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"Ich bin stolz auf mich"

Coming-out mit 95

In einem berührenden Interview mit Youtuber Davey Wavey erzählt Urgroßvater Roman, warum er nach neun Jahrzehnten aus dem Schrank gekommen ist.


Roman wünscht sich jemanden, mit dem er zusammen einschlafen kann (Bild: Screenshot Youtube)

Für ein Coming-out ist es nie zu spät: 67 Jahre war Roman aus Los Angeles mit einer Frau verheiratet, er hat zwei Kinder, fünf Enkelkinder und sogar einen Urenkel – doch erst im vergangenen Jahr outete er sich gegenüber seiner Familie als schwul. Im Alter von 95 Jahren.

Er habe bereits mit fünf Jahren gewusst, dass er homosexuell sei, berichtet Roman, mittlerweile 96, in einem berührenden Interview mit dem schwulen Youtuber Davey Wavey. Er sei stolz auf sich, dass er nach neun Jahrzehnten den Mut gefunden habe, "der Welt bestimmte Dinge mitzuteilen". Seine Familie habe ihn verstanden.

"Ich gucke nicht ins Gesicht, ich schaue ins Herz"

Als Davey Wavey in dem Dreieinhalb-Minuten-Clip fragt, ob er sich einen Partner wünsche, errötet Roman. Ja, meint er, aber gehe ihm nicht um die "körperliche Verbindung". Er wünsche sich einfach jemanden, der ihm nahe steht, mit dem er zusammen einschlafen kann – das Aussehen sei völlig egal: "Ich gucke nicht ins Gesicht, ich schaue ins Herz."

Direktlink | Roman im Gespräch mit Davey Wavey

Davey Wavey hat den mutigen Roman über dessen Enkel Brandon Gross kennengelernt. Der will das Leben seines Großvaters nun unter dem Titel "On My Way Out" verfilmen. (mize)



#1 TimmyBoyAnonym
  • 04.03.2017, 07:27h
  • Eine sehr berührende Geschichte, die zeigt, wie groß die gesellschaftliche Zwinge des Schwulseins wirklich ist.
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#2 tobiasProfil
#3 Patroklos
  • 04.03.2017, 10:44h
  • Das Coming-Out kennt kein Alter und mit 95 Jahren dürfte er damit der einzige sein. Ich wünsche ihm weiterhin Gesundheit und daß er den passenden Mann findet!
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#4 FinnAnonym
  • 04.03.2017, 13:31h
  • Cool, dass der sich mit 95 Jahren noch outet. Zu spät ist es dafür nie und immer noch besser als irgendwann diese Welt mit einer Lüge zu verlassen.

    Aber es ist schon auch ein wenig traurig, dass er offenbar erst so spät den Mut findet. Wieviel tolle Jahre hätte der nicht noch gehabt, wenn er sich viel früher geoutet hätte.

    Das hat natürlich weniger mit ihm zu tun, als vielmehr mit gesellschaftlichen Zwängen. Aber traurig ist sowas dennoch immer...
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#5 Dont_talk_aboutProfil
  • 04.03.2017, 14:07hFrankfurt
  • Ich find's ein bisschen spät. Wenn man für etwas den richtigen Zeitpunkt verpasst hat, ist es meistens besser, es ganz zu lassen
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#6 axelschwarz
#7 Miguel53deProfil
#8 stromboliProfil
  • 04.03.2017, 17:16hberlin
  • Antwort auf #4 von Finn
  • schön und gut.. der mann hat es geschafft und sollte ob seines alters hierfür nicht kritisiert sein.
    Wie aber lebt man mit der lüge..
    don't ask, don't tell?

    Was mir allerdings fehlt, ist die zeit dazwischen..
    Denn eins ist klar: er hat seiner familie etwas verschwiegen und ich frage mich, reden sie jetzt darüber...
    Gab es liebe in seinem leben die den familiären rahmen des hetero-"normalen" daseins je in frage stellte... spannend!
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#9 Julian SAnonym
  • 04.03.2017, 20:29h
  • Antwort auf #5 von Dont_talk_about
  • Ich finde gar nicht, dass er es ganz hätte sein lassen sollen.

    Klar, vom schwulen Leben wird er vermutlich nicht mehr ganz so viel haben. Das ist ihm auch klar: er sagt ja selbst, dass er gar keinen Sex sucht, sondern nur einen Menschen, mit dem er sich verbunden fühlt, neben dem er einschlafen kann und dem er "ins Herz sehen kann", was ihm wichtiger als Aussehen ist.

    Eigentlich kann man von ihm also sehr viel lernen. (Okay, ich will nicht gerade auf Sex verzichten, aber dass er sich auch von seinem Alter nicht vor einem Outing abeschrecken lässt und den Charakter wichtiger findet als das Aussehen, finde ich toll.)

    Aber ich muss auch zustimmen, dass ich es dennoch eine traurige Geschichte finde. Weil er halt so viel versäumt hat, was er jetzt allenfalls noch sehr begrenzt erleben kann. Klar sollte ihn das nicht hindern, noch das zu erleben, was noch möglich ist. Aber wenn man überlegt, was noch viel mehr möglich gewesen wäre, macht einen das schon sehr traurig.

    Und auch wütend, weil man weiß, dass es die gesellschaftlichen, politischen und juristischen Zustände waren, die ihn dazu gebracht haben, sich so viele Jahrzehnte selbst zu verleugnen.

    Und da fragt man sich schon, wieviele Menschen es noch ähnlich ergehen wird, bevor wir endlich eine Gesellschaft haben, wo jeder so leben und glücklich werden kann wie er will. Solange man anderen damit nicht schadet, hat es andere auch NICHTS anzugehen.
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#10 Patrick BirgenAnonym
  • 04.03.2017, 21:40h
  • Antwort auf #5 von Dont_talk_about
  • Was heißt denn hier, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen? Der Mann hat erst mit 95 Jahren über seine Homosexualität gesprochen, aber das heißt noch lange nicht, dass er den richtigen Zeitpunkt verpasst hat. Er hat es in dem Moment getan, wo es für ihn in Ordnung war, in dem Moment, wo er dazu bereit war. Und genau darum geht es: Den richtigen Zeitpunkt für sich selbst zu finden, wo man über seine Homosexualität reden kann. Übrigens ist Coming Out mehr als nur die verbale Formulierung, dass man homosexuell ist. Coming Out ist ein ganzer Entwicklungsprozess, der mehr als nur einen Schritt beinhaltet. Es ärgert mich schon, dass jemand sich das Recht heraus nimmt, zu behaupten, es gäbe einen Zeitpunkt, wo man besser daran täte, sich weiter zu verstecken. Jedes Alter ist ein passendes Alter, um sein Leben zu führen, wenn man es denn so annimmt und vor allem, wenn das Umfeld es zulässt. Nimmand hat das Recht, anderen das Leben zu verbieten und genau das tun Sie aber, mit Ihrer Äußerung. Und dies entsetzt mich mehr als das lange "Coming Out" dieses Mannes.
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