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  • 27. Mai 2005, noch kein Kommentar

Nicht nur für Sportfans: Ein neues Buch erinnert an die Gay Games in Sydney und die Münchner EuroGames - und macht Lust aufs nächste Event.

Von Micha Müller

Dass alle Lesben Fußball lieben und Schwule Sport nur notgedrungen treiben, um ihren Marktwert zu steigern, sind gängige Klischees. Das neue Buch "Let the Games beGay" hingegen zeigt, dass Sport für viele homosexuelle Männer und Frauen eine Weltanschauung ist. In dem Band aus dem Gatzanis Verlag berichten Teilnehmer und Mitwirkende von ihren Erlebnissen bei den Gay Games 2002 in Sydney und den EuroGames 2004 in München. Mitherausgeber ist Philipp Braun vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD). Es ist ein eindrucksvolles Buch, sehr persönlich geschrieben, mal amüsant, mal nachdenklich stimmend. Und vor allem wird beim Lesen schnell klar, dass es bei den schwul-lesbischen Sportevents um weitaus mehr geht als um den Wettkampf.

Schwule und Lesben schwimmen oder laufen nicht anders als Heteros, aber "wir genießen das Gefühl, dass wir bei diesen Spielen einmal in der Mehrheit sind", erklärt die österreichische Sportlerin Ulrike Lunacek ihre Begeisterung für die Gay Games. "Wir, die wir sonst als Minderheit betrachtet oder gar als ‚Randgruppe’ schräg beäugt werden, stehen einfach im Zentrum, sind sichtbar und haben Spaß an dieser Sichtbarkeit und am gemeinsamen Sporteln." Der australische Leichtathlet Rodney Croome schreibt über Sydney 2002: "Noch nie ist das Bekenntnis zu unserer schwulen Identität, unserer Kultur sowie unsere Kraft und Stärke klarer zum Ausdruck gekommen." Beide Statements beschreiben Themen, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch ziehen. Es geht um den inneren Zusammenhalt der Community und um die Forderung nach Toleranz und Akzeptanz nach außen.

Aber neben diesen politischen Aussagen sind es vor allem die vielen persönlichen Geschichten und Anekdoten, die das Buch zu einem spannenden Lesevergnügen machen. So etwa, wenn Sängerin und Moderatorin Isabel Varell, die erst mit 40 Jahren ihr Interesse am Halbmarathon entdeckte, feststellen musste, das ihr Lauftempo bei den EuroGames in etwa dem eines 63-jährigen schwulen Mannes entsprach. Oder als der australische Ringer Andy Quan mitten im Ringkampf seine Kontaktlinsen verlor. Christine Gundlach, Pressesprecherin der EuroGames, erzählt sehr mitreißend von ihrem Stolz, bei dem Event dabei gewesen zu sein, und der gleichzeitigen Trauer darüber, von ihrer Mutter nicht als Lesbe akzeptiert zu werden. Einen eisernen Willen bewies der Leichtathlet Stanislav Damitrov Tanchev aus Bulgarien, der sich aufgrund der niedrigen Gehälter in seinem Heimatland den Traum von der Teilnahme an den Gay Games in Sydney nicht leisten konnte und alles daran setzte, 2004 in München mit dabei zu sein. Es geht um Liebe, um Schmerz, aber auch um die zunehmende Kommerzialisierung der Spiele und um die Frage, ob die schwul-lesbischen Sportevents nicht eher zu einer Abschottung der Community führen.

Zusätzlich zu den zahlreichen Erlebnisberichten gibt es Grußworte von Grünen-Chefin Claudia Roth und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, ein Interview mit Jimmy Sommerville, der mit einem LiveAct in München dabei war, und eine Chronologie der Gay Games und der EuroGames. Künstlerische, zweifarbige Fotos runden das gebundene Buch ab, das auch für Leser, die sich eigentlich nicht für Sport interessieren, absolut zu empfehlen ist.

Let the Games beGay!, 192 Seiten, geb., deutsche und englische Sprachfassung, Duplex-Abbildungen, Gatzanis Verlag, 18,50 Euro