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Homosexualität als Makel

Gericht spricht Ex-Footballer wegen Homo-Gerücht 3 Millionen Dollar zu

Ein Südstaatengericht hält einen hohen Schadensersatz für angebracht, weil ein Blogger einem früheren NFL-Star eine gleichgeschlechtliche Affäre unterstellt hatte.


Jetzt hat es Kordell Stewart (li.) amtlich: Er hatte keine Affäre mit dem Blogger Andrew Caldwell

Der Blogger Andrew Caldwell muss laut einer Entscheidung eines Bezirksrichters im US-Bundesstaat Georgia dem früheren NFL-Spieler Kordell Stewart drei Millionen Dollar (2,8 Millionen Euro) Schadensersatz zahlen, weil er über eine angebliche Affäre mit dem Sportler gesprochen hatte. Das Gericht in der Stadt Decatur bei Atlanta sah es als erwiesen an, dass die "Anschuldigung" dem 44-jährigen Sportler sowohl seelischen Schaden zugefügt als auch seiner Karriere geschadet habe. Ursprünglich hatte Kordell 4,5 Millionen Dollar gefordert (queer.de berichtete).

Um den von einer Frau geschiedenen Footballer hatte es bereits mehrfach Gerüchte über Homosexualität gegeben, die dieser stets empört abgestritten hatte. In den Gerichtsunterlagen führte er an, dass er "zu allen Zeiten seines Lebens ein heterosexueller Mann" gewesen sei. Die "Anschuldigung", homosexuell zu sein, habe ihm in der Sportindustrie Respekt gekostet, in der "Härte und 'Macho'-Persönlichkeiten dominieren", heißt es in der Klageschrift.

Der Ex-Spieler von Topvereinen wie den Pittsburgh Steelers, den Chicago Bears und den Baltimore Ravens hatte in der Vergangenheit seine Heterosexualität auch mit seinem christlichen Glauben begründet. "Eine Sache, die ich über das Leben weiß, ist: Als Gott Himmel und Erde erschaffen hat, hat er Adam und Eva erschaffen", sagte er letztes Jahr in einem Fernsehinterview.

Auch der Blogger, der die "Beschuldigung" ausgesprochen hatte, gibt sich als ergebener Christ aus, der inzwischen seine Homosexualität "überwunden" habe. Andrew Caldwell erreichte 2014 mit einem viralen Video Kultstatus, in dem er während eines Gottesdienstes von seinem Pfarrer ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekam und brüllte: "Ich bin nicht mehr schwul, ich bin befreit. Ich mag keine Männer mehr, ich mag Frauen. Frauen, Frauen, Frauen, Frauen!" Er unterstrich seine neu gefundene Heterosexualität mit den Worten: "Ich werde keine Handtasche tragen, ich werde kein Make-up tragen."

Auf diesem bizarren Video baute er seine Karriere als "Internet Personality" auf und erzählte in Interviews teils haarsträubende Abenteuer aus seinem vergangenen schwulen Leben – darunter auch die Affäre mit dem Footballer. Inzwischen gibt er zu, in dieser Frage gelogen zu haben.

Direktlink | Mit diesem bizarren Video wurde Andrew Caldwell landesweit bekannt

Noch ist unklar, ob Caldwell gegen das Urteil Berufung einlegen wird. Außerdem gilt es als wenig wahrscheinlich, dass er in seiner finanziellen Lage die Strafe überhaupt bezahlen kann. (dk)



#1 stetsonAnonym
  • 13.03.2017, 14:44h
  • okay, eine andere konstellation: ein schwuler mann verklagt eine frau, die das gerücht verbreitet, er habe eine heterosexuelle affaire mit ihr gehabt.

    ob dieses gericht im punkt "seelischer schaden" genau so entschieden hätte?
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#2 MahmoudProfil
  • 13.03.2017, 14:58hDuisburg
  • Unabhängig von dieser Meldung (und ihrem vermeindlichen Unterhaltungswert) gibt es in den USA vielfältige Möglichkeiten, sich als Sportbegeisterter und Athlet gegen Schwulenfeindlichkeit und für Bürgerrechte zu engagieren.

    www.athleteally.org

    Selbst Massenblätter wie Sports Illustrated bringt Berichte und Coverstories über schwule Athleten.

    www.si.com/search?q=gay

    Also bis bald auf dem Sportplatz, Jungs!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 JammerlappenAnonym
  • 13.03.2017, 17:50h
  • "Die "Anschuldigung", homosexuell zu sein, habe ihm in der Sportindustrie Respekt gekostet, in der "Härte und 'Macho'-Persönlichkeiten dominieren", heißt es in der Klageschrift. "

    Und warum benimmt er sich dann nicht so?
    Ein echter "Macho", der mit "Härte dominiert" würde über diese Gerüchte stehen und sich nicht als Heulboje erweisen! Das ist ja sensationell, wie schnell und einfach man einen "harten Macho"-Typen verbal umnieten kann.
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#4 giliatt 2Anonym
  • 13.03.2017, 21:59h
  • Christ-Sein, Homosexualität und Meinungsfreiheit schließen einander nicht aus.
    Dennoch ist dieser Zwist eine Folge der "Überkommunikation"
    Die BLOGGEREI ist ein Unwesen.
    Jeder fühlt sich bemüßigt, der Öffentlichkeit seinen Senf mitzuteilen. Dabei gehen die Persönlichkeitsrechte den Bach runter.
    Das Urteil ist richtig.
    Von dem Geld hat der Kläger allerdings herzlich wenig, denn die Gerichtskosten und das Honorar der auf solche Fälle spezialisierten Anwälte verschlingt den größten Teil davon.
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#5 globoProfil
#6 Patroklos
#7 StrottiAnonym
  • 14.03.2017, 11:41h
  • Es hat doch schon was Amüsantes: Schließlich hat der Verurteilte seine "Anschuldigungen" erst nach seinem christlichen Hetero-Coming-Out gemacht. Generell sind solche Verfahren aber natürlich absurd und reaktinär, zementieren sie doch Vorurteile, die dann auch noch viel Geld wert sind.
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