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Gegenentwurf zum Rosa Winkel

Trauer um den Erfinder der Regenbogenfahne

Der schwule US-Künstler und Aktivist Gilbert Baker schuf 1978 das Symbol der weltweiten LGBTI-Bewegung, Am Donnerstag ist er im Alter von 65 Jahren gestorben.


Gilber Baker mit dem früheren US-Präsidenten Barack Obama 2016 bei einem LGBTI-Empfang im Weißen Haus (Bild: White House / Amanda Lucidon)

Der Designer der weltweit für die LGBTI-Bewegung stehenden Regenbogenflagge ist tot. Der amerikanische Künstler Gilbert Baker starb nach Angaben des "San Francico Chronicle" am Donnerstagabend im Schlaf in seiner Wohnung in New York. Er wurde 65 Jahre alt.

Bakers Begegnung mit Harvey Milk, dem offen schwulen Stadtrat in San Francisco, veränderte in den Siebzigerjahren sein Leben. Er wurde ein Aktivist der neuen Schwulenbewegung und verbrachte Nächte damit, immer wieder andere Protestbanner für Demonstrationen zu entwerfen. Nachdem 1977 die alljährliche "Gay Freedom Day Parade" in San Francisco 300.000 Menschen mit dem Aufruf vereinte, sich zu wehren, machte sich Baker an den Entwurf der Regenbogenflagge. Er wollte ein gemeinsames Symbol schaffen.

"Von der Seele unserer Leute"

Lange Zeit galt ein rosa Dreieck als Erkennungszeichen für die Homobewegung. Dem nationalsozialistischen Rosa Winkel für schwule KZ-Häftlinge nachempfunden, verband man damit eher Unterdrückung. Dem setzte der Aktivist und Künstler Gilbert Baker den Regenbogen entgegen. In einem späteren Artikel für das "SF Pride Magazine" schrieb er dazu: "Einige sagen, Hitler entwarf ihn [den Rosa Winkel; d. Red.], um Homosexuelle zu identifizieren und zu stigmatisieren, genauso wie der gelbe Davids-Stern gegen die Juden benutzt wurde. Die Regenbogenfahne kommt von der Seele unserer Leute. Sie zelebriert unsere Verschiedenheit und proklamiert unsere Macht und den Bund mit der Natur."

1978 konnte Gilber Baker zusammen mit Freunden erstmals selbst gefärbte und genähte Regenbogenflaggen hissen. Damals zeigten sie noch acht Farben: Pink, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Lila. In der gleichen Reihenfolge standen die Farben für Sexualität, Leben, Heilung, Sonne, Natur, Kunst, Harmonie und den Geist.

Aus acht Farben wurden erst sieben, dann sechs

Die "Paramount Flag Company" fertigte die Flagge, musste aber auf eine Farbe verzichten, da sich das von Baker selbst entworfene Pink nicht industriell herstellen ließ. Dem schwulen Sinn für Symmetrie fiel Indigoblau zum Opfer: als Milk 1978 erschossen worden war, wollte man mit den Streifen der Flagge bei der Parade im Jahr 1979 farbenfroh demonstrieren. Sieben Farben ließen sich allerdings nicht gleichmäßig auf die beiden Seiten der Market Street verteilen. Seitdem besteht die sechsfarbige Fahne, wie wir sie heute kennen.

"Regenbogen schluchzen. Unsere Welt ist sehr viel weniger bunt ohne dich, meine Liebe", kommentierte der Regisseur und Autor Dustin Lance Black den Tod Bakers auf Twitter. (cw/dj)

Direktlink | Zu welch starkem Symbol die Regenbogenfahne geworden ist, zeigt Gilbert Baker in diesem Video aus dem Jahr 2014



#1 Patroklos
#2 RobinAnonym
  • 01.04.2017, 10:37h
  • 65 ist definitiv zu jung zum Sterben...

    Aber Gilbert Baker wird niemals vergessen werden. Mit seiner Regenbogenflagge hat er uns ein Symbol gegeben, das weltweit für LGBTI-Rechte und LGBTI-Gleichstellung steht. Ein Symbol, das für Liebe, Vielfalt und Freiheit steht. Ein Symbol, das uns eint und uns Kraft gibt.

    Ein einheitliches Symbol und Erkennungszeichen ist so wichtig - gerade auch für unseren Kampf um unsere volle Gleichstellung.

    Der Beitrag Gilbert Bakers dazu wird niemals vergessen werden. Schön, dass er noch so viele Fortschritte (wie z.B. die Eheöffnung in den USA) erleben durfte. Auch er hat dazu beigetragen.
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#3 RobinAnonym
  • 01.04.2017, 10:45h
  • Antwort auf #2 von Robin
  • PS:
    Ich finde es nur ein bisschen schade, dass die Regenbogenflagge von 8 auf 6 Farben reduziert wurde und dass Türkis und Pink entfernt wurden.

    Erstens ist bunt immer schön. Zweitens stehen noch mehr Farben für noch mehr Vielfalt. Und drittens hatte ja auch jede einzelne Farbe eine Bedeutung. Pink stand für Sexualität und Türkis für Kunst.

    Aber vermutlich kann man das heute auch nicht mehr ändern, denn in der 6-Farben-Version ist das mittlerweile so ikonisch, dass jede Änderung extrem schwer durchsetzbar ist und sich vielleicht niemals etablieren würde. Das hätte man dann wohl 20 Jahre eher machen müssen. Aber schade finde ich es dennoch.
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#4 JustusAnonym
  • 01.04.2017, 11:02h
  • Antwort auf #3 von Robin
  • Oder man könnte es auch genau andersrum sehen.

    Wenn man die Erweiterung auf 8 Farben heute nicht macht, wird man in 20 Jahren denken "Hätten wir nur 2017 die Erweiterung gemacht, dann hätte sich das heute schon durchgesetzt. Damals wäre es leichter gewesen"

    Leicht ist sowas sicher nicht, es würde Jahre dauern, eh sich das durchgesetzt hätte und vielleicht würde das auch komplett scheitern und es bliebe bei der 6-er-Version. Aber wenn man es wirklich will, wäre es nicht unmöglich.

    Die Frage ist natürlich, ob die Mehrheit der Leute eine Erweiterung auf die ursprünglichen 8 Farben wirklich will.

    Und eines ist klar:
    egal ob 6 oder 8 Farben: die Regenbogenflagge ist so oder so ein immens wichtiges Zeichen unserer Rechte und Symbol für unsere Gleichstellung.
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#5 JustusAnonym
  • 01.04.2017, 11:04h
  • "Gegenentwurf zum Rosa Winkel"

    Gut, dass heute die Regenbogenflagge unser Symbol ist und nicht der Rosa Winkel.

    Der Rosa Winkel wurde schließlich von den Nazis zu unserer Kennzeichnung entwickelt; ähnlich dem Judenstern. Das würde ich nicht als Button am Rucksack haben wollen.

    Der Rosa Winkel ist auch heute ein wichtiges Zeichen, aber speziell für die Verfolgung im Dritten Reich.

    Für unsere Vielfalt, unsere Lebensfreude und unseren Stolz ist die bunte, von einem schwulen Aktivisten entwickelte Regenbogenflagge mir doch deutlich sympathischer.
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#6 BuntUndSchönAnonym
  • 02.04.2017, 20:32h
  • Es fühlt sich sehr, sehr gut an, dass unsere schöne Flagge von einem schwulen Designer und Aktivisten entwickelt wurde, und nicht von jemandem, der sagen könnte: Also soviel Gegenwind muss nicht sein. Ihr könnt froh sein, dass WIR euch diese Flagge gaben.

    Oh nein, es fühlt sich gut an, diese Flagge zu sehen - mit Stolz - ein Gefühl von Heimat :-)
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