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Kinostart "Little Men"

Freundschaft im Zeitalter der Gentrifizierung

Ira Sachs erzählt in seinem neuen Film "Little Men" leichtfüßig von schweren Entscheidungen, sozialem Wandel und einer platonischen Liebe. Ab Donnerstag im Kino!


Der in sich gekehrte Jake und der abenteuerlustige Tony sind unzertrennlich (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Carsten Moll
    1. März 2017, 07:33h, noch kein Kommentar

Als Jakes Eltern ein kleines Haus erben und von Manhattan nach Brooklyn ziehen, ist der 13-Jährige zunächst wenig begeistert. Doch bald soll sich der Umzug für den Jungen, der in seiner Klasse als Sonderling gilt, als echter Glücksgriff erweisen.

Jake lernt den selbstbewussten Tony kennen, den Sohn der Boutiquebesitzerin Leonor, die im Erdgeschoss selbstgenähte Kleider verkauft. Jakes Eltern, die Psychotherapeutin Kathy und der erfolglose Schauspieler Brian, sind froh, dass ihr Sohn endlich einen Freund gefunden hat – und umso betrübter, als sie feststellen, dass etwas mit Leonors Mietvertrag nicht stimmt.

Seit Jahren hatte Brians verstorbener Vater die Miete der Gentrifizierung zum Trotz nicht mehr erhöht, nun liegt es an Jakes Eltern eine unangenehme Entscheidung zu treffen. Dass diese nicht bloß Leonors wirtschaftliche Existenz bedroht, sondern auch die Beziehung zwischen Tony und Jake belasten könnte, nehmen sie dabei widerwillig in Kauf. Aber die beiden Jungen halten zusammen und versuchen, auf ihre eigene Weise mit dem Konflikt umzugehen.

Mitreißendes Independent-Kino, leichtfüßig und lebensnah


Poster zum Film: "Little Men" startet am 2. März 2017 in deutschen Kinos

Bereits mit "Liebe geht seltsame Wege" (2014) bewies der Regisseur und Drehbuchautor Ira Sachs eindrucksvoll, dass er nicht nur zu Herzen gehende Beziehungsdramen inszenieren kann, sondern es zudem versteht, einen dynamischen sozialen Mikrokosmos auf die Leinwand zu bringen. Auch in "Little Men" tritt nun wieder eine ganze Reihe von Figuren auf, deren komplexe Verhältnisse zueinander Sachs auslotet.

Das Thema des Strukturwandels mag auf den ersten Blick vielleicht trocken und schwer anmuten, doch Sachs und sein Ko-Autor Mauricio Zacharias erzählen leichtfüßig und lebensnah von den Problemen ihrer Protagonisten. Im Zentrum steht dabei stets die Freundschaft der pubertierenden Helden, die als Grenzgänger zwischen einer unbeschwerten Kindheit und der ernsten Erwachsenenwelt wandeln.

Bemerkenswert ist hierbei nicht allein, dass die Kinder als Akteure der Geschichte ernst genommen werden, sondern auch die schauspielerische Leistung der jungen Hauptdarsteller: Michael Barbieri lässt als Tony hinter seiner großen Klappe immer wieder ein noch größeres Herz aufscheinen, während Theo Taplitz dem zurückhaltenden Außenseiter Jake innere Stärke verleiht und so gekonnt mitleidigen Blicken entzieht.

Ähnliches erreicht auch Paulina García ("Gloria") in der Rolle der Leonor: Die Chilenin lässt ihre Figur nicht einfach zum Opfer äußerer Umstände verkommen, sondern stattet sie mit genug Kampfgeist und Eigensinn aus, um rührseligen Klischees sowie Sozialkitsch erst gar keine Chance zu geben.

So gelingt Ira Sachs nicht zuletzt dank seiner starken Darsteller ein ebenso nuanciertes wie mitreißendes Stück Independent-Kino, eine bestechende Momentaufnahme von New York City, die mit spielerischer Leichtigkeit Coming-of-Age-Story, Sozialdrama und (platonischen) Liebesfilm vereint.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Little Men. Familiendrama. USA 2016. Regie: Ira Sachs. Darsteller: Michael Barbieri, Jennifer Ehle, Paulina Garcia, Greg Kinnear, Alfred Molina, Theo Taplitz. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 2. März 2017
Galerie:
Little Men
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