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Horror-Utopie aus Frankreich

Der Rollback-Roman: Nach der Ehe für alle kam die Rosa Raute

Im neuen Jugendbuch "Väterland" leben homosexuelle Paare in einem Ghetto und werden vom Staat und der "Liga für die Werte der Familie" schikaniert.


Ausschnitt aus dem Cover: Homosexuelle Paare müssen in einem speziellen, überwachten Stadtviertel leben und ihre Kleidung mit einer Rosa Raute markieren (Bild: Mixtvision)

Mit seinem bewegenden Jugendbuch "Väterland" hat Christophe Léon eine Zukunft entworfen, die an eine gar nicht so ferne Vergangenheit erinnert. Sein Roman spielt in einem nicht näher datierten Frankreich mehrere Jahre nach Öffnung der Ehe. Doch mittlerweile ist Homosexualität verboten. Lesbische und schwule Ehepaare wurden enteignet und müssen in einem speziellen, überwachten Stadtviertel leben und ihre Kleidung mit einer Rosa Raute markieren.

Im Mittelpunkt dieser Horror-Utopie steht das Mädchen Gabrielle kurz vor ihrem 13. Geburtstag. Im Alter von sechs Monaten wurde das aus Somalien stammende Kind von dem schwulen Paar George und Phil adoptiert. Um ein Geschenk zu Gabrielles Geburtstag zu finden, riskieren die Väter alles und fahren ohne Passierschein aus dem Ghetto in die Stadt. Doch nachdem sie einen Autounfall gebaut haben und dadurch die Aufmerksamkeit vermeintlich rechtschaffener Bürger auf sich gelenkt haben, können sie niemandem mehr vertrauen.

Zugang nur für "traditionelle Familien"

In zahlreichen eingewobenen Rückblenden erzählt Gabrielle von dem früheren Leben der einst wohlsituierten Künstlerfamilie, dem Wandel der gesellschaftlichen Normen und Werte und den entsprechenden Änderungen der Gesetzeslage. Sie und ihre Väter dürfen etwa Orte, die mit dem Prädikat "Traditionelle Familie" gekennzeichnet sind, nicht mehr betreten. Nicht nur Behörden verfolgen die Einhaltung der neuen Gesetze, auch private Initiativen von Homo-Gegnern beteiligen sich an der aktiven Ausgrenzung. So auch die "Liga für die Werte der Familie", die die Einweisung von Lesben und Schwulen in die Psychiatrie fordert.

Das Rollback-Szenario des in Frankreich bekannten Jugendbuchautors Christophe Léon zeigt die Willkür bei der Wahl der Opfer der Diskriminierung, den fragwürdigen offiziellen Argumentationsrahmen und die Funktion der Ausgrenzung für politisches Machtstreben. Das schließt einen Blick auf die Selbstgefälligkeit jener ein, die für die "traditionelle Familie" eintreten und deren typisches Argumentationsmuster "Ich bin ja liberal, aber …" im Roman immer wieder ausbuchstabiert wird.

Empfohlen für den Einsatz in der Schule

Was uns besonders freut: Der Mixtvision Verlag empfiehlt "Väterland" für den Einsatz in der Schule in den Klassenstufen acht bis zehn und hat dafür eigene Unterrichtsmaterialien (PDF) entwickelt. "Alle Themen und Inhalte dieses bewegenden Romans sind natürlich Fiktion, aber sie gründen auf tatsächliche gesellschaftliche und politische Kräfte, die unsere Zeit bestimmen oder mitbestimmen", heißt es darin. "Insofern ist diese Dystopie ein zutiefst politischer und gesellschaftskritischer Roman. Damit ist er zugleich übertragbar auf die Ausgrenzung jeglicher gesellschaftlichen Gruppe – wenn es denn dem politischen Kalkül entspricht."

Daneben verweist "Väterland", zumindest darf man als Leser diese Hoffnung hegen, auf den möglichen zivilen Widerstand. Dies drückt sich zum einen in den Verhaltensweisen der ins Getto gezwungenen Regenbogenfamilien aus, wenn sie ihre Feste feiern, Regeln versuchen zu umgehen oder sich gegenseitig Hilfe gewähren. Im Miteinander der Getto-Bewohner verweist der Roman auf die Kraft des Zusammenhalts in einer Schicksalsgemeinschaft. (cw/pm)

Infos zum Buch

Christophe Léon: Väterland. Jugendbuch, empfohlen ab 14 Jahren. Deutsch von Rosemarie Griebel-Kruip. 116 Seiten. Mixtvision Mediengesellschaft. München 2017. 9,90 € (ISBN 978-3-95854-095-8). Kindle-Edition: 7,99 €
Wöchentliche Umfrage

» Wir groß ist die Gefahr eines Rollbacks für LGBTI-Rechte in Deutschland?
    Ergebnis der Umfrage vom 10.04.2017 bis 17.04.2017


#1 Julian SAnonym
  • 08.04.2017, 15:35h
  • Ich fürchte, dass wir gar nicht so weit davon entfernt sind, wenn sich nicht ganz schnell etwas ändert...

    Religiöse Fanatiker wollen ja schon das Recht, uns aus Geschäften auszuschließen.

    Und die Kirche feuert uns aus Kindergärten, Krankenhäusern, etc. die zwar vom Staat finanziert werden, wo aber die Kirche ihren Namen gibt, um ohne Geldeinsatz als barmherziger Samariter dazustehen.

    Und viele Jobs bekommt man erst gar nicht, wenn man nicht die richtige Religion vorweisen kann.

    Und erst vor kurzem gab es ja die Diskussion, ob ein Kindergärtner schwul sein darf, was dann einem Berufsverbot gleich käme.

    Etc. etc. etc.

    So weit sind wir also nicht mehr von dieser Dystopie entfernt...

    Deshalb ist es höchste Zeit, endlich gegenzulenken und dafür zu sorgen, dass die Fortschritte der letzten 50 Jahre nicht wieder von irgendwelchen Fanatikern zurückgedreht werden.

    Und dazu gehört auch, dass wir keine Parteien mehr wählen, die uns weiterhin diskriminieren. Und natürlich auch keine Schoßhündchen-Parteien, die das diesen Parteien erst ermöglichen.
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#2 MirWirdUebelAnonym
#3 RobinAnonym
  • 08.04.2017, 15:55h
  • Antwort auf #2 von MirWirdUebel
  • 1.
    Wie kommst Du darauf, dass nur die Linkspartei auf unserer Seite steht?

    2.
    Auch die Linkspartei kritisiert Russland, wo Kritik nötig ist. Aber sie will halt nicht die Türe komplett zuschlagen, weil sie keinen neuen kalten Krieg will.

    Ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber ich habe noch die Zeit der Mauer, des Ostblocks und des kalten Kriegs bewusst erlebt. Und sowas will ich nicht nochmal.

    Ich bin der Meinung, dass Reden besser ist als gleich wieder mit Bergen von Atomwaffen zu drohen.

    Nichts anderes will die Linke. Und was LGBTI-Rechte betrifft oder z.B. auch die Einschränkung der Macht von Religionen, soziale Fairness, Abrüstung, etc. ist keine andere Partei so fortschrittliche wie die Linken.
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#4 MirWirdUebelAnonym
  • 08.04.2017, 16:07h
  • Antwort auf #3 von Robin
  • "Wie kommst Du darauf, dass nur die Linkspartei auf unserer Seite steht?"

    Ja ich weiß, die Grünen auch noch.....
    Palmer, Kretschmann und all die anderen Schwarz-Grün Fans werden in einer Koalition mit der Raute unsere Gleichstellung massiv vorantreiben.
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#5 MirWirdUebelAnonym
  • 08.04.2017, 16:15h
  • Antwort auf #3 von Robin
  • "Ich weiß nicht, wie alt Du bist.."

    Viel zu alt... Ich will auch keinen kalten Krieg mehr. DIn Entspannungspolitik der 70er von der Union noch aufs Schärfste bekämpft war im Gegensatz zu manch einer politischen Entscheidung der letzten Jahre wirklich alternativlos.

    Nur die Linkspartei ist wirklich nicht der Vertreter einer seriösen Politik gegenüber Putin.
    Dazu haben sie noch viel zu viele Leute in ihren Reihen, die Russland nicht als das sehen, was es ist. EIne gelenkte Scheindemoktatie mit einem bürgerlichen Zaren an der Macht, der Territorialansprüche nach seinem Gutdünken vertritt.
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#6 orchidellaProfil
  • 08.04.2017, 18:40hPaderborn
  • Antwort auf #3 von Robin
  • Auch die Linkspartei kritisiert Russland, wo Kritik nötig ist.
    Nenne doch mal ein (nur ein!) Beispiel, wo sich die LINKE vom Putinregime, das Homophobie zur Staatsräson erhoben hat, distanziert hätte. Wann und wie hat die LINKE LGBT-AktivistInnen, die in Russland massiver Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt sind, jemals aktiv unterstützt?
    Sucht man auf der Homepage der Frau Wagenknecht nach kritischen Äußerungen zu den Verhältnissen in Russland, findet man immer nur die eine, stereotyp wiederholte Äußerung: Natürlich ist Russland ist ein Oligarchen-Kapitalismus ebenso wie die USA. Aber Putin eben alternativlos. (RP vom 17.5.2016) Das ist keine Kritik, sondern blanker Zynismus, der übrigens auch an den Fakten völlig vorbeigeht: In den USA gibt es - wie in den letzten Wochen und Monaten zu erleben war - eine starke Opposition, die jederzeit die Regierungsverantwortung übernehmen könnte, kritische Medien, eine funktionierende Gewaltenteilung, eine Staat unabhängige Justiz, eine starke Zivilgesellschaft - ganz im Gegensatz zum autokratischen Putinregime, das jede Opposition im Keim erstickt.
    Müsste es der LINKEN nicht zu denken geben, dass Putin den Rechtspopulismus in ganz Europa aktiv unterstützt - und umgekehrt - man denke an Le Pen und Petry, denen im Kreml der rote Teppich ausgerollt wird? Man ist sich eben einig in den reaktionären Grundüberzeugungen: Antiliberalismus, Nationalismus, Fremdenhass, Intoleranz und eine knallharte Interessenpolitik, die buchstäblich über Leichen geht. Das ist der gemeinsame Wertekanon einer neuen faschistischen Internationale. Die LINKE täte im Interesse ihrer eigenen Glaubwürdigkeit gut daran, sich von diesem braunen Gebräu zu distanzieren.
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#7 TheDadProfil
  • 08.04.2017, 21:28hHannover
  • Antwort auf #2 von MirWirdUebel
  • ""Die stellt uns dann erst mal gleich, bis wir dann in Wladimirs Zarenreich in genau diese Ghettos von denen on diesem Buch die Rede ist, gesperrt werden.""..

    Wie kommt man jetzt auf die Idee die Linkspartei würde als Ziel die "wiedervereinigung mit einem zarenreich" anstreben ?

    "weil das schon immer so war" ?

    Wer tut, "weil das immer schon so war", kann man hier nachlesen :

    www.queer.de/detail.php?article_id=28606
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#8 TheDadProfil
  • 08.04.2017, 21:42hHannover
  • Antwort auf #6 von orchidella
  • ""Nenne doch mal ein (nur ein!) Beispiel, wo sich die LINKE vom Putinregime, das Homophobie zur Staatsräson erhoben hat, distanziert hätte.""..

    11. Juni 2013

    ""In einer ersten Reaktion zeigte sich die queerpolitische Sprecherin der Linken, Barbara Höll, entsetzt über die Verabschiedung des Gesetzes. Das Verbot von "Homo-Propaganda" sei ein Skandal und komme "einem faktischen Verbot der Homosexualität gleich": "Die Konsequenzen des Gesetzes sind verheerend. In den russischen Regionen, in denen das Gesetz existiert, ist de facto jede Äußerung zu Homo- oder Transsexualität untersagt. Die russische Regierung schürt gezielt den Hass auf sexuelle Minderheiten. So hat es im letzten Monat zwei Morde an Schwulen gegeben. Wir müssen und werden die Menschen in Russland unterstützen, die sich für demokratische Verhältnisse und Akzeptanz der sexuellen Vielfalt einsetzen. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, die Menschenrechtssituation von sexuellen Minderheiten gegenüber der russischen Regierung deutlich zur Sprache zu bringen. Das Gesetz ist mittelalterlich und muss gekippt werden." ""..

    www.queer.de/detail.php?article_id=19414

    Oder auch 17.12.2014 :

    www.neues-deutschland.de/artikel/955836.linke-kritisiert-aus
    grenzung-von-schwulen-in-russland.html


    ""Sucht man auf der Homepage der Frau Wagenknecht ""..

    Es wäre nett die ""Hompage der Frau Wagenknecht"" nicht mit der politischen Arbeit der Partei der Linken gleichzusetzen..
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#9 Homonklin44Profil
  • 09.04.2017, 09:36hTauroa Point
  • Liest sich nach einer Geschichte, welche die Vorstellung der "besorgten Eltern" bis hin zur AfD und übertragbaren Alnleihen aus der Vergangenheit ziemlich nah illustriert. Rosa Winkel hatten wir schon.

    Warnhinweise zu einer Zeit, die solche Entwicklungen immer noch möglich macht. Möglich belässt.
    Ein Hinweis mehr dazu, die Wirkungsmechanismen aufzudröseln und die Stellen zu beobachten, welche sich solche Vorstellungen wünschen.

    In der heutigen Zeit wäre dann ein unauffälliges Leben ob der ganzen Einbindung in die digitale Ebene kaum noch möglich, und sowohl die offen lebenden, als auch die verdeckt Lebenden wären automatisch Bewohner des Ghetto.
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#10 Paulus47Anonym
  • 09.04.2017, 09:40h
  • "Mit seinem bewegenden Jugendbuch "Väterland" hat Christophe Léon eine Zukunft entworfen, die an eine gar nicht so ferne Vergangenheit erinnert." [..]

    Ja es kann an die Vergangenheit erinnern; insbesondere an die schreckliche Nationalsozialmismuszeit zwischen 1933 und 1945 in Deutschland.

    Es kann aber auch vor eine mögliche Zukunft warnen, falls der Islamismus , der Salafismus oder der strenge saudi-arabische Wahhabismus die Oberhand in Deutschland bekommen würden. Leider wird dieses Thema von grün-linken Aktivisten insbesondere von grün-linken Aktivisten nicht Ernst genommen und sie verwechseln diese Kritik an TEILEN des Islam mit Islamophobie. Mitunter sind es selbst Moslems, die dann diese Karte des Islamophobievorwurfes spielen, weil sie jede Kritik an ihrer Religion verbieten wollen, selbst wenn diese sich nur gegen Teile des Islams, insbesondere gegen den Islamismus, Salafismus und Wahabismus wendet.

    Und erstaunlich finde ich daran immer, dass die gleichen linkg-grünen Aktivisten mit Kritik an der Vatikanleitung oder am Katechismus SOFORT und IMMER sich melden, auftauchen und dies thematisieren, aber beim Islamismus, Salafismus oder saudi-arabischen strengen Wahabismus sich nicht melden und stattdessen mit Islamophobievorwürfen arbeiten. So herrscht eine massive Schlagseite bei der LGBT-Aktivismusarbeit und deswegen ist auch eine solche Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen, in der dann eine strenge wörtliche Auslegung des Korans genau zu diesen Entwicklungen führen kann..

    Während LGBT-Aktivismus zumindest in vielen Teilen des Christentums die christlichen Kirchen ("nicht den Vatikan oder orthodoxe Kirchen Osteuropas") zu LGBT-freundlichen Kirchen verändert hat, wo homosexuelle Paar eine kirchliche Trauung oder zumindest einen öffentlichen Segnungsgottesdienst erhalten können, gab es bis heute keine Trauung oder zumindest einen Segnungsgottesdienst in irgendeiner muslimischen Gemeinde in Deutschland. Dafür wurden aber über Hunderte von Menschen an deutschen Moscheen derart radikalisiert, dass sie in den Dschihad nach Syrien gezogen sind.
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