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Präzedenzfall

Italien: Erstmals schwules Paar als gemeinsame Väter anerkannt

Ein Berufungsgericht in Trient erkannte Dokumente aus Kanada an, wonach die Männer Väter von durch Leihmutterschaft zur Welt gekommenen Zwillingen sind.


Die Männer und ihre Zwilingen blieben in den Medienberichten anonym, ihr erzwungenes Urteil machte aber Schlagzeilen und könnte für viele weitere Paare bedeutsam werden (Bild: miapowterr / pixabay)

Ein Gericht in der norditalienischen Großstadt Trient hat in einer am Dienstag bekannt gewordenen Entscheidung erstmals die gemeinsame Elternschaft eines schwulen Paares an per Leihmutterschaft zur Welt gekommenen Kindern anerkannt. Die Weigerung der Stadt, die beiden Männer als Väter zu registrieren, sei ungesetzlich, entschied das Berufungsgericht am 23. Februar.

Die Zwillinge waren vor sechs Jahren in Kanada nach künstlicher Befruchtung zur Welt gekommen. Während in Italien künstliche Befruchtung verboten ist, erlaubt sie Kanada in uneigennütziger Form: Die Mutter darf kein Geld erhalten. Das schwule Paar hatte sich in Kanada die gemeinsame Elternschaft erstritten und wollte mit den entsprechenden Dokumenten die Anerkennung in Italien erreichen.

Die nach Ansicht von LGBTI-Organisationen historische Entscheidung kam unerwartet und dürfte auch für heterosexuelle Paare von Bedeutung sein. Gerichte und Behörden hatten sich Paaren mit Kindern aus Leihmutterschaften immer wieder in den Weg gestellt: So nahmen Behörden vor wenigen Jahren einem heterosexuellen Paar ein in Russland geborenes Kind wieder weg und gaben es zur Adoption frei – eine Praxis, die in diesem Januar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für rechtens erklärt wurde (queer.de berichtete). Eine Rolle spielte dabei, dass das Kind keine biologische Verwandtschaft zu dem Paar hatte und mit ihm nur eine kurze Zeit verbrachte.

Elterliche Verantwortung zählt, nicht biologische Abstammung

Im Januar war es schon als Erfolg gewertet worden, dass ein Berufungsgericht in Mailand zwei schwule Männer jeweils einzeln als Vater je eines Kindes anerkannte. Die beiden Kinder waren in den USA von der gleichen Mutter mit der Samenspende jeweils eines Mannes geboren worden. Durch die Entscheidung werden die Kinder italienische Staatsbürger und erhalten eine rechtliche Absicherung – sie gelten aber nicht als Brüder, der Partner des jeweiligen Vaters nicht als Vater.

Heterosexuelle Paare hätten als nächsten Schritt die Kinder des Partners adoptieren können – die Stiefkindadoption war aber bei den vor rund einem Jahr eingeführten Lebenspartnerschaften für Homo-Paare nach heftigem politischen Streit ausgeklammert worden. Hier spielte vor allem die "Sorge" eine Rolle, die Paare könnten so ein Recht auf Leihmutterschaften bekommen. Der derzeitige Außenminister, Angelino Alfano, nannte die Praxis in der Debatte ein "Sexverbrechen".

Das neue Urteil erkennt die schwulen Männer nun ohne den Umweg der Adoption direkt als Väter an. Das Gericht argumentierte, eine rechtliche Elternschaft zeige sich nicht nur durch gemeinsame Gene, sondern auch durch die Bereitschaft zur "elterlichen Verantwortung", ein Kind in die Welt zu setzen und es aufzuziehen. Die Anerkennung beider Männer diene auch der rechtlichen Absicherung des Kindes.

"Wir hoffen, dass alle italienischen Gerichte in der Abwesenheit von klaren Gesetzen nun den vorgeschlagenen Weg gehen", sagte Marilena Grassadonia von einer Organisation für Regenbogenfamilien zu dem Urteil. Ohnehin setzt die LGBTI-Community Italiens auf die Gerichte: Anfang Februar hatte ein Gericht die in Frankreich geschlossene Ehe zweier Frauen als erste gleichgeschlechtliche Ehe Italiens und nicht als Lebenspartnerschaft anerkannt (queer.de berichtete).

In Deutschland hatten der Bundesgerichtshof und in Folge auch weitere Gerichte in den letzten Jahren mehrfach entschieden, dass von Leihmüttern ausgetragene Kinder von schwulen oder lesbischen Paaren einen deutschen Pass erhalten und die Paare als gemeinschaftliche Eltern anerkannt werden (queer.de berichtete). (nb)



#1 AminaAnonym
  • 01.03.2017, 17:23h
  • Die beiden hatten letztes Jahr am 23.01. auf der Demo für die eingetragene Partnerschaft und das Adoptionsrecht in Italien über ihre Kinder gesprochen. War da in Trient mit dabei, und es freut mich sehr, dass es letztendlich geklappt hat. Hoffentlich entwickelt sich Italien weiter - und auch Deutschland.
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#2 Patroklos