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Cardiff

Uni will die Begriffe "homosexuell" und "heterosexuell" verbannen

Eine walisische Hochschule gibt Studenten und Mitarbeitern Tipps, wie eine nicht diskriminerende Sprache auszusehen hat. Auf der Liste der unerwünschten Begriffe steht auch "homosexuell".


Die Hochschule in Cardiff möchte Studenten und Mitarbeiter sprachlich sensibilisieren (Bild: Prifysgol Caerdydd)

Die Cardiff Metropolitan University hat vergangene Woche einen neuen "Verhaltenskodex für eine nichtausgrenzende Sprache" veröffentlicht. Darin werden Studenten und Hochschulpersonal unter anderem aufgefordert, die Nutzung der Worte "homosexuell" und "heterosexuell" zu unterlassen. Wer sich nicht an diese Richtlinien hält, drohen unter Umständen disziplinarische Maßnahmen wegen Mobbings.

Im Kapitel "Sexualität und Beziehungen" heißt es, dass die Begriffe "homosexual" und "heterosexual" aus der Zeit gefallen seien und Werte der Vergangenheit transportierten. Stattdessen solle man die Begriffe "same-sex"/"other-sex" (gleichgeschlechtlich/verschiedengeschlechtlich) verwenden. Auch Begriffe wie Ehepartner/Ehepartnerin ("spouse"), Ehemann ("husband") oder Ehefrau ("wife") sollten vermieden werden, wenn man über den Partner oder die Partnerin seines Gegenübers spreche – zumindest solange, bis man wisse, welcher Begriff von der betroffenen Person bevorzugt werde.

Viele Begriffe, die sich einseitig auf das männliche Geschlecht beziehen, sollten zudem durch andere ersetzt werden. Dazu gehört etwa der "right-hand man" (die rechte Hand), "mankind" (Menschheit), "sportsmanship" (Sportsgeist) oder der auch im Deutschen verwendete Begriff "Gentleman's Agreement", der eine mündliche Vereinbarung umschreibt. Auch das Wort "housewife" (Hausfrau) kam auf die Schwarze Liste.

Begriffe wie "transgender" könnten laut den Richtlinien ebenfalls problematisch sein. Man müsse hier zunächst die "bevorzugte Terminologie seines Gegenübers" herausfinden.

Gegen den Kodex gibt es auch Widerstand. So erklärte die Bildungsexpertin Joanna Williams von der Universität im englischen Kent gegenüber dem "Daily Telegraph", dass diese Richtlinien "nicht notwendig" und eine "Beleidigung für Studenten und Angestellte" seien. Viele der Worte hätten für die Allgemeinbevölkerung keine sexisitischen Untertöne.

Uni: Es geht nicht um "politische Korrektheit"

Die Universität in der walisischen Hauptstadt sieht den Kodex dagegen als guten Weg, gegen Diskriminierung und Mobbing vorzugehen, die an allen Hochschulen des Königreichs noch immer weit verbreitet seien. In einer Pressemitteilung erklärte die Hochschule, dass nichts verboten werde, sondern vielmehr betont werden solle, dass Vielfalt einer der Grundpfeiler des Hochschullebens sei. Die Universität wies den Vorwurf der "sogenannten politischen Korrektheit" als alten Hut zurück.

Ohnehin scheint der Kodex trotz der Androhung disziplinarischer Maßnahmen nicht zu eng gesehen zu werden. Darin heißt es nämlich auch: "Seien Sie nicht zu ängstlich mit ihrem Umgang mit der Sprache. Blinde Menschen benutzen etwa Ausdrücke wie 'Wir sehen uns später'. Wenn eine Person zu vorsichtig ist, macht sie ein Gespräch zur Tortur für Menschen, die sich unterhalten." (dk)



#1 RobinAnonym
  • 06.03.2017, 19:52h
  • Schwachsinnig!

    Wieder mal irgendjemand überkorrektes, der es besonders toll machen will, aber letztlich nur eine Orwell'sche Sprachpolizei installiert.

    Ich bin schwul. Punkt. So bezeichne ich mich selbst und ich will auch, dass andere das so sehen. Und ich fühle mich deshalb keineswegs ausgegrenzt.

    Im übrigen ist sowas (ebenso wie das ProfX im Deutschen statt Professor oder Professorin, etc.) doch nur Wasser auf die Mühlen der Populisten.

    Man kann und darf Menschen ihre Sprache nicht diktieren. Und erst recht keine Sanktionen androhen.

    Solange nicht beleidigt wird, sollte das alles in Ordnung sein.
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#2 jochenProfil
  • 06.03.2017, 20:16hmünchen
  • Es ist nicht das Wort "homosexuell" das diskriminiert, Es ist das diskriminierende Verhalten das diskriminiert.

    Ich bin eigentlich ein Fan von gegenseitigem respektvollem und normal-, höflichen Umgangston. Diese Sprachenpolizei jedoch , bei der man das Gefühl nicht loswird, dass da sich gelangweilte Akademiker in neue Wort-Sphären hoch on......n, geht mir zu weit...... Wie am Ende des obigen Artikels schon angesprochen.
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#3 Patroklos
#4 JadugharProfil
  • 07.03.2017, 02:33hHamburg
  • Absurd! Homosexuell bedeutet ja gleichgeschlechtlich (same sex) und heterosexuell ist identisch mit (other sex).
    Man nimmt also die Begriffe (griechisch/latein) und ersetzt sie durch englische gleichbedeutende Begriffe!
    Diskriminierung wäre dann nur gegeben, wenn man eine Gruppe mit einer Eigenschaft A anders behandelt als eine Gruppe mit der Eigenschaft B, wenn A und B gleichberechtigt sind. (Z.B. männlich/weiblich/zwittrig, homosexuell/heterosexuell)
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#5 stromboliProfil
  • 07.03.2017, 07:49hberlin
  • www.heise.de/tp/features/Wie-Beherrschte-an-der-ueber-sie-au
    sgeuebten-Herrschaft-mitwirken-3645169.html


    ein interessanter diskurs über mitwirken und selbstdeutung der eigenen wichtigkeit im gesellschaftlichen miteinander...

    www.freitag.de/autoren/der-freitag/das-komplizierte-g-wort

    "Posts mit Morddrohungen:
    ... siehe: << Tuider ist Mitverfasserin eines sozialpädagogischen Buches zur Arbeit mit Jugendlichen, das Methoden zur Diskussion von sexueller Vielfalt vorstellt. Über manche, auch in Zeitungsberichten genüsslich zitierte Textpassagen (Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?) lässt sich sicher streiten. >>

    Hier im beispiel wird noch einmal im eigentlich kritischen gesellschaftsansatz das dilemma des progressiven liberalismus sichtbar...
    Nicht das eigene heteronormative wird wirklich in frage gestellt, sondern nur der umgang mit seinem herrschaftsansprüchen in sprache und gesellschaftlicher ausdeutung..

    Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?

    Dies nicht nur als witzige replik auf die immer wieder vorgebrachte "durchlaufphase" << homosexualität >> , die pupertäre irrung im kontex zur herrschenden heterosexualität zu ende gedacht, sondern wirklich als grundpfeiler einer neuen sexualphilosophie, in der die "klassischen-mediozinalen begriffe der homo-heteroorientierung platz macht für eine neuzudefinierende sexualität.
    Eine sexualität, die vieleicht gar keinen namen braucht.. aber man auch auf bekanntes zurück greifen könnte, würde man nur deren vorbelasstung entmythologisieren : BI-sexualität

    Entschlackt von dem vorwurf, hinter bi-sex mann/frau ja nur sich der entscheidung für das eine oder andere zu entziehen suche...

    Ich selbst schreibe schon seit geraumer zeit vom neutral gleichgeschlechtlichen/gegengeschlechtlichen um mich von dem schreibkodex Homosexualität -heterosexualität zu entfernen.
    Benutze hetero wie homo nur noch als satirisch _ gesellschaftskritischen begriffsüberbau.
    Zu sehr sind diese "klassischen" zuordnungbegriffe im sogenannt wissenschaftlichen gegen uns verwendet worden, als dass ich dem auch noch einen wissenschaftlichen anstrich zugestehe.

    Gleichgeschlechtlich oder gegengeschlechtlich als zuordnung sei mir im neutralen diskurs hingenommen. Persönlich bin und bleibe ich schwul!
    Hat persönlich was mit lebensgeschichtlicher erfahrung und stolz hierauf zu tun.

    Aber schwul ist auch ein begriff, den ich "anderen" mangels ähnlich lebensgeschichtlicher erfahrung/en gesegneten, im öffentlichen diskurs einfach so nicht zugestehe!

    Weder einem kauder einem maas-kretschmann und sonstig als ^^heteros über homos^^ "nachdenkene"....

    Auch nicht spahn, kaufmann, kauch...; einem ilg_berger, noch einem zufällig ebenfalls gleichgeschlechtlich- homosexuellen anderweitig christlich/reaktionären , der als schwiegersohntauglicher die homoehe propagierend , so sich seinen eintritt in die mitte jener gesellschaft erhofft, die ihm trotz aller bemühungen wenn schon nicht offen feindlich, so doch mit gebremster freundlichkeit begegnet.
    Siehe auch www. heise - link oben.

    Die mär vom bildungsmangel als alleinige ursache für homophobie, sollte schnee von gestern sein!
    Wir müssen da weit tiefer in die gesellschaftlichen abgründe eintauchen und uns mit fragen beschäftigen, die wir zuforderst verdrängt haben.

    Woher z.b. kommt eigentlich die neue schwulenbewegung; auf welcher gesellschaftlichen grundlage konnte sie sich entwickeln und "erfolg" haben...
    Was waren die politischen-geistigen vorbedingungen hierfür?

    Das genauer betrachtet, würde unsere derzeitige euphorie ob des "mitte" angekommenseins etwas bremsen.
    Würde auch den "wandel" gesellschaftlicher toleranzen in einem weitaus kritischeren blickwinkel betrachten.
    So aber auch die drohenden gefahren besser erkenntlich machen, die im gesamtgesellschaftlichen rollback auf uns zukommen werden.

    Welche sprache wir zukünftig für diesen kampf benutzen werden, ob er die richtigen anhänge beifügungen und buchstabenfolgen haben wird, ist mir persönlich ziemlich egal..
    Wichtig ist mir die richtung, in der unser kampf als klassenkampf geführt wird.
    Kapieren, das hinter all den geschlechterzuweisungen eben nur klassenkampf GEGEN uns geführt wird.
    Dann kann ich auch mit den proXin und sonstwie selbstbezeichnungen leben.

    So sie nicht den andern verletzen in seiner würde und unantastbarkeit!
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#6 TheDadProfil
  • 07.03.2017, 12:15hHannover
  • Antwort auf #2 von jochen
  • "" Diese Sprachenpolizei jedoch , bei der man das Gefühl nicht loswird, dass da sich gelangweilte Akademiker in neue Wort-Sphären hoch on......n, geht mir zu weit...... ""..

    Wer hier missversteht wie die Institution in den Sprachgebrauch im Umgang MITEINANDER Regelungen schafft die einen respektvollen Umgang miteinander fördern sollen, und dann den falschen Rückschluß zieht, es sei zukünftig verboten die Begriffe als SELBSTBEZEICHNUNG zu nutzen, der kommt leicht auf die Idee, es handele sich um "sprachpolizeiliche Maßnahmen"..

    Gerade Universitäre Institute und Fachbereiche haben schon immer "sprachliche Regelungen" entworfen, die sich nach und nach in der Allgemeinheit durchgesetzt haben..

    ""geht mir zu weit...... ""..

    Betrifft Dich auch nicht wirklich, es sei denn, Du bist Studierender an dieser Fakultät..
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#7 VulkanAnonym
  • 07.03.2017, 16:53h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Derartige elitäre Versuche, den Sprachgebrauch zu reglementieren gibt es leider nicht nur an dieser walisischen Uni. Sie führen jedoch nie zu dem angestrebten positiven emanzipatorischen Effekt. Ganz im Gegenteil treiben diese Sprachpolizei-Versuche viele Menschen dazu, Idioten wie Trump zu wählen, nur weil dieser redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
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#8 TheDadProfil
  • 07.03.2017, 22:41hHannover
  • Antwort auf #7 von Vulkan
  • ""Derartige elitäre Versuche, den Sprachgebrauch zu reglementieren gibt es leider nicht nur an dieser walisischen Uni.""..

    Als "Sprachpolizei" empfindet es immer nur derjenige der sich ertappt fühlt, und dennoch der Meinung ist sein eigener Sprachgebrauch sei nicht zu bemängeln..

    Wie im Artikel angemerkt ist geht es vor allem darum "zuschreibende Begriffe zu vermeiden", und das
    ""zumindest solange, bis man wisse, welcher Begriff von der betroffenen Person bevorzugt werde.""..

    ""Sie führen jedoch nie zu dem angestrebten positiven emanzipatorischen Effekt.""..

    Demnach sind also die seit über 40 Jahren laufenden Bemühungen zur Emanzipierung der Sprache bezüglich der unterdrückerischen Verwendung patriarchaler Begriffe sinnlos gewesen, weil sie dann doch nichts bewirkten ?
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