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Von Beruf(ung) Callboy

Denn sie sind jung und wollen das Geld

Schwule Sexarbeit hat sich von ihrem einstigen Schmuddel-Image zu einer professionellen Hochglanz-Dienstleistung emanzipiert.


Für viele nebenberufliche Callboys ist gelegentliche Prostitution Ausdruck eigener Sexualität, die Entlohnung Teil der Befriedigung (Bild: pixabay©PinSharp (CC0 1.0))

In Zeiten des Internets hat sich die Gay-Callboy-Szene grundlegend gewandelt. In dem Business warten heute in der Regel weder Freier noch obdachlose Stricher stundenlang irgendwo an einem dunklen Bahnhof auf eine schnelle Nummer, wie veraltete Klischees glauben machen wollen. Was zeichnet schwule Callboys und Escorts von heute aus, was hat sich verändert?

Oft ist der erste Schritt in den Callboy- oder Escortservice rein zufälliger Natur. Entgegen vieler oftmals junger Stricher, die – meist aus osteuropäischen Ländern wie etwa Rumänien oder Bulgarien kommend – gezielt ihr finanzielles Glück in reicheren, westeuropäischen Industrienationen suchen, rutschen viele Schwule hierzulande oftmals rein aus einer zufälligen Gegebenheit heraus in das Gewerbe. Jemand kennengelernt zu haben und nach getanem Vergnügen plötzlich und überraschend vom Freund bezahlt zu werden, ist zwar nicht unbedingt jedermanns Sache, mag in dem einen oder anderen doch eine zündende Idee entflammt zu haben.

Viele erliegen darauf hin dem verlockenden Gedanken, das Angenehme doch einfach mit dem Nützlichen verbinden zu können. Derart "Angefixte" werden es anschließend mit einem ersten gezielten Versuch weiter ausprobieren, wenn erstmal Blut geleckt ist.

Wege in einen Dienstleistungsberuf

Andere dagegen sind in das horizontale Gewerbe durch Hinhalte-Taktiken im Netz geschliddert. Wenn plötzlich ein beharrlich hingehaltener Werber meint, sich nicht erwiderte Liebe aus Verzweiflung erkaufen zu müssen und aus schierer Not mit einem kompromittierenden Geldschein winkt, kann ein zweites Szenario entstehen, aus dem heraus es "Klick" im Kopf des Umworbenen machen kann.

Aber einfach auch nur, wenn Betroffene in existentielle finanzielle Nöte geraten und kein anderer Ausweg aus dem Dilemma herauszuführen scheint, greifen so manche nach dem finanziellen Strohhalm Prostitution.

So zahlreich wie die Gründe für ein Beschreiten des Weges hin in die professionelle Sexarbeit erscheint, so relativ klar umrissen ist das Einstiegsalter. Umfragen unter Callboys ergaben, dass das Einstiegsalter bei 20 bis hin zu 35 Jahren liegt – in Einzelfällen jedoch sogar noch höher.

Callboy versus Stricher

Es mag sicherlich Ausnahmen von der Regel geben, tendenziell verfügen Callboys und Escorts aber im Gegensatz zu Strichern über reguläre Einnahmequellen jenseits vom Sexgewerbe (etwa in Form eines festen Jobs), Internet zu Hause, das nötige Knowhow, sich sicher im Netz zu bewegen und sich auch virtuell zu vermarkten, ein höheres Bildungsniveau sowie einen geringeren wirtschaftlichen Druck.

Bei Strichern steht in der Regel dagegen eher der tägliche Kampf um Geld im Vordergrund, da eine ausreichende Erwerbsgrundlage fehlt und ihnen der Zugang zu einer anderen Einnahmequelle komplett fehlt.

Callboys indessen bieten zusätzlich ihre Dienste über das Internet an, um sich etwa spezielle Konsumwünsche zu erfüllen. Oftmals wird die nebenberufliche Tätigkeit daher nur bei Bedarf und sporadisch ausgeübt, um sich einen langgehegten Wunsch zu finanzieren.

Während Stricher meist auf jeden Freier angewiesen sind, leisten es sich Callboys bisweilen auch, Anfragen abzulehnen und nicht anzunehmen, gerade auch weil viele unter ihnen den legalen Job als Callboy nebenberuflich ausüben und die Kundschaft nicht immer attraktiv ist.

Buntes Beschäftigungsportfolio

Die Arbeitsmöglichkeiten von Callboys sind vielfältig. Ob hauptberuflich oder in Teilzeit, ob auf eigene Faust oder angestellt – als Tabledancer in einer Gay-Bar oder professioneller Begleiter von Herren wie Damen in einem Escort Service – mit der Ware Sex Geld zu verdienen, gibt es für Callboys zuhauf. Mit stilvollem Auftreten und Niveau steigen denn auch die Chancen, bei hochklassigen Begleitagenturen unterzukommen, die in der Regel eine lukrativere Vergütung im Angestelltenverhältnis offerieren.

Andere hingegen gehen vollkommen parallel vollkommen andere Wege und suchen ihr Glück als Erotik-Darsteller im Pornbiz, um Bekanntheitsgrad und Aufmerksamkeit imagefördernd zu steigern. Denn um zahlungskräftige Stammkundschaft zu ergattern, gilt es Image und eigenen Marktwert als Callboy zu steigern. Und ein nicht zu verachtendes "Taschengeld" gibt es noch obendrauf: Für das Mitwirken in einem Pornofilm wird heute zwischen 250 und 500 Euro pro Tag bezahlt, für Top-Darsteller auch schon mal 1.000 Euro und mehr.

Die überwiegende Mehrheit jedoch geht nur nebenberuflich von zu Hause aus anschaffen, da in den eigenen vier Wänden die Wahrscheinlichkeit am größten ist, sich aus Diskretionsgründen relativ rasch einen Kundenstamm aufbauen zu können. Denn: Viele Freier schätzen die Anonymität einer Privatwohnung für kurzfristige Besuche.

Ohne Moos nichts los

Dementsprechend gibt die Mehrzahl aller professionellen Callboys an, mindestens ein- oder zweimal im Monat Besuch zu bekommen, manche gar bis zu fünfmal in der Woche. Die meisten Freier wiederum treffen sich durchschnittlich bis zu dreimal im Monat mit einem Callboy, oft auch seltener.

Dabei wechseln je nach Location 100 bis 150 Euro für ein 60 bis 90 Minuten langes Treffen und bis zu 400 Euro für eine ganze Nacht den Besitzer – bei "vollem Leistungsumfang". Preise an in der Szene beliebten Outdoor-Treffs wie etwa im Park, Sex-Kino, Zoo oder am Bahnhof liegen meist um einiges günstiger als wenn der Kunde die Callboy-Wohnung aufsucht oder sich in Hotels oder den eigenen vier Wänden besuchen lässt.

Grundsätzlich gilt in der Branche: Wer etwas mehr bezahlt bekommt meist besseren Service. Der Preis richtet sich nach Dauer und Art des Angebotes. Prinzipiell verlangen Agentur-Callboys und Escorts darüber hinaus weitaus höhere Preise als Freischaffende, mitunter auch einem sichereren Umfeld bei den Treffs geschuldet. Im Übrigen müssen Angestellte auch die Margen der Agenturen mitverdienen.

Professioneller Callboy-Sex ist im Gegensatz dafür planbarer als Treffs mit Amateuren, weil er schnell und besser zu organisieren ist und pünktlich stattfindet. Umso leichter ist auch eine Koordination mit allen anderen Terminen möglich, gerade wenn der Terminkalender prall gefüllt ist, wie etwa bei Geschäftsleuten üblich. Zudem wird ein höheres Maß an Diskretion gewährleistet.



11 Kommentare

#1 Mark SkernehardtAnonym
  • 22.03.2017, 17:32h
  • Was in dem Artikel einfach mal völlig unter den Tisch fällt:
    Es gibt unglaublich viele minderjährige Callboys, die nicht aus Rumänien etc stammen, sondern meiner Meinung nach einfach nur das Pech hatten, sich vor einer charakterlichen Reife dafür auf GR anzumelden. Ich kenne allein aus meinem persönlichen Bekanntenkreis mindestens zwei dieser Leute. Das Problem wird in der schwulen Community einfach totgeschwiegen, Geld für Prostitution verniedlichend "Taschengeld" genannt.
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#2 Robby69Ehemaliges Profil
#3 Mark SkernehardtAnonym
#4 Robby69Ehemaliges Profil
  • 24.03.2017, 19:24h
  • Antwort auf #3 von Mark Skernehardt
  • Hallo Mark Skernehardt!
    Ich habe sehr viele enge Freunde, die als Stricher/Escorts arbeiten. Und ja, wenn wir untereinander reden, gebrauchen wir durchaus auch den Begriff "Taschengeld"/"TG", genau wie andere Szene-Begriffe halt auch. Das ist für uns so normal, als wenn Du z.B. beim Bäcker ein Brötchen kaufst. - Daher verstehe ich nicht so ganz, warum Du den Begriff "Taschengeld" so schlimm findest. -
    Im Prinzip ist das doch nichts anderes, als wenn Du zu einem Kondom "Gummi" sagst. "Taschengeld" ist einfach ein Synonym für Kohle - nicht mehr, nicht weniger. Ist in den bewussten Foren gängig, weil jeder weiß, was gemeint ist - ohne des direkt anzusprechen. Das ist vor allem auch deshalb wichtig, weil in den Foren auch immer Bullen mitlesen, die sich als angeblich schwule "User" tarnen. - Ist ja hier bei queer.de ja auch nicht anders, da kommentiert z.B. einer von der "Sitte" mit, den ich vor'ner Weile schon "dezent" als Bullen-Troll geoutet habe. Hat ihm jetzt nicht so gefallen, wie an den wütenden Drohungen seiner "Kollegen" zu erkennen war. Grins... Tja, Pech für den Bullen-Troll. Etliche andere Bullen lesen hier mit: BPs, "Sitte" - die ganze Bandbreite. Grins... Daher sind gewisse "Synonyme" eben manchmal ganz praktisch. Das hat nichts mit Abwertung oder Verniedlichung zu tun.
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#5 na-undAnonym
  • 26.03.2017, 15:45h
  • schon witzig ... ich kenne einige, die behaupten, dass sie nebenbei anschaffen, ABER hab noch nie von einem gehört, dass er für bumsen zahlt.

    Vermutlich wieder so ein internet-facebook-grindr Phänomen. Die meisten flunkern.

    Bleibt alle entspannt....
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#6 Mark SkernehardtAnonym
  • 28.03.2017, 12:35h
  • Antwort auf #4 von Robby69
  • Hallo Robby :)

    naja "Taschengeld" oder "TG" ist jetzt nich wirklich ein Geheimcode, das begegnet einem auf GR ziemlich offen.
    Und "ein Synonym, nicht mehr und nicht weniger" ist es vielleicht für dich, mag sein. Für viele Jüngere wird es aber ein Begriff sein, der die Tatsache der Prostitution verschleiert und so die Hemmschwelle senkt. Ich komm mir beim Erklären bisschen blöd vor, weil es ja selbstverständlich ist: "Taschengeld" existiert außerhalb der Schwulenszene eigentlich nur als Bezeichnung für regelmäßiges Einkommen von Kindern durch ihre Eltern. Für dich scheint dieser semantische Link nicht mehr da zu sein, für mich ist er unübersehbar.
    Nach wie vor geht es mir aber gar nicht so sehr um diesen Begriff, sondern um die Tatsache, dass es Minderjährige auf GR sehr einfach haben, sich zu prostituieren.
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#7 Mark SkernehardtAnonym
#8 Robby69Ehemaliges Profil
  • 28.03.2017, 19:30h
  • Antwort auf #7 von Mark Skernehardt
  • Ich kenn den Artikel und die Kommentare. Ich habe bei dem betreffenden Artikel eifrig mitkommentiert und meine Sicht der Dinge diesbezüglich klar gelegt. - Schätze, bei dem Thema werden wir immer geteilter Meinung sein, da wir komplett andere Blickwinkel haben.
    Danke übrigens für Deine Erklärung. Die "gebräuchliche" Bedeutung von Taschengeld außerhalb der Schwulen-Szene ist mir durchaus klar. Aber hier geht es ja direkt um die Schwulen-Szene. Und da weiß eigentlich jeder, was gemeint ist, wenn von "TG" die Rede ist.
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#9 Patroklos
#10 Robby69Ehemaliges Profil