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Sprühen für alle

Der Aufstieg von Unisex-Düften

Muss ein Parfüm nach Männlein oder Weiblein riechen? Nein! Die Idee, dass je nach seinem Geschlecht unterschiedlich riechen muss, ist Nonsens.


Die Welt der Düfte ist vielfältiger als so mancher glaubt (Bild: Vetiver Aromatics / flickr)

In den Neunzigern startete ein neuer Trend: Große Namen brachten geschlechtsneutrale Parfüme heraus und revolutionierten damit die Duft-Industrie. Zuvor hatte die Maxime gegolten, dass eine Mischung aus Vanille oder delikaten Düften aus Blüten oder Früchten nur von Frauen getragen werden kann, während Männer nach Gewürzen, Rauch und Holz riechen sollten. Es war höchte Zeit, auch beim Parfüm überholte Rollenklischees wirklich zu überwinden.

Einen "natürlichen" männlichen oder weiblichen Geruch gibt es nicht. Unsere Kultur hat uns nur von Kindesbeinen an beigebracht, dass man bzw. frau so riechen muss. In der queeren Community ist aber bereits früh drauf gesetzt worden, sich diesem Zwang zu entziehen oder mit ihm zu spielen. Warum kann der Gast einer schwulen Cowboybar nicht nach Rosen riechen? Oder warum muss sich die unabhängige Lesbe dem Frauenduft-Klischee unterwerfen? Mit Marken wie "Eau Mo Pour Gay" kamen sogar eigene Homo-Düfte auf den Markt.

Heute hilft die androgyne Mode und der Wandel der Geschlechterrollen dabei, die überkommenen Klischees auch in die Gesamtgesellschaft zu tragen. Unisex-Parfüme wie Bvlgari Black bieten etwas für jeden und jede.

Der Duft als persönliche Sache

Die Pioniere dieser geschlechterblinden Düften waren Calvin Klein und Comme des Garçons. Das führte dazu, dass diese Marken für viele Kult sind. Heute sind viele weitere Luxus-Marken auf den Trend aufgesprungen, darunter etwa Tom Ford oder Chanel. Seit 2006 wurde auch Escentric Molecules ein Phänomen – die Macher wollten Geschlechtergrenzen einreißen und den Duft zu einer persönlichen Sache machen, unabhängig davon, ob man als Baby in Rosa oder Blau gekleidet war.

Heutzutage gehören Parfüms wie Serge Lutens zu den am meisten gelobten und populärsten Unisex-Düften. Aber auch viele kleine Marken versuchen, in diesen Markt einzubrechen und den Duft immer neu zu revolutionieren.

Das kann auch subversiv sein: Immerhin machte sich Russland Sorgen, dass eine Werbekampagne für das Unisex-Parfüm Calvin Klein CK One Homo-"Propaganda" sein könnte (queer.de berichtete).

Freilich haben wir noch einen weiter Weg vor uns: Zwar sind die Kunden heute offener, wenn es um Unisex-Düfte geht, aber der konventionelle männliche oder weibliche Duft ist immer noch vorherrschend. Selbst das queere Eau de Perfume "Tom of Finland" setzt ausschließlich auf "echte Kerle". Zudem ist es für die Macher schwierig, den Geschmack zu treffen, damit die Kunden nicht nur "neutral" riechen – wie die Mode ist auch die Duft-Industrie einem steten Wandel unterworfen. (cw)