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Science-Fiction

Als die Menschheit Homo- und Transphobie überwunden hat

Becky Chambers' Roman "Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten" handelt von lesbischen Aliens und Spezies mit vielen Geschlechtern.


Nachdem sie die Erde unbewohnbar gemacht haben, leben die Menschen in dem Science-Fiction-Roman von Becky Chambers auf dem Mars sowie in riesigen Raumschiffen (Bild: NASA Goddard Space Flight Center / flickr)

Man stelle sich einen kleinen, zornigen Planeten vor. Das Konzept "Frieden" ist seinen Bewohnern völlig fremd, Krieg gehört zur Natur der herrschenden Spezies. Wer jetzt an die Erde denkt, liegt falsch. Der kleine, zornige Planet heißt Hedra Ka und gehört einem Alienvolk namens Toremi. Er schenkt einem wundervollen Science-Fiction-Roman den Titel: "Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten" von Becky Chambers.

Irgendwann in der Zukunft. Nachdem die Menschen den Mars erfolgreich besiedelt hatten, mussten die letzten von ihnen die Erde verlassen, die sie nämlich völlig zerstörten und auslaugten. In riesigen Weltenschiffen vollzog sich der Exodus, sodass ihre Bewohner "Exodaner" genannt werden. Ausgerechnet die menschliche Spezies wurde damit zu den Pazifisten des Universums. Sie entwickelten aus der Urkatastrophe des Planetenverlusts eine inklusive, akzeptierende Gesellschaftsordnung. Rassismus und Homophobie sind Vergangenheit. Der gemeinsame Überlebenskampf hat zusammengeschweißt. Die Menschen durften deshalb der Galaktischen Union, einer Art Weltraumrepublik intelligenter Spezies, beitreten.

Tunnel in das Raum-Zeit-Gewebe bohren


Becky Chambers' Roman ist im Verlag Fischer TOR erschienen

Die junge Marsianerin Rosemary Harper entflieht ihrem konservativen Elternhaus. Sie heuert auf der "Wayfarer" an, einem Raumschiff mit einer Aufgabe, die in der ganzen Science-Fiction-Literatur einzigartig sein dürfte: Es bohrt Tunnel in das Raum-Zeit-Gewebe, durch die allen höher entwickelten Spezies interplanetare Reisen ermöglicht werden. Man darf sie sich wie Autobahnen im Weltall vorstellen.

Kurz darauf erhält die Crew ihren bisher größten Auftrag: Die kriegerische Spezies der Toremi soll in die Galaktische Union aufgenommen werden. Daher beauftragt das galaktische Beförderungsministerium die Wayfarer mit einem Tunnel zu deren Heimatwelt.

Es beginnt die lange Reise zu diesem kleinen, zornigen Planeten. Ohne Tunnel dauert sie fast ein Jahr. Zeit genug für die junge Verwaltungsassistentin, ihre skurrile Crew so richtig kennenzulernen. Neben dem ruhigen Captain Ashby, einem Vorzeige-Vorgesetztem mit der Gabe, jedem Crewmitglied Raum für seine Talente zu geben, wirkt die herrlich schräge Technikerin Kizzy, die von zwei Vätern großgezogen wurde, geradezu regenbogenstrahlend.

Ihr bester Freund, Technikerzwerg Jenks, liebt die künstliche Intelligenz des Raumschiffs, Antriebsingenieur Corbin hingegen nichts und niemanden – außer seinen Algen. Die gute Seele des Schiffes ist Dr. Koch, der genau das ist: Arzt und Koch der Wayfarer. Navigiert wird das Schiff von dem/von der Orhan, einem außerirdischen Zwitterwesen allerlei Geschlechts. Komplett wird das Team allerdings erst durch Pilotin Sissix, Angehörige der reptilienähnlichen Andrisk. Gerade sie gewinnt im Reiseverlauf für Rosemary eine ganz besondere Bedeutung…

Eine wunderbare Idee für die Gesellschaft der Zukunft

Dieses Debüt der Kalifornierin Becky Chambers hat alles, was einen richtig guten Science-Fiction-Roman ausmacht: eine spannende Rahmenhandlung, hervorragend ausgearbeitete Charaktere, großartig beschriebene ferne Planeten und eine wunderbare Idee für die Gesellschaft der Zukunft. Die Beiläufigkeit, mit der lesbische Aliens oder nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörige Personen (für welche die Autorin extra eigene Pronomen erfindet) vorkommen, werden zum Vorbild für unseren eigenen kleinen, zornigen Planeten.

So richtig gut wird der Roman allerdings durch seine vielen geradezu irrwitzigen Ideen. Allein die Tatsache, dass die Wayfarer eine riesige Bohrmaschine ist, mit der Tunnel durch Raum und Zeit gebohrt werden, oder die zur Liebe fähige künstliche Intelligenz – die dann auch passend "Lovelace" heißt… Ganz zu schweigen von den großartig-kuriosen Verwicklungen der Handlung.

Chambers wird dabei verblüffenderweise niemals unglaubwürdig, das Geschehen bleibt stets plausibel. Kurzum: "Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten" ist ganz großes Kopfkino. Wer sich nicht mit auf diese herrliche Reise begibt, verpasst den Weltraum-Trip seines Lebens.

Infos zum Buch

Becky Chambers: Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten. Science-Fiction-Roman. Aus dem Amerikanischen von Karin Will. 544 Seiten. Fischer TOR. Frankfurt 2016. 9,99 €. (E-Book 8,49 €). ISBN 978-3-596-03568-7


#1 paoloAnonym
  • 05.03.2017, 16:40h
  • Sicherlich ein interessantes buch aber die menschliche zivilisation auf unserem zornigen kleinen planeten erde hat nicht mit dem jahre null des aktuell gebrauchten christlichen kalenders angefangen sondern schon viel früher und damals gab es keine homophobie .Fast 2000 jahre christlich psychologische misskonzeption menschlicher liebe und sexualität bilden nur ein segment im fortlaufenden prozess menschlich zivilisatorischer evolution oder auch der hin und wieder auftretenden devolution.
    Was mit dem jahre null angefangen hatte war die homphobie oder der religiöse terrorismus ,gegen die liebe zum gleichen, dessen ziel es war die totale kulturelle umformung oder deformierung des römischen pantheons und alten götterglaubens.
    Dabei wurde gezielt daran gearbeitet die bevölkerung vom ahnenglauben zu trennen, sprich von der liebe zum eigenem(gleichen) kulturellen erbe,somit wurde das alte rom spirituell ausgehebelt(sprich psychologisch) weil es ja als damalige weltmacht mit waffen nicht zu erobern war.Somit fiel Rom und mit ihm die damals vorherrschende bisexuelle kultur.
    Das christentum oder der monotheismus im allgemeinen ist und war im grunde genommen ein religiöses terror commando um rom zu fall zu bringen und der hass gegen schwule und lesben heute ist nur ein spiegel im kleinen vom primitiven hass der religiösen terror commandos von damals den sie gegenüber rom hegten.
    Es ist eine psychologische misskonzeption zu glauben das homoliebe schon immer diskriminiert oder verfolgt wurde und niemals normal war genauso wie der christliche glaube im grunde genommen eine kollektive psychologische disfunktion ist und früher oder später zum scheitern verurteilt ist.
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#2 AlexAnonym
  • 05.03.2017, 17:56h
  • Antwort auf #1 von paolo
  • Sorry, aber das ist quatsch, was du schreibst. Fängt schon damit an, dass die homophoben Stellen im Alten Testament wesentlich älter sind als das römische Reich. Das Christentum wurde nicht zu dem Zwecke erfunden, Rom zu stürzen.
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#3 paoloAnonym
  • 05.03.2017, 18:29h
  • Antwort auf #2 von Alex
  • Ich gebe dir recht das die existenz des monotheismus als religiöses model nicht einzig und allein darauf beruht oder beruhte um explizit rom zu fall zu bringen aber die existenz des christentums schon.
    Und was dieses alte testament angeht das ist ja noch viel älter als das was man christentum nennt und kommt aus den ur monotheistischen quellen.
    Eine wunderbare terroristische anleitung wie man grosse reiche und zivilisationen zu fall bringt.Homophobie natürlich inclusive weil es eine wichtige rolle spielt in diesem konzept.
    Oder glaubst du das diese homophoben stellen dort nur eingetragen wurden weill den verfassern langweilig war.
    Die wirklichkeit ist manchmal viel interessanter als so ein science fiction roman.
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#4 SF-LiebchenAnonym
  • 05.03.2017, 19:56h
  • Ja in manchen SF meiner Jugend wurden auch unter Anderem tolerantere Gesellschaften gelebt : Warum ich wohl manche SF gerne gelesen habe und hoffte dass eine solche Zukunft mal kommen könnte?
    Heute scheint sie in greifbarer Nähe zu sein: Wollen wir hoffen dass wir nicht letztendlich doch nur ein Tantalos sind ... manchmal beschleicht mich das Gefühl, doch : "Ich will meine Äpfel und auch mein Wasser !"
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