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Offener Brief

Schwuler Grüner lädt Kauder zu Kaffee und Kuchen ein

Matthias Laage, Mitglied im Vorstand des grünen Kreisverbands Passau-Stadt, will mit dem Unions-Fraktionschef über die Ehe für alle sprechen. Wir dokumentieren seine Einladung.


Matthias Laage lebt zusammen mit seinem Partner in Passau und ist Mitglied im Vorstand des dortigen Kreisverbands der Grünen. Er hofft auf eine Zusage des Unionspolitikers, der sich immer wieder vehement gegen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen hat (Bild: privat)

Sehr geehrter Herr Kauder,

ich möchte Sie und Ihre Ehefrau ganz herzlich zu mir und meinem Freund nach Hause einladen. Wenn Sie möchten, trinken wir gemeinsam einen Kaffee und wir servieren Ihnen selbstgemachten Kuchen. Und dabei können wir über die Ehe reden. Über die Ehe, die mir und meinem Freund in Deutschland verwehrt ist.

Vielleicht lernen und erleben Sie bei Ihrem Besuch bei uns, dass zwei Männer, die als Liebespaar zusammenleben, auch nur ganz "normal" sind, ja sogar genauso spießig sein können wie ein Paar aus einer Frau und einem Mann. Wir kochen zusammen, wir kümmern uns zusammen um unseren Garten und manchmal streiten wir auch miteinander. Kurz: Wir leben zusammen. Wir sind füreinander da und wollen das unser ganzes Leben lang sein.

Ich frage Sie: Was stört Sie an unserem Zusammenleben so sehr, dass Sie uns nicht heiraten lassen wollen? Stellen Sie sich das Zusammenleben zweier Frauen oder zwei Männer als Liebespaar als etwas vollkommen anderes vor als bei einem nicht gleichgeschlechtlichen Liebespaar? Sie und Ihre Frau konnten heiraten. Für Sie gab es kein rechtliches Hindernis. Warum geben Sie uns das Gefühl, nicht "normal" zu sein? Anders zu sein als ein Paar, wie Sie und Ihre Frau es sind?

"Ich lebe mit verletzenden Worten und Blicken"

Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich vorstellen können, wie es ist, in Deutschland als homosexueller Mensch aufzuwachsen und zu leben. Von Anfang an wissen Sie, dass Sie zwar vielleicht irgendwann eine Partnerin oder einen Partner finden, diese Person aber nie heiraten können. Und dass das anders wäre, wenn Sie heterosexuell wären.

Wissen Sie, man muss sich als homosexueller Mensch an viele Einschränkungen gewöhnen. Ich werde in meiner Partnerschaft nie auf natürlichem Weg leibliche Kinder bekommen können. Ich lebe mit verletzenden Worten und Blicken von anderen Menschen und muss mich jedes Mal, wenn ich mit meinem Freund Hand in Hand gehen möchte, fragen, ob wir das an diesem Ort gefahrlos machen können. Und ich lebe damit, dass mir das Recht zu heiraten nicht zugestanden wird, während ich die Hochzeiten von Freunden und Verwandten besuche.

Bei der Öffnung der Ehe geht es nicht nur um die rechtliche Gleichstellung. Es geht auch, vielleicht sogar vor allem, um den Begriff der Ehe selbst. Um die staatliche und gesellschaftliche Anerkennung, dass meine Liebe den gleichen Ehrenbegriff verdient hat wie die Liebe einer heterosexuellen Person. Dass homosexuellen Männern und Frauen diese Anerkennung fehlt, zeigen die Statistiken: Das Suizidrisiko, vor allem bei Jugendlichen, ist bei homosexuellen Menschen vier bis sieben Mal so hoch wie bei vergleichbaren heterosexuellen Gruppen. Eine Studie in den USA hat ergeben, dass in Staaten, die die Ehe für alle geöffnet haben, die Anzahl der Suizidversuche von Homosexuellen um 14% gesunken ist. Das Gefühl der Anerkennung kann lebenswichtig sein.

Vielleicht ist es auch die Angst vor Stimmverlusten, die die Blockade Ihrer Union erklärt. Die Befürchtung, dass sich noch mehr konservative Wählerinnen und Wähler von der CDU und der CSU abwenden, wenn der Eindruck entsteht, dass Sie der SPD und der Opposition in diesem Bereich nachgeben. Doch ich frage Sie: Um welche Wähler fürchten Sie sich denn? Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt: 83% der Befragten sind für die Öffnung der Ehe. Bleiben 17%, die dagegen sind und Sie vielleicht für Ihre Haltung respektieren. Aber wie viele davon würden die Union nicht mehr wählen, sollten Sie die Ehe doch für alle öffnen? Und sind der Dank und das Lob der 83% es nicht wert, dass Sie Ihre Blockade aufgeben?

"Wir sind stolz, weil wir all den Widerständen trotzen"

Bei der Homosexuellenbewegung spielt das Wort "Pride" eine sehr große Rolle. "Pride", das bedeutet Stolz. Wissen Sie, warum wir stolz sind? Wir sind stolz, weil wir all den Widerständen trotzen. Wir sind stolz, obwohl wir nicht heiraten dürfen. Stolz, obwohl viele Menschen unsere Liebe und unser Zusammenleben für nicht normal halten. Stolz, auch wenn wir nicht in jedes Land reisen können, da uns dort vielleicht die Todesstrafe droht. Und stolz, obwohl gegen uns und unsere Liebe protestiert wird.

Und wir sind auch stolz über all die Errungenschaften und den Fortschritt in den letzten Jahrzehnten. Stolz auf jede prominente Person, die sich outet. Stolz auf den Einsatz von so vielen ehrenamtlichen und mutigen Menschen für unsere Rechte. Stolz auf die Bemühungen der Vereinten Nationen, überall auf der Welt für gleiche Rechte zu sorgen – auch für Homosexuelle.

Ich glaube, dass auch viele homosexuelle Menschen gerne stolz auf Deutschland wären. Deutschland als ein Land, das uns gleiche Rechte gewährt und sich international für uns einsetzt. Das eindrucksvoll beweisen könnte, dass nichts schlechter wird und niemand weniger Rechte hat, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten können. Doch so ist Deutschland noch nicht.

Herr Kauder, ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie und Ihre Frau meine Einladung annehmen würden. Ich würde wirklich gerne mit Ihnen über die Ehe sprechen und erfahren, warum Sie mir und meinem Freund den Zugang zur Ehe verwehren. Schreiben Sie mir zurück, dann finden wir sicher einen Termin.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Laage



#1 krakalaAnonym
  • 06.04.2017, 16:56h
  • Ich finde seine Einladung super!

    Der dunkelhäutige Pianist Daryl Davis hatte in seinem Puplikum einen ein Mitglied des Ku-Klux-Klan.
    Er stieß ihn aber nicht ab, sondern lud ihn sogar ein. Er fordere die Rassisten heraus, »aber nicht auf unhöfliche oder grobe Art. Man macht das höflich und klug. Wenn man die Dinge auf diese Weise angeht, stehen die Chancen gut, dass sie zuhören und dir auch eine Plattform geben. Kelly und ich haben uns über die Jahre immer wieder hingesetzt und uns ausgetauscht. Der Mörtel, der sein Weltbild betonierte, begann zu bröckeln. Dann zu zerbrechen. Und dann fiel es ganz in sich zusammen.«

    Quelle:
    sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45368/Ein-schwarze
    r-Pianist-entmachtet-den-Ku-Klux-Klan


    Und das ist was Homophobie angeht genauso, und deshalb finde ich seine Aktion super. Weiter so!
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#2 Laurent
  • 06.04.2017, 17:21h
  • Danke, Matthias Laage, für diesen aufrüttelnden Brief, in dem wir uns mit Vielem wiederfinden.

    So etwas finde ich klasse, sind es doch nicht selten solche bewegenden persönlichen Schilderungen und Erfahrungen, die den Anstoß für ein Umdenken geben können.

    Ein Abdruck sollte u.a. auch an die Kanzlerin gehen.

    Der Satz "Vielleicht ist es auch die Angst vor Stimmverlusten, die die Blockade Ihrer Union erklärt. Die Befürchtung, dass sich noch mehr konservative Wählerinnen und Wähler von der CDU und CSU abwenden, wenn der Eindruck entsteht, dass Sie der SPD und der Opposition nachgeben" ist doch der Hauptgrund, warum sich zumindest vor der Wahl nichts mehr tun wird.

    Ich hoffe für Matthias, dass er wenigstens eine Antwort von Kauder erhalten wird, wenn es aller Voraussicht nach auch nicht zum gemeinsamen Kaffeekränzchen kommen wird.
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#3 JadugharProfil
  • 06.04.2017, 17:46hHamburg
  • Antwort auf #2 von Laurent
  • Bleibt nur noch zu hoffen, daß Herr Kauder darauf eingeht. Betonen doch diese Politiker stets immer, wie wichtig Dialoge sind. Einer Dialogsverweigerung bezüglich den Homosexuellen zustehenden Gesetzen, die für Heterosexuelle selbstverständlich sind, würde nur zeigen, wessen Geistes Kind er ist und als Politiker ein Taugenichts ist.
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#4 wiking77
#5 kölnfanAnonym
  • 06.04.2017, 19:06h
  • Antwort auf #4 von wiking77
  • Sicher...

    goo.gl/QIbEyX

    Meist kneifen solche Gentlemen wenn es "hart auf hart" werden könnte und Vorwürfe im Raume stehen, die die eine Seite vehement bestreitet und die andere Seite immer und immer wieder bekräftigt.

    Tee oder Kaffee, Kuchen oder Plätzchen, Milch oder Zucker?

    Ich bin gespannt...
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#6 FreigeistAnonym
  • 06.04.2017, 20:01h
  • Wenn ich die Ehe für Alle nur erringen kann, wenn ich dafür beweisen muss, dass ich "genauso spießig" wie alle anderen sein kann, dann will ich sie nicht haben.
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#7 OrthogonalfrontAnonym
#8 FreigeistAnonym
#9 OrthogonalfrontAnonym
#10 Flieder07Anonym
  • 06.04.2017, 21:44h
  • Antwort auf #6 von Freigeist
  • Ich glaube Du hast da etwas wirklich nicht verstanden. Es gibt wirklich 100 derte von Homosexuellen Paaren, die ganz normal wie Heteropaare zusammen Leben, manche spiesig manche nicht und sie machen das so weil sie es so wollen und nicht weil sie gezwungen werden. Das was in den Medien TV an Schwul gezeigt wird ist nicht die Realität. Wer nicht Heiraten will muss es auch nicht, aber wer Heiraten will der sollte es auch tun können, unabhänging davon ob jemand Homosexuell oder Heterosexuell ist. Menschen die seid Jahrzenten für alle Homosexuelle kämpfen trittst du mit Füßen, nimmst aber alles in Anspruch was Hart erkämpft wurde. Schon mal was von Solidarität gehört?
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