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"Wir dulden keine Diskriminierung"

Berliner Politik stellt sich hinter schwulen Kita-Erzieher

Ein Kita-Streit um homophobe Eltern und einen schwulen Erzieher erreicht die Berliner Politik.


In mehreren Bundesländern klären Info-Materialien schon an Kitas über Vielfalt auf (Bild: MFFJIV Rheinland-Pfalz)

Berliner Politiker betonen nach erheblichen Protesten gegen einen schwulen Kita-Betreuer, dass Diskriminierung in der Hauptstadt nicht geduldet werde. Anlass war ein Bericht des "Tagesspiegel" vom Montag, in dem von muslimischen Eltern die Rede war, die im Bezirk Reinickendorf massiv gegen einen homosexuellen Erzieher mobil gemacht hätten.

Um welche Kita es sich handelt, ist unklar – alle Angaben und Namen wurden anonymisiert. "Sie gingen auf die Barrikaden", zitiert die Zeitung die Geschäftsführerin der Einrichtung, in der fast ausschließlich Kinder von Migranten betreut würden, mit drastischen Worten: "Für einige von ihnen ist ein Homosexueller automatisch ein Kinderschänder." Die Kita habe den Erzieher gegen die Anfeindungen unterstützt. Laut "Tagesspiegel" leide er jedoch unter dem Druck und Misstrauen der homophoben Elternschaft.

Auch muslimische Eltern müssen "andere sexuelle Orientierungen" akzeptieren

"Wir dulden keine Diskriminierung", erklärte die Berliner Jugend- und Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Sie verwies darauf, dass männliche Erzieher generell einen schweren Stand an Kitas hätten und möchte gegensteuern: "Wir möchten den Anteil der männlichen Erzieher in den Kitas erhöhen, da diese ein wichtiges Rollenvorbild für die Kinder sind." Derzeit liegt die Männerquote bei Kitas in Berlin bei unter zehn Prozent.

Melanie Kühnemann, die Berliner SPD-Sprecherin für Familien-, Jugend- und Queerpolitik, betonte außerdem: "Muslimische Eltern haben zu akzeptieren, dass es auch andere sexuelle Orientierungen gibt." Ähnliche Äußerungen kamen auch von Vertretern anderer Parteien. So erklärte die CDU-Abgeordnete Katrin Vogel: "Wenn man Religionsfreiheit fordert, gilt das auch für die sexuelle Orientierung." Hakan Tas von der Linkspartei sagte, man müsse aufklärerische Gespräche mit muslimischen Eltern führen – auch die islamischen Verbände seien bei diesem Thema "in der Pflicht".

Freilich gibt es nicht nur unter Muslimen Vorbehalte gegen schwule Kita-Betreuer: Bei einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr gab einer von fünf Deutschen an, er lehne es ab, dass ein homosexueller Mann seine kleinen Kinder betreut (queer.de berichtete).

Auch lesbische oder schwule Mitarbeiter bei christlichen Kinder-Einrichtungen müssen noch heute mit offener Homophobie rechnen. So entließ ein katholischer Kindergarten in Neu-Ulm 2012 eine Erzieherin wegen ihrer Homosexualität (queer.de berichtete). 2015 feuerte die katholische Kirche eine Lehrerin in Remscheid, weil diese sich verpartnert hatte (queer.de berichtete). Dabei hatte die katholische Kirche erst kurz zuvor ihr Arbeitsrecht ein wenig liberalisiert und versprochen, weniger Schwule und Lesben zu feuern (queer.de berichtete). Wegen der anhaltenden Bedrohung rät der Lesben- und Schwulenverband nach wie vor allen Nicht-Heterosexuellen, die für die katholische Kirche arbeiten, eine Verpartnerung geheim zu halten. (dk)



#1 Paulus47Anonym
  • 29.03.2017, 13:06h
  • "Dabei hatte die katholische Kirche erst kurz zuvor ihr Arbeitsrecht ein wenig liberalisiert und versprochen, weniger Schwule und Lesben zu feuern".

    --> Das hat die Deutsche Bischofskonferenz der Katholiken nicht nur versprochen, sonderen das ist in den reformierten kirchenarbeitsrechtlichen Regelungen festgeschrieben.

    Eine arbeitsrechtliche Kündigung eines Mitarbeiters wegen seiner sexuellen Orientierung oder wegen Eingehens einer Lebenspartnerschaft am Standesamt, bei der Katholischen Kirche ist in allen (!!!) Bistümern in Deutschland mittlerweile verboten und eine solche Kündigung hat vor den katholischen Kirchengerichten kein Bestand. Die Leitung der Caritas hat diese arbeitsrechtliche Reform ausdrücklich begrüßt.

    Es ist erfreulich, dass zumindest diesbezüglich sich mit dem Amtsantritt von Papst Franziskus die Rechtslage bei den Katholiken im Arbeitsrecht zugunsten homosexueller Mitarbeiter verbessert hat.
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#2 BuntUndSchönAnonym
  • 29.03.2017, 13:20h
  • Sehr gut.
    Das ist ein konsequenter Standpunkt und eine steile Vorlage gegenüber kirchliche Einrichtungen. Das gefällt mir.
    Allerdings sollte sich die Unterstützung neben schwulen Erziehern, auch auf lesbische-, ausländische-, und behinderte Erzieher/innen beziehen.
    Wenn schon tolerant, dann ganz, nicht nur zur Hälfte.
    Es gibt schließlich das AGG, also müssen alle einbezogen werden.
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#3 BuntUndSchönAnonym
  • 29.03.2017, 13:27h
  • P.S.: zu meinem Kommentar:
    meine Beispiele waren ein Ausschnitt.
    Was mir wichtig ist zu sagen, ist: wenn schon Toleranz gezeigt wird in pädagogischen Berufen, dann muss die LSBTTIQ berücksichtigt werden, nicht nur ein Teil daraus.
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#4 LorenProfil
  • 29.03.2017, 13:32hGreifswald
  • Es gibt Leute, die wollen nicht aus religiösen Gründen diskriminiert werden, diskriminieren aber selbst andere aus religiösen Gründen. So nicht. Gut, dass hier offenbar eine breite Solidarität gezeigt wird und die Diskriminierenden in die Schranken gewiesen werden. So sollte überall mit allen verfahren werden, die sich ähnlich verhalten, um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten.
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#5 GronkelAnonym
  • 29.03.2017, 13:38h
  • "Die Kita habe aber den Erzieher gegen die Anfeindungen unterstützt."

    Na das ist ja wohl auch das absolut mindeste und nicht der Rede wert.
    Aber der ganze Vorfall ist ein Anzeichen in wie weit die Integration gescheitert ist und welcher Weg noch vor einem liegt. Dass die Eltern sich eine andere Kita suchen ist keine Lösung sondern ein Augen zu und durch ohne Problemlösung.
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#6 Lübbers-RolexAnonym
  • 29.03.2017, 13:42h
  • Antwort auf #1 von Paulus47
  • "Es ist erfreulich, dass zumindest diesbezüglich sich mit dem Amtsantritt von Papst Franziskus die Rechtslage bei den Katholiken im Arbeitsrecht zugunsten homosexueller Mitarbeiter verbessert hat."

    Uuuu... das schreit ja geradezu nach einer Rückkehr in die RKK...um freudestrahlend in der erste Reihe Platz nehmen zu dürfen, wo die alte Oma dem Homo-Paar gefälligst Platz zu machen hat.

    Weniger erfreulich ist es, wie du Kausalitäten erstellst, wo keine sind.
    Viel eher dürfte der RKK in Deutschland nach all der negativen Presse, den negativen Reaktionen in der Bevölkerung und den Protesten der Mitglieder der Arsch auf Grundeis liegen, sodass sie keine andere Wahl hat.

    Zum Thema: Gut, dass Politik und Arbeitgeber sich hinter dem Erzieher stellen. Sollen die Eltern ihre Kinder doch anderswo abgeben. Andere Familien dürften sich über die freien Plätze freuen.

    Im Netz wird kommentiert, dass Eltern das Recht dazu hätten sich um ihre Kinder zu sorgen - haben sie auch. Sie können ihre Kinder gerne woanders abgeben. Das Recht, die Kündigung des Angestellten zu feuern, haben sie nicht!

    Und wenn die Eltern solche Bauchschmerzen haben: als schwuler Mann würde ich es mir auch überlegen, ob ich mich ihnen im Alltag gegenüber familien- und kinderfreundlich zeigen würde. Sie müssten sich doch unwohl fühlen, wenn man als schwuler Mann aus Höflichkeit z.B. den Platz in der Bahn frei macht oder einen Kinderwagen mitschleppt. Auf solche selbstverständliche Höflichkeiten verzichten diese Eltern sicher gerne.
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#7 ErzieherAnonym
  • 29.03.2017, 13:51h
  • Mir ist gleiches in Frankfurt (Main) passiert. Auch hier wurde mir potentieller Kindesmissbrauch aufgrund meiner Homosexualität vorgeworfen. Meine Kollegen, der Elternbeitat und der Kitaträger standen aber hinter mir und meiner professionellen Arbeit. Die homophobe (muslimische) Familie hat mittlerweile die Einrichtung gewechselt - der Junge ist jetzt wohl in einer katholischen Kita...
    Ich wünsche dem Berliner Kollegen viel Kraft! Das ist eine harte, emotional sehr belastende Zeit! Halt durch!
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#8 ErzieherAnonym
  • 29.03.2017, 14:01h
  • Antwort auf #5 von Gronkel
  • Leider ist das keine Selbstverständlichkeit! Es gibt viele Kitas, in denen Erzieher nicht wickeln dürfen, in denen Erzieher die Kinder nicht mit schlafen legen dürfen, sogar welche, in denen Erzieher nicht mit Kindern alleine in einem Raum sein dürfen, da ist dann immer die Tür zur Kontrolle offen und eine Kollegin schaut regelmäßig nach...
    Was das für ein Männerbild an die Kinder vermittelt, kann man sich da denken. Und welche Rolle den (zukünftigen) Vätern zugeschrieben wird! Erschreckend!
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#9 Lübbers-RolexAnonym
#10 DimaAnonym
  • 29.03.2017, 14:21h
  • Der für mich wichtigste Satz in diesem Artikel stammt von dem Politiker der Linken. Hier müssen aufklärerische Gespräche mit den Eltern geführt werden. Anders geht es nicht.
    Viele der Migrantenfamilien sind vielleicht in diesem Fall zum ersten Mal direkt mit Homosexualität konfrontiert. Ich finde es wichtig, dass ihnen da jetzt nicht gleich Hass entgegenschlägt, sondern wünschenswert wären Gespräche, ein Kennenlernen und ein sicherlich schwieriger Prozess des Umdenkens und Akzeptierens.
    Dazu wünsche ich allen, vor allem dem Erzieher, viel Kraft.
    Wäre wunderbar, hier in ein paar Monaten eine positive, Mut machende Fortsetzung der Geschehnisse zu lesen.
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