  • Antwort auf #5 von Julian S
  • Die Erklärung ist ganz einfach:
    als das x-te Gutachten gesagt hat, dass eine Rehabilitierung nicht nur möglich ist, sondern sogar geboten ist, war das Thema auf einmal nicht mehr nur in Homo-Medien präsent, sondern tagelang in den Massenmedien.

    Also musste die SPD, der das Thema (obwohl sie das vor der letzten Wahl schonmal versprochen hatte) 3 Jahre lang egal war, plötzlich Aktionismus vortäuschen. Da hat dann Heiko Maas in allen Sendungen sein Betroffenheits-Gesicht aufgesetzt und Besserung gelobt.

    Und jetzt, wo das Thema wieder aus den Massenmedien raus ist, geht es weiter mit Business-as-usual.

    Und bei den breiten Massen bleibt nur hängen, dass die SPD sich darum kümmert. Viele, die nicht so in dem Thema drin sind, denken wahrscheinlich sogar, das sei längst erledigt.

    Alte Politiker-Taktik:
    wenn ein Thema gerade in der Öffentlichkeit ist, täuscht man Aktionismus vor und wenn das Thema dann nicht mehr in den Medien ist, wird es wieder zu den Akten gelegt. Und viele denken dann, das Thema sei schon erledigt.
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#7 AlexAnonym
#8 Leo 001Anonym
  • 19.02.2017, 14:37h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Lieber Julian,
    schimpfen ist einfach, machen ist schwerer. Es ist Programm, das heißt per Mehrheitsbeschluss festgelegtes und geschriebenes Ziel der SPD, die 100 % Ehe einzuführen. Nun es waren Wahlen und das Publikum hat mehr CDU und weniger SPD gewählt. In den Kooalitionsgesprächen wird verhandelt und da muss man einen Kompromiss eingehen oder gar nicht zusammen regieren. Die SPD glaubt es ist besser und auch im Interesse der vielen Wähler mitzuregieren, auch wenn man nicht alles verwirklichen kann, was man möchte. Das Ziel bleibt dabei nicht vergessen, und man bittet darum, bei der nächsten Wahl am 24 September wieder mehr SPD zu wählen, damit auch dieser Punkt endlich verwirklicht werden kann. Denn bitte verstehe, lieber Julian, es ist die CDU die es nicht möchte, nicht die SPD. Leonhard SPDqueer Baden-Württemberg und Stuttgart
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#9 Leo 001Anonym
  • 19.02.2017, 14:51h
  • Antwort auf #3 von Carsten AC
  • Lieber Carsten,
    in der Politik macht man ein Wahlprogramm mit den Wünschen, was man nach einer gewonnen Wahl verwirklichen will. Wenn nun die Gegenseite, die CDU in dem Fall mehr Stimmen bekommen hat und die SPD nur wenig, kann man eine Koalition verhandeln und zusammen regieren, das heißt aber daß man Kompromisse eingehen muss. Die Rehabilitierung § 175 ist seit vielen Jahren ein intensives Herzensthema der SPD und vieler SPD Politiker, aber auch einiger CDU Politiker, aber eben nicht alle. Auch diese Regierungszeit ist man mit Heiko Maaß weiter gekommen, es gibt ein Gesetzentwurf, es ist sehr umstritten, die finanzielle Höhe ist noch strittig und die CDU "hat Terminprobleme". So sieht also in manchen Punkten die Realität hinter den Kulissen aus. Das Sie, lieber Julian, das böswillig als "absichtlich" und "vorsätzlich wahlbetrügerisch" darstellen, ist falsch und unlauter und wird der Sache nicht gerecht. Wenn Sie die Sache interessiert, helfen Sie mit, daß mehr Menschen SPD wählen und nicht weniger. Die SPD ist nach wie vor dafür, es ist die CDU, die nicht will. Leonhard SPDqueer Baden-Württemberg und Stuttgart
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#10 SebiAnonym
  • 19.02.2017, 14:54h
  • Antwort auf #7 von Alex
  • Doch, das ist wohl der Fehler der SPD:

    1. Sie brauchen es ja nicht zu versprechen, wenn es nicht möglich ist. Tun sie das doch, ist das nur wieder Wählerverarsche.

    2. Niemand hat die SPD gezwngen, mit der Union zu koalieren. Es hätte auch eine Mehrheit links der Union gegeben.

    3. Die Zustimmung der Union ist gar nicht erforderlich, da es mit den Stimmen von Grünen und Linkspartei auch eine Mehrheit gäbe. Und laut deutschem Grundgesetz (Art. 38 GG) dürfen Abgeordnete nicht auf Weisungen anderer hören, sondern nur nach eigenen Wissen und Gewissen abstimmen. Und gerade in dieser Menschenrechtsfrage sollte die SPD von dieser Verpflichtung endlich mal Gebrauch machen und sich nicht immer nur von der Union vorführen lassen und dann die Schuld auf die Union abwälzen.

    Denn es gehört auch immer einer dazu, der dieses homophobe Spiel mitmacht und das der Union erst ermöglicht. Und das ist die SPD.
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