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Ab Donnerstag im Kino

"Weiß ist eine Metapher für Macht"

Raoul Pecks Dokumentarfilm "I Am Not Your Negro" ist eine Hommage an das schriftstellerische Werk James Baldwins und zugleich eine wortgewaltige Anklage gegen den Rassismus.


Szenen und Bilder, die vor über einem halben Jahrhundert geschahen, wirken in Raoul Pecks Film teilweise erschreckend vertraut (Bild: RV Films)

Erst wenige Wochen sind seit dem Kinostart von Raoul Pecks "Der junge Karl Marx" vergangen, da ist auch schon der nächste Film des haitianischen Regisseurs auf deutschen Leinwänden zu sehen. "I Am Not Your Negro" ist anders als die Marx-Biografie nun allerdings kein biederes Biopic nach Schema F, sondern ein aufwühlender filmischer Essay auf den Spuren des schwulen Schriftstellers James Baldwin ("Giovannis Zimmer").

Basierend auf Baldwins unvollendetem Manuskript "Remember This House" blickt Peck zurück auf den Kampf schwarzer Bürgerrechtler gegen Unrecht, Unterdrückung und Intoleranz. Neben Martin Luther King und Malcolm X rücken dabei auch immer wieder andere wichtige, weniger bekannte Figuren in den Fokus: Die Schülerin Dorthy Counts, die in den Fünfzigerjahren von einem Mob davon abgehalten wurde, als person of color eine weiße Schule zu besuchen, oder die Aktivistin und Dramatikerin Lorraine Hansberry etwa belegen, dass schwarze Emanzipation immer schon auch Frauensache gewesen ist.

Ein begnadeter Redner und Denker


Poster zum Film: "I Am Not Your Negro" startet am 30. März 2017 in deutschen Kinos

Die Schicksale und Positionen, die in "I Am Not Your Negro" beleuchtet werden, sind vielfältig, widersprüchlich und stets von Baldwins Sicht der Dinge geprägt. Der Schriftsteller war ein ebenso wachsamer wie kritischer Beobachter seiner Zeit, und so lebt dieser Dokumentarfilm konsequenterweise ganz von seinen klugen Worten. Während Samuel L. Jackson aus dem Off das Textfragment "Remember This House" rezitiert und das Publikum mit tiefer, ruhiger Stimme gekonnt durch die bisweilen sprunghafte Bildcollage führt, so sind es doch die Archivaufnahmen, in denen Baldwin selber spricht, die am meisten faszinieren.

Gleich ob im Hörsaal oder in einer Fernsehshow, Pecks Film erinnert eindrucksvoll daran, dass Baldwin nicht bloß ein großer Literat war, sondern zudem ein begnadeter Redner und Denker. Seinen charismatischen Auftritten kann man sich nur schwer entziehen, so lebendig und anregend sind diese. Dass "I Am Not Your Negro" zu keinem Zeitpunkt wie eine spröde Geschichtslektion anmutet, liegt allerdings auch daran, dass Baldwins Gesellschaftskritik in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas an Aktualität eingebüßt hat.

Ungeheuerlich vertraute Missstände


Regisseur Raoul Peck wurde durch seinen Film "Lumumba – Tod des Propheten" (1992) international bekannt (Bild: Edition Salzgeber)

Die Missstände, gegen die sich die Bürgerrechtsbewegung unter King oder radikale Gruppierungen wie die Black Panther aufgelehnt haben, sind schließlich nicht einfach aus der Welt verschwunden. Pecks Film bietet dementsprechend keine entspannte Rückschau auf die Vergangenheit, sondern zeigt deutlich, wie aktuell und notwendig eine Kritik à la Baldwin heute noch ist. Wenn eine weiße Frau vor sechzig Jahren da vor laufender Kamera kundtut, Gott verzeihe Mördern und Ehebrechern, aber keinesfalls denen, die die Integration unterstützen, mutet das in unseren Tagen ebenso ungeheuerlich an, wie es sich doch vertraut anhört.

"I Am Not Your Negro" legt den Finger in eine Wunde, die längst nicht verheilt ist, und verbindet das Gedenken an historische Figuren wie Martin Luther King mit den Konflikten der Gegenwart. Und das ist nur konsequent, wenn man James Baldwins Worten Gehör schenkt: "History is not the past. It is the present. We carry our history with us. We ARE our history. If we pretend otherwise, we literally are criminals."

Direktlink | Deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

I Am Not Your Negro. Dokumentarfilm. USA 2016. Regie: Raoul Peck. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung, Originaltöne mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 30. März 2017
Galerie:
I Am Not Your Negro
10 Bilder


#1 Jeff_StrykerProfil
  • 28.03.2017, 11:16hToyBoyTown
  • Gibt es einen tieferen Sinn, warum dieses Werk hier auf einer Seite mit schwuler/queerer Thematik angepriesen wird?

    Im Übrigen bekunde ich natürlich, dass es mir leid tut, dass ich "weiß" bin *augenroll*
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Schland 2017Anonym
#4 Hantewi
  • 28.03.2017, 14:05h
  • Antwort auf #1 von Jeff_Stryker
  • I'm not your "indian"

    Knowing our cultures - knowing our bodies.
    Connected to the earth - connected to the body.

    I am Lakhota - the westernmost tribe of the Ochethi Sakowin (The Great Sioux-Nation). We do not know the binary construct. We know 4 respected and fluid genders from the beginning. I belong to the proud third gender. Yay - I'm one of them! In our culture we are highly regarded and respectful honored since thousands and thousands of years. Our identity is valid on its own and we can name ourselves.
    We survive a genocide which has lasted for 500 years and still continues until today.
    I will never forgive and I will never apologize, even when it means being insulted, abandoned, or condemned for my actions. I burned my white flag a long time ago! I burned it to the ground!

    Colored Trans Lives Matter!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 MahmoudProfil
  • 28.03.2017, 14:48hDuisburg
  • Danke für den sehr schönen Artikel über James Baldwin!

    Gut würde ich es finden, wenn Bücher von bedeutsamen Autoren wie Baldwin hier verstärkt Aufmerksamkeit finden könnten, zum Beispiel indem man sie vorstellt oder bespricht.

    Wollen wir mal hoffen, daß infolge dieser Hollywoodschmonzette wieder ein paar Werke Baldwins auf Deutsch erscheinen, denn außer "Giovannis Zimmer" scheint momentan nichts von Baldwin lieferbar zu sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 BioradiatorEhemaliges Profil
  • 28.03.2017, 15:06h
  • Antwort auf #1 von Jeff_Stryker
  • Wow! Ok, Du hast gewonnen! Das ist wohl einer der mit Abstand widerlichsten Kommentare, die ich hier jemals lesen musste. Endlose Ignoranz und primitivster Zynismus feiern Hochzeit. Herzlichen Glückwunsch!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 OrthogonalfrontAnonym