Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?28426

Auch AfD bewirbt Veranstaltung

Homophobe CDU-Politikerin lädt Birgit Kelle zu Vortrag ein

Die sächsische Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann, die selbst gegen LGBTI-Rechte hetzt, will ihren Wahlkreis über die "Gender-Ideologie" aufklären.


Veronika Bellmann trifft nicht zum ersten Mal mit Birgit Kelle (rechts bei einer "Demo für alle" in Stuttgart) zusammen (Bild: CDU Sachsen, Norbert Blech)

Die homofeindliche Autorin und Aktivistin Birgit Kelle soll am Donnerstag erneut auf einer CDU-Veranstaltung auftreten. Wie ihr Buch trägt ein geplanter Vortrag im mittelsächsischen Freiberg den Titel: "GenderGaga: Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will".

In der Einladung zur öffentlichen Veranstaltung loben der CDU-Stadtverband und die örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann, die Autorin kämpfe mit "fundierter Fachkenntnis und Leidenschaft" für "Vernunft und Aufklärung, gegen ideologische Verbohrtheit und Gleichgültigkeit". Denn "zurecht" hinterfragten "mehr und mehr Bürger Ziel, Sinn, Kosten und Nutzen von Gender Mainstreaming".

Konservative und rechte Kreise verstehen und bekämpfen unter dem Schlagwort "Gender" alles Emanzipatorische: von der Gleichstellung von Mann und Frau über LGBTI-Rechte bis hin zur Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt. "Eine absurde Ideologie hat sich über 20 Jahre hinweg ungehindert durch alle Hierarchieebenen gearbeitet", betont so auch der CDU-Flyer. "Gleichstellungsbeauftragte, Kirchen, Unternehmen, Ämter – alle haben sich des Themas angenommen. Bund und Länder machen Aktionspläne, 'gendern' Bildungspläne, Spielplätze, Ampeln, Toiletten, Studiengänge, Universitäten, sogar die Bibel und zwingen dabei mehr als nur unserer deutschen Sprache zweifelhafte Muster auf."

Homophobe Politikerin trifft homophobe Aktivistin


Die örtliche AfD bewirbt den Vortrag Kelles mit dem gesamten CDU-Flyer (s. Lupe) – die Annäherung der Parteien scheint erwünscht

Bellmann ist keine Unbekannte: 2012 sprach sie sich bei "abgeordnetenwatch.de" gegen die steuerliche Gleichbehandlung von Lebenspartnern mit Eheleuten aus: "Die gleichgeschlechtliche Partnerschaft bringt (…) keine eigenen Kinder hervor. Sie gibt also den Generationenvertrag für die Zukunft keine 'Schuldner' im gesellschaftlichen Sinne. Dieser Mangel kann auch nicht durch Adoption geheilt werden." Auch die "krudesten Vorstellungen" wie Leihmutterschaften oder "Designerbabys" änderten daran nichts.

Die Abgeordnete, die seit 2002 für die CDU im Bundestag sitzt und erneut als Direktkandidatin aufgestellt wurde, hatte zur Ehe-Öffnung in Irland 2015 in einem Blogeintrag unter dem Titel "Ehe beliebig im Zeichen des Regenbogens?" kommentiert, dass die Ehe zwischen Mann und Frau "mit Blick auf die Kinder und die Zukunft unseres Volkes einen besonderen Rang" habe. Die Debatte sei auch keine "Frage der politischen Kultur, sondern der Gott gegebenen Natur" (queer.de berichtete). Sie bezeichnete den Einsatz für LGBTI-Rechte mehrfach als Diskriminierung heterosexueller Partnerschaften.

Das Mitglied des konservativen "Berliner Kreises" der CDU, der sich kürzlich im Duktus von AfD und "Demo für alle" gegen "Genderideologie und Frühsexualisierung" sowie gegen die Ehe für alle aussprach, hatte vor einigen Monaten Schlagzeilen mit einem Plädoyer für eine Annäherung an die AfD gemacht: Dort gebe es "durchaus akzeptable Leute, mit denen ein Dialog möglich ist", auch müsse man "die Sorgen ihrer Anhänger ernst nehmen", sagte sie der "Huffington Post" (queer.de berichtete). Der Dialog wird am Donnerstag fortgesetzt: Die örtliche AfD bewirbt die Veranstaltung auf ihrer Webseite mit dem kompletten Flyer der CDU.

Entsetzte Kritik der GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat inzwischen die CDU-Abgeordnete aufgefordert, den Vortrag abzusagen. "Mit Bestürzung" habe er von der "unerträglichen Grenzüberschreitung" erfahren, die die Einladung Kelles darstelle, schrieb ihr der Vorsitzende des Bezirksverbands Chemnitz, Axel Stumpf. Er beklagte, dass "keine Gegenrede aus der LSBTTIQ*-Community" vorgesehen sei.


Bellmann (4. v.l.) im Februar 2016 bei einem Frühstücks-Empfang von Unions-Abgeordneten für die homophoben Autoren Birgit Kelle und Manfred Spieker im Bundestag

Die Kritik dürfte auf taube Ohren stoßen: Die sächsische CDU hatte Kelle vor zwei Jahren gar als Expertin zu einer Debatte zum "Aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensweisen" in den Landtag eingeladen (queer.de berichtete). Bellmann selbst war auch dabei, als Kelle – sowie der homofeindliche Aktivist Manfred Spieker – vor rund einem Jahr auf Einladung einiger CDU-Bundestagsabgeordneter bei einem Fraktionsfrühstück über "Gender"-Themen referierte (queer.de berichtete). In den letzten Jahren trat Kelle immer wieder auf CDU-Veranstaltungen auf, etwa im Wahlkampf in Baden-Württemberg oder selbst mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Kelles monatelange Stimmungsmache zusammen mit der "Demo für alle" gegen Schulaufklärung über LGBTI in Bayern hatte zuletzt zu einer deutlichen Abschwächung der Pläne geführt. Kurz danach durfte sie auch bei der CSU-Landtagsfraktion einen "Gender"-Vortrag halten. Mehr dazu sowie zu ihren homo- und transfeindlichen Thesen, über die "Verwirrung" der Kinder durch Bildungspläne über die Diskriminierung "normaler Paare" durch die "Homo-Lobby" bis hin zum Einsatz für Homo-"Heiler", in diesem Bericht.

 Update  16.3., 10h: Auch LSU fordert Absage, CDU uneinsichtig

Der Landesverband Sachsen der Lesben und Schwulen in der Union hat in einem Offenen Brief die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. "Eine Aktivistin, die ganz offen Menschen verschiedener sexueller Identitäten diskriminiert und an den Pranger stellt, kann und darf daher aus unserer Sicht niemals auf einer Veranstaltung der Christlich Demokratischen Union auftreten."

Auf Facebook verteidigt derweil der CDU-Stadtverband Freiberg die Veranstaltung in der Diskussion mit den Usern. Man habe dem Thema "Gender" schon kritisch gegenübergestanden, als es noch keine AfD oder Pegida gegeben habe. Die Postings lassen erkennen, dass man "Gendergaga" weder als "rechten Kampfbegriff" noch Birgit Kelle als "Rechte" ansieht. Zugleich werden Kritiker als "realitätsferne Linke" beschimpft, die Deutschland "verderben": "Es ist schon erstaunlich wie realitätsfern die linke Welt ist. Wenn die uns mal regieren wird eine neue Diktatur wieder Wirklichkeit. Davor schütze uns Gott."

 Update  16.3., 19h: Bellmann lehnt Absage ab

Gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" hat Bellmann bekräftigt, dass die Lesung stattfinden werde, und damit die Forderung der LSU nach einer Absage, von der sie erst aus der Presse erfahren habe, abgelehnt. Es gehöre zu ihren Aufgaben, "durch mehr Informationen mehr Transparenz zu schaffen", das gelte auch "beim Thema 'Genderideologie'". Zudem wies Bellmann darauf hin, dass sie Birgit Kelle als "eine sehr optimistische, offene, aber auch streitbare, aber keinesfalls verbohrte und schon gleich gar nicht diskriminierende Person" kennengelernt habe.



#1 AFD-WatchAnonym
  • 15.03.2017, 13:19h
  • "Bellmann ist keine Unbekannte: 2012 sprach sie sich bei "abgeordnetenwatch.de" gegen die steuerliche Gleichbehandlung von Lebenspartnern mit Eheleuten aus: "Die gleichgeschlechtliche Partnerschaft bringt () keine eigenen Kinder hervor. "

    Das ist die gleiche Sorte Politiker, die sich empört zeigt, wenn man mal zurecht nachfragt, was an der kinderlosen Ehe einer Merkel förderungswürdig(er) sei. Und sich nebenbei einen Dreck darum schert, wenn es darum geht, wie es Kinder in sozial benachteiligten Familien geht und wie man deren Lage verbessern kann.
    Was sucht die Frau eigentlich im Büro und wieso trägt sie die Haare so und zieht Hosen an?
    Sollte sie nicht daheim sein, und sich in angemessener KLEIDung um die Kinder und die Küche kümmern und so den Erhalt des deutsche Volkes sichern, anstatt gegen Errungenschaften rumzubellen, von denen sie selber profitiert?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 goddamn liberalAnonym
#3 ursus
  • 15.03.2017, 15:56h
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • schön wär's ja, wenn wir das zu einem problem des "sachsen-sumpfs" verharmlosen könnten. das ist aber leider kein östlicher ausreißer, sondern einfach tradition in der union. da wurden auch schon gern mal die übelsten homo-"heilungs"-propagandist_innen zu politischen konsultationen eingeladen und ihre menschenverachtende hetze so als "expert_innenstandpunkt" geadelt:

    "[Christl] Vonholdt nahm am 18. Oktober 2004 auf Einladung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages zum Gesetzentwurf zur Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsgesetzes teil. 2007 schrieb sie auf Anfrage der CDU eine Stellungnahme für den Rechtsausschuss des Hessischen Landtages zum Gesetzentwurf für ein Gesetz zur Anerkennung eingetragener Lebenspartnerschaften im Landesrecht."

    de.wikipedia.org/wiki/Christl_Ruth_Vonholdt
  • Antworten » | Direktlink »
#4 RobinAnonym
  • 15.03.2017, 16:02h
  • "Homophobe CDU-Politikerin lädt Birgit Kelle zu Vortrag ein"
    "Auch AfD bewirbt Veranstaltung"

    Da sieht man wieder mal, wo sich Allianzen bilden. Und es werden wohl auch schon künftige Koalitionen ausgelotet.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 JustusAnonym
  • 15.03.2017, 16:17h
  • Diese Damen wollen unbedingt ihre hasserfüllte Ideologie durchdrücken. Auch wenn es auf Kosten der Kinder geschieht - das ist denen scheißegal. Hauptsache, sie kriegen ihren Willen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 goddamn liberalAnonym
  • 15.03.2017, 16:18h
  • Antwort auf #3 von ursus
  • Das Problem ist mir natürlich auch bekannt.

    In Sachsen ist der schwarz-braune Rand, der ja bis zu einer mutmaßlichen Duldung des NSU-Terrors geht, allerdings so breit, dass man schon nicht mehr von einem Rand sprechen kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LorenProfil
#8 JustusAnonym
#9 Tommy0607Profil
  • 15.03.2017, 17:57hEtzbach
  • Eine Partei die sich Christlich nennt , sollte auch mal Menschlich denken . Und nicht Menschen in 2. Klassen einordnen wegen einer Sexualität . Denn alle Menschen sollten die gleichen Rechte und Pflichten bekommen , egal ob Homo oder Hetero. Eventuell geb ich mal einigen Christen den Vorschlag GOTT besser zu verstehen : Denn ER macht keine Unterschiede aufgrund einer Sexualität, Religion oder Herkunft . ER ist tolerant . Und wer IHM nicht so folgt , kann sich auch nicht Christ nennen. Amen !
  • Antworten » | Direktlink »
#10 KMBonnProfil
  • 15.03.2017, 18:13hBonn
  • Sachsen eben.
    Was soll man sagen, das kennen wir ja schon seit der Affäre um den evangelikalen Plauener CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt schon. Die sächsische CDU ist einfach so.
    Zutiefst konservativ-reaktionär.
  • Antworten » | Direktlink »