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Schwule Oper "Edward II."

Der Chef des Deutschen Bühnenvereins definiert Homophobie mit homophober Argumentation

In der Debatte um die Oper "Edward II." dürfen die Biografien der schwulen Kulturmacher nicht ausgeklammert werden. Eine Gegenrede zu Ulrich Khuon von Johannes Kram.


Die Oper "Edward II." löste nach ihrer Premiere am 19. Februar an der Deutschen Oper Berlin heftige Diskussionen aus: Nach einem Totalverriss von Christine Lemke-Matwey in der "Zeit" warf der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, der Musikkritikerin Homophobie vor (Bild: Monika Rittershaus)

Ist es wichtig, ob ein "schwules Werk", ein Roman, eine Oper, ein Film von einem schwulen Autor geschrieben wurde? Natürlich nicht. Ist es wichtig zu wissen, ob der Autor eines schwulen Werkes schwul war? Eine vorsichtige Antwort würde wohl anmerken, dass es da auf den Autor und das Werk und die inhaltlichen Bezüge ankommt.

Eine weniger vorsichtige Antwort wäre eher eine Gegenfrage, zum Beispiel die, ob es irgendeine Rezension zum "Tod in Venedig" gibt, die nicht in irgendeiner Art und Weise die Homosexualität von Thomas Mann berührt. In der heutigen Zeit, in der es im Gegensatz zu der von Thomas Mann für die meisten Autoren wenige Gründe gibt, nicht offen schwul zu sein, wo es also nicht mehr vor allem darum geht herauszufinden, was uns ein Autor über sich hätte erzählen wollen, wenn er es denn gekonnt hätte, in der heutigen Zeit also ist der "schwule Background" eines Autors, der über Schwules schreibt, vor allem dann von Belang, wenn er ihn selbst zum Thema macht.

Das klingt selbstverständlich, aber diese Selbstverständlichkeit wird gerade vom Chef des Deutschen Bühnenvereins – einem mutmaßlich heterosexuellen Mann – infrage gestellt, wobei der Verweis auf seine mutmaßliche Orientierung weder besagen soll, dass diese das einzige noch das entscheidende "Merkmal" in der Debatte darüber ist. Aber bemerkenswert ist es möglicherweise schon.

Natürlich gibt es nicht den einen migrantischen, schwulen, lesbischen oder queeren Blick. Natürlich sieht jeder Migrant, jeder Schwule, jede Lesbe, jede Queer-Person anders auf die Welt, und natürlich kommt jede und jeder als Künstler zu anderen Einsichten und Ergebnissen, und natürlich sind diese innerhalb der unterschiedlichen "Gruppen" nicht nur unterschiedlich, sondern oft auch gegensätzlich. Natürlich gibt es diese "Gruppen" nicht wirklich, zumindest nicht als starre Identitätsmodelle. Aber es gibt sie eben doch, als Reflektions- und Gestaltungsraum gemeinsamer oder ähnlicher Erfahrungen. Es gibt sie nicht, weil sich ihre Mitglieder auf bestimmte "Merkmale" reduzieren, sondern weil gruppenbezogene Diskriminierung diese Merkmale skandalisiert.

Gerade weil ein unverdruckster, ungefährdeter, diverser, queerer Blick in Medien und Kunst so lange problematisch war und teilweise immer noch ist, wird er heute von vielen AutorInnen und KulturmacherInnen so betont.

Die Perspektive von Carolin Emcke und Shermin Langhoff

Carolin Emcke, die als erste offen homosexuelle AutorIn im letzten Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, machte in ihrer Dankesrede diese Perspektive zum Thema: "Ich bin homosexuell, und wenn ich hier heute spreche, dann kann ich das nur, indem ich auch aus der Perspektive jener Erfahrung heraus spreche: also nicht nur, aber eben auch als jemand, für die es relevant ist, lesbisch, schwul, bisexuell, inter*, trans* oder queer zu sein."

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Shermin Langhoff, die Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird. Auch mit dieser Ehrung wird eine Kulturmacherin gewürdigt, die für neue Blickrichtungen auf gesellschaftliche Themen steht. Sie bringe "innovativ die Themen auf die Bühne, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Bundesrepublik Deutschland mit bestimmen" und mache für das Publikum "dabei eindringlich auch neue Perspektiven erfahrbar", schreibt das Bundespräsidialamt in der Begründung der Auszeichnung.

Langhoff war es, die Falk Richters furioses Stück "Small Town Boy" ermöglichte, das auch deswegen so berührte, weil es aus eindeutig schwuler Perspektive geschrieben wurde. "Small Town Boy" ist deshalb so stark, weil es (wie eine Programmankündigung es formuliert) das ist, was es ist: ein "radikaler, wütender und explizit schwuler Text". Langhoff war es auch, die vor zehn Jahren das "postmigrantische Theater" proklamierte, die "taz" hob 2014 hervor, wie "sehr präsent" in den meisten Inszenierungen an ihrem Haus "das Biografische der Schauspieler und Regisseure" ist.

Kultur ist eine Emanzipationsmaschine, sie schafft es, Skandalisierung und Ausgrenzung etwas entgegenzusetzen, Rollen, Modelle und Strukturen aufzulösen, umzudeuten, neuzuformen. Eben: neue Perspektiven aufzuzeigen.

Rückgriff auf kollektive Erfahrungen

Eine schwule, lesbische, queere Perspektive kommt nicht automatisch zu anderen Ergebnissen wie eine heteronormative. Aber sie kann auf kultivierte kollektive Erfahrungen zurückgreifen, die anderen nicht unmittelbar zugänglich sind. Ein Künstler kann diesen Background zum erkennbaren Teil seiner Kunst machen, wie es beispielsweise der Intendant der Komischen Oper in einem Statement im Rahmen der Siegfried-Wagner-Ausstellung im Schwulen Museum* tut: "Als Regisseur bringe ich natürlich meine queere Perspektive in die künstlerische Auseinandersetzung mit seinem Werk ein – so auch in meiner Bayreuther Inszenierung von 'Die Meistersinger von Nürnberg', in denen kein Tropfen Queerness steckt."


Mit Beil auf der Bühne: Michael Nagy spielt den schwulen König von England (Bild: Monika Rittershaus)

Auch die Macher der in der Deutschen Oper uraufgeführten Oper "Edward II." stellen den schwulen Stoff in Bezug zu ihren eigenen Erfahrungen. Als der Komponist danach gefragt wird, warum er sich für dieses Thema interessiert, antwortet er, dass es keine rationale Entscheidung gewesen sei: "Es gibt einen Wahnsinns-Film von Derek Jarman über diesen schwulen König. Hoch ästhetisch, archaisch, theatralisch. Ich habe ihn zu Beginn der Neunzigerjahre im Kino gesehen, als ich selbst mit meinem eigenen Coming-out beschäftigt war, und seither habe ich ihn nie vergessen." Dass neben dem Komponisten auch der Librettist, der Regisseur sowie der Auftraggeber und Intendant nicht nur renommierte Opernleute, sondern auch alle schwule Männer sind, kann für die Betrachtung des Werkes interessant sein, aber es muss es nicht. In dem Fall ist es aber so.

Ein verkrampfter Umfang mit dem Thema Schwulsein

Viele Kritiker, auch ich, halten die Oper für misslungen. Sie versucht einerseits Beziehungsdrama (der König zwischen Ehefrau und Geliebtem) zu sein, andererseits Homosexualität und Homophobie als gesellschaftliche Phänomene zu verhandeln. Nichts davon gelingt auch nur im Ansatz, nach zehn Minuten ist eigentlich schon alles passiert und alles gesagt. Der Umgang mit dem Thema Schwulsein wirkt überraschend verkrampft, vorhersehbar. Es ist die uralte Klamottenkiste, eine Mischung aus Anbiederei und kalkulierter Verstörung. Dumm näselnde Ledermänner, ein homophober Bischof, der zur Strafe selbstverständlich in Strapsen gezeigt wird. Zwei böse Soldaten, die auf einmal doch nicht böse, sondern lustig sind, weil sie schwul sind, was man dann an den Pailletten erkennt.

Schwule sind entweder lächerlich oder sie haben Sex. Oder beides. Wäre es doch zumindest gut gemacht. Oder hätte einen Grund. Beim Nachdenken darüber wurde mir dann bewusst, dass es sowohl die "Rocky Horror Picture Show" als auch den "Käfig voller Narren" demnächst seit 50 Jahren geben wird. Und dass es in jeder der Figuren dort, auch in den klischeehaftesten, mehr echtes Leben, echtes Gefühl und echte Geschichte gibt als in den Protagonisten von "Edward II.". Und man fragt sich als schwuler Mann, der sich sonst in der Oper zumindest für die Dauer einer Arie mit den abwegigsten Charakteren und Biografien identifizieren kann, warum dies hier nicht mit zumindest einem der schwulen Charaktere gelingt.

Man fragt sich, warum es dort nicht möglich ist, irgendeinen emotionalen Moment zu erzeugen, der nicht nur Emotionalität behauptet, irgendeine nachvollziehbare Beziehungsebene, irgendein Dialog, der nicht das gerade Geschehene gleichzeitig auch noch sagen muss, damit es auch tatsächlich geschieht. Und weil man sich das alles fragt, dann fragt man sich tatsächlich, wie das diesen renommierten Opernmachern bei einem Thema passieren konnte, das sie selbst ganz persönlich "betrifft".

Über die Erfahrungen schwuler Kulturmacher reden

Hinter dieser Frage steckt nicht die Erwartung, dass schwule Macher bessere schwule Stücke schreiben müssen, sondern einfach, ob und welchen Einfluss die persönlichen queeren Perspektiven auf das Stück und sein Scheitern haben. Vielleicht gibt es keinen. Vielleicht aber haben sie dazu geführt, dass die Macher sich zu viel oder zu wenig vorgenommen haben. Vielleicht waren sie deshalb zu mutig oder nicht mutig genug. Vielleicht gibt es einfach zu wenig Opernerfahrung mit explizit schwulen Stoffen. Oder zu wenig Erfahrung schwuler Kulturmacher, selbst anders als sonst Teil des Themas zu sein. Und wie werden die Erfahrungen, die es gibt, geteilt? Werden sie geteilt? Gab es zu wenig Abstand oder zu viel? Wie gehen sie damit um? Über all das lohnt sich zu reden.

Deswegen ist ihnen nichts vorzuwerfen, im Gegenteil. Es gibt viel zu wenige solcher Stücke, die sich jenseits der LGBTI-Community Gehör verschaffen wollen und können, ein schwuler Kuss auf einer Opernbühne, das spürt man, ist eben kein normaler Kuss. Damit er das einmal werden kann, muss es ihn noch viel öfter geben.


Szene aus "Edward II.": Ein schwuler Kuss auf einer Opernbühne ist noch immer kein normaler Kuss (Bild: Monika Rittershaus)

Dietmar Schwarz, der Intendant der Deutschen Oper, hat somit alles richtig gemacht. Kunst muss sich etwas trauen, Kunst darf scheitern, sie muss die Möglichkeit des Scheiterns in sich tragen. Und da sie – erst recht auf staatlichen Bühnen – nicht isoliert stattfindet, ist auch ihr Scheitern Teil eines künstlerischen Prozesses, der direkt und indirekt andere Werke und deren Umsetzung beeinflussen wird. Die Debatte über "Edward II." könnte zu einer darüber werden, wie queere Themen im Kulturbetrieb gestemmt werden können, über die Schwierigkeiten, die Chancen und darüber, welche Erfahrungen und Sichtweisen unterschiedliche queere MacherInnen einbringen können, wo man zu viel von ihnen erwartet und wo zu wenig, wie persönlich darf, muss es sein? Wo ist das "Biografische" wichtig, wo ist es egal, wo stört es vielleicht?

Die Debatte führen, nicht verhindern

Deswegen muss man Ulrich Khuon, dem Chef des Deutschen Bühnenvereins, widersprechen, der genau eine solche Debatte gerade verhindern möchte, indem er den entsprechenden Beitrag einer "Zeit"-Journalistin ("Man fragt sich allerdings, wie die geballte schwule Bühnenkreativwirtschaft ein derart jämmerliches Stück hervorbringen kann") als homophob deklariert. Zwar hat Christine Lemke-Matwey, die selbst lesbisch ist, ordentlich gegen das Werk und das Team dahinter ausgeteilt. Aber das, worauf Khuon seine Homophobie-Vorwürfe gründet, enthält der Text eben nicht.

In einer offiziellen Pressemitteilung unterstellt Khuon der Glosse von Lemke-Matwey eine "Tendenz forcierter normativer Normalitätswünsche" und behauptet, die Autorin würde "schwul" als Zuschreibung benutzen, "die Menschen auf ein einziges Merkmal reduziert". Doch das hat sie nicht getan, im Gegenteil: "Heute fällt sie [die Oper 'Edward II'] aus der Zeit […] Sicher ist auch in über 400 Jahren heterosexuell grundierter Operngeschichte nicht alles Gold, was glänzt. Mozart, Verdi und Alban Berg aber ging es nie nur um Sex, so wie es der Berliner Edward jetzt für sich reklamiert."

Aber dass Khuon einen Text, den er offensichtlich nicht verstehen kann oder will, im Namen des Bühnenvereins, der der Bundesverband der deutschen Theater und Orchester ist, zu einem solchen Angriff auf eine Feuilleton-Journalistin nutzt, ist nicht der einzige Schaden, den er anrichtet. Indem er die Frage nach der Relevanz der queeren Perspektive als homophob bezeichnet, bedient er genau die homophoben Argumentationsmuster, die queere Sichtweisen auf deutschen Bühnen oft so erschweren.

Khuon wollte auf Blackfacing nicht verzichten

Es ist nicht das erste mal, dass Khuon, der auch Intendant des Deutschen Theaters in Berlin ist, sich diesen expliziten Blick verbittet. 2012 musste der Autor und Pulitzerpreisträger Bruce Norris die Aufführungsrechte seines Stücks "Clybourne Park" dem Theater entziehen, weil dieses sich weigerte, auf eine Art Blackfacing zu verzichten.

Das Stück hat in Amerika zu sehr grundsätzlichen Diskussionen über rassistische Ressentiments und Interessenskonflikte geführt. Für einen deutschen Zuschauer ist es erstaunlich, wie präzise und komplex ein populäres Stück zum Nachdenken und ja, zum Perspektivwechsel verführen kann. Voraussetzung dafür ist, dass die schwarzen Charaktere auch von schwarzen Schauspielern gespielt werden. Es gibt Stücke, in denen das nicht zwingend erscheint, in diesem ist es aber so, da seine Wirkung sehr davon lebt, wie und wie unterschiedlich schwarze Menschen in den verschiedenen Kontexten der Handlung wahrgenommen werden. Die Argumentation des Autors, der für sein Stück auch den Tony Award als bestes Stück 2012 erhielt, leuchtete Khuon nicht ein. Dann lieber ein anderes Stück.

Die "Neue Zürcher Zeitung" wunderte sich damals darüber, wie rückständig in Deutschland solche Diskussionen verlaufen: "Das Färben allein, jenseits des Atlantiks inzwischen ebenfalls undenkbar, offenbart wenig Sensibilität: In einem Milieu, das sich gerne multikulturell und integrativ gibt, mutet es wie ein Anachronismus an, auf Schminkkünste statt auf afrodeutsche Schauspieler zu setzen."


In der Oper "Edward II." trifft das Mittelalter auf die "Demo für alle". Weitere Vorstellungen gibt es am 1., 4. und 9. März (Bild: Monika Rittershaus)

Es gibt ein Rassismus- und Homophobieproblem an deutschen Theatern, und ein großer Teil dieses Problems ist es, wie selbstverständlich deutsche Theater das Gefühl haben, damit nichts zu tun zu haben. Homosexuelle Klischees sitzen gerade in Deutschland besonders tief, schwarze Schauspieler erhalten nur ganz selten Rollen, die nicht explizit für People of Color vorgesehen sind, doch das sind nur zwei sehr augenfällige Besonderheiten.

Es ist ehrenhaft, wenn sich der Präsident des Bühnenvereins für Diversität einsetzen möchte. Doch er ist auch Teil des Problems, und das nicht nur, weil er in der internationalen Presse für Aufsehen sorgte, weil er eine Praxis verteidigte, schwarze Charaktere selbst dann nicht mit schwarzen Schauspielern zu besetzen, obwohl Stück und Autor das ausdrücklich verlangen.

Homophobie nicht per Pressemitteilung bekämpfen

Homophobie und Rassismus bekämpft man nicht, in dem man Pressemitteilungen darüber verschickt, dass man gegen Homophobie und Rassismus ist. Man könnte auch meinen, dass es nichts schadet. Andererseits zeigt die Selbstgefälligkeit, in der hier Deutschlands mächtigste Theaterorganisation eine Journalistin für angebliche Übertretungen attackiert, ohne sich den tatsächlichen in den eigenen Reihen ernsthaft anzunehmen (und der Applaus dafür), wie wenig sich der Theaterbetrieb in der Beschäftigung mit Homophobie und Rassismus zutrauen möchte.

Wir alle sind mehr oder weniger gefangen in diesen Denkmustern. Wichtig wäre deshalb – gerade in der deutschen Theater-und Opernszene – eine offene Reflexion darüber, wie sehr die unterschiedlichen Menschen, Strukturen und Gewohnheiten bewusst und unbewusst innerhalb dieser Muster funktionieren. Gerade weil ein großer Teil des deutschen Bühnenbetriebs denkt, dagegen immun zu sein. Es wäre eine Auseinandersetzung, in der jeder etwas lernen könnte. Der Chef des Deutschen Bühnenvereins sollte eine solche Diskussion fördern und nicht skandalisieren. Vielleicht macht er einfach mit.

Johannes Kram ist u.a. Theaterautor und Blogger. Am 25. Mai diskutiert er im Schwulen Museum* Berlin mit Musikkritiker Manuel Brug ("Die Welt") und weiteren Teilnehmern über Homophobie im Opernbetrieb.



#1 Homonklin44Profil
  • 28.02.2017, 16:31hTauroa Point
  • Schätze, ich interessiere mich für Kunst nur aus der Hand 'kleiner Lichter' und von lange vergangen, weil sie ohne den notwendigen Exaltiertheits-Level klarkommt. Um hier zu verstehen, wer wem nun warum den Homophoben-Stempel nach schmeißt, muss man wohl hochschultüchtig verquast sein, oder ganz tief in dieser Szene drin stecken.

    Mit den Beschreibungen aus Inhalten dieses Stückes erscheint mir fast mehr latent homophob verarbeitet, weil aus dem Klischee adaptiert, das sich die Heterowelt über 'den' Schwulen zusammengebastelt hat, um fortan alle Schwulen so in Varianten zu definieren und lächerlich zu verorten, oder irgendwie abwertig jedenfalls.
    Mehr homophob als irgendeiner Kritikerin vorzuwerfen, oder dem Bühnenvereins-Chef oder sonstwem, weil dieses Anbiedern an die Bewertung, die Heteronormativwelt Schwulen seit zig Jahren aufdrückt, dem Flehen und Betteln gläubiger Schwuler um Anerkennung bei ihrer tadelnden Sektenführung ähnlich ist. Als wäre das notwendig, sich dieser immer selben Bilder zu bedienen, um beachtet zu sein.

    Wenigstens können diese klischeehaften Fortführungen, von denen da die Rede ist, die Kunst nur denen vermitteln, die sich in diese Klischees ergeben haben, sie mit Lust und Wonne leben möchten. Wie Charaktere in einer Faschings-Inszenierung. Wer Schwule auf so etwas weitergehend reduzieren muss, gleich ob in einem Theaterstück oder im wahren Leben, hat doch heteronormative, homophobe Vorstellungen dankend übernommen und in seine Agenda eingebaut.

    Von ganz woanders her gedacht. Wer ist da jetzt am Homophobsten?
    Auslegbar, offenbar.

    Verlasst mal die Klischee-Idee! Und damit das Bückdienertum zuliebe des heteronormativen Wunschrahmens. Der wie ein Kreuz fungiert, das ihr zu küssen gezwungen, zu ergattern hofft. Dann schaue ich vielleicht auch mal eines der Stücke.
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#2 userer
  • 01.03.2017, 10:59h
  • Ich finde diesen Beitrag wirklich schlecht geschrieben.

    Anstatt in die Thematik einzuführen und überhaupt erst einmal zu schildern, worum es dem Autor geht, malt er in verquastem und selbstverliebtem Gedrechsel quasi-intellektuelle Ornamente in die Luft.

    Uff.
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#3 metooAnonym
#4 userer
  • 01.03.2017, 18:44h
  • Antwort auf #3 von metoo
  • Starker Tobak. Klingt nach persönlicher Betroffenheit.
    Ich habe meinen Kommentar mit Bedacht als meinen persönlichen Eindruck qualifiziert ("Ich finde ...")

    Im Übrigen sind z.B. Umständlichkeit der Darstellung oder fehlende Beachtung des Medienkontexts und der Zielgruppe wohl eher Zeichen von in sich selbst gefangener Intellektualität. Und ob die nun andere in die Freiheit führen kann?
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