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Eklat

Eurovision: Ukraine verbietet russischer Sängerin die Einreise

Julia Samoilowa darf nicht zum Song Contest, weil sie auf der von Russland annektierten Krim aufgetreten war.


Julia Samoilowa darf nach aktuellem Stand nicht in die Ukraine einreisen

Die Ukraine hat der russischen Sängerin Julia Samoilowa, die ihr Heimatland im Mai beim Eurovision Song Contest in Kiew vertreten sollte, am Mittwoch offiziell die Einreise verweigert. Der Geheimdienst SBU habe der Interpretin ein dreijähriges Einreiseverbot erteilt, so ein Behördensprecher.

Grund sei, dass Samoilowa 2015 auf der Halbinsel Krim aufgetreten war, nachdem diese ein Jahr zuvor von Russland annektiert worden war. Nach ukrainischem Recht ist es verboten, über Russland auf die Krim zu reisen, da diese nach wie vor als Teil des ukrainischen Staatsgebiets angesehen wird. Jeder Person, die sich nicht an das Verbot hält, droht ein Einreiseverbot in die Ukraine.

Samoilowa als Schachfigur im Propaganda-Krieg

Der für den Grand Prix in diesem Jahr zuständige russische TV-Sender, der halbstaatliche "Perwy kanal", hatte die Nominierung der Sängerin, die seit ihrer Kindheit wegen einer seltenen Erkrankung des Rückenmarks im Rollstuhl sitzt, vor gut einer Woche bekannt gegeben. Die nicht öffentliche Wahl wurde von Kommentatoren sogleich als politisch motivierte Provokation bezeichnet. So bringe Russland die Ukraine damit in eine Zwickmühle: Sollte Samoilowa einreisen dürfen, könnte das als De-facto-Anerkennung der Krim-Annexion ausgelegt werden. Sollte das Gastgeberland aber der russischen Sängerin die Einreise verweigern, könne das als Diskriminierung gegenüber Behinderten ausgeschlachtet werden – bei einem Wettbewerb, dem die Ukraine in diesem Jahr das Motto "Celebrate Diversity" (Feiert die Vielfalt) gegeben hat.

Nach der Bekanntgabe des Einreiseverbots echauffierte sich bereits der englischsprachige russische Propagandasender RT auf seiner Website mit der Überschrift: "Die Ukraine verbannt rollstuhlfahrende Eurovision-Sängerin vom Finale". Auch das russische Außenministerium zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax "empört" über den "zynischen und inhuman Akt der Kiewer Behörden".

EBU über Einreiseverbot "tief enttäuscht"

In einer ersten Reaktion übte die Europäische Rundfunkunion (EBU) leise Kritik am Einreiseverbot: "Wir müssen die lokalen Gesetze des Gastgeberlandes respektieren, sind aber tief enttäuscht über die Entscheidung." Das Einreiseverbot widerspreche dem "Geist des Contests", der für "Inklusivität" werbe. Man werde im Dialog mit den ukrainischen Behörden nach einer Lösung suchen, so die EBU in einer Pressemitteilung.

Samoilowa ist in Russland eine bekannte Sängerin: 2013 war sie Finalistin der russischen Ausgabe von "X Factor". 2014 sang sie bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi den Titel "Together". In Kiew sollte die 27-Jährige mit dem Song "Flame Is Burning" für Punkte sorgen. Ihr Lied zählte allerdings zuletzt laut den Wettbüros nicht zu den Top-Favoriten, hätte aber mit einer Top-Ten-Platzierung im Finale rechnen können.

In den letzten beiden Jahren waren die russischen Beiträge sehr erfolgreich: Polina Gagarina wurde 2015 mit "A Millionen Voices" Zweite, Sergej Lasarew schaffte es vergangenes Jahr mit "You Are The Only One" nach der Ukraine und Australien auf Rang drei. (dk)

Direktlink | Mit diesem englischsprachigen Song wollte Julia Samoilowa in Kiew auftreten



#1 NitschegoAnonym
  • 22.03.2017, 16:35h
  • >>Das Einreiseverbot widerspreche dem "Geist des Contests", der für "Inklusivität" werbe.

    Die EBU darf sich nicht vor den braunen Karren des Kremls spannen lassen. Inklusivität ist in Russland nicht zu beobachten. Sichtbarkeit von z. B. Rollstuhlfahrern oder Menshen mit Down-Syndrom im russischen Alltagsbild? Fehlanzeige!
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#2 LorenProfil
  • 22.03.2017, 16:48hGreifswald
  • Die EBU stellt sich politisch dumm und in eine Reihe mit IOC oder FIFA. Wenn der Rubel rollen soll, spielt alles andere nur noch eine untergeordnete Rolle.
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#3 schwarzerkater
  • 22.03.2017, 19:50h
  • Diese Sängerin wurde bewusst von Russland nominiert, um die Ukraine damit politisch zu brüskieren. Das ist auch eine Sichtweise, die möglich ist.
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#4 Roland2005Anonym
  • 22.03.2017, 20:47h
  • Russland brüskiert die ganze Welt incl. Ebu. Dann soll Russland fernbleiben . wir können alle getrost d darauf verzichten.
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#5 herve64Profil
  • 22.03.2017, 21:27hMünchen
  • Normalerweise sollte man sowohl Russland als auch die Ukraine ausschließen und den ESC in einem anderen Land abhalten, Es kann nicht angehen, dass dieses Festival für zwei kriegführende Parteien zu Propagandazwecken instrumentalisiert wird.

    Aber so verwässert wie das Ding inzwischen wurde nimmt man selbst Propaganda billigend in Kauf.

    Übrigens habe ich gerade der Ukraine das Motto "Celebrate Diversity" nie abgekauft. Was LGBTI*-Rechte angeht und die Lebenssituation dieser Leute sind sie um keinen Deut besser als die Russen.

    Insofern denke ich lasse ich diese ganze Posse dieses Jahr wahrscheinlich ohnehin aus.
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#6 Patroklos
  • 22.03.2017, 22:11h
  • Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen und die EBU läßt das Gastgeberland auch noch gewähren!
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#7 Conrad BreyerAnonym
  • 22.03.2017, 22:35h
  • Antwort auf #5 von herve64
  • Lieber Hervé, da muss ich Dir widersprechen. Zwar ist die Situation für LSBTI in der Ukraine nicht rosig, alles andere als das, aber rechtlich und auch m.E. gesellschaftspolitisch um Längen besser als in Russland. Wir betreiben ja in München eine intensive Partnerschaft mit der Community in unserer Partnerstadt Kyiw und unser Partner, die LSBTI-Organisation Nash Mir gibt jedes Jahr einen Bericht zur Situation von LSBTI heraus. Kann ich Dir gerne zuschicken. In der Ukraine gibt es einen Antidiskriminierungsschutz von LSBTI am Arbeitsplatz und die Situation für die Transition von Trransgender ist inzwischen auch verbessert worden. Die organisierte Community mit ihren vielen Vereinen ist sehr engagiert, die Organisationen können frei arbeiten, anders als in Russland. Die Zivilgesellschaft ist stark. So gibt es einen Pride in Kyiw, in Moskau unmöglich. Ich sage nicht, dass alles gut ist, weil ja auch der Druck der EU hilft, und weil 2016 über 6000 Polizisten den Pride schützen mussten, weil es über 260 Übergriffe auf LSBTI gab im verg. Jahr, aber das Land bewegt sich in eine gute Richtung. Dass die russ. Sängerin nicht in Kyiw singen darf, finde ich persönlich bedauerlich. Aber als Rechtsstaat muss sich die Ukraine an ihre eigenen Gesetze halten und die Sängerin wusste sicherlich, was sie tut. Liebe Grüße, Conrad Breyer
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#8 TheDadProfil
  • 23.03.2017, 11:18hHannover
  • Antwort auf #6 von Patroklos
  • ""Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen und die EBU läßt das Gastgeberland auch noch gewähren!""..

    Im Gegensatz zur Ukraine ist die "EBU" auch kein Völkerrechtlich anerkannter Staat !
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#9 wiking77
  • 23.03.2017, 11:56h
  • jooou ... natürlich ist das Einreiseverbot gegen die Russin gerechtfertigt, weil es ja gegen den heiligen Putinowski geht, eh klar. Hätten die Moskowiter einem Ukrainer den Zugang zum contest in Rußland verweigert, würde die Presse Krokodilstränen vergiesen.
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#10 wiking77
  • 23.03.2017, 12:01h
  • Antwort auf #3 von schwarzerkater
  • es ist alles möglich. Und ja Sportwettkämpfe, Songcontests, ja selbst sich harmlos gebender Jugendausstausch ist immer(!) hochpolitisch und auch von den Akteuren gewolltes politisches Statement. Nur Einfältige fallen auf Beteuerungen wie: "es gut nur(!) um den Sport oder die Kunst oder die Hämorrhoiden" drauf rein.
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