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Vereinseinsatz gegen Homophobie gelobt

Hertha BSC: Keine ausdrückliche Strafe für homophobes Plakat

Der an gegnerische Ultras gerichtete Spruch "Lieber eine Mutter als zwei Väter" der Harlekins wurde vom DFB nur zusammen mit anderen Vergehen geahndet.


Der meterlange homophobe Banner war im Stadion, nicht aber in der "Sportschau" zu sehen (Bild: politikkultur / twitter)

  • 27. Februar 2017, 12:43h, noch kein Kommentar

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Bundesligisten Hertha BSC Mitte Februar für mehrere Vergehen von Fans zu einer Geldstrafe in Höhe von 24.000 Euro veurteilt. Wie das Magazin "Mannschaft" herausfand, wurde damit auch das Zeigen eines homophoben Transparents abgewickelt.

Am 22. Oktober 2016 hatten Mitglieder der Berliner Ultra-Fangruppe Harlekins beim Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln in den Rängen hinter dem Tor ein gut 30 Meter langes Transparent hochgehalten: "WH'96: Lieber eine Mutter als zwei Väter!" (queer.de berichtete). Wie erst nach dem Spiel näher bekannt wurde, sollten damit die gegnerischen Kölner Ultras der "Wilden Horde" geärgert werden – diese hatten im Februar Richtung Harlekins auf einem Transparent gemeint: "Elf glückliche Väter, eine Mutter."

Der DFB hatte nach dem Spiel Ermittlungen gegen Hertha wegen des Transparents angekündigt. Am 16. Februar verhängte das Sportgericht laut Pressemitteilung gegen den Verein eine Geldstrafe in Höhe von 24.000 Euro "wegen zweier Fälle eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger" – einmal ging es um Pyrotechnik, ein anderes Mal um "ein Banner mit diffamierendem Inhalt": In Leipzig hatten Hertha-Fans ein Transparent hochgehalten, wonach man auf den "nächsten Burnout" des gegnerischen Trainers warte.

Sportrichterliche Abwägung

Einen Hinweis auf das homophobe Banner hatte die DFB-Pressemitteilung zur Bestrafung Herthas nicht enthalten. Auf Nachfrage von "Mannschaft" antwortete der DFB nun, dieses Plakat sei in das Urteil und die Gesamtgeldstrafe mit einbezogen worden. Der Verband verweist auf Paragraf 154 der Strafprozessordnung, wonach bei mehreren Taten von der Verfolgung einzelner Taten abgesehen werden könne.

Das Harlekin-Plakat sei unter den behandelten Fällen nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen, so der DFB, da die Arbeit der Hertha gegen Homophobie "beispielhaft" sei. Bereits kurz nach dem Spiel hatte sich der Verein auf Twitter von dem Transparent distanziert ("Lasst doch den Blödsinn sein!") und am nächsten Tag auf Facebook und später auf seiner Webseite Stellungnahmen gegen Homofeindlichkeit abgegeben (queer.de berichtete).


Die Reaktion der Harlekins auf den Homophobie-Vorwurf

Auch die Harlekins hatten reagiert und auf ihrer Homepage kommentarlos ein Foto aus dem Jahr 2006 veröffentlicht, auf dem sie mit Ultras des Karlsruher SC ein gemeinsames Banner "Ja zur Homo-Ehe!" halten – der Akt der Verbrüderung sollte nun als Zeichen verstanden werden, nicht homophob zu sein.

Jahrelanger Einsatz gegen Homophobie

Der Hertha Berliner Sport-Club e. V., der mit den Hertha-Junxx einen eigenen queeren Fanclub besitzt und dessen CSD-Teilnahme unterstützt, engagiert sich seit Jahren gegen Homophobie, so zeigte er 2014 vor einem Heimspiel einen entsprechenden Spot (queer.de berichtete). 2013 war er dem Berliner Toleranzbündnis beigetreten (queer.de berichtete) und gehörte zu den Erstunterzeichnern der Berliner Erklärung "gegen Homophobie und für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport".


Hertha-Profis beim ersten Spiel nach dem Harlekins-Plakat

Drei Tage nach dem Bundesligaspiel mit dem homophoben Plakat hatte der Verein zudem seine Spieler beim Pokal-Auswärtsspiel in St. Pauli mit einem Trikot aufwärmen lassen, auf dem der Begriff "Toleranz" in Regenbogenfarben aufgedruckt war (queer.de berichtete). Ein Fanclub der Hamburger zeigte übrigens am gleiche Abend mit einem eigenen Transparent ein Zeichen: "Lieber zwei Väter auf Liebe gepolt als einer, der kurz Zigaretten holt" (queer.de berichtete).

Wie der DfB mitteilte, hat Hertha das aktuelle Urteil akzeptiert. Ein Drittel der Geldstrafe darf der Verein in sicherheitstechnische, infrastrukturelle und gewaltpräventive Maßnahmen stecken. In der Vorjahressaison waren gegen ihn nur Bußgelder in Höhe von 20.000 Euro Strafen verhängt worden. Insgesamt bezieht sich ein Großteil der DfB-Strafen auf Pyrotechnik und andere Feuerwerkskörper. (nb)