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Magnus-Hirschfeld-Ufer

Denkmal für Homobewegung: Einweihungstermin steht

Am 7. September 2017 wird das Berliner Denkmal für die weltweit erste homosexuelle Emanzipationsbewegung der Öffentlichkeit übergeben.


Sechs Calla-Lilien, die weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze besitzen, sollen am Berliner Magnus-Hirschfeld-Ufer sexuelle Vielfalt symbolisieren (Bild: LSVD)

Das vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) initiierte Denkmal für die weltweit erste homosexuelle Emanzipationsbewegung wird am 7. September 2017 eingeweiht. Dies teilte der Verband am Donnerstag mit. Vor 120 Jahren hatten Magnus Hirschfeld und seine Mitstreiter das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) in Berlin gegründet, die weltweit erste homosexuelle Bürgerrechtsorganisation.

Die beiden offen schwulen Senatoren Dirk Behrendt (Grüne) und Klaus Lederer (Linke) werden den Berliner Senat bei der Denkmal-Einweihung beziehungsweise beim anschließenden Festakt im Centrum Judaicum durch Redebeiträge vertreten. Einladungen für die Veranstaltungen sollen im Juni verschickt werden.

Senat kümmert sich um Instandhaltung

Bereits seit 2011 erinnern zwei von der Berliner Kulturverwaltung errichtete Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer an die erste Homosexuellenbewegung und kündigen das Denkmal an. Der Bau des Denkmals, dessen Gestaltung von einer Jury aus fünf Motiven ausgewählt wurde (queer.de berichtete), kann dank Spenden, einer Zuwendung der Lotto-Stiftung Berlin und einer Kooperationspartnerschaft mit der Universität der Künste Berlin realisiert werden. Nach einem mehrjährigen Konsultations- und Genehmigungsverfahren hat das Bezirksamt Berlin-Mitte eine Teilfläche des Magnus-Hirschfeld-Ufers gegenüber dem Bundeskanzleramt für das Denkmal entgeltfrei zur Verfügung gestellt. Im Koalitionsvertrag hat die rot-rot-grüne Landesregierung vereinbart, für die spätere Instandhaltung Sorge zu tragen.

Mit dem Bau des Denkmals wurde die alpina ag beauftragt, begleitet vom Architekturbüro LA21. Dank der Unterstützung durch Stromnetz Berlin wird der Gedenkort zukünftig nachts beleuchtet sein.

Das WhK forderte die Abschaffung des Paragrafen 175

Die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung begann 1897 mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees. Der jüdische Arzt und Sexualwissenschaftler Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935) war Initiator und maßgeblicher Vertreter dieser Bewegung. 1919 errichtete er auf dem Gelände zwischen dem heutigen Bundeskanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt das Institut für Sexualwissenschaft.

Hirschfelds Wirken nahm weltweit Einfluss auf die Abschaffung antihomosexueller Straftatbestände. Zur Aufhebung des Paragrafen 175 des Strafgesetzbuch richtete das WhK mehrere Petitionen an den Deutschen Reichstag, denn dieser Paragraf bedrohte "beischlafähnliche Handlungen" zwischen Männern mit Strafe. 1929 beschloss der Strafrechtsausschuss des Reichstages schließlich, homosexuelle Handlungen nicht mehr unter Strafe zu stellen.

Doch zur Abschaffung des Paragrafen 175 kam es nicht mehr. Nach Hitlers Machtergreifung im Januar 1933 plünderten Studenten und SA-Männer das Institut für Sexualwissenschaft. Zahlreiche Schriften sowie eine Büste von Magnus Hirschfeld wurden bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz (heute Bebelplatz) im Mai 1933 vernichtet. Hirschfeld wurde ausgebürgert und starb 1935 im französischen Exil. (cw/pm)



#1 MahmoudProfil
  • 16.03.2017, 23:20hDuisburg
  • Ich würde bezweifeln wollen, daß das "Wissenschaftlich-humanitäre Komitee" 1897 die erste emanzipatorische Schwulenbewegung initiierte.

    Bereits am 3. März 1886 erschien die erste Ausgabe der Schwulenzeitschrift "Der Eigene".

    de.wikipedia.org/wiki/Der_Eigene

    Aktivisten wie Heinrich Hössli und Karl Heinrich Ulrichs waren da schon tot.

    Die damaligen und heutigen Schwulenbewegungen sind wesentlich facettenreicher als Hirschfeld und WhK.

    Wenn man das nicht berücksichtigt, oder einer einzelnen Gruppierung rückwirkend die größte Bedeutung zuspricht, dann schließt man Leute aus den Schwulenbewegungen aus.
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#2 Karl NapfAnonym
  • 17.03.2017, 03:13h
  • Gut so.
    Aber aufpassen, das die AfD Macher oder Sympathisanten, oder Rechte
    Lümmel das nicht beschaedigen.
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#3 RobinAnonym
  • 17.03.2017, 10:07h
  • Antwort auf #1 von Mahmoud
  • Das sehe ich ähnlich:
    nicht nur, dass das sachlich falsch ist, weil das schlicht nicht die ersten waren, sondern es ist generell dubios, sowas nur für eine einzelne Gruppe oder einzelne Personen zu machen.

    Z.B. die Aktivisten, die sich im sog. "Dritten Reich" für Homorechte stark gemacht haben und dafür ins KZ gekommen sind. Das waren nicht die ersten, aber ist deren Beitrag für die Emanzipationsbewegung deswegen weniger wert?

    Oder die Leute, die bei den ersten CSDs mitgemacht haben. Als das noch nicht so akzeptiert war wie heute. Und als da nur ein paar Dutzend Mutige demonstriert haben und dafür beleidigt, angespuckt, etc. wurden. Ist deren Beitrag weniger wert, nur weil sie nicht dafür ermordet wurden?

    Wenn dieses Denkmal für alle Kämpfer für GLBTI-Rechte gemeint wäre (sie wie auch die Regenbogenflagge, deren Farben da aufgenommen wurden, für ALLE GLBTI gemeint ist), fände ich das ein wunderschönes Denkmal.

    Aber wenn das nur für einzelne GLBTI-Kämpfer gedacht ist (und das noch dazu inhaltlich falsch begründet wird, weil das nicht die ersten waren), dann ist dieses Denkmal wiederum in sich diskriminierend. Und es ist Geschichtsklitterung.
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#4 JustusAnonym
  • 17.03.2017, 10:36h
  • Antwort auf #1 von Mahmoud
  • Wenn das wirklich so ist, finde ich das auch nicht in Ordnung.

    Optisch finde ich das Denkmal sehr schön und ich hoffe, dass das halbwegs vandalismus-sicher ist und dass eventuelle Beschädigungen immer wieder zeitnah ausgebessert werden.
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#5 LorenProfil