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  • 27. Mai 2005, noch kein Kommentar

Benjamin Biolay gilt mit seinem Mix aus Chanson und Rock als der neue Serge Gainsbourg. Sein Album "A l'origine" erschien kürzlich.

Von Jan Gebauer

Wenn sich schon Françoise Hardy, die Grand Dame des etwas anderen französischen Chanson, zu einem Duett für das neue Album hinreißen lässt, dann muss etwas an dieser Scheibe dran sein: Benjamin Biolay zählt zu den ganz großen neuen Talenten der Musik-Szene Frankreichs. Allerdings so neu ist er mittlerweile nicht mehr, denn "A l'origine" ist bereits sein viertes Album. Hierauf mixt er Chanson und Rock und erinnert in seinen besten Momenten an den exzentrischen Kultmusiker Serge Gainsbourg, der in den späten 60er Jahren auch in Deutschland durch das Stöhnduett "Je t'aime" mit Jane Birkin bekannt wurde. Schlafzimmer-Stimmung gibt es bei Benjamin Biolay freilich nicht, dafür ist die Atmosphäre viel zu düster. Dabei kann der Sänger und Songschreiber ebenso charmant säuseln wie Gainsbourg. Ansonsten ist ihm der Vergleich mit dem mittlerweile Verstorbenen eher unangenehm: "Ich bin Musiker, er war ein Genie", sagte Biolay kürzlich der Zeitschrift "TV Spielfilm". Er schaut zwar zu ihm auf, seine größten Idole sind aber andere: "Klar verehre ich Gainsbourg. Trotzdem sind die Beatles meine wahren Helden. Sie haben meine neue CD viel stärker geprägt als Gainsbourg."

Diesen Einfluss merkt man auch bei dem Duett mit Françoise Hardy, dass mit seinem hypnotisierenden Hintergrund-Gewaber fast einen hypnotischen Effekt hat. Benjamin Biolays andere Titel kreisen um politische als auch um soziale Themen. Sein Lied "L'appat", eine vertrackte Song-Collage mit Elektro-Elementen handelt von einem Mann, der von bösen Kindern bedroht wird. Dies hat für Biolay symbolischen Charakter: Nach seiner Auffassung werden Kinder heutzutage durch Werbung zum Konsum verführt. Sollten Kindern den daraus resultierenden Wünschen immer nachgeben, verlieren sie irgendwann die Kontrolle über diese. Wahre Worte eines sorgenden Vaters, denn mittlerweile hat Benjamin Biolay selbst Nachwuchs bekommen. Tochter Anna zeugte er mit seiner Frau Chiara Mastroianni, die ebenfalls Musikerin ist und mit ihm das Album "Home" (2004) aufnahm. Die Musik auf "A l'origine" ist schwer zugänglich, entfaltet aber bei mehrfachen Hören einen sehr eigenen Reiz. Außerdem sollte man unbedingt des Französischen mächtig sein, oder zumindest einen guten Übersetzer haben, denn Biolays Texte sind sehr wortgewaltig.

27. Mai 2005