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Vom gemobbten Hänfling zum selbstbewussten Mann

Eine schwule Biografie in Kroatien

In ihrem Roman "Der Klippenspringer" erzählt Barbara Corsten eine Geschichte von Homophobie, Eifersucht, Mut und Tragik.


Ante, die schwule Hauptfigur des Romans, wächst an der kroatischen Küste auf (Bild: Krzysztof Urbanowicz / flickr)

Der Frühling traut sich noch nicht wirklich um die Ecke, da kann man in Barbara Corstens "Der Klippenspringer" aus dem Dead Soft Verlag schon vom Sommer träumen. Wobei das gar keine so traumhafte Kulisse ist, die Frau Corsten da aufmacht.

In einem kleinen Dorf in Kroatien lässt sie eine Geschichte von Homophobie, Eifersucht, Mut und Tragik stattfinden, die man hinter dem profanen Titel gar nicht vermutet. Da ist es kein Wunder, dass die Autorin gerade eine Fünf-Sterne-Rezension nach der anderen für dieses Buch einfährt. Aber der Reihe nach.

Ein idyllisches Dorf, aber keine Heimat

Ante lebt mit seiner Mutter in einem kleinen Haus am Rand des Fischerdorfs. Hier geht es noch traditionell zu. Jeder bekommt seinen Platz im Dorf, und den hat er oder sie auch einzunehmen. Noch als kleiner Junge hat Ante seinen Vater verloren. Nur manchmal kann er sich noch verschwommen an ihn erinnern.

Seine Mutter, von da an auf sich allein gestellt, hat den Jungen großgezogen. Dazu hat sie neben dem Haus einen Garten angelegt, in dem sie vieles selbst anbaut, außerdem arbeitet sie in einem der nahe gelegenen Hotels. Inzwischen muss auch Ante seinen Teil dazu verdienen, damit sie einigermaßen über die Runden kommen.

Doch der zarte, junge Mann will so gar nicht in dieses raue Leben an der Küste passen. Was andere Jungs in seinem Alter mit einem Arm halten, das kann Ante gerade einmal unter Aufbietung seiner ganzen Kraft bewältigen. Bei den anderen Jugendlichen des Dorfes gehört es schon länger zum "guten Ton", den Außenseiter Ante zu jagen, zu hänseln und zu verprügeln.

Die Begegnung mit dem hünenhaften Kristijan


"Der Klippenspringer" ist im Dead Soft Verlag erschienen

Wieder einmal gibt Ante Fersengeld, um seine Verfolger abzuschütteln, doch Joso und seine Schergen verfolgen ihn hartnäckig. Der Blick in ihre Gesichter zeigt Ante, dass es diesmal keine Rettung gibt. So rennt er immer weiter auf die höchste Klippe der Steilküste zu. Den Menschenauflauf dort steuert er an, in der Hoffnung auf Rettung.

Aber die Masse teilt sich nur vor ihm und seinen Verfolgern. Sie sind heute hier, um live zu erleben, wie Kristijan, den Sohn des Industriellen, von der höchsten Klippe mutig in die tosende See springt. Der junge muskulöse Mann bereitet sich gerade vor, als Ante an ihm vorbeirennt, seine Verfolger direkt hinter sich.

Aus dem nun folgenden Chaos trägt Ante einige schwere Verletzungen davon, und ausgerechnet der gut aussehende und hünenhafte Kristijan greift nach seiner Hand. So beginnt eine zarte Romanze mit einem ersten dankbaren Blick aus Antes tiefen Augen. Kristijan kümmert sich rührend um den Verletzten, steht ihm im Krankenhaus bei und ist so oft bei ihm wie es geht. Innige Momente der Zweisamkeit machen beiden Jungen klar, wie anders sie sind, aber dass sie gemeinsam stark sein können.

Ein unfreiwilliger Neuanfang in Zagreb

Doch der Traum währt nicht lange: Kristijan, der seinem Vater alles erzählen wollte, ist nicht wieder aufgetaucht. Aus ihrem Haus müssen sie raus, denn die Mutter musste es für die hohen Arztkosten für Antes Behandlung verkaufen. Und so rumpeln sie am frühen Morgen in einem alten LKW Richtung Zagreb.

Eine alte Dachgeschosswohnung in einem Mietshaus wird von nun an ihr Zuhause sein. Sie hat zwar mehr Komfort als das alte Haus, aber beiden, Mutter und Sohn, fehlt das Meer sehr schnell. Während die Mutter sich bald mit der Ladenbesitzerin aus dem Erdgeschoss anfreundet und zumindest einen kleinen Job bekommt, bleibt Ante erst mal für sich.

Aber bereits seine erste Flucht durch die neue Umgebung soll seinem Leben eine positive Richtung geben, nur das weiß der junge Mann noch nicht. Einen wichtigen Ratschlag des Fotografen Richard schlägt er in den Wind. Und so vertraut Ante ein weiteres Mal den falschen Menschen, bis er sich endlich aufrafft und sein Leben angeht. Er ergreift eine helfende Hand, die ihm nun Raum und Zeit zur Entwicklung gibt.

Und nach intensivem Leben und Lernen steht Ante dann doch wieder Kristijan gegenüber, aber unter ganz anderen Vorzeichen. Ante ist nun ein Mann, der genau weiß, was er will und was nicht. Jetzt wird es sich entscheiden: Neuanfang 3.0 oder doch ein letztes Verpuffen?

Verstörend, intensiv und berührend

Barbara Corstens Charaktere in "Der Klippenspringer" sind klar umrissen und jeder passt in eine Schublade? Denkste. Weder Ante noch Kristijan lassen sich mit einfachen Worten beschreiben. Ihre Erlebnisse bis zum Zusammentreffen auf der Klippe machen sie zu dem, was sie sind. Das, was sie danach erleben, hätte sicherlich anders verlaufen können, wenn sie sich anders entschieden hätten.

Und so begleitet der Leser Ante auf seinem schmerzhaften Weg zum Mann. Zu einfach ist das Zurückfallenlassen in alte Verhaltensweisen. Wie gern macht man andere für das eigene Unglück verantwortlich. Schnell wird Ante zu einem Bruder, Freund oder Vertrauten, den man manchmal schütteln, aber eigentlich nur beschützen möchte. So hat man als Leser Ante schon zigmal angefeuert, als er dann auch endlich losmarschiert.

Die Männer, denen Ante auf seinem Weg begegnet, haben alle ihren Reiz. Ob der hinterhältige Joso, der schöne Kristijan, der zwielichtige, aber attraktive Bela, der reife Fotograf Richard oder dessen alter Freund Milo – sie alle tragen dazu bei, dass Ante zu dem Mann wird, der er am Ende dieses Buches ist.

Infos zum Buch

Barbara Corsten: Der Klippenspringer. Roman. Taschenbuch. 392 Seiten. Dead Soft Verlag. Mettingen 2016. 13,95 € (ISBN 978-3-96089-053-9). E-Book 5,99 € (ISBN 978-3-96089-054-6)


#1 MahmoudProfil
  • 12.03.2017, 15:15hDuisburg
  • Ich frage mich bereits länger weshalb es der Redaktion nur selten möglich ist Bücher von renommierten Verlagshäusern zu rezensieren.

    Hanser, Suhrkamp, Diogenes, Frankfurter Verlagsanstalt, S. Fischer, und all die anderen Publikumsverlage führen Bücher schwuler Autoren oder mit schwuler Thematik.

    www.prinz-eisenherz.com/

    www.buchladen-erlkoenig.de/

    Bei diesen beiden Buchhandlungen findet man zum Thema Homosexualität vielleicht noch ein bisschen etwas anspruchsvolleres im Sortiment.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Patroklos
#3 gastAnonym