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Von Intoleranz, Magie und erster Liebe

15 queere Geschichten für den guten Zweck

Zum Geburtstag ihres Literatur-Blogs "Like a Dream" hat die Autorin Juliane Seidel eine sehr gelungene Benefiz-Anthologie herausgegeben.


Ausschnitt aus dem Cover: Für jedes Blogjahr gibt es eine spannende Geschichte
  • Von Frank Hebenstreit
    15. April 2017, 11:37h, noch kein Kommentar

15 Jahre sind eine ganz schön lange Zeit oder eben ein Wimpernschlag in der Geschichte – das kommt immer darauf an, wie man es betrachtet. Das Bücher-Blog "Like a Dream" der Autorin Juliane Seidel hat nun diese 15 Jahre vollendet, und sie hat sich entschieden, dies gebührend zu feiern.

Herausgekommen ist eine Benefiz-Anthologie. Das Wort an sich ist ja selbst erklärend. Sie hat also eine Sammlung von Geschichten zusammen getragen und diese in eine Reihenfolge gebracht. Den Erlös aus dem Verkauf behält sie nicht selbst, sondern lässt diesen einem guten Zweck zukommen. Soweit so gut, bleibt nur die Antwort auf die Frage zu suchen, ob es ein lohnendes Gesamtkonzept ist. Diese ist allerdings denkbar einfach: aber sowas von!

Der gefesselte Zuhörer

Ein durchaus verträumter Ich-Erzähler sitzt, wie jeden Mittwoch, in einem Lokal und beobachtet einen jungen Mann, der auf einer kleinen Bühne öffentlich Gedichte vorträgt. Na ja, wie fast jeden Mittwoch, denn letzte Woche war er mal nicht da. Wollte sich dem Bann entziehen. Hat aber nicht wirklich geklappt. Also setzt er sich wieder und wieder in die "Vorstellung". Er beobachtet, saugt jede einzelne Bewegung mit den Augen auf und möchte sie sofort noch mal sehen. Und wieder macht sich der geheimnisvolle Kerl nach seinem Auftritt sofort aus dem Staub.

Diesmal allerdings nicht soweit, wie befürchtet. Es kommt zu einer ersten zarten Begegnung zwischen dem Zuhörer und dem jungen Mann. Der Zauber der ersten "echten" Begegnung wird jedoch bald zerstört. Wird es ein Wiedersehen geben? Und wenn? Welche Chancen liegen vor den beiden? Gemeinsam oder doch jeder für sich? Wie gut, dass Autorin Karo Stein all diese Fragen beantwortet.

Mobbing in der Schule


"Nenn mir deinen Helden" ist ein Konzept, das eine alte Lehrerin an der Schule etabliert hat. Alle drei Wochen stellt ein Schüler oder eine Schülerin seinen oder ihren persönlichen Helden vor. Und dann geht die Arbeit los. Alle in der Klasse müssen sich über diesen Helden zwei Wochen lang informieren. In der dritten Woche wird dann über ihn diskutiert. Heute trifft es Mailo Steward, den Jungen, der erst vor zwei Jahren hergezogen ist. Sein Held ist ein Mann, der für sein Eintreten für Lesben- und Schwulenrechte in Uganda sein Leben lassen musste.

In den kommenden zwei Wochen beginnt etwas, was Mailo so nicht absehen konnte, aber irgendwie auch zu erwarten war. Seine Mitschüler halten ihn für schwul, und schon erfährt er vieles von dem, was junge Schwule so von einem intoleranten und kleinstädtischen Umfeld zu erwarten haben. Aber Autor Jobst Mahrenholz lässt aus diesem ganzen Chaos plötzlich auch schöne Momente wachsen, bis hin zu einer ganz besonderen Überraschung.

Magie und Liebe

Nazar und Kiama haben eine ganz besondere Gemeinsamkeit. Keiner von den beiden kann Magie alleine einsetzen. Nur zusammen sind sie in der Lage dazu. Um diese Fähigkeiten in die richtigen Bahnen zu lenken, sind beide in der Lehre bei Shamalla, der Meisterin. Und ganz Lehrmeisterin hat sie die jungen Männer mit Lehrstoff und Aufgaben überhäuft.

Als die Meisterin jedoch für ein paar Tage fort muss, könnte sich ja vielleicht eine Möglichkeit von gemeinsamen Stunden ergeben. Noch während Nazar darüber nachdenkt, hört er Geräusche, die ihn aufschrecken. Sollte Kiama ein Schlafwandler sein? Er macht sich auf, Geheimnisse zu ergründen, deren Beantwortung er schon lange herbeisehnt. Nach 15 großartigen Geschichten (offensichtlich für jedes Jahr eine) setzt die Herausgeberin mit einer eigenen Geschichte einen veritablen Schlusspunkt.

Verschiedene Leben in verschiedenen Zeiten

Jede einzelne Geschichte ist so einzigartig wie die andere, und keine muss sich hinter einer anderen verstecken. Vielschichtig und in großer erzählerischer Bandbreite präsentiert Juliane Seidel hier verschiedene Autoren der schwulen Literatur und fügt sie zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Neben den drei genannten Autoren tauchen weitere bekannte und vielleicht weniger bekannte Namen auf. Aber genau das macht den Reiz dieses Buches aus. Es kommt nicht auf den Bekanntheitsgrad an. Der Reiz der Geschichte und das Erzählenwollen um des Lesens willen sind die zentralen Punkte in dieser wirklich gelungenen Komposition.

Nutznießer der Anthologie ist der Träger- und Förderverein LesBiSchwules Kultur- und Kommunikationszentrum Mainz. Er wird durch die Erlöse dieses Buches in seiner Arbeit für die Community und die Literatur unterstützt. Somit passt an Buch und Konzept einfach alles: Lesen, Träumen und dann auch noch Gutes tun!

Infos zum Buch

Juliane Seidel (Hrsg.): Like a Dream. Benefiz-Anthologie. 424 Seiten. CreateSpace 2016. Taschenbuch: 15 € (ISBN 978- 1539536727). E-Book: 6,99 €