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"Agender"

USA: Erstmals Person als geschlechtslos anerkannt

Patch fühlt sich nicht als Teil des Geschlechterspektrums – und ist nun die erste Person in den USA, die sich offiziell als "agender" bezeichnen darf.


Patch sieht sich weder als transgender oder "non-binary", sondern als geschlechtslos an

Eine Bezirksrichterin in Portland (Oregon) hat erstmals in der US-Geschichte eine Person als "agender" (geschlechtslos) anerkannt. Richterin Amy Holmes Hehn hat in der jetzt bekannt gewordenen Entscheidung vom 10. März Patrick Abbatiello erlaubt, das Geschlecht in offiziellen Dokumenten von männlich zu "agender" zu ändern. Abbatiello wird zudem künftig Patch als einnamigen Personennamen (Mononym) tragen – also keinen Vor- und Nachnamen mehr haben.

Die 27-jährige klagende Person, die beruflich Videospiele kreiert und an einem College in Portland kreatives Schreiben studiert, trägt in der Freizeit bereits seit einem Jahrzehnt den Namen Patch. "Ich habe mir nicht ausgesucht, geschlechtslos zu sein – ich bin es halt einfach", so Patch nach der Gerichtsentscheidung gegenüber NBC News. Seit dem sechsten Lebensjahr ergebe die geschlechtliche Unterscheidung für Patch keinen Sinn. "Ich habe mich nie gefühlt, als ob ich Teil des Geschlechtsspektrums bin. Ich passte nicht in die Männlich-weiblich-Unterscheidung und auch nicht dazwischen hinein."

Richterin erlaubte auch Geschlechtsbezeichnung "nicht-binär"

Bereits im letzten Jahr hatte Richterin Holmes Hehn einer klagenden Person erlaubt, die eigene Geschlechtsbezeichnung in "non-binary" (nicht-binär) zu ändern. Mit diesem Begriff wird jede Geschlechtsidentität bezeichnet, die nicht eindeutig männlich oder weiblich ist. Der Begriff "agender" bezeichnet demgegenüber eine Person, für die das Geschlecht kein Teil ihrer Identität ist, sondern nur eine zufällige Zuschreibung von Außen.

Patch erklärte, vom Begriff "agender" erstmals vor sechs oder sieben Jahren gehört zu haben. "Davor habe ich immer versucht zu vermeiden, über mein Geschlecht zu sprechen." Patch lehnt die Nutzung der Personalpronomen "er" und "sie" ab, um sich selbst zu beschreiben. Auch ein geschlechtsneutrales Pronomen ("es") sei nicht akzeptabel. Andere Begriffe wie "transgender" oder "genderqueer" würden ebenfalls nicht die persönliche Identität beschreiben.

Bei wichtigen überregionalen Dokumenten wie dem Reisepass darf Patch allerdings seine Geschlechtsbezeichnung noch nicht verwenden, da dies noch nicht vorgesehen ist. Zur Not müsste Patch dieses Recht einklagen. Manche Länder, darunter Australien und Indien, erlauben in Reisepässen bereits eine dritte Geschlechtsoption.

In Deutschland muss in offiziellen Dokumenten derzeit jede Person als "männlich" oder "weiblich" bezeichnet werden. Einzige Ausnahme: Seit 2013 ist es möglich, das Geschlecht eines intersexuellen Kindes im Geburtenregister vorübergehend leer zu lassen (queer.de berichtete). Im vergangenen Jahr lehnte der Bundesgerichtshof die Klage einer intersexuellen Person ab, in Dokumenten die Eintragung "inter/divers" vorzunehmen (queer.de berichtete).

Soziale Netzwerke sehen das Thema nicht so eng: Facebook führte bereits 2014 mehr als 60 Geschlechtsoptionen ein (queer.de berichtete). Inzwischen haben alle Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit, ein eigenes Geschlechts frei einzutragen. (dk)



#1 JadugharProfil
  • 27.03.2017, 15:42hHamburg
  • Die Gesellschaft will immer eine Art Ordnung und lebt in einen Kategorisierungszwang. Da mir die Geschlechtsidentität geschlechtslos unbekannt war, bemerkte ich, wie man selbst sehr kategorisch denkt. Für jede Sache gibt es immer eine Art Schublade. Vielleicht sollte man Geschlechtsbezeichnungen in Dokumenten vollständig aufheben, denn wozu benötigen wir das eigentlich?
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#2 ursus
  • 27.03.2017, 16:14h
  • Antwort auf #1 von Jadughar
  • "Vielleicht sollte man Geschlechtsbezeichnungen in Dokumenten vollständig aufheben, denn wozu benötigen wir das eigentlich?"

    brauchen wir nicht. kann weg.

    ich wundere mich immer wieder, wer mich alles zwingt, mein geschlecht festzulegen, obwohl das für den jeweiligen zweck nicht die geringste rolle spielt.

    vor fünf minuten als einigermaßen vorbildlich erkannt: die "aktion mensch" bietet immerhin die optionen "herr", "frau", "keine geschlechtsangabe". das ist vielleicht auch nicht perfekt, aber immerhin mal ein kleiner schritt in die richtige richtung.
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#3 LaraAnonym
  • 27.03.2017, 16:29h
  • Antwort auf #1 von Jadughar
  • Die Angabe für das Geschlecht im Ausweis in Deutschland werden nur dann gebraucht, wenn es uns heiraten geht oder eher gesagt, wenn es darum geht wer eben nicht heiraten darf. Ansonsten sind die Angaben nicht von Bedeutung (ich habe jetzt mal von der Raumaufteilung in Krankenhäusern oder Gefängnissen angesehen, weil ich mir da nicht sicher bin wie genau das festgelegt ist).
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#4 SanottheProfil
  • 27.03.2017, 16:37hRhüffel-Ostend
  • Congratulations, Patch!

    Ich stimme zu: weg mit den unnötigen binären Geschlechtsbezeichnungen, die m.E. primär zur Differenzierung von Herrschaftsbeziehungen dienen!

    Damit hätte sich dann übrigens z.B. auch das Thema "Ehe für alle" mehr oder weniger automatisch erledigt, da es ja keine Differenzierung mehr gäbe (die einen dürfen, die anderen nicht).

    Ich selbst habe mich mit dem mir von der Außenwelt zugedachten Pronomen und der dazu gehörenden Anrede nie recht wohl gefühlt. Mit dem (binär gedachten) "Gegenteil" würde ich mich aber auch nicht wohl fühlen.

    Ich denke, vor allem in einer Ära Trump ist das ein Riesen-Fortschritt. Hoffentlich schafft dieses Urteil einen Präzedenzfall, dem noch viele weitere folgen werden - bis es endlich nicht mehr als zeitgemäß betrachtet werden wird, diese Unterscheidungen überhaupt zu treffen.
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#5 gastAnonym
  • 27.03.2017, 17:15h
  • Halte ich für keine gute Idee, diese Entscheidung.
    Wenn dieser Mensch Eierstöcke und Brüste und eine Vagina hat, ist er vom Körper her weiblich, hat er einen Penis und Hoden , ist er körperlich ein Mann, hat er beide Geschlechtsmerkmale ist er intersexuell. Intersexualität im Pass fände ich durchaus ok, Womit er sich möglicherweise zu sehr herumschlägt ist die von der Gesellschaft vermittelte und aufgedrückte Sichtweise w i e ein Mann und w i e eine Frau zu sein hat. Ich bin schwul und sehe keine Probleme darin meine Hobbies und Gefühlswelten auszuleben die ich weder männlich noch weiblich zuordnen würde .
    Also jetzt gibt´s ab sofort die "geschlechtslosen", was kommt als nächstes ... wenn jemand sich nicht als Mensch fühlt sondern als .... wird es dann auch einen Richter geben , der ihn vom Debakel Menschsein "befreit" ....?
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#6 Laurent
  • 27.03.2017, 19:33h
  • Zu Nrn. 1-4:

    Da bin ich anderer Auffassung.

    Ich würde mich gern weiterhin auch amtlich als "Mann" bzw. "männlich" bezeichnen dürfen.
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#7 MahmoudProfil
#8 TheDad
  • 27.03.2017, 21:03h
  • Antwort auf #5 von gast
  • ""Wenn dieser Mensch""..

    Da stellt sich dann die Frage, wen als Außenstehenden geht das etwas an, welcher Mensch mit welchen Geschlechtsmerkmalen "ausgestattet" ist, und wozu dient dann dieses Wissen ?
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#9 TheDad
  • 27.03.2017, 21:05h
  • Antwort auf #6 von Laurent
  • ""Ich würde mich gern weiterhin auch amtlich als "Mann" bzw. "männlich" bezeichnen dürfen.""..

    Ich bin mir ziemlich sicher daß es niemandem verboten wird sich selbst in bestimmende Kategorien einzuordnen..
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#10 ThreateningScenarioAnonym