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Schneller Lerneffekt

Schweiz: Fußball-Banner gegen Homophobie nun offiziell erwünscht

Nachdem bei einem Jugend-Länderspiel ein Transparent vom Sicherheitspersonal entfernt wurde, entschuldigten sich nun die Verantwortlichen.


Dieses Statement war dem Securitypersonal zu politisch. Ähnliche Transparente werden seit Jahren von Fans in Deutschland und ganz Europa eingesetzt. Das Motiv zeigt, wie Manchester-United-Legende Gary Neville seinen Mitspieler Paul Scholes 2010 nach einem späten Treffer gegen den Lokalrivalen City küsst.

Der Schweizerischer Fussballverband (SFV) und das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) haben der Initiative "Fans gemeinsam gegen Homophobie" gegenüber bestätigt, dass Transparente gegen Homophobie in Stadien willkommen sind. Sie reagierten damit auf die Kritik der Fußballfans, nachdem ein Transparent mit dem Namen der Initiative bei einem Spiel auf Anweisung des Sicherheitspersonals eingerollt werden musste.

Zu dem Vorfall war es am Montag beim U-20 Länderspiel Schweiz gegen Deutschland in Biel gekommen. "Die Fahne hing bis zur 15. Spielminute, ehe sie von drei Sicherheits-Mitarbeitern abgenommen wurde", so die Initiative in einer ersten entrüsteten Pressemitteilung (queer.de berichtete). Das Schweizer Fernsehen habe das Transparent verboten, weil es politisch sei, hieß es demnach zur Begründung. "Im Gegensatz zu anderen Verbänden, vielen Fans, Kurven und Vereinen hat der Schweizerische Fussballverband scheinbar noch Nachholbedarf was das Thema Homosexualität und Homophobie im Fussball angeht", kommentierten die Fans.

Das Schweizer Fernsehen sagt inzwischen, man habe die Aktion des Security-Personals nicht verursacht; da habe es sich um eine falsche Information an die Fans bei der Intervention im Stadion gehandelt. Auch bei einer ersten Rechtfertigung des Senders, Werbung mit politischer, religiöser oder ähnlicher Ausrichtung seien verboten, habe es sich um "interne Missverständnisse" gehandelt.

Auch SFV lenkte ein

Auch der Fußballverbund hatte sich in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Initiative "Queer Football Fanclubs (Schweiz)" auf Richtlinien der UEFA gegen politische Botschaften bei Spielen berufen. Nach weiterer Kritik hat er der Initiative "Fans gemeinsam gegen Homophobie" gegenüber bestätigt, dass entsprechende Banner in Zukunft willkommen seien.

Das Verbot vor Ort sei Folge unglücklicher Umstände gewesen, so der Verband: "Die Aufforderung zum Abhängen entstand aus Überraschung (weil an einem U-20 Spiel nie Banner aufgehängt werden) und einer Fehleinschätzung über dessen Botschaft/Zulässigkeit in der Hektik der unmittelbaren Matchvorbereitung".

Die Fans kommentierten dazu: "Wir freuen uns über diese rasche und positive Klärung der misslichen Geschichte und bedanken uns bei beiden Organisationen für die offene und vertrauensvolle Kommunikation." Bei großen und komplexen Veranstaltungen könne auch mal etwas schief laufen. Der Vorfall zeige aber dennoch, "dass dem Setup im Stadion und dem Verständnis für Fananliegen genügend Aufmerksamkeit eingeräumt werden muss. Dabei bringen wir uns gerne ein und begrüssen entsprechend Initiativen des SFV." (nb)



#1 Roman BolligerAnonym
  • 31.03.2017, 13:29h
  • Immerhin eine rasche Reaktion.
    Allerdings steht wohl vielmehr Sorge um das öffentliche Image als echtes Verständnis und echte Einsicht dahinter. Das Argumentieren mit "Verkettung unglücklicher Umstände", "Missverständnisse" und ähnliche "Entschuldigungen" wirken billig und unecht. In Wirklichkeit ist da einfach noch sehr viel homophone Verkrustung vorhanden.

    Mal schauen, ob der Schweizer Fussballverband und das Schweizer Fernsehen den Worten von nun auch tatkräftiges und anhaltendes Handeln folgen lassen.
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#2 Reto77
  • 31.03.2017, 18:06h
  • Gestern Abend hat SRF auf Facebook noch die volle Verantwortung übernommen, Zitat:

    "Darin [im Reglement] wird explizit erwähnt, dass nebst diversen anderen benannten Inhalten keine politische, religiöse oder ähnliche Werbung im Stadion vorhanden sein darf. [] Enthalten diese Inhalte, die den SRG-Werbegrundsätzen widersprechen, so sind diese vom Produktionsteam entfernen zu lassen. Deshalb hat die Produktionscrew korrekt gehandelt, als sie das Transparent entfernen liess. [] Freundliche Grüsse und einen schönen Abend ^cm"

    Ich blick nicht mehr durch, denn heute sagt aber der Fußballverband im Widerspruch zu SRF, Zitat:

    "Bitte nehmen Sie auch zu Kenntnis, dass das Schweizer Fernsehen damit überhaupt nichts zu tun hat. Wenn gewisse Organisationen gewisse Aussagen wiederholen und in öffentlichen Briefen verbreiten, werden sie dadurch nicht wahrer. Darum bedauern wir, dass die Organisation, die hinter dem Transparent steckt, nicht vorgängig zur Plakat-Aktion in Biel mit uns Kontakt aufgenommen hat. Freundliche Grüsse, Marco von Ah, Head of Communication, Swiss Football Association"

    Das Entfernen des Banners war anscheinend die Strafe dafür, dass die schwulen Fans nicht vorher ein Formular ausgefüllt haben (in der Schweiz muss man für alles ein Formular ausfüllen). Außerdem gelten offenbar auch bei der Zaunfahne die goldenen Regeln der Beamten: "Das haben wir noch nie gemacht, da könnte ja jeder kommen und wo kämen wir denn da hin."

    Wieso darf Fußball nicht einfach Spaß machen und wieso werden engagierte, ehrenamtlich arbeitende Leute nicht unbürokratisch unterstützt?
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#3 Roman BolligerAnonym
#4 HelvetierAnonym
  • 01.04.2017, 01:07h
  • Antwort auf #2 von Reto77
  • In der Schweiz benötigt man den Passierschein A38, um mit einem Banner homosexuellen Inhalts in ein Fußballstadion eingelassen zu werden. Wie Reto77 schon andeutete, muss man dazu das blaue Formular ausfüllen (wie es in den Werbegrundsätzen der Business Unit Sport der SRG beschrieben wird), das am Schalter eins des Schweizerischen Fußballverbands zu beziehen ist. Keine Angst, das ist nur eine verwaltungstechnische Formalität. Das YouTube-Video "Passierschein A38" erklärt Euch, wie das geht:

    www.youtube.com/watch?v=lIiUR2gV0xk
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