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Das Halbfinale beim Eurovision Song Contest am 19. Mai in Kiew war reich an schrägen Stimmen, Trash-Kostümen und merkwürdigen Entscheidungen.

Von Jan Gebauer

Beim Eurovision Song Contest in Kiew wurde am Donnerstagabend, den 19. Mai, für die letzten zehn freien Plätze im Finale am Samstag abgestimmt. Dabei dominierten neben ausdrucksstarken Diven mit hochkarätigen Stimmen vor allen Dingen Kostümpeinlichkeiten mit Trashfaktor, schräge Töne inmitten üppiger Choreographien und Ethno-Klänge, die nicht erst durch die letztjährige Siegerin Ruslana ausgelöst wurden. Als der Moment der Abstimmung gekommen war, freuten sich folgende zehn Nationen auf den Einzug ins Finale: Lettland, Israel, Rumänien, Ungarn, Mazedonien, die Schweiz, Kroatien, Dänemark, Norwegen und Moldawien.

Der Abend begann unter anderem mit einem hochnotpeinlichen Gesangseinsatz ukrainischer Soldaten, die inbrünstig militärisches Flair auf der Bühne brachten. Der Kiewer DJ Pasha und die Fernsehmoderatorin Maria Jefrosinina führten anschließend durch das straff organisierte Halbfinale. Die Bühne im Kiewer Sportpalast war mit guten Lichteffekten ausgestattet. Auf den Straßen der ukrainischen Hauptstadt verfolgten tausende Menschen die Show auf Großleinwänden. Bei der Fernsehübertragung kam es allerdings mehrfach zu kleinen Wacklern und auch der deutsche Kommentator Peter Urban musste zwischenzeitlich auf eine Telefonleitung zurückgreifen, da ihm technische Schwierigkeiten Probleme bereiteten.

Die Österreicher starteten mit einer witzigen Volksmusik-Latino-Nummer, die zwar beim Publikum gut ankam, aber zu viel schräge Töne enthielt um letztendlich gut abzuschneiden. Besonders die Jodler als (nerviges) Zwischenelement waren wahrscheinlich erfolgshemmend. Laura & The Lovers aus Litauen präsentierten einen flotten 80er Jahre Pop-Song, der wahrscheinlich unter der hektischen Performance zu leiden hatte. Gleiches Schicksal ereilte die Portugiesen mit einem flotten Song, der aber durch die schrägen Tönen der Sängerin des Duos 2B kaum auf einen grünen Zweig kam. Die völlig durchgeknallte Rockkapelle Zdob si Zdub aus Moldawien, neben Bulgarien erstmals beim Eurovision Song Contest vertreten, überraschte mit einer Mischung aus Ska, Rock und Folklore und ließ dazu eine Oma auf einer großen Trommel schlagen. Das Konzept ging auf und die Osteuropäer gelangten verdient in die Endrunde. Ebenso erfolgreich waren die Letten mit den zwei süßen Schnuckeln Walter & Kazha, die mit Zeichensprache und Milchbubbi-Scharm das Publikum auf seine Seite zogen.

Monaco blieb ebenso farblos wie im letzten Jahr, während danach ein weiterer Höhepunkt des Abends folgte: Israels Shiri Maymon sah aus wie eine schlankere Mariah Carey (Dekolleté und Frisur waren eins zu eins übernommen) und sang fast ebenso inbrünstig und gut. Das Weiterkommen ins Finale war völlig verdient. Die Weißrussin Angelica Agurbash erinnerte mit ihrer Vorgeschichte - reicher Mann pusht drei Millionen Euro in die Karriere seiner Ehefrau - an die Karriere von Pia Zadora ("When The Rain Begins To Fall"), die in den 80er Jahren auf ähnliche Weise zu Ruhm kam. Ihr Auftritt wirkte allerdings künstlich und dank Prinzessinnenkleid und - diadem eher peinlich. Völlig bestürzt reiste sie nach dem Halbfinale in einer verdunkelten Limosine ab. Nach Weißrussland folgte die beste Sängerin des Abends, Glennis Grace, die eine kraftvolle und stimmlich herausragende Performance absolvierte. Das Entsetzen am Ende war groß, dass die scheinbar klar favorisierte Starterin für die Niederlande nicht unter den letzten Zehn war.

Islands Selma gehörte ebenfalls zu den Favoriten, trat auch solide auf, konnte aber mit ihrem Euro-Pop-Song "If I Had Your Love" nicht genügend Zuschauer überzeugen. Langeweile (Belgien) und stimmliche Unzulänglichkeiten (Estland) markierten die nächsten Auftritte, während Norwegen einen Mix aus Bon Jovi, The Sweet und Tranny-Show präsentierten. Wig Wam, in ihrer Heimat große Stars, dominierten mit ihrem lupenreinen Power-Rock und erreichten ebenfalls das Finale. Ebenso gute Auftritte lieferten die Rumänen und Ungarn ab, letztere mit einem an Ukraine 2004 erinnernden Mix aus Ethno, Pop und ausgefeilter Choreographie. Die Rumänen fielen durch jede Menge gut platzierte Showeffekte (Trommeln, Kreissäge) und eine starke Sängerin auf. Finnland blieben wie bei fast all ihren Eurovisionsteilnahmen glücklos, trotz starkem Sänger (Geir Rönning) und dass der dünne Pop von Mazedonien für das Finale reichte, war im Vergleich zu den Niederlanden fast ein Skandal. Nach nettem Ethno-Geplänkel (Andorra) kamen die starken Schweizerinnen oder besser Estinnen von Vanilla Ninja, die mit "Cool Vibes" - dem Titel entsprechend - überzeugend auftraten.

Die Kroaten ließen sich mal wieder zu einem sähmigen Folklore-Walzer hinreißen, wie er an der Adria sicher in jeder Bar zu hören ist. Für das Finale reichte es ebenso wie 2004. Danach ging es stetig abwärts. Bulgariens Debüt fiel durch amerikanisch angehauchte Langeweile auf, die Iren versuchten es nach unzähligen Balladen dieses Jahr mit schrecklich nervigen Pop-Müll ("Love?"), während der Slowene Omar Naber zwar gut aussah, aber seinen dünnen Schlager "Stop" mit einer unpassenden Rocklinie zunichte machte. Der Däne Jakob Sveistrup bot flotten Reggae-Pop, der überraschend für das Finale reichte und zum Abschluss gab es einen wilden Latino-Can-Can-Mix aus Polen, der grottenschlecht einen überaus fiesen Abschluss bot.

Am Samstag um 21:00 Uhr (im Ersten) warten nun 14 weitere Länder im Finale auf die zehn qualifizierten Staaten aus dem Halbfinale. Darunter befindet sich auch Deutschlands Gracia, die nach ihrem Manipulationsskandal (queer.de berichtete) bisher einen guten Eindruck in Kiew hinterließ. Zwar räumen ihr weder Wettbüros noch die Internet-Umfragen große Chancen ein, allerdings könnte gerade das für ein befreites Auftreten sprechen. Daneben zählen Malta (mit der bereits 1998 erfolgreichen Sängerin Chiara, damals Platz drei), Schweden (attraktiv: Martin Stenmarck mit "Las Vegas") und Helena Paparizou aus Griechenland (2001 mit der Gruppe Antique knapp Dritte) zum erlauchten Favoritenkreis.

20. Mai 2005



#1 Die zwei Schlusen aus KiewAnonym
  • 21.05.2005, 11:02h
  • Der gute Mann hat ja keine Ahnung. Monaco und Slowenien waren grossartig. Und ausserdem war der Soldatenchor am Anfang als Witz gedacht....
    Israel war eindeutig die schlechteste Ballade des Abends. Norwegen ist scheisse. Die Schweiz war fad.
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#2 DeeJayAnonym
  • 25.05.2005, 19:19h
  • Dass die Niederländerin im Halbfinale rausflog, habe ich bis jetzt noch nicht verdaut - die war sensationell, auch wenn sie nicht wirklich etwas Neues mit ihrem Song geboten hat...muss man aber auch nicht. Was den Slowenen angeht, so bin ich da etwas anderer Meinung als der Autor: auch der hatte eine beachtliche Leistung hingelegt - jedenfalls waren einige später im Finale, die ihm stimmlich nicht das Wasser reichen können. Die Moldavier (ich persönlich fand sie grottenschlecht) aber z.B. sind in der Ukraine und in fast ganz Osteuropa sehr bekannt und haben dadurch sicher Promibonus gehabt.
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