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  • 19. Mai 2005, Noch kein Kommentar

Sanft und romantisch klingt der Jazz des Müncheners Phillip Weiss. Sein Album heißt passend zur Jahreszeit "You Must Believe In Spring".

Von Jan Gebauer

Der New Yorker Pianist Steve Kuhn ist dafür bekannt, kein großer Anhänger des Jazzgesangs zu sein. Nur äußerst selten erklärte er sich im Laufe seiner über 50-jährigen Karriere dazu bereit, mit einer Sängerin oder einem Sänger gemeinsam auf die Bühne oder in ein Tonstudio zu gehen. Um so erstaunlicher ist es da, dass er nun mit seinem Trio ausgerechnet einem jungen deutschen Jazzsänger eben diese Ehre gewährte: dem Münchner Geheimtipp Philipp Weiss. Dessen Album "You Must Believe In Spring" ist das Dokument dieser einzigartigen Begegnung. Zum großen Teil haben sich die beiden Musiker Klassiker des Jazz- oder Vocal-Pop-Genres ausgesucht. Das wiederum bringt Weiss in Verbindung mit anderen Senkrechtstartern wie Jamie Cullum oder Michael Bublé, die allerdings eine weitaus poppigere Variante von Jazz präsentierten. Insbesondere Bublé hat mehr Las-Vegas-Schick auf seinen bisherigen Alben.

Das Tempo von "You Must Believe In Spring" ist recht langsam und scheint eher für romantische Momente gedacht, wenn das Kerzenlicht sanft schimmert, Rotwein gereicht wird und die Stimmung langsam laszive Züge annimmt. Sowohl das Pianospiel von Kuhn als auch der Gesang von Philipp Weiss beweisen gehobenes Können. Da das Tempo aber selten variiert und auch der energiearme Gesang von Philipp Weiss kaum ausbricht, schleicht sich ab und an eine gewisse Langeweile in "You Must Believe In Spring" ein. Da hat die trockene Interpretation von "The Shadow Of Your Smile" zwar durchaus ihren Reiz, kommt aber nicht gegen andere Versionen von Astrud Gilberto oder Frank Sinatra an. Nichtsdestotrotz sind hier sehr gute Musiker am Werk, die ihr Handwerk verstehen und eine entspannte Jazz-Session abliefern.

Portrait:

Philipp Weiss wurde 1971 geboren und entstammt einer musikalischen Münchner Familie: Der Vater spielte Jazzgitarre und selbst die Wandergitarre des Großvaters existiert noch. "Singen fand ich früher furchtbar", sagt Weiss heute. "Als alle anderen Kinderlieder gesungen haben, wollte ich lieber am Klavier sitzen. Oder ich bin in den Keller gegangen und habe Radio oder die alten Hans-Albers-Platten meines Vaters gehört." Später entdeckte er am Piano die ersten Dreiklänge und ersten Dissonanzen - damit stieß er für sich die Tür zur Jazzwelt auf. In der Schule übte er am Xylophon, später entdeckte er das Klavierspiel für sich. 1997 begann er ein Gesangsstudium am Richard-Strauss-Konservatorium München und seit 1999 veröffentlicht Weiss Platten.

19. Mai 2005