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Neues Album "Mortem & Make Up"

Sookee: "In fünf Jahren gibt's bei uns offen schwule Rapper"

Im Interview mit queer.de spricht die Berliner Rapperin über Homophobie im Hiphop, ihren Song "Queere Tiere" und das, was sie an der LGBTI-Community nervt.


Deutschlands bekannteste queerfeministische Rapperin: Ihren Künstlernamen entlehnte Sookee dem von Michelle Pfeiffer gespielten Charakter "Sukie" aus dem Film "Die Hexen von Eastwick" (Bild: Eylul Aslan)

Als Sookee im Jahr 2006 ihr erstes Album veröffentlichte, waren die Musiker des deutschen Gangsta-Rap-Labels Aggro Berlin auf ihrem kommerziellen und künstlerischen Höhepunkt. Sido, Bushido, Fler und Konsorten spielten die harten Mackertypen aus der Berliner Unterwelt, für die Frauen (außer Mutti natürlich!) nur "Bitches" und die Gegner nur "Schwuchteln" waren.

Nicht gerade die beste Zeit für die feministische Berlinerin, mit Rap zu beginnen. Als Frau jenseits der marktüblichen Themen hatte sie sowieso schon einmal schlechte Karten, musste sich mehr beweisen als die männlichen Kollegen und wurde nicht immer ernst genommen. Zunehmend wurde auch Homophobie innerhalb und außerhalb der Rap-Szene eines ihrer Hauptthemen, das sie nicht müde wurde anzuprangern.

Inzwischen sind über zehn Jahre vergangen, und ihre Bemühungen haben sich ausgezahlt. Fortschritte sind zu verzeichnen: Immer mehr Künstler auch jenseits des notorischen Politraps sprechen sich gegen, Sexismus und Lesben- und Schwulenfeindlichkeit aus – Bushidos größter Gegner hingegen ist in diesen Tagen eine Postfiliale, Flers Youtube-Inteviews werden aufgrund unfreiwilliger Komik zum Klickhit und Sido ist längst im Familienfernsehen angekommen. Dass man heute homophobe Aussagen im Raptexten und Interviews von Rappern nicht mehr so leicht wegwischen, weglachen oder zur Kunst verklären kann, ist auch Sookees Verdienst.

Doch gleichzeitig kommt der Rollback auf der Straße, im Netz und in den Parlamenten. Deswegen hat Sookee immer noch ziemlich viel zu sagen und veröffentlichte am 17. März ihr neues Album "Mortem & Make Up" auf Buback Records. Philipp Meinert traf sie zum Interview.


Sookee veröffentlichte 2006 ihr erstes Album "Kopf Herz Arsch" (Bild: Eylul Aslan)

queer.de: Du bringst erneut ein Album raus, welches vornehmlich die Themen Rassismus, Sexismus und Homophobie behandelt. Das ist dein achtes Release. Hast du manchmal das Gefühl gehabt, alles gesagt zu haben?

Sookee: Nein, denn die Zeiten verändern sich ja. Grundlegende Strukturen bleiben grundlegende Strukturen, aber ihre Gesichter verändern sich. Ich finde, so lange die Dinge nicht geklärt sind und so lange die Scheiße noch am Dampfen ist, ist es auch völlig in Ordnung, thematisch dranzubleiben.

Man kann aber die Form und die Gestalt der Songs ändern und unterschiedliche Settings aufrufen. Zum Beispiel im Lied "Hüpfburg" wende ich mich gegen faschistische Ideologien, aber aus einer kindlichen Perspektive. Ich stelle die Frage, was eigentlich kleine Leute machen, die in solche Familien reinwachsen. Dass Nazis als Erwachsenenphänomene existieren, ist bekannt. Man kennt auch diesen Zwischenschritt: Ein jugendlicher Irrgang führt irgendjemanden in eine rechte Struktur, nachdem er das erste Mal eine Landser-CD in der Hand gehabt hat. Aber was ist mit den ganz kleinen Leuten? Völkischer Nationalismus beispielsweise bleibt Thema mit all seinen Rassismen. Aber der Zugang ist eben ein anderer. Man kann ja auch für ewig und drei Tage über die Liebe singen, da werden die Leute auch nicht müde.

Ein hervorstechender Song des Albums ist wahrscheinlich "Queere Tiere", in dem Du schwul-lesbische Praktiken bei verschiedenen Tieren erklärst. Warum muss man deiner Meinung nach heute noch erklären, dass homosexuelles Verhalten oder Begehren etwas ganz Natürliches ist?

Es geht mir gar nicht so sehr um die Frage, ob etwas "natürlich" oder "unnatürlich" ist. Und es geht mir auch nicht um Begriffe wie "Akzeptanz", "Toleranz", "Natürlichkeit" oder "Normalität." Es geht mir um Selbstverständlichkeit. Wenn etwas natürlich ist, müsste es im Umkehrschluss ja auch etwas Unnatürliches geben.

Ich möchte einfach sagen: Meine Güte! Chillt euch alle mal! Unterstützt man das Aussterben der Menschheit, wenn alle schwul wären, wenn Homosexualität als "Ideologie" unterstützt wird, wenn man es in den Schulunterricht einbringt und den Leuten irgendwelche Rechte gewährt und sie Kinder adoptieren?!

Direktlink | Offizielles Video zu "Queere Tiere"

Es gibt ja tatsächlich Leute, die so argumentieren und diese wahnsinnige Idee haben, dass sieben Milliarden Menschen aufgrund einer neu gewonnenen Sexualität ob einer gesellschaftlichen Liberalisierung tatsächlich dafür sorgen können. Und keine Tierart hat sich meiner Kenntnis nach aufgrund von homosexuellem Verhalten selbst ausgerottet. Es ist eine Replik auf den konservativen Quatsch. Ich denke mir: Das sind alles eure Probleme, aber ihr macht sie zu Problemen anderer. Und können wir uns einfach mal um wichtigere Dinge kümmern als um die Frage, wer wen vögelt, wen begehrt, wen liebt oder von wem träumt? Ich finde das so ultranervig, dass so eine Banalität wie Sexualität oder Liebe so einen politischen Fokus bekommen muss, weil ein paar Knallpfeifen einfach nicht damit klarkommen, dass die Welt ein bisschen differenzierter ist als ihr eigenes Bild davon.

Die Referenz mit dem Angela-Merkel-Zitat und andere Aussagen in "Queere Tiere" sind ja alle recherchiert. Keine Zeile davon ist aus der Luft gegriffen. Angela Merkel steht 2013 in dieser blöden Wahlkampfsendung und kriegt es halt nicht hin, zu argumentieren, sondern sagt immer nur, dass sie sich schwertut mit der Homo-Ehe. Ja was denn?! Wovon reden wir eigentlich? Mich geht es doch auch nichts an, ob du deinen Professor Sauer mit einem Strap-On nimmst oder nicht! Ist mir doch völlig scheißegal. Mach doch einfach einen guten Job oder auch nicht. Ich kritisiere dich inhaltlich oder ich feiere dich, je nachdem aus welcher Perspektive ich spreche. Aber es ist mir doch völlig Wumpe, wann und wen du das letzte Mal gefickt hast. Wie egal kann was sein? Und dieses Banale darin, dass das so viel Trubel macht, ist mir unerklärlich. Was ist das für ne Welt, ey?

Dein Lied "Der Schrank" auf der Platte zum Thema Coming-out hat eine sehr pessimistische Tonlage. Wäre es nicht schöner für uns alle gewesen, wenn die Geschichte ein Happy-End gehabt hätte?

Es soll natürlich daran erinnern, dass eben nicht alles eitel Sonnenschein ist und dass sich viele Leute, ob in der Großstadt oder der Provinz, wo es vermutlich nochmal schwerer ist, ihr eigenes Leben eine ganze Weile verhindern – eben weil die Umstände genau so sind wie sie sind. Und dann gibt es immer diesen Appell, dass die Menschen doch einfach mutig genug sein und sich trauen müssen.

Das ist alles prinzipiell richtig, aber nicht jeder Mensch ist für diesen Mut gemacht. Es gibt einfach Leute, die Support von außen brauchen und nicht so ohne weiteres mit so einer Selbstverständlichkeit sagen können "Hallo, so bin ich, und jetzt deal withi t!" Das ist halt nicht der Fall und deswegen finde ich es wichtig, daran zu erinnern, dass immer noch mehr Hürden da sind. Es ist etwas Strukturelles, etwas Gesellschaftliches, aber es ist auch etwas total Persönliches und Charaktermäßiges, ob man sich traut sich zu outen oder nicht.

Und der Kampf gegen Homophobie und Queerfeindlicheit braucht eben auch diejenigen, die Unterstützerinnen und Unterstützer sein können. Nicht immer nur die Betroffenen sollen darum kämpfen müssen. Es ist wichtig, sich hinter Leute zu stellen, wenn es einen Anlass gibt. In dem Lied gibt es einen Anlass. Ich sage ja auch: Es gibt niemanden, der sich verschwistern will, es gibt niemanden, an den er sich wenden kann. Dann bleibt es halt ungelebt. Wie traurig ist das? Deswegen: Ein Happy-End zu malen ist natürlich ein netterer Ausgang, aber für das Happy-End haben wir den "Queere Tiere"-Song. Die Balance auf dem Album ist: Wir sind zwar irgendwie in der Debatte vorangekommen, aber es erreicht halt beim besten Willen noch nicht alle Leute.

Insgesamt ist mein Eindruck vom Album, dass es relativ pessimistisch ist. Ich würde nicht sagen, dass du resignierst, aber der konservative Rollback der letzten Jahre liegt ja schon wie ein Schleier über der CD, oder?

Ich würde es nicht als pessimistisch, sondern eher als realistisch bezeichnen. Der Dualismus von Optimismus und Pessimismus greift da nicht so richtig. Da gibt es noch mehr. Aber ja, ich finde, dass wir gerade in nicht einfachen Zeiten leben. Natürlich bade ich als herkunftsdeutsche Frau mit Kleidergröße 38 in Privilegien. Aber dennoch geht mich das ja alles was an.

Es sind ja nicht nur die politischen Umstände, sondern es haben sich auch ein paar philosophische Themen aufgedrängt und sind mir nochmal in die Quere gekommen. Es sind grundlegendere Fragen, die ich jetzt mit Mitte 30 nochmal für mich neu aufrolle. Fragen von Freiheit und Unfreiheit, die sich auch außerhalb von soziostruktureller Positioniertheit auftun. Zum Beispiel: Was bedeutet Leid? Wie schlimm kann eine Depression werden? Was bedeutet es eigentlich, wenn du ungefragt in eine Welt gesetzt wirst, mit der du dann so ein paar Jahrzehnte dealen musst? Das sind so Sachen, die auch eine gewisse Schwere mit reinbringen, die diesen Eindruck hervorbringen. Aber Resignation ist es nicht. Wäre ich resigniert, würde ich keine Platte machen.


Wegen ihres Liedes "If I had a dick" wurde Sookee im vergangenen Jahr Transfeindichkeit vorgeworfen (Bild: Eylul Aslan)

Kritik an der Rapszene artikulierst du relativ häufig. Nervt dich denn auch was an der queeren Szene?

Ja, natürlich. Das Verhältnis von Innenkampf zu Außenkampf nervt schon. Aber ich glaube, dass ist insgesamt ein linkes Debattenproblem. Es gibt einen gewissen Hang zum Perfektionismus, der es auch für Leute schwer macht, da irgendwie reinzukommen, weil das alles sehr voraussetzungsreich ist. Wenn man so differenzieren mag zwischen einer schwul-lesbischen und einer queeren Szene, dann hat man auf der einen Seite die Partyszene und die Unbedarftheit und in der Queerszene hat man dann den ganzen Polit-Shit, der auch ziemlich viele Ein- und Ausschlüsse produziert.

Da stecken oft die besten Intentionen dahinter, aber es geht dann doch mal recht schnell, dass ganze Personen auf einmal wegen einzelner Aussagen ausgestoßen werden. Die Erfahrung habe ich selbst gemacht, aber es geht auch in beide Richtungen. Manche machen sich einen Sport daraus, die Fehler der anderen zu finden. Gerade in akademischen Kontexten ist das manchmal relativ schwierig und dann vergessen die Leute auch, dass das, was sie da gerade erstreiten, nicht für die Ewigkeit halten muss. Jede noch so progressive, kleinteilige diskursive Errungenschaft kann in vier Jahren schon der letzte Scheiß sein. Und ich finde, das ist das Problem von Polit-Queerness. Diese Hundertprozentigkeit, die da manchmal versucht wird zu erringen, ist ja nur bedingt haltbar. Und hier würde ich mir ein bisschen mehr Entspanntheit wünschen.

Es gibt ja durchaus Fortschritte. Kürzlich ging ein Video eines Mannes namens Mert, der sich der Rapszene zuordnet und sich homophob äußerte, viral. Er verlor seinen Promoter-Vertrag. Das wäre vielleicht vor ein paar Jahren noch nicht möglich gewesen.

Ja, das ist auch ohne die Queer-Szene passiert. Der Rapper 3Pluss hat einen sehr schönen Text geschrieben, in dem er diesen Kurt-Cobain-Satz "I wish I was gay just to fuck up homophobes" adaptiert hat. Ich habe mich dazu dann auch gar nicht geäußert, weil ich das Gefühl hatte, dass da gerade total viel von sich aus passiert. Das sind die Effekte, die ich will. Ich will ja gar nicht vorne stehen und die Fürsprecherin für irgendetwas sein. Ich will eine Veränderung. Und je mehr ich chillen kann, desto besser. Wenn ich sehe, dass sich niemand kümmert, muss ich mich äußern. Wenn sich jemand kümmert, kann ich mich zurücklehnen.


Das neue Album "Mortem & Makeup" ist seit 17. März im Handel erhältlich

Du hast aber schon eine Pionierrolle als queerfeministische Rapperin, oder? Und die Leute schauen oft zu dir bei solchen Themen. Würdest du dir eine Vorbildfunktion zuschreiben?

Es gibt schon Leute, die sich sehr stark von dem, was ich mache, haben inspirieren lassen – ob bei Rapmusik oder etwas ganz anderem. Ich glaube schon, dass viele meine Musik sehr genau hören und sehr genau beobachten, was ich mache. Mit dem Vorbildbegriff tue ich mich natürlich etwas schwer. Aber ja, ich bin mit einer gewissen Ausdauer an einem bestimmten Thema geblieben, welches dann für Hiphop recht neu war. Und inzwischen, fast zehn Jahre später, ist es schon schön zu sehen, dass sich da auch viel tut und da jetzt beim besten Willen nicht mehr nur mein Name fallen muss, wenn es um queerfeministischen Rap geht. Ich glaube, dass ich da für eine ganze Weile durch einen Dschungel gelaufen und mit der Machete den Weg frei gemacht habe. Jetzt treffe ich am Wegesrand immer mal wieder ein paar andere. Das ist schon ganz fein. Wenn Pionierarbeit bedeutet, dass andere Leute mit einem gehen, dann habe ich gern auch Pionierarbeit gemacht.

Inzwischen gibt es vornehmlich viele Frauen in der Szene, die auch queeren und feministischen Hiphop machen. Aber gerade mit Blick auf Deutschland: Wo bleiben denn die queeren Männer?

Ja, man könnte Juicy Gay nennen, aber der ist nochmal eine andere Kategorie. Aber klar: Queerer Rap im deutschsprachigen Raum kommt aus der feministischen Szene. Es sind weniger cis-männliche Personen unterwegs. Aber ich glaube, auch das kommt alles noch. Ich würde da noch einmal fünf Jahre abwarten. Man kann auf jeden Fall sehen, dass Typen aus linken Kontexten sich mit Queerfeminismus solidarisieren. Das ist ja auch schon mal was wert.

Es gibt Allianzen, indem queere Rapperinnen auf Tour mitgenommen und gemeinsame Songs gemacht werden. Ich würde mich freuen, wenn es bald auch queere und schwule Rapper gibt. In den USA ist es ja interessanterweise eher umgedreht. Da gibt es Rapper wie Le1f und Cakes da Killa, oder es gibt Qboy in Großbritannien. Da hat es eine andere Ausgewogenheit. Dort gibt es aber auch eine andere Geschichte von Hiphop. Deswegen lässt es sich nicht so ohne weiteres vergleichen. Aber ich bin da guter Dinge. Das kommt alles.

Was kommt eher? Ein aktiver Fußballprofi, der sich outet, oder ein kommerziell erfolgreicher schwuler Rapper?

Der Fußballprofi. Mit Hitzlsperger gab es bereits einen Ex-Profi, und jemand in der Größenordnung fehlt uns halt im Rap noch. Da ist Fußball ein Schritt weiter, weil da auch mehr Geld und Lobbyarbeit drinsteckt und sich Kampagnen ganz anders anschließen. Fußball hat auch mit anderen Klischees zu kämpfen als Rap. Und deswegen macht Fußball das Rennen!



#1 GronkelAnonym
  • 25.03.2017, 08:31h
  • Das Problem ist doch weniger ob sich ein einzelner Rapper outet, sondern, dass im Gansta-Rap Homophobie und Frauenverachtung tagtäglich vorgelebt wird. Eine Subkultur die ihr Selbstwertgefühl aus Gewalt, Drogenticken, Menschenverachtung und Protzerei herleitet und gescheiterte Existenzen hervorbringt. Jugendliche und Erwachsene die glauben man müsse nur Asi genug sein und wäre dann automatisch erfolgreich. Egomanie und Skrupellosigkeit als Lebensziel vereint.
    Sookee wird in der entsprechenden Szene nicht einmal wahrgenommen, entsprechend wird auch ein geouteter Rapper für die Szene irrelevant sein.
    Wenn sich einer outet mag das für die linken hippster toll sein und es mag sich eine Sookee selbst auf die Schulter klopfen für ihre Pioniertaten aber das war was auch schon.
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#2 RobinAnonym
  • 25.03.2017, 12:59h
  • >>>>>>>>>>>>>>>
    Und ich finde, das ist das Problem von Polit-Queerness. Diese Hundertprozentigkeit, die da manchmal versucht wird zu erringen, ist ja nur bedingt haltbar. Und hier würde ich mir ein bisschen mehr Entspanntheit wünschen.
    <<<<<<<<<<<<<<<

    Aber es geht eben um 100% Gleichstellung.

    Denn alles, was nur 0,1 Prozent darunter liegt, ist doch wieder Diskriminierung.

    Für Heteros ist es doch auch völlig normal, die 100% zu bekommen und sich nicht alles erstreite zu müssen. Wenn da jemand sagen würde: pass mal auf, Du hast rote Haare und Rothaarige bekommen diese oder jene Rechte nicht, würde niemand das hinnehmen.

    Aber LGBTI sollen sich immer mit weniger als 100% zufrieden geben und schon dankbar sein, wenn sie mal ein paar Prozentpunkte mehr Gleichstellung bekommen, aber immer noch weit von den 100% entfernt sind.

    Wieso sollen immer die LGBTI Geduld haben und sich anpassen? Es geht hie um Rechte, die uns zustehen, Dann müssen eben diejeneigen, die mit dem demokratischen Gleichheitsgrundsatz ein Problem haben, sich damit abfinden, dass das so ist und nicht umgekehrt...

    Das hat auch nichts mit irgendeiner überkorreten linken Szene oder sonstwas zu tun, sondern das ist doch eigentlich in einem demokratischen Rechtsstaat selbstverständlich!
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#3 More is moreAnonym
  • 25.03.2017, 14:57h
  • Neulich:

    "Gibt es spezielle Punkte in Ihrem Leben, an denen Sie gemerkt haben: Es geht nicht nur um mich, sondern um die Strukturen?

    Ich glaube, dass ich schon immer Bauchfeministin war, aber mir haben lange die Ansprechpartnerinnen gefehlt. Ich habe von 2003 bis 2009 Gender Studies studiert. Währenddessen lief aber schon die Mucke gut an. Trotzdem war das Studium entscheidend, zum Beispiel Texte von Judith Butler und Michel Foucault. Prägend waren auch Gespräche mit meiner Mutter, weil ich dadurch kapiert habe, wie Sexismus und Klassismus ihre Biografie als Arbeiterkind bestimmt haben.

    Sie bezeichnen sich selbst als Queerfeministin. Was ist Ihr Verständnis davon, besonders in Abgrenzung zum Feminismus?

    Dem Queerfeminismus geht es um intersektionales Denken. Queer-Theorie verflicht die Fragen nach geschlechtlicher und sexueller Identität miteinander untrennbar und sagt: Hier gibt es noch viel mehr Achsen wie zum Beispiel Klasse, Körper und Sprache, die wirksam sind und die auch nie außerhalb der Verquickung existieren."

    www.taz.de/!5390015/

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