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Präexpositions-Prophylaxe (PrEP)

Schottland: Pille zum Schutz vor HIV bald kostenlos erhältlich

HIV-Negative, die ein höheres Risiko für eine HIV-Übertragung haben, sollen sich in Schottland künftig mit einer täglichen Pille schützen können.


Das Medikament Truvada kann HIV-Negative davor schützen, sich mit dem Virus anzustecken

Der staatliche Gesundheitsdienst in Schottland hat am Montag bekannt gegeben, dass Personen mit einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion im nördlichsten britischen Landesteil künftig die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) kostenlos erhalten können. Gegenwärtige Präventionsmethoden seien in den letzten zehn Jahren nicht erfolgreich gewesen, die Ausbreitung von HIV in Schottland zu reduzieren, so die Begründung.

Aids-Aktivisten hatten bereits seit längerem für die Einführung von PrEP geworben. Deborah Gold, die Chefin des National Aids Trust (NAT), begrüßte daher die Entscheidung Schottlands als "bahnbrechend". "Dieses Präventionsmittel hat das Potenzial, die HIV-Rate in Schottland massiv zu reduzieren", so Gold. Sie erklärte, dass die Einnahme von PrEP weit billiger für das Gesundheitssystem sei, als HIV-Positive ein Leben lang zu behandeln. In England weigert sich der Gesundheitsdienst allerdings bislang, das Mittel kostenlos anzubieten (queer.de berichtete).

Bei der PrEP handelt es sich um ein vorbeugendes HIV-Medikament, das die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf praktisch null senkt. Es soll vor allem an Personen mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung, darunter an schwule Männer mit häufig wechselnden Sexpartnern, ausgegeben werden. Die Europäische Kommission hatte erst im August die Einführung des Aids-Medikamentes Truvada als PrEP zugelassen (queer.de berichtete).

Truvada, das die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin enthält, ist bereits ein etabliertes Medikament: Es wird in Europa seit 2005 bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen. Außerdem kann Truvada bei HIV-Negativen als Post-Expositionsprophylaxe in Kombination mit einem anderen Medikament angewendet werden, wenn es binnen 24 Stunden nach einem Risikokontakt eingenommen wird. Was den Einsatz als Prophylaxe betrifft, so hat in Europa bislang lediglich Norwegen die kostenlose Abgabe an HIV-Negative beschlossen (queer.de berichtete).

Deutsche Krankenkassen zahlen bislang nicht

In Deutschland ist das Medikament zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion verordnungsfähig, allerdings kommen die Krankenkassen nicht für die Kosten auf. Da eine Monatsration mit über 800 Euro zu Buche schlägt, ist die PrEP für die meisten Menschen nicht erschwinglich. Aids-Aktivisten und -Organisationen, darunter die Deutsche Aids-Hilfe, fordern aber bereits seit längerem die Erstattung durch Krankenkassen, außerdem müsse der Produzent die Preise senken.

Prof. Dr. Georg Behrens, der Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft, argumentierte vergangenes Jahr: "[Die PrEP] bewahrt Menschen vor HIV und kann damit auch Folgekosten für das Gesundheitssystem sparen. Zugleich verhindert ein regulärer Zugang, dass Menschen sich die PrEP auf eigene Faust beschaffen und sie ohne ärztlichen Beistand anwenden, womit erhebliche Risiken verbunden sind."

In den USA gilt PrEP seit der Zulassung vor fünf Jahren als Erfolgsgeschichte. Dort hat die Gesundheitsbehörde CDC empfohlen, dass Menschen mit besonders hohem Risiko das Medikament einnehmen sollten – darunter laut CDC rund ein Viertel der sexuell aktiven Schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind (queer.de berichtete). (dk)



#1 MickAnonym
  • 11.04.2017, 15:51h
  • Es ist schon erstaunlich und herabwürdigend wie rückständig Deutschland in so ziemlich allem was die LGBT Community betrifft ist. Wie kann es sein, dass im Jahr 2017 in der "ach so toleranten" Bundesrepublik immer noch keine Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare erfolgt ist, oder eben PrEP durch die Krankenkassen zur Vorbeugung einer Ansteckung mit HIV mit(finanziert) wird?

    Während sich Deutschland in manchen Bereichen mit fragwürdiger Toleranz teilweise schon übertrieben verhält, bewegt es sich bezüglich LGBT Rechte immer mehr rückwärts, bzw. stagniert geradezu. Zudem geht es Deutschland finanziell/wirtschaftlich so gut wie wohl nie zuvor.

    Mit der Merkel/Kauder Truppe wird das alles auch so weiter gehen. Für mich persönlich ein sehr entscheidender Grund warum ich mittlerweile eine Lokalisierung ins Ausland favorisiere.
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#2 FelixAnonym
  • 11.04.2017, 16:09h
  • Sehr vorbildlich!

    So sollte das auch in Deutschland sein. Alleine schon aus wirtschaftlichen Gründen - denn eine Behandlung von HIV-Positiven ist viel teurer.
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#3 ollinaieProfil
  • 11.04.2017, 17:24hSeligenstadt
  • "... fordern aber bereits seit längerem die Erstattung durch Krankenkassen, außerdem müsse
    der Produzent die Preise senken. "

    Ja, das Pharmakonzerne Produkte, besonders solche auf die sie noch "Patentschutz" haben zu mehreren 100% über Herstellungskosten verkaufen sollte gesetzlich sanktioniert werden, und zwar für alle Produkte.

    Aber Mutti's laden ist ja bekanntlich Lobbyhörig: Das der angegebene Benzinverbrauch (und folglich Abgasausstoß) reine Verarsche sind wurde schon vor 20 Jahren diskutiert und hat keine deutsche Regierung gekratzt und würde es noch heute nicht, wenn die USA nicht reagiert hätten.

    Des weiteren können Krankenkassen mit dem Hersteller ja einen niedrigen Preis bei garantierten Abnahmemengen vereinbaren.

    Prinzipiell begrüße ich alle Möglichkeiten, die die HIV-Ausbreitung reduzieren können. Ein Wundermittel wird PrEP aber auch nicht sein, auch dabei muß man ein minimum an Hirnschmalz aktivieren. Wie sicher hilft PrEP wenn mensch dauerblau oder -verstrahlt ist?

    Außerdem: Sicherer wird Sex mit PrEP nur, wenn mensch es selbst einnimmt, denn der ONS kann einem schließlich viel erzählen, wenn die Nacht lang und der Schwanz hart ist!
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#4 BuntUndSchönAnonym
#5 ursus
  • 11.04.2017, 18:00h
  • Antwort auf #1 von Mick
  • "Wie kann es sein, dass im Jahr 2017 in der "ach so toleranten" Bundesrepublik immer noch keine Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare erfolgt ist, oder eben PrEP durch die Krankenkassen zur Vorbeugung einer Ansteckung mit HIV mit(finanziert) wird?"

    die verantwortung liegt natürlich vor allem bei der politik (die "wir" gewählt haben).

    allerdings muss man wohl einräumen, dass wir vermutlich eine bessere lobby für hiv und prävention hätten, wenn nicht sogar große teile der schwulen community alles verteufeln würden, was mit hiv und schwulen sexuellen infrastrukturen zu tun hat, üble ressentiments gegenüber hiv-positiven menschen leider oftmals eingeschlossen.

    würden wir da alle an einem strang ziehen, wäre manches vielleicht schon früher passiert.
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#6 NorddeutscherAnonym
  • 11.04.2017, 18:44h
  • Antwort auf #1 von Mick
  • "Es soll vor allem an Personen mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung, darunter an schwule Männer mit häufig wechselnden Sexpartnern, ausgegeben werden"

    Warum soll die Allgemeinheit dafür bezahlen, dass einige wenige auf jedem Parkplatz eine Rammelrunde abhalten? Man kann sich auch ohne Pillen schützen - wenn man will. Ich bin nicht bereit, den verantwortungslosen Lebensstil einiger weniger über meine Beiträge zu finanzieren.
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#7 ursus
  • 11.04.2017, 19:24h
  • Antwort auf #6 von Norddeutscher
  • "Ich bin nicht bereit, den verantwortungslosen Lebensstil einiger weniger über meine Beiträge zu finanzieren."

    davon abgesehen, dass es das genaue gegenteil von verantwortungslosigkeit ist, wenn man sich vor infektionen schützt: die alternative zur kostenübernahme besteht darin, eine höhere zahl von infektionen in kauf zu nehmen und dafür im effekt noch mehr zu zahlen.

    nicht unbedingt die pfiffigste entscheidung, wenn man mich fragt.

    übrigens sind es natürlich genau solche kommentare, die ich oben im hinterkopf hatte.
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#8 Patrick33Anonym
  • 11.04.2017, 19:55h
  • Wieso soll eigentlich der Beitragszahler für unseren Sexspass bezahlen nur weil die Schwulen meinen sie wollen kein Gummi nehmen?Irgendwo hörts auch mal auf! Wenn ich im Freundeskreis höre wer alles so von einer zur nächsten Sexparty rennt um sich da vollaufen zu lassen müsste seine Therapie selbst zahlen wenn er sich dort HIV holt!
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#9 CurrywurstAnonym
  • 11.04.2017, 20:09h
  • Finde ich schon etwas krass von vielen Schwulen sich den ungeschützten Sexspass von der Allgemeinheit finanzieren lassen zu wollen. Ich bin gewiss nicht spiessig ,aber jeder junge Mensch weiss wie HIV übertragen wird,also muss man sich schützen. Und wer es trotzdem blank will soll eben die Pep selbst zahlen. Man kann nicht immer nur fordern!
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#10 ursus
  • 11.04.2017, 20:14h
  • Antwort auf #8 von Patrick33
  • "müsste seine Therapie selbst zahlen wenn er sich dort HIV holt!"

    das erste problem bei dieser idee ist, dass wir eine sexpolizei benötigen, die uns alle in jeder minute überwacht und dann entscheiden kann, wer sich "fahrlässig" infiziert hat und wer nicht.

    das zweite ist, dass fast niemand aus eigener kasse eine therapie bezahlen könnte. die folge wäre also nicht nur, dass die infizierten unbehandelt blieben und qualvoll krepieren würden, sondern auch, dass sich beim sex mit ihnen, da unbehandelt mit einer hohen virenlast unterwegs, vorher noch viele weitere menschen infizieren könnten.

    irgendwann hätten wir hiv-raten wie einige afrikanische länder.

    auch nicht unbedingt die rationalste idee.

    wie wäre es einfach mal mit solidarität und vernunft?
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