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"Aktion grundsätzlich ungeeignet"

Evangelische Kirche stoppt Kondom-Verteilaktion

Sofort vernichten möchte die Kirchenführung im Rheinland Kondome mit Luther-Zitaten, die auf Initiative einer Jugendkirche verteilt werden sollten.


Kondome mit dem Spruch "Für Huren und Heilige" hält die Evangelische Kirche für sexistisch (Bild: Tomizak / flickr)

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat eine vergangenes Wochenende gestartete Kondom-Verteilaktion der Jugendkirche Düsseldorf gestoppt. Grund: Auf den Kondompackungen waren anlässlich des 500. Reformationsjubiläums im Herbst Sprüche von Martin Luther abgedruckt.

Die Verteilaktion löste kurz nach dem Start scharfe Kritik in der zweitgrößten evangelischen Landeskirche Deutschlands aus. Der für Erziehung und Bildung zuständige Oberkirchenrat Klaus Eberl schrieb daraufhin nach Angaben des Evangelischen Pressediensts in einem Brief an die Superintendenten und Jugendreferenten: "Wir halten diese Aktion für grundsätzlich ungeeignet für die Jugendarbeit." Nun sei die Aktion nach Angaben der Kirche einvernehmlich beendet worden.

Auf den Verpackungen waren dem Reformatoren Martin Luther zugeschriebene Sprüche wie "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" oder "Für Huren und Heilige" abgedruckt. Daneben war der Link zu einer – inzwischen abgeschalteten – Website angegeben, auf der die Zitate eingeordnet werden sollen.

Dem Oberkirchenrat reichte es nicht aus, die Sprüche zu überkleben, sondern er verlangte die Vernichtung der Präservative: "Am besten werden die Kondome sofort vor Ort vernichtet, damit keine weiteren in Umlauf kommen", heißt es in dem Brief.

Insgesamt sollen bereits mehrere tausend Kondome für die Aktion produziert worden sein. Sie sollten an Jugendeinrichtungen verteilt werden.

Auch Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer sprach sich gegen die Verwendung von Luther-Zitaten auf Kondompackungen aus. Die aus dem Zusammenhang gerissenen Sprüche hätten ohne Kontext eine sexistische Wirkung und würden die Würde von Männern, Frauen, Mädchen und Jungen verletzen. Mit dem dadurch vermittelten Frauen- und Männerbild wolle die Kirche nichts zu tun haben, so Enthöfer. (dk)



#1 LaurentProfil
  • 17.03.2017, 14:55hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Die Verteilung von Kondomen ist zwar auch bei der Kirche grundsätzlich eine gute Sache und nicht unüblich.
    Aufdrucke wie "Für Huren und Heilige" sind in diesem Zusammenhang jedoch tatsächlich untragbar.
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#2 ursus
  • 17.03.2017, 15:17h
  • "Wir halten diese Aktion für grundsätzlich ungeeignet für die Jugendarbeit."

    das sehe ich auch so. zitate eines religiösen fundamentalisten, antisemitischen hetzers und gewaltpredigers haben nichts in der jugendarbeit verloren.
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#3 LaurentProfil
  • 17.03.2017, 15:34hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Antwort auf #2 von ursus
  • "Ein Christ ist ein solcher Mensch, der gar keinen Hass noch Feindschaft wider jemand weiß, keinen Zorn noch Rache in seinem Herzen hat, sondern eitel Liebe, Sanftmut und Wohltat."
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#4 AlexAnonym
  • 17.03.2017, 15:39h
  • Die Evangelen sind auch keinen Deut besser als die Katholen...

    Freie Rede bedeutet auch, dass man Zitate von Martin Luther ( oder sogar Bibelzitate) auf Kondome drucken darf. Ob es der Kirche passt oder nicht - diese Wahrnehmung demokratischer Grundrechte müssen die ertragen.

    Aber die meinen ja immer, über dem Gesetz zu stehen.
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#5 LaurentProfil
  • 17.03.2017, 15:51hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Antwort auf #4 von Alex
  • Du verwechselst da was ("ob es der Kirche passt oder nicht").

    Es geht nicht um eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die Kirche wird wohl noch selbst bestimmen dürfen, ob und was auf von in ihrem Namen ausgegebenen Gummis stehen darf.

    Im Übrigen wurde im letzten Absatz des Berichts auf die sexistische Wirkung der aus dem Zusammenhang gerissenen Sprüche hingewiesen.
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#6 ollinaieProfil
  • 17.03.2017, 15:55hSeligenstadt
  • "Am besten werden die Kondome sofort vor Ort vernichtet, damit keine weiteren in Umlauf kommen"

    "Christlicher" oder vielmehr intelligenter wäre es, die Kondome aus den Verpackungen zu nehmen und sie ihren bestimmungsgemäßen gebrauch zuzuführen, nach dem das Geld schon zum Fensterraus geworfen ist.

    Die "anstößigen" Pappschachteln eignen sich sicher gut als Grill- oder Lagerfeueranzünder, da gehört solche Hittl- äh... Lutherwerbung meiner Meinung nach hin, auch wenn ich im Allgemeinen nicht auf Schriftenverbrennung stehe.

    @Laurent
    Passt geheiligter Sex, die höchste form der Liebe (bei Katholiken aber erst nachdem man geheiratet hat und willens ist, Nachwuchs zu produzieren) , nicht in deinen Vorstellungshorizont oder störst du sich an den Huren? Da hatte das Jesulein weniger berührungsängste, falls mensch dem Usermanual glauben sollte!

    Übrigens hat sich so manche_r Heilige_r im späteren verlauf als Hure herausgestellt, was für mich KEINE Negativkonnotation impliziert!
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#7 ursus
  • 17.03.2017, 15:56h
  • "Die aus dem Zusammenhang gerissenen Sprüchen hätten ohne Kontext eine sexistische Wirkung"

    im folgenden ein paar erbauliche luther-zitate, die zeigen, aus welchem "kontext" diese zitate "gerissen" wurden. ob der neue kontext wirklich schlimmer ist als der alte, mag jede_r anschließend selbst beurteilen:

    "Eine Frau hat häuslich zu sein, das zeigt ihre Beschaffenheit an; Frauen haben nämlich einen breiten Podex und weite Hüften, daß sie sollen stille sitzen."

    "daß das Weib geschaffen ist zur Haushaltung, der Mann aber zur Policey, zu weltlichem Regiment, zu Kriegen und Gerichtshändeln, die zu verwalten und zu führen."

    "Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden."

    "Darum hat die Maid ihr Punzlein, daß es dem Mann ein Heilmittel bringe."

    "Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da."

    "Unkraut wächst schnell, darum wachsen Mädchen schneller als Jungen."

    "Wenn Weiber beredt sind, ist das an ihnen nicht zu loben, es paßt besser zu ihnen, daß sie stammeln und gut reden können. Das ziert sie viel besser."

    "Wo nun eyns sich sperret und nicht wil, da nympt und raubet es seynen leyb, den es geben hatt dem andern, das ist den eygentlich widder die ehe unnd die die ehe zuryssen. Darumb muß die weltliche ubirkeyt das weyb zwingen oder umb bringen."

    www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_zitate.html

    die liste ließe sich um etliches andere erweitern.
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#8 Patroklos
#9 ursus
  • 17.03.2017, 16:10h
  • Antwort auf #3 von Laurent
  • "Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? [...] Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben. Zum Dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten. Zum Vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren. Zum Fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe. Zum Sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinode an Silber und Gold nehme. Zum Siebten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel, und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase."

    Luther: Von den Juden und ihren Lügen, S. 233-238

    so sieht also die "eitel liebe" eines christen aus? danke, ich hab schon.
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#10 LaurentProfil
  • 17.03.2017, 16:27hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Antwort auf #6 von ollinaie
  • Ich denke mal, die Kirchenleitung wird sich nach dem sittsamen Empfinden des Großteils der Kirchenmitglieder richten wollen.
    Ratschläge Unbeteiligter kommen da wahrscheinlich nicht gut an.
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