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Studie

Ehe-Öffnung führt zu weniger Selbstmordversuchen unter Jugendlichen

Nachdem die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht verwirklicht wurde, versuchten weniger junge Menschen in den USA, sich umzubringen – auch unter Heteros ging die Rate zurück.


Eine Gesellschaft, die Schwulen und Lesben – wie derzeit in Deutschland – das Heiraten verbietet, provoziert damit höhere Raten von Suizidversuchen (Bild: Agence Tophos / flickr)

Jährlich gibt es nach der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben in den USA 134.000 weniger Suizidversuche unter High-School-Schülern. Das ist das Hauptergebnis einer Studie der John-Hopkins-Universität in Baltimore, die am Montag im von der "American Medical Association" herausgegebenen Fachmagazin "JAMA Pediatrics" veröffentlicht worden ist. "Wir erbringen den Nachweis, dass die Ehe für alle die Gesundheit der Bevölkerung verbessert", heißt es in der Studie. Suizid ist nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache unter jungen Amerikanern.

Insgesamt werteten die Forscher Daten von über 760.000 Schülern aus, die von der Gesundheitsbehörde CDC erhoben worden waren. Die Daten schließen 32 von 35 Staaten ein, die zwischen Januar 2004 und Januar 2015 die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet haben – also vor der vom obersten Gerichtshof angeordneten nationalen Ehe-Öffnung im Juni 2015 (queer.de berichtete). Die Forscher betrachteten Daten aus dem Zeitraum zwischen Januar 1999 und Dezember 2015. Auch Daten aus Staaten, die die Ehe nicht geöffnet hatten, wurden einbezogen. Danach wurden die Staaten miteinander verglichen und andere Faktoren herausgerechnet.

14 Prozent Rückgang unter jungen LGB

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe mit einer nachhaltigen Reduktion der Selbstmordversuche unter Schülern um sieben Prozent einhergeht. Bei jungen Schwulen, Lesben und Bisexuellen ging sie sogar um 14 Prozent zurück. In Staaten, die weiterhin am Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare festhielten, gab es keine derartige Entwicklung.

Es sei aber unklar, ob der Effekt auf die Ehe-Öffnung selbst zurückzuführen sei oder die politischen Kampagnen, die damit einhergingen. Die Reduktion sei aber erst eingetreten, nachdem die Ehe für alle Gesetz geworden ist. Allerdings seien auch nach der Ehe-Öffnung die Selbstmordraten unter schwulen, lesbischen und bisexuellen Schülern noch immer höher als unter jungen Heterosexuellen.

Ehe für alle baut strukturelles Stigma ab

"Hier geht es um High-School-Schüler, die zum größten Teil noch keine Pläne für eine Eheschließung haben", sagte Studienleiterin Julia Raifman, eine Epidemiologin. "Trotzdem senkt die gleichgeschlechtliche Ehe das strukturelle Stigma, das mit sexueller Orientierung einhergeht." Die Ehe für alle würde nicht nur heiratswilligen Schwulen und Lesben helfen, weil alle davon profitieren würden, wenn die Stigmatisierung einer bestimmten Gruppe abgebaut werde. Sie warnte davor, dass bei einem Abbau der Gesetze zum Schutz von LGBTI die Suizidrate wieder nach oben schießen könnte. "Politiker müssen sich bewusst sein, dass ihre Politik in Bezug auf sexuelle Minderheiten einen realen Effekt auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen haben kann", so Raifman.

Bereits in den letzten Jahren hatten Studien herausgefunden, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einen erheblichen Einfluss auf das Wohlergehen von sexuellen Minderheiten hat. Eine US-Studie war etwa 2014 zu dem Ergebnis gekommen, dass Schwule und Lesben in homophoben Regionen zwölf Jahre eher sterben als in toleranten Gegenden (queer.de berichtete). (dk)



#1 SebiAnonym
  • 21.02.2017, 13:09h
  • Ein weiteres Argument, warum endlich auch in Deutschland die Ehe geöffnet werden muss.

    Jeder Politiker, Kirchenvertreter, Bürger, etc. der das blockiert oder auch nur verzögert, macht sich mitschuldig an toten Jugendlichen. Die haben alle Blut an ihren Händen, das sie niemals abgewaschen bekommen werden...

    Eheöffnung JETZT !!!!
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#2 JustusAnonym
  • 21.02.2017, 13:16h
  • Das wundert mich überhaupt nicht.

    Denn in allen Staaten, die die Ehe geöffnet haben, hat man gesehen, dass danach innerhalb kürzester Zeit die LGBTI-Akzeptanz deutlich ansteigt.

    Und das führt dann auch zu weniger Mobbing und weniger Gewalt gegen LGBTI. Und dann nehmen sich auch LGBTI-Jugendliche nicht mehr so oft das Leben.
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#3 SanottheEhemaliges Profil
  • 21.02.2017, 13:23h
  • "Nachdem die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben verwirklicht wurde"?

    Ernsthaft jetzt?

    Wir wissen aber schon, dass eine veränderte Gesetzeslage bezüglich eines einzigen Sachverhaltes NICHT bewirkt, dass Schwule und Lesben plötzlich in allen Bereichen, immer und überall gleichbehandelt werden?!

    Sicher ist die Ehe für Alle da kein unwichtiger Baustein - aber davon auszugehen, dass damit ja dann alles paletti ist, geht an der Realität komplett vorbei.
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  • Anm. d. Red.: Danke für den Hinweis. Natürlich geht es hier nur um Gleichstellung beim Ehe-Recht. Wir haben den Text entsprechend geändert.
#4 SanottheEhemaliges Profil
  • 21.02.2017, 13:36h
  • Antwort auf #3 von Sanotthe
  • Ah, ich sehe, Ihr habt es abgeändert:

    "Nachdem die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht verwirklicht wurde"

    ...das kommt der Sache doch etwas näher - danke!

    Wär' ja schön, wenn es anders wäre - ist aber halt nicht so.
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#5 Patroklos
  • 21.02.2017, 13:51h
  • Interessane Studie, aber nicht auf Deutschland anwendbar, da es die "Ehe für Alle" nicht gibt, sondern eine Eingetragene Lebenspartnerschaft.
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#6 AlexAnonym
  • 21.02.2017, 14:28h
  • "auch unter Heteros ging die Rate zurück."

    Ist doch logisch. Auch Heteros leben lieber in einer offenen, freien Gesellschaft.

    Bis auf so ein paar ewiggestrige, vom Hass zerfressene Schwachmaten, die allen anderen ihren Hass aufzwingen wollen.
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#7 Julian SAnonym
  • 21.02.2017, 15:10h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Ja. Es wird Zeit, dass die SPD endlich das tut, was sie vor der Wahl versprochen hatte und was laut einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auch 80% der Bürger wollen:

    endlich die Ehe öffnen!!

    Dafür ist auch die Zustimmung der CDU/CSU gar nicht nötig. Denn laut Deutschem Grundgesetz (Art. 38) ist jeder Abgeordnete nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet und hat nicht auf Aufträge oder Weisungen anderer zu hören.

    Und da es auch ohne CDU/CSU die nötige Mehrheit gäbe (wenn die SPD endlich Wort halten würde), könnte das auch ohne die CDU/CSU umgesetzt werden und die könnten das nicht verhindern...

    Wenn die SPD das dennoch nicht tut und lieber weiterhin die homophobe Linie der CDU/CSU unterstützt, liegt das nicht an der CDU/CSU, sondern nur an der SPD. Sie bräuchte das nicht, wenn sie wirklich nicht wollte.
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#8 Julian SAnonym
  • 21.02.2017, 15:12h
  • Antwort auf #5 von Patroklos
  • Da steht auch nirgends, dass sich das auf Deutschland bezieht.

    Denn hierzulande haben wir ja trotz des SPD-Verspreches "100% Gleichstellung" immer noch nur eine Ehe 2. Klasse für Menschen 2. Klasse. Weil die SPD lieber weiterhin den Homohass der CDU/CSU und das Bauchgefühl von Frau Merkel unterstützt, statt das zu tun, was das Volk will, was das Grundgesetz fordert, was sie selbst vor der Wahl versprochen haben und was sachlich richtig ist.
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#9 MarekAnonym
  • 21.02.2017, 16:37h
  • Antwort auf #7 von Julian S
  • Das schlimme ist ja, dass das jetzt eine historische Chance ist, die die SPD mit ihrem Wahlbetrug vermasselt.

    Denn in den nächsten Bundestag wird wohl die AfD einziehen. Und wahrscheinlich ach wieder die FDP, die ja auch bekannt dafür ist, im Wahlkampf alles mögliche zu verspreche, aber dann nach der Wahl genau das zu tun, was die Union will.

    Wenn das diese Legislaturperiode nicht mehr kommt, wird es sehr lange nicht kommen.

    Das werden wir der SPD niemals verzeihen. Ich habe noch die kleine Hoffnung, dass die SPD sich doch noch erinnert, dass nicht die Unionswähler sie wählen, sondern die SPD-Wähler. Und dass sie in den letzten Monaten der Regierung doch noch ihre Versprechen hält, sich an Art. 38 GG hält und das tut, was richtig ist.

    Falls nicht, werden wir der SPD nie wieder vertrauen können. Denn egal was die dann versprechen, wird man niemals wissen, ob sie sich auch daran halten werden.
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#10 Tommy0607Profil
  • 21.02.2017, 18:53hEtzbach
  • Wenn man Menschen auch nicht diskriminiert aufgrund einer Sexualität , Herkunft oder Religion: Das ist immer besser für die Toleranz und Akzeptanz!
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