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Gracia hat es vollbracht: Nach zehn Jahren landete Deutschland wieder auf dem letzten Platz. Der Sieg ging an Helena Paparizou aus Griechenland.

Von Jan Gebauer

Nein, das hat Gracia nicht verdient. Abgestraft mit vier Punkten landete die Sängerin, die in den letzten Wochen schon genug mit ihrem Manipultionsskandal zu kämpfen hatte, auf dem letzten Platz beim 50. Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew. Wenige Stunden nach dem deutschen Debakel schossen sich bereits diverse Medien auf die Münchnerin ein. So unkte ProSieben dümmlich "Gracia blamiert Deutschland". Im Teilnehmerfeld von 24 Ländern setzte sich am Ende deutlich die favorisierte Griechin Helena Paparizou durch. Unsere Gracia erhielt nur jeweils zwei Punkte von Monaco und Moldawien. Das letzte Mal belegten wir 1995 mit dem Duo Stone & Stone den letzten Platz. Verblüffenderweise gesellten sich auf den hinteren vier Plätzen auch die drei anderen großen Geldgeber der EBU hinzu: Spanien, Großbritannien und Frankreich. An der Spitze gab es zunächst einen harten Kampf zwischen nahezu zehn Ländern, bevor gegen Ende Malta (Platz zwei), Rumänien (Platz drei), Israel (Platz vier) und auch Lettland (Platz fünf) mit Griechenland um die Krone kämpften. Insgesamt versuchten es viele Länder mit Ethno-Beiträgen und hauten dafür oft auf die sprichwörtliche Pauke, eben auf Trommeln, Fässer und sonstige Gefäße. Daneben boten die Gastgeber zwar eine weitgehend perfekte Show, die allerdings keinerlei Überraschungen zum 50. Jubiläum offenbarte (man erinnere sich an den wunderbaren Zusammenschnitt der großen Momente des ESC 1995 in Irland). Darüber hinaus wirkten einige Lieder von der üppigen Lichttechnik förmlich überflutet.

Für Deutschland standen die Chancen von Anfang an schlecht: In Umfragen lag Gracia weit hinten, so zum Beispiel beim internationalen ESC-Newsforum von www.esctoday.com. Den Auftakt im insgesamt sehr starken Teilnehmerfeld machte Ungarn mit der Gruppe NOX, die sich über das Halbfinale für die Endrunde qualifiziert hatten. Obwohl sie ihre Performance deutlich verbesserten und einen choreographischen Hochgenuss boten, landeten sie am Ende nur auf Platz zwölf. Der Oriental-Pop-Mix von Javine aus Großbritannien kam beim Publikum nicht an, auch wenn sie sexy mit ihren Äpfelchen wackelte. Ihre Stimme hatte allerdings deutliche Schwächen. Die Malteserin Chiara sang bereits 1998 höchst erfolgreich für ihre Heimat (Platz drei) und bezauberte auch diesmal mit einer sanften Ballade ("Angel"). Kein Wunder, dass sie am Ende mit um den Sieg kämpfte. Gleiches taten die Rumänen, Luminita Anghel & Sistem, die einen etwas kalten, knalligen Dance-Pop boten (Achtung: Fässer!). Die metallische Schärfe in der starken Stimme der Sängerin schien ebenfalls dem Publikum zu gefallen. Ihr dritter Platz ist das bisher beste Ergebnis für Rumänien. Die Rocker von Norwegen überzeugten ebenso wie im Halbfinale mit ihrem Bon-Jovi-angehauchten Song "In My Dreams". Der Geheimtipp landete allerdings nur auf Platz neun.

Die Türkin Gülseren ("Rimi rimi ley") nervte mit ständigen Schrei-Attacken und einem Refrain-freiem Ethno-Gebräu. Ihre Show war allerdings ein farbenfrohes Fest für die Augen. Die durchgeknallte Punk-Truppe Zdob si Zdub aus Moldawien setzte nicht durch die bereits aus dem Halbfinale bekannte Oma Akzente. Der heiße nackte Oberkörper des Leadsängers ließ sicher auch viele Schwule zum Telefon greifen. Ein toller sechster Platz reichte am Ende für das Debüt von Moldawien. Albaniens Beitrag von Ledina Çelo hatte latenten Füllwerk-Charakter, allzu kalkuliert wirkte der Ethno-Anteil. Allerdings war ihr Kleid traumhaft schön. Constantinos Christoforou aus Zypern war ein weiterer Grund für Schwule und junge Mädels die Telefone zu zücken, insgesamt wirkte sein durchaus guter Auftritt aber beim letztjährigen griechischen Sänger Sakis Rouvas abgekupfert. Ebenso kopiert wurde auch in Spanien: Son de Sol klang wie Las Ketchup, was wohl am gleichen Komponisten liegt. Tanzen konnten die Ladys, singen weniger.

Das konnte freilich Shiri Maimon aus Israel um so besser. Unglaublich sicher sang sie ihre hochdramatische Ballade "Hasheket shenish'ar" – mit viel Gefühl und großen Gesten. Eine grandiose Performance, die mit dem tollen vierten Platz belohnt wurde. Die Boy-Gruppe No Name aus Serbien-Montenegro erreichte überraschend Platz sieben, obwohl auch hier etwas viel getrommelt wurde. Jakob Sveistrup aus Dänemark sang einen frischen Mix aus Pop und Soul und wirkte sehr sympathisch. Damit sicherte er seinem Land einen Platz unter den ersten Zehn. Sexy Martin Stenmarck aus Schweden und sein Song "Las Vegas" klangen wie eine groovende Nummer von Tom Jones und sowohl seine Stimme als auch seine Performance versprühten jede Menge Erotik. Am Ende landete er völlig überraschend auf dem 19. Platz – vielleicht war seine Nummer etwas zu altmodisch. Der unverdient ins Finale eingezogene Martin Vucic aus Mazedonien war ebenso blass wie im Halbfinale (trotz vieler Trommeln), während die Gastgeber mit dem monotonen Polit-Hip-Hop-Beitrag von Greenjolly am Ende einen unrühmlichen 20. Platz belegten. Dann kam Gracia: Sie wirkte zwar einigermaßen locker, schien aber besonders stimmlich nicht ihre befreiende Performance aus der Vorentscheidung wiederholen zu können. Was an ihr allerdings schlechter war, als zum Beispiel an der Russin bleibt wahrscheinlich nur wegen dem Ostbonus kein Rätsel.

Kroatiens Topstar Boris Novkovic war stimmsicher und sein Adria-Walzer "Vukovi umiru sami" (Achtung: Trommel!) landete am Ende auf dem undankbaren elften Platz. Das bedeutet, dass die Kroaten auch nächstes Jahr wieder durch das Halbfinale müssen. Dann war die große Favoritin Helena Paparizou aus Griechenland dran: Mit "My Number One" legte sie eine erstklassige Performance hin, die ebenso durch eine ausgefeilte Choreografie wie den Ethno-Pop-Mix bestach. Besonders der Einfall mit den Geigen-Saiten, die Paparizou aus einem ihrer Tänzer herauszog, um auf diesen zu "fiedeln", war gelungen. Der Rock-Song von Natalia Podolskaya aus Russland viel kaum auf (drei Minuten können lang sein), dagegen wirkten die drei Agnethas aus Bosnien-Herzegowina mit ihrem ABBA-Sound ("Call Me") wie eine Retro-Frischzellen-Kur. Die Schweiz hatte mit der estnischen Girl-Group Vanilla Ninja das Halbfinale überstanden. Ihre sehr gute Performance ließ sie in der ersten Hälfte der Abstimmung noch um den Sieg mitkämpfen. Später fielen sie allerdings deutlich zurück und landeten schließlich auf dem achten Platz. Nach vielen lauten Beiträgen kam der leise und sehr süße Auftritt von Valters & Kaza wie gerufen. Die sympatischen Letten überzeugten auf Anhieb und wurden am Ende verdient Fünfte. Ortal aus Frankreich schloss den Wettbewerb nett aber unspektakulär ab.

Der 51. Eurovision Song Contest wird am 18. und 20. Mai 2006 in Athen stattfinden.

22. Mai 2005



21 Kommentare

#1 SuisseAnonym
  • 22.05.2005, 21:01h
  • Grazie Gracia, und demnächst wieder viel Spass an der Kasse vom Supermarkt.......und dann wäre da noch die winzige Hoffnung, dass Deutschland in Zukunft von all den Superstars, Popstars oder Bigbrothers verschont bleibt.......
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#2 AngelpowerAnonym
  • 22.05.2005, 21:35h
  • Im Großen und Ganzem entsprach die Bewertung wohl dem Talent( das gilt für alle), allerdings waren sicher einige der 2-5 ten Plätze besser als der griechische Beitrag. Aber egal- the Show must go on und wir sehen uns wieder in einem JAhr in Athen
    und einige auch nicht - zum Glück !!!
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#3 gähnissimoAnonym
  • 22.05.2005, 23:30h
  • das unprofilierte gedudel von fräulein paparazu wird genauso schnell vergessen sein wie jenes dieser türkin von vor zwei jahren - dem es bemerkenswert ähnelt. wirklich gut wäre es nur gewesen, wenn die dicke frau aus malta gewonnen hätte - allein schon um all die barbiepüppchen, die von fitnessstudiogeschädigten jungen homosexuellen umtanzt wurden (und die fitnessstudiogeschädigten jungen homosexuellen, die von barbiepüppchen umtanzt wurden) in die ästhetischen schranken zu verweisen. und was ganz wichtig wäre: auch großgeldgeber dürfen beim nächsten mal nicht mehr automatisch teilnehmen, im falle deutschlands bin ich überhaupt für eine zehnjährige disqualifikation - der nation zuliebe.
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#4 Georgios!Anonym
  • 23.05.2005, 00:10h
  • Also mal zur Info: Helena ist eine der erfolgreichsten Popsängerinnen Griechenlands und eine sehr talentierte junge Frau noch dazu! Seit sie als Sängerin der Popgruppe "Antique" riesen Erfolge in ganz Skandinavien feiern konnte und das zu recht ist sie nun solo erfolgreicher denn je!

    Nur mal so zur Info für alle die hier unwissend daher plappern!

    Gracia hat einfcah schlecht performt und dazu noch schief gesungen! Sorry aber sie hat den eltzten Platz eigentlich auch verdient!
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#5 denwebsAnonym
  • 23.05.2005, 00:17h
  • @ gähnissimo,
    das sollen sie machen, dann aber bitte auch keine Gelder mehr von uns! Hier schaut sich das doch eh kaum noch jemand an!

    mfg

    PS: Wohl fett und hässlich, oder warum bist du so verbittert?
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#6 der ÖsiAnonym
  • 23.05.2005, 00:22h
  • oohhh...armes deutschland,..nun irgendwie freut mich sowas als österreicher,..ihr habt uns nieeee punkte gegeben,..geschieht euch ganz recht *gg*
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#7 davidAnonym
  • 23.05.2005, 00:52h
  • Die Dame aus Malta hatte ein tolles Lied und konnte toll singen.
    Ihr wäre es sehr gegönnt gewesen.
    Weil dann auch mal wirklich die Stimme und der Song und nicht bloss das Äussere gezählt hätte.
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#8 Georgios!Anonym
  • 23.05.2005, 01:44h
  • Ja aber das maltesische klang doch nun wirklich wie ne Celine Dion Kopie oder?
    Und Singen konnte die Siegerin mindestens genauso gut!
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#9 DavidAnonym
  • 23.05.2005, 08:48h
  • Dafür hatte sie aber keine Percussion Einlagen :-)
    Die Hälfte der Beiträge klangen wie Kopien der beiden Vorjahressiegerinnen.
    Somit brachte sie etwas Abwechslung.
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#10 wilfriedAnonym
  • 23.05.2005, 09:44h
  • Unsere "sevillanas" wären besser in einem spanischen Folklore-Festival aufgetreten. Eure deutsche Gracia hätte eigentlich überhaupt keine Punkte erhalten sollen, so miserabel war das Lied. Der schöne Kroate mit seinem herrlichen Lied hat uns am besten gefallen, so auch die Jungs aus Lettland, die auch noch singen konnten. Warum singt denn nicht jeder wieder in seiner Landessprache, statt der alles gleichmachenden englischen Sprache ?
    Gruss madridEU
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